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Markranstädter Weihnachtsmärkte: analog und besinnlich

Die Weihnachtsmärkte hierzulande haben unter dem Druck der Gastfreundschaft ihre Ausstrahlung verändert. Eingemauert in Beton-Barrieren steht der Schutz vor individuellem LKW-Transit noch weit über der Wahrung solch historischer Traditionen wie erzgebirgischer Volkskunst aus China oder koscher geschächteten Bratwürstchen aus verganem Fruchtfleisch. Aber es geht auch anders. Zumindest in Markranstädt gibt es in den kommenden Wochen richtige Alternativen im Retro-Look.

Was waren das noch für Zeiten, als der Weihnachtsmann völlig analog durch den Kamin kam. So richtig mit Sack und demzufolge als Mann freilich. Die Kinder hatten sich reihenweise befurzt vor Angst und sagten artig ihre mühsam erlernten Gedichte auf. Heute undenkbar.

Allein die gendergerechte Ansprache des Weihnachtswesens ist eine nahezu unlösbare Aufgabe geworden. Von wegen „Lieber guter Weihnachtsmann…“ Woher soll man wissen, ob sich unter der roten Burka nicht eine Weihnachtsfrau oder ein/e Diverse/r verbirgt, der/die/das sich durch solche Gedichte in seiner/ihrer Geschlechtsidentität verletzt fühlt? Am Ende ist es vielleicht sogar eine Lesbe, deren Bart echt ist und die ein prüfendes Ziehen daran mit einem Fausthieb statt der Rute beantwortet?

Diverse Weihnachtsmenschen*innen

Den richtigen Weihnachtsmann gibt’s längst nicht mehr, das wissen die Kids heute sogar schon im Kindergarten. Er hat 2016 seinen Dienst quittiert. Zu oft hat man ihn gar nicht erst in die Wohnung gelassen. Kaum den Klingelknopf gedrückt, standen bis an die Zähne bewaffnete Väter in der Tür und haben ihn erstmal gefilzt. Mantel ablegen und nach Bombengürteln abtasten lassen, danach den Sack ausleeren … da schaffst du an Heiligabend maximal zehn Haushalte.

Dieses Misstrauen hat gesellschaftlich tief verwurzelte Ursachen. Warum sollte man einem verkleideten Wesen trauen, das angeblich nur Gutes bringen will, wo doch heute jeder weiß, dass die Gaben per Drohne von Amazon ins Haus geflogen kommen? Und mehr noch: Wozu sollte ein Kind heute ein Gedicht auswendig lernen, wenn man sowas im digitalen Zeitalter vom Display des Smartphones ablesen kann?

Okay … sofern man lesen kann. Muss man aber gar nicht. Es reicht ja völlig, dem verdutzten Bärtigen das Handy hinzuhalten und ein mp3-File abzuspielen.

Lediglich die abschließende Aufforderung „So, gut nun du Opfer. Jetzt schieb mal rüber, wassu im Sack hast. Abba alles, hassu verschtanden? Sonst Fresse!“, sollte man mit eigenen Worten formulieren. Das kommt einfach authentischer.

„Advent 2018 – zu Schulungszwecken werden ihre Wünsche aufgezeichnet. Wenn sie das nicht wollen, sagen sie jetzt bitte ’nein‘! … Vielen Dank. Drücken Sie die 1, wenn Sie ein Weihnachtslied hören wollen, drücken sie die 2 … drücken sie die 9, wenn sie einfach nur einen ganz analogen Weihnachtsmarkt besuchen wollen. … Danke … Zur Bestätigung ihres Glaubens drücken sie jetzt bitte die Raute-Taste. … Sie dürfen hiermit denken, dass es den Weihnachtsmann gibt. Willkommen in Markranstädt!“

Ja, in der Tat, hier gibt es noch ganz normale Weihnachtsmärkte im Retro-Look. So richtig mit Tannenbäumen, Weihnachtsmusik und Glühwein sowie mit Zuckerwatte, gebrannten Mandeln und echten Menschen, mit denen man sich analog unterhalten kann. Dafür ohne ultimative Geschenkideen, Schutzmauern oder bartlose Plastik-Nussknacker mit Schlitzaugen in Holzdesign. Vintage nennt man diesen Trend. Nicht nur ein Ohrenschmaus für Auge und Nase.

Dass auch der Duft nach erbrochener Feuerzangenbowle hinter den Buden dazu gehört, können eh nur die Alten herausriechen. Romantische Erinnerungen an die eigene Jugend. Den Kids der heutigen Generation sagt man einfach, dass es sich um einen humanoiden Download handelt und sie werden den Haufen dann sogar bestaunen und ihn auf Instagram teilen. Weihnachtsmärkte in Markranstädt bieten damit Spaß für die ganze Familie.

In der Kernstadt kann man sogar einer Andacht des Pfarrers beiwohnen und damit zumindest rein physisch seine grundsätzliche Zustimmung zu den Werten des christlichen Abendlandes zum Ausdruck bringen. Selbst für Frauen steht die Kirche nach wie vor offen und seine Schuhe darf man auch anbehalten. Hier werden die Glocken noch geläutet und nicht die Jingles gebellt. Hach, wie früher…

Ad- oder Event? Suchen Sie es sich selbst aus. In Markranstädt gibts in den kommenden Wochen genügend Möglichkeiten, um bei Glühwein und Stollen gutnachbarschaftliche Beziehungen zu pflegen.

Analoge Weihnachtsmärkte in und um Markranstädt

Wer sich einen romantischen Weihnachtsmarkt ohne Betonbarrieren und Reizüberflutung aus diversen Lautsprechern („So viel Heimlichkeit … unterm Weißröckchen … hab nicht mal den Bär gefunden…“) nicht entgehen lassen möchte, sollte sich folgende Termine notieren:

  • Sonntag, 2. Dezember ab 15 Uhr: Weihnachtsmarkt in Döhlen (FFW am Rittergut)
  • Samstag, 8. Dezember ab 14 Uhr: Weihnachtsmarkt in Markranstädt (Marktplatz)
  • Sonntag, 9. Dezember ab 16 Uhr: Weihnachtsmarkt in Seebenisch (Restaurant Göpfert)
  • Freitag, 14. Dezember ab 15 Uhr: Weihnachtsmarkt in Altranstädt (Gaststätte Haugk)
  • Samstag, 15. Dezember ab 15 Uhr: Weihnachtsmarkt in Altranstädt (Gaststätte Haugk)

Ausschau halten

Sicher gibt es auch in anderen Ortschaften der Stadt hier und da vorweihnachtliche Nachbarschaftstreffen, zumal dort unter diesem Begriff noch das verstanden wird, was er eigentlich bedeutet. Einfach mal Augen und Ohren offenhalten und hingehen.

In diesem Sinne: Das gesamte MN-Team wünscht Ihnen eine frohe und besinnliche Adventszeit. Und bleiben Sie ruhig mal ein paar Tage analog, es lohnt sich.

 






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