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Lärmaktionsplan Markranstädt: Laut ist die A 38 noch zu leise

Mit der südlichen Luftströmung wird gegenwärtig nicht nur die warme Saharaluft auf die Haut, sondern auch der Lärm der naheliegenden A 38 an die Ohren der Räpitzer und Kulkwitzer geweht. So stehen die Bewohner dieser Markranstädter Ortschaften vor einem Dilemma, für das auch der aktuelle Entwurf eines Lärmaktionsplans (noch) keinen Ausweg liefert. Ein Bericht unseres Volkskorrespondenten aus der Süd-Redaktion.

Alltag in Räpitz und Seebenisch: Bei Südwind ist es schön warm draußen, allerdings versteht man aufgrund des erhöhten Schallpegels kaum sein eigenes Wort.

Bei Nordwind kann man sich zwar draußen aufhalten, aber die skandinavische Luft lässt die Zähne schon mal so laut klappern, dass an ein Gespräch in angenehmer Lautstärke unter freiem Himmel auch nicht zu denken ist.

So bleibt der Markranstädter Südstaatler lieber in den eigenen vier Wänden und wenn er sich trotzdem mal an den Kulki wagt, ist er sofort erkennbar. Seine Haut erstrahlt im Teint einer Kellnerjacke.

Die Weißen aus den Südstaaten

Anders sieht es bei den noch südlicher gelegenen Nachbarn aus. Die Bewohner von Schkorlopp haben die Autobahn im Norden und können so bei warmen Wetter auf der ruhig gelegenen Terrasse ein wundervolles Sonnenbad nehmen. Trotzdem ist auch so manch undankbarer Schkorlopper mit der Situation oft unzufrieden.

Der Lärmaktionsplan sagt aus: Laut ist es da noch viel zu leise.

Beim ortsansässigen Terrassen- und Liegewiesenbauer Holger Terrazzino blüht das Geschäft vor der eigenen Haustür. Hinter der Autobahn ist allerdings Schluss mit großen Absatzmärkten: „Ich würde liebend gern meine Terrassen auch in Schkeitbar oder Seebenisch bauen, aber die brauchen ja keine.

Die armen Leute haben keine Möglichkeit, eine ruhige Minute im Freien zu verbringen. Die Autobahn ist wie eine wirtschaftliche Demarkationslinie für mich. Dagegen ist der Handelskrieg mit den Amerikanern ein Kindergeburtstag“, klagt der Handwerker.

Die Bewohner der Ortschaften nahe der A 38 sind deren Lärmemissionen nahezu schutzlos ausgesetzt, da dieser Trassenabschnitt einer der wenigen ohne Schallschutzmaßnahmen ist.

In der Kernstadt wurde der Transitverkehr zwischen Südosteuroa und der Nordsee richtigerweise mit Tempo 30 gedrosselt und eine Umgehungsstraße soll in Planung sein. Doch braucht es die bald noch?

Trügerische Idylle: So beschaulich wie in der Kernstadt verläuft der Verkehrsalltag in den Ortschaften längst nicht mehr.

Pünktlich mit Einführung der Maut auf Bundesstraßen wurde die Transitzone B 186 für Reparaturarbeiten gesperrt. Während diese andauern, wird nun selbst dem ortsunkundigsten LKW-Fahrer aus dem östlichsten Osteuropa per Umleitungsstrecke gezeigt, wie er die neue Kostenfalle elegant umfahren kann.

Mit dem Passieren des LKW-Fahrverbotsschildes vor der Straße nach Thronitz fährt der orientierungslose Trucker aus Kirgisien durch die ohnehin schon lärmabgehärteten Dörfer Seebenisch und Schkeitbar über die für sämtlichen Schwerverkehr ausgelegte Schkeitbarer Allee.

Die verkehrsgeplagten Anwohner sind da sowieso schon an alles gewöhnt und der marode, mit Asphalt überzogene Feldweg, soll ja seit Jahren bald erneuert werden. Das ist doch mal europäische Verkehrspolitik mit Weitsicht!

Auf die gegenwärtige „Kennenlern-Tour“ für Mautumfahrungen durch die Markranstädter Ortschaften reagiert auch die Tiewelt mit Depressionen. Eine Suizid-Welle geht durch die heimische Fauna.

Es gibt aber ein winzig kleines Licht am Ende des Autobahntunnels. Der aufmerksame Leser der letzten Ausgabe von „Markranstädt informativ“ konnte feststellen, dass aktuell der Entwurf des Lärmaktionsplans der Stadt Markranstädt öffentlich ausliegt. Während der Auslegungsfrist können von jedermann Stellungnahmen abgegeben werden. Das ist die letzte Chance für alle Lärmbelästigten, offiziell auf die Betroffenheit aufmerksam zu machen.

Noch bis zm 24. August liegt der Entwurf des Lärmaktionsplanes im Rathaus aus und bis dahin können auch Stellungnahmen abgegeben werden. Im Internet finden Sie das Dokument hier (einfach draufklicken, der Download erfolgt automatisch).

Das mit dem Abgeben von Stellungnahmen gilt übrigens nicht nur für die 140 Personen, die laut dieses Planes vom Lärm auf der A 38 betroffen sein könnten (was sie nicht sind, weils selbst für diese auf der Autobahn viel zu leise laut ist), sondern für alle Bürger. Also auch für jene, die im Umkreis touristischer Zentren der Kernstadt wohnen.

 






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