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Eine gesegnete interreligiöse Hauptgeschäftszeit

Während sich Teile des christlichen Abendlandes der Einfachheit halber an Flüchtlinge klammern, um den Grund für den drohenden Niedergang unserer Werte bildhaft werden zu lassen, haben ganz andere Verdächtige längst Fakten geschaffen. Fakten, die scheinbar niemand sehen möchte. Zu gern ist man selbst Opfer dieses neuzeitlichen Ketzertums, dessen Rädelsführer hinter dem Altar der amerikanischen Wirtschaft sitzen. Auch in Markranstädt ist das bisweilen nicht viel anders.

Unsere beiden Pfarrer – ja, auch eine katholische Gemeinde gibt es in Lallendorf noch – haben ein schweres Los in diesen Zeiten. Einerseits hätten sie allen Grund zu frohlocken, da die Schäflein sich besonders jetzt, in Anbetracht von Burkas und Minaretten, der Werte unseres christlichen Abendlandes zu erinnern scheinen. Andererseits tut man das in Deutschland meist eher nur akustisch.

Mit dem Hirn siehts da schon anders aus. Gar zu oft sind es hohle Phrasen, die da aus den leeren Hallen der Köpfe in die leeren Hallen unserer Gotteshäuser dringen. Man kann eigentlich nur raten, wieviele Menschen am 31. Oktober den Reformationstag begangen haben und wer andererseits wegen eines Ereignisses unterwegs war, das Halloween genannt wird.

Reformationshalloween

Ebenso kann man nur darüber rätseln, wievielen Halloweenern, die den amerikanischen Ungeist des Kitsch über dem christlichen Abendland gleich kübelweise in sich verklappen, die eigentliche Bedeutung des Begriffes tatsächtlich bewusst ist?

helloween

Vom Papa geschnitzt, weil der mal Angst davor hatte.

Halloween avanciert zum Staatsfeiertag, dem nahezu alles geopfert wird. Dabei ist der Begriff nur die Einkürzung von All Hallows‘ Eve, also der Abend vor Allerheiligen. Aber was würde wohl passieren, wenn die Kindergärtnerin beim Elternabend vorschlägt, dass Kürbisse für das Hochfest aller Heiligen unserer Kirche geschnitzt werden?

Da würden sich wohl nicht nur atheistische Eltern plötzlich der Säkularisation in diesem unserem Abendlande erinnern und die Kindergärtnerin am nächsten Tag beim Verwaltungsamt antanzen lassen. Von wegen Vermischung von Kirche und Staat und so.

Wellen-Deins-Tee

Ein anderer aus Amerika eingeschleppter Virus ist da religiös schon wesentlich unverfänglicher: der Valentinstag. Mittlerweile klingt er auch schon wie ein ebenso romantisches als auch aromatisches Entspannungsgetränk: Wellen-Deins-Tee spricht selbst der Markranstädter Sachse die Erfindung der Floristen-, Goldschmiede- und Süßigkeitenbranchen aus, mit der die christlich-humanistischen Grundwerte des Abendlandes systematisch unterwandert werden und den Grad der gegenseitigen Zuneigung an der Höhe des Konsums messen lässt. Alle elf Minuten…

valentine

Fetter Lapislazuli am Arm und Gucchi in der Hand: Liebesbeweis im 21. Jahrhundert.

Dass sich auch Thanksgiving noch nicht endgültig und vernichtend gegen unser abendländisches Erntedankfest durchsetzen konnte, hat lediglich biologische Ursachen.

Das Thanksgiving der Amis wird Ende November gefeiert. Da werden in unseren Breiten schon die ersten Bratäpfel in den Ofen geschoben und aus den Lautsprechern in den Einkaufszentren erklingen längst die Xmas-Rhythmen der Jingle Bells von Santa Claus.

 

Aber spätestens wenn dank TTIP der erste winterfeste US-Gen-Mais auf den abendländlischen Feldern noch im Dezember am Stengel erblüht, wird das Erntedankfest im Oktober Geschichte sein. Und es ist nicht der Islam, der dieses Opfer fordert.

Erst kürzlich war wieder Martinstag. Und wie jedes Jahr seit 2013 geisterte wieder ein Schriftstück durch die sozialen Netzwerke, das seinen Ursprung dem Vernehmen nach im Schädel des damaligen NRW-Landesvorsitzenden der LINKEN hat.

Sonne-Mond-und-Sterne-Fest

Mit der Begründung, das Feiern des Sankt-Martins-Festes in Schulen und Kindergärten könnte von Angehörigen des muslimischen Kulturkreises als diskriminierend empfunden werden, forderte er, das Gedenken an den Heiligen Martin in Sonne-Mond-und-Sterne-Fest umzubenennen und die St. Martins Geschichte künftig nicht mehr in den Mittelpunkt zu stellen.

martinsumzug

Traditioneller Opfer-Umzug am St. Martinstag. Niemand will Sonne, Mond und Sterne essen.

Seither sind sich selbst die eingefleischtesten Atheisten im Abendland nicht zu blöd, diesen Unsinn zum Anlass zu nehmen, sich zu St. Martin zu bekennen und in den sozialen Netzwerken anzukündigen, weiterhin beim St. Martins-Umzug mitzulaufen und nicht bei der Sonne-Mond-und-Sterne-Demo eines linken Spinners.

Das Problem: Die meisten dieser virtuellen Schreihälse haben weder je an einem Martinsumzug teilgenommen, noch haben sie das künftig vor. Es geht ihnen ums Prinzip und nicht um christlichen Glauben oder christliche Werte. Sonst wäre denen längst aufgefallen, dass die jedes Jahr als „neueste Provokation unserer Regierung“ aufgewärmte Meldung schon drei Jahre alt ist und nur von einem opportunistischen Oppositionellen eines abgenutzten Bundeslandes erfunden wurde.

Nun kommt also wieder Weihnachten auf uns zu. Bestrebungen, dieses Fest umzubenennen, gab es in der Vergangenheit bereits zur Genüge. Allerdings wurde das weder von Muslimen noch anderen Religionen gefordert. Es war ostdeutscher Einfallsreichtum, der den Weihnachtsengel zur Jahresendflügelpuppe degradierte und es war reichsdeutscher Geistesverfall, Christbaumkugeln mit Hakenkreuzen zu versehen.

Weihnachtsmann*in ohne Sack

Die Grünen haben erst jüngst damit begonnen, der/dem Weihnachtsmann*in gendergerecht den Sack abzuschneiden und sicher wird es der Deutschen oder der Commerzbank vorbehalten sein, Weihnachten ab 2016 als „Fest der Kaufkraft“ oder zumindest als „interreligiöse Hauptgeschäftszeit“ in den Kalendern zwischen Elbe und Rhein zu manifestieren.

Natürlich haben wir uns trotzdem längst von den alten Traditionen verabschiedet. Oft sogar, ohne es zu merken. Der Weihnachtsmann heißt jetzt Santa Claus, die Geburt Christi wird als Xmas bezeichnet, die Weihnachtsglöckchen bimmeln als Jingle Bells und die deutschen Häuser und Gärten flimmern im Lichterschein so hell, dass die Bescherung bei den Energieunternehmen ab erstem Advent fast schon im Stunden-Rhythmus zelebriert wird. Amerika lässt grüßen.

Aber auch der deutsche Weihnachtsmann hat für die Amis was im Gepäck. Um den Absatz in Übersee zu erhöhen, haben sich Lauschaer Glasbläser vor ein paar Jahren eine ganz besondere Story einfallen lassen. Sie verbreiteten zwischen Rio Grande und Rocky Mountains die Mär, dass es in Old Germany eine uralte Tradition sei, an den Christbaum eine gläserne Gurke zu hängen.

Wer sie am Weihnachtsmorgen als Erster entdeckt, habe damit das Recht, auch zuerst sein Geschenk auszupacken. Obwohl man inzwischen nahezu die gesamte Gemüseproduktion in Lauscha auf Gurken umgestellt hat, kommt man seither mit deren Herstellung kaum noch nach.

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Aus der LPG Gemüseproduktion Lauscha: Die traditionelle Weihnachtsgurke unserer Urahnen. (Foto: Richard Huber)

Lügen haben in der Regel kurze Beine, aber die der wirtschaftlichen Notlüge mit der Gurke sind trotzdem noch so lang, dass sie es mit einem einzigen Schritt über den großen Teich zurück nach Deutschland geschafft hat. Weil der Hype aus dem Ami-Land kommt, hängen jetzt auch immer mehr Deutsche eine dieser Gurken an den Weihnachtsbaum. So, wie es schon unsere Urahnen getan haben sollen.

Dass diese also schon Gurken an ihre Wohnzimmertannen flochten, als es in Deutschland weder Weihnachtsbäume noch diese erst viel später kultivierte Art der Kürbisgewächse gab, ist dabei völlig wurscht. Es ist eine Tradition aus dem christlichen Abendland und die muss verteidigt werden! Mit allen Mitteln. Vor allem mit viel Licht und Kitsch.

Je lauter die Jingles bellen, umso mehr ist Weihnachten und je mehr Lichter brennen, umso mächtiger ist der totale Advent. Markranstädt, die europäische Energiestadt am See, geht da mit ebenso gutem Beispiel wie kraftvollen Schritten voran. Sage und schreibe 400 Lichter sollen es sein, die allein unsere (Zitat Pressemitteilung, die inzwischen auf allen Kanälen korrigiert wurde) „elf Meter und zwei Tonnen schwere Fichte“ zieren.

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„Elf Meter und zwei Tonnen schwer“ … dafür aber vierhundert Lampen und sechzig Kugeln hell: Markranstädter Fichte ohne Gurke. Gleich daneben das Haus der Familie Chriswold.

Bei so viel Licht ist es nicht ausgeschlossen, dass einige Vogelarten verwirrt mit dem Nestbau beginnen und Frühlingslieder zwitschern. Na gut, die ersten Supermärkte sind ja ohnehin schon dabei, ihre Deko auf Ostern zu trimmen.

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Ein Licht kann genug sein, um den Geist zu erleuchten.

Es war mal ein Kranz mit einer Kerze, als alles begann. Da saß man noch friedlich am Tisch, unterhielt sich miteinander und gedachte der Maßstäbe, die wir heute mit dem Stromzähler aus unserem Gewissen bombardieren. Alles ist festlich erleuchtet, nur der Geist nicht. Und im Januar geht’s wieder auf die Straße mit der Forderung, Kohlekraftwerke abzuschalten und Atommeiler stillzulegen.

In diesem Abendland gibt es Entwicklungen, da fragt man sich, was es da zu Weihnachten noch Abendländisches zu verteidigen gibt? Außer vielleicht… na ja … den Kranz mit der Kerze. Das wäre zumindest mal ein guter Anfang.

 



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