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Das große Schweigen am Freitag

Freitag nach eins macht jeder seins. Diese Weisheit ist so alt, dass man sie nicht einmal mehr auf der Bartwickelmaschine in New York findet. Zeit für neue Innovationen. Die Telekom, bekannt für ein breit gefächertes Portfolio neuer (meist unnützer) Strategien, hat heute ein neues Zeitalter eingeläutet: „Freitag ab zehn darf jeder geh’n!“ Nur für Markranstädt gilt das nicht. Aus technischen Gründen.

Wer zwischen Saarbrücken und Görlitz gegen 10 Uhr gerade ein Festnetz-Gespräch geführt hat, hörte plötzlich nur noch ein monotones Rauschen. Funkstille in der Bundesrepublik. Normalerweise sind das keine guten Vorzeichen.

Das Abschalten wichtiger Medien gilt in der modernen Kriegsführung als erste und wichtigste Maßnahme, wenn es um einen Putsch, eine Revolution oder einen Terroranschlag geht. Kommunikation unterbinden, Fernseh- und Radiosender besetzen, Energieversorgung unter Kontrolle bringen – das sind die drei obersten Punkte auf der Agenda des Militärs bei der Besetzung eines Landes.

Ausgabe arabischer Parteibücher

Deutschland im Ausnahmezustand. Steckte etwa der IS dahinter? Um die Kanzlerin mit der Antwort nicht zu verunsichern, ließ der Innenminister im Regierungsviertel vorsichtshalber die für solche Notfälle bereitliegenden Burkas verteilen. Claudia Roth holte für ihre Getreuen sogar schon die Parteibücher in arabischer Sprache aus dem Tresor, die eigentlich erst für die Zeit nach den nächsten Bundestagswahlen vorgesehen waren.

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(Alle Abbildungen: Screenshots)

Das gemeine deutsche Volk erfuhr dagegen erst mal gar nichts von den Hintergründen. Wie auch – ohne Telefon? Kein Wunder also, dass offiziell zunächst niemand in ganz Deutschland einen terroristischen Hintergrund ausgeschlossen hat. Inoffiziell allerdings auch nicht, was wohl daran lag, dass gar niemand etwas zu dem Vorfall von sich gab. Nicht mal die Telekom selber. Zeitweise war nicht einmal deren Internet-Präsenz zu erreichen, von der Störungs-Hotline und anderen Serviceangeboten ganz zu schweigen.

So begann also die Gerüchteküche zu brodeln. Da das Internet noch funktionierte, konnte man zumindest twittern und diese psychotherapeutische Form des Dampfablassens wurde reichlich genutzt. Allerdings nicht nur in kritischer Hinsicht.

Zum Schweigen verurteilt

Man konnte an den Tweets ganz klar die soziale Struktur in diesem unserem Lande ablesen. Leute, die sonst nichts zu tun haben, beschwerten sich bitter über das soziale Abseits, in das sie nun durch die Beschneidung ihrer kommunikativen Möglichkeiten abgeschoben wurden.

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Menschen mit Migrationshintergrund dagegen twitterten gar nicht. Die Wenigsten von ihnen werden überhaupt mitbekommen haben, dass da was im Argen liegt, denn im Gegensatz zu den ewiggestrigen Ureinwohnern dieses Landes sind sie flächendeckend mit mobilen Kommunikationsmitteln ausgestattet und verfügen zudem noch über die Gabe, sich von Angesicht zu Angesicht analog zu verständigen. Kommunikativer Oralverkehr sozusagen.

Die dritte Gruppe im Netz war die Klasse der werktätigen Bevölkerungsteilnehmer*innen. Denen kam der Blackout der Telekom an einem Freitag gerade recht. So twitterte @MissRhapsody beispielsweise: „jemand hat die telekom kaputt gemacht. endlich ruhe im büro.“

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In den meisten Rathäusern und öffentlichen Verwaltungen hatte der Ausfall des Telefonnetzes derweil keinerlei Auswirkungen auf den Tagesablauf.

Lediglich in einer Gemeindeverwaltung in der Sächsischen Schweiz soll eine Sekretärin einen Schock erlitten haben, als das Netz gegen 12 Uhr wieder funktionierte und sie durch das schrille Klingeln des Telefons urplötzlich aus dem Tiefschlaf gerissen wurde.

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Dass auch die Einwohner Markranstädts kaum etwas von der Störung mitbekommen haben, hat allerdings rein technische Ursachen. Betroffen waren lediglich so genannte Voice-over-IP-Anschlüsse. Dazu muss man über einen DSL-Anschluss verfügen und sowas gibt es auf dem Globus von Markranstädt nur in ausgewählten Regionen.

Markranstädt uneinnehmbar!

Das allerdings sollte endlich mal als Bestätigung für den Weitblick und die visionäre Kraft unserer kommunalpolitischen Akteure gewertet werden, die sich der regionalen Breitbanderschließung seit Jahren erfolgreich entziehen. Das heutige Beispiel hat immerhin gezeigt, dass Markranstädt gegen die Auswirkungen der Maßnahmen moderner Kriegsführung gewappnet ist.

Weder Terroristen noch Putschisten, paramilitärische Milizen oder Rebellen haben bei uns die Möglichkeit, die Kommunikation zu kontrollieren und sich so an die Macht zu bringen. Markranstädt ist sicher – und das allein ist in diesen Zeiten, in denen uns sogar Antworten verunsichern könnten, eine beruhigende Botschaft. Da kann die Welt noch viel von uns lernen.

 



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