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8-jähriger muss Markranstädter Sportler-Ehre retten

Da muss was schief laufen in der Sportstadt am See. Auf der einen Seite Erfolge wohin man schaut, auf der anderen Seite sind diese Lorbeeren hinter den gelben Schildern am Ortsausgang kaum noch wahrzunehmen. Es ist, als würde der Sport in Markranstädt vom Rest der Welt regelrecht ignoriert. Das zeigt sich jetzt auch bei der Wahl zum „Sportler des Jahres“. Ein Achtjähriger wurde ausgewählt, die Ehre der Sportstadt Markranstädt zu retten.

Die Großlehnaer Schach-Damen spielen in der 1. Bundesliga, die Markranstädter Kegel-Herren schieben in der 2. Bundesliga ihre Kugeln und der wegen einer fast komplett neu zusammengewürfelten Truppe als einer der ersten Abstiegskandidaten ins Rennen gegangene SSV Markranstädt kickt in der Oberliga allen Unkenrufen zum Trotz sensationell weit oben mit.

Ein paar Etagen weiter unten rockt Aufsteiger SSV Kulkwitz gerade die 1. Fußballkreisklasse und jetzt haben auch noch die Piranhas den Aufstieg in die 3. Handball-Liga geschafft. Von den vielen Erfolgen einzelner Athleten oder der zahlreichen Nachwuchsmannschaften soll hier erst gar nicht die Rede sein. Was für eine Sportsaison in Markranstädt!

Sollte man meinen. Aber mit Erfolgen allein gewinnt man heute scheinbar keinen Blumentopf mehr. Schon hinter den Lallendorfer Ortsausgangsschildern ist, ganz gleich in welche Himmelsrichtung man seine Lauscher aufstellt, von den Podestplätzen und Siegen kaum noch etwas zu vernehmen.

Wer die Wahl hat, hat die Qual

„Die 340 Vereine und Fachverbände im Kreissportbund haben ihre erfolgreichsten Akteure von 2015 sowie verdienstvolle Ehrenamtliche an die Dachorganisation des Sports gemeldet.“, hieß es vor einigen Wochen in der Presse.

Ein Blick auf die 56 nominierten Sportler und Mannschaften lässt dann allerdings befürchten, dass die Markranstädter einfach vergessen haben, ihre Athleten zu melden.

Sogar Vereine wie der Hundesportverein Leipzig-Süd/Markkleeberg haben es mit Mannschaft und Einzelakteuren gleich mehrfach auf die Nominierungsliste geschafft.

Athleten und Mannschaften der TSG Markkleeberg sind sogar sechs Mal auf dem Papier zu finden. Dagegen hat das Glücksrad bei der Nominierung der Kandidaten nur einmal auf einem Markranstädter Namen angehalten: Richard Enderlein, 8-jähriges Nachwuchstalent des KFC im Einer-Kajak, ließ quasi alles hinter sich, was sich in Markranstädt das ganze Jahr über auch nur ansatzweise mal in ein Sportleibchen gezwängt hat.

Gut, verdient hat er es, der kleine Richard. Platz 3 bei den Landesmeisterschaften Sachsen/Thüringen und dazu noch zahlreiche Regattaerfolge – damit muss man bei einer Sportlerwahl einfach auf der Bühne stehen. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle und auch weiterhin immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

Aber in der Sportstadt am See springen auch noch andere Leute herum, denen es an Trainingsfleiß, Engagement und vor allem Erfolg nicht mangelt. Dass da nicht einmal wenigstens ein Einziger in die engere Auswahl gekommen ist, stimmt nachdenklich. Ja okay, Schach zählt nun nicht gerade zu den medienwirksamsten Sportereignissen und was die Erfolge unserer Kegler angeht, die kennen angesichts der öffentlichen Wahrnehmung wahrscheinlich auch nur die Kegler selbst.

Trotzdem oder gerade deshalb darf man sich fragen, warum es dann beispielsweise die Kegler Oskar Huth (bei den Herren) und Inka Bauch (bei den Damen) vom Hohnstädter SV oder Klaus Meißner (Senioren) vom SV Machern 90, die U 18-Mannschaft vom Hohnstädter SV und Lea Stagge (Nachwuchs) oder die weibliche U 14 vom KSV 51 Bennewitz auf die Nominierungsliste geschafft haben? Allesamt Kegler oder Kegelvereine. Von den Markranstädter Keglern, deren Herren im letzten Jahr den sportlichen Aufstieg in die 1. Bundesliga geschafft hatten, fehlt hingegen jede (Erfolgs)Spur.

Es gibt eigentlich nur zwei Erklärungen für dieses Phänomen: Entweder hat der Kreissportbund alle Markranstädter Vereine mit Ausnahme des KFC ignoriert oder die Markranstädter Vereine mit Ausnahme der Kanuten haben den KSB ignoriert und einfach niemanden für diese Ehrung gemeldet.

Anleihe am ESC

So erinnert Markranstädt bei den diesjährigen Sportlerwahlen irgendwie an Deutschland beim Vorausscheid zum Grand Prix Eurovision de la Chanson [heute: Jurobiehn Songgondäst]. „Markranstädt: null Punkte – Markranstädt: zero points – Markranstädt: points zéro – Markranstädt: cero puntos …“ Man kann halt nichts dagegen machen, solange man Freunde wie Österreich in der Nachbarschaft hat.

Es sei denn … In diesem Jahr ist es erstmals möglich, bei der Wahl zum Landkreis-Sportler des Jahres auch online abzustimmen. Wir erinnern uns: Durch ein solches Abstimmungsverfahren konnten wir 1998 die britische Insel nur 53 Jahre nach der letzten V2 erneut in Angst und Schrecken versetzen – mit Guildo Horn, dem SMS-Online-Abstimmungssieger.

Guildo hat euch lieb …

Auf die gleiche Weise könnten wir jetzt nachhaltig in Erinnerung rufen, dass in einem kleinen zänkischen Dorf tief im Nordwesten des Landkreises auch Sport getrieben wird. Geben wir also Richard Enderlein unsere Stimmen und sorgen dafür, dass er auf das Podest kommt. Verdient hat er es sowieso. Und im nächsten Jahr richten dann die Markranstädter Nachtschichten die Wahl zum „Markranstädter Sportler des Jahres“ aus. Da können sie uns dann alle mal, die Ignoranten da draußen in der weiten Welt.

 



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