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Zwischen Fensterputzen und Olympischen Spielen

Vom 5. bis zum 21. August finden in Rio die Olympischen Sommerspiele 2016 statt. Wenn am 6. August die Maschine mit Athleten des DLV in Richtung Brasilien abhebt, wird auch die Siebenkämpferin Jennifer Oeser drin sitzen. Zwischen Training, Gesundheitstests und Abflug zu ihren dritten Olympischen Spielen hat sich die sympathische Neu-Markranstädterin Zeit für ein Interview genommen. Klasse!

Nach Almut Brömmel (Melbourne 1956 im Speer- und Diskuswerfen sowie Rom 1960 im Speerwerfen), Rudi Glöckner (Tokio 1964 als Schiedsrichter) und Wolfram Löwe (Montreal 1976, Olympiasieger im Fußball) ist Jennifer Oeser die erste Markranstädterin seit 40 Jahren, die den Lallendorfer Sport bei Olympia repräsentiert.

Wir trafen uns mit der erfolgreichen Athletin da, wo sich neuerdings nicht nur Vertreter der regionalen Sportwelt gern die Klinke in die Hand geben: im „Ab ans Ufer“ an der Kulki-Promenade. Auch weil es da schon morgens um 10:00 Uhr Kaffee gibt und man so den Verlockungen eines zünftigen Hefe-Weizens noch eine Weile widerstehen kann.

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Frau Oeser, damit wir es sozusagen gleich weg haben, lassen Sie uns bitte mit dem Thema anfangen, das wir sowieso nicht umgehen können. Wenn wir jetzt hier sitzen und gleich einen Kaffee trinken … dürfen Sie das eigentlich? Immerhin ist da Koffein drin.

Ich trinke nie Kaffee. Schmeckt mir einfach nicht. Könnte ich bitte eine Apfelschorle haben?

Gern. Um trotzdem noch mal nachzuhaken: Nervt das nicht, dass man ständig aufpassen muss, was man so zu sich nimmt und sich trotzdem nie ganz sicher sein kann? Wenn Sie sich beispielsweise vorm 800 Meter-Lauf eine Scheibe Jagdwurst einwerfen … da steht ja die Wirkung quasi schon auf dem Etikett.

Ja, also im Ernst: Das hat man immer im Hinterkopf und es beeinflusst natürlich auch das Privatleben. Ich denke immer ‚Hab ich mich ordnungsgemäß abgemeldet?‘ und passe auch beim Einkaufen von Lebensmitteln auf. Vor allem im Ausland muss man da vorsichtig sein. Letztes Jahr bei der WM in Peking habe ich beispielsweise kein Fleisch gegessen.

Klingt echt nervig. Freut man sich da nicht auf die Zeit nach der Karriere, wenn man sich da auch mal gehen lassen kann, bei einer Party zum Beispiel?

(lacht) Oh ja. Wirklich, das ist so ein Punkt, auf den ich mich freue.

Okay, kommen wir zum sportlichen Teil. Böse Zungen behaupten, Mehrkämpfer können von allem etwas, aber nichts richtig. Stimmt das?

Ja, das sage ich auch immer und irgendwie stimmt’s wohl auch.

Welche der sieben Disziplinen mögen Sie besonders?

Hmmm … ich weiß nicht so recht. Ich könnte eher sagen, welche ich nicht so mag. Kugelstoßen zum Beispiel. Davon abgesehen ist der abschließende 800 Meter-Lauf wohl bei den meisten Siebenkämpferinnen eine Hass-Disziplin. Das ist die pure Quälerei.

Stichwort Kugelstoßen: Europäische Leichtathleten haben im weltweiten Vergleich kaum noch was zu melden, vor allem nicht in den Laufdisziplinen. Nur wenn es darum geht, sein Werkzeug so weit wie möglich wegzuschmeißen, sind wir Deutschen gut, besonders die Frauen. Kugelstoßen, Hammerwerfen, Speerwerfen, Diskus … Woran liegt das?

An der Technik und den Trainern. Unsere Trainer sind sehr erfahren und verfügen, nennen wir es mal so, über das beste technische Know-how weltweit. Sie sind nicht umsonst auch im Ausland sehr gefragt. Ohne Technik kann man in diesen Sportarten nichts erreichen, da nützen Kraft und Ausdauer allein gar nichts.

In manchen Sportarten verdient man Millionen, auch die Leichtathletik ist mitunter recht einträglich – siehe Serhij Bubka. Kann man vom Siebenkampf leben?

Leben … naja. Sagen wir mal so: Wenn man Unterstützung hat vom Verein oder Sponsoren und wie ich beispielsweise von der Bundespolizei, dann kann man sich während seiner aktiven Zeit auf den Sport konzentrieren. Aber es kommt ja auch eine Zeit nach der Karriere und da sieht es bei uns anders aus als bei Fußballern oder Tennis-Profis.

Sie wohnen in Markranstädt, trainieren in Halle und starten für Leverkusen. Das heißt, wenn Sie aufs Treppchen kommen, erntet Ihr Verein Bayer Leverkusen die Lorbeeren und Halle guckt in die Röhre. Ist es nicht noch ein wenig früh für solch eine Art des sportlichen Solidarpakts „Aufbauhilfe West“?

Sie meinen sicher den finanziellen Aspekt der Trainingszentren? Das war vor einiger Zeit sicher mal ein Problem. Aber inzwischen sind da Regelungen gefunden worden. Einige Athleten sind in der Zwischenzeit nach Halle gewechselt, andere werden das wohl noch tun. Ich für meinen Teil möchte meine Karriere gern mit dem Bayer-Kreuz auf dem Trikot beenden, auch weil ich diesem Verein so viel zu verdanken habe. Es steht übrigens jedem Sportler frei, an welchem Olympiastützpunkt er trainieren will.

In der „ewigen Weltbestenliste“ rangieren Sie mit 6683 Punkten auf Platz 26. Das ist beachtlich! Jetzt aber mal Butter bei die Fische: Wieviele Punkte haben Sie in Flensburg?

Null! Kann sein, dass ich da vor langer Zeit mal einen hatte, weiß nicht genau.

Echt? Aber irgendwo muss doch auch eine dreifache Olympionikin einen schwarzen Fleck in der Vita haben? Also noch ein Versuch: Haben Sie wenigstens schon mal geraucht?

Okay, jetzt haben sie mich. Ja, mit 16. Nur einmal und danach war mir so schlecht, dass ich es nie wieder versucht habe.

Wieso sind Sie eigentlich ausgerechnet nach Markranstädt gezogen? Bitte nicht falsch verstehen, aber geriatrisch sind Sie ja noch nicht sooo gefährdet, dass Sie die vielen Seniorenwohnanlagen hier als perspektivische Standortvorteile überzeugt haben können.

(lacht) Wir hatten erst nur grob die Region Leipzig auf dem Schirm. Irgendwie hat es uns dann hierher verschlagen. Großlehna war aber doch etwas weitab vom Schuss und auf der Rückfahrt haben wir das Schild entdeckt, auf dem freie Baugrundstücke am Westufer beworben wurden. Ja, jetzt bin ich hier. Es passt alles: Verkehrsanbindung, Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten, Schule …

Angesichts Ihrer Bestzeiten über 800 Meter müssten Sie von REWE sogar Tiefkühlware problemlos in der Hosentasche nach Hause schleppen können, ohne dass die Kühlkette auch nur ansatzweise unterbrochen wird. Gehen Sie in Markranstädt überhaupt einkaufen oder profitiert etwa nur Halle vom Wirtschaftsfaktor Oeser?

Wirtschaftsfaktor Oeser? Darf Satire wirklich so übertreiben? (lacht) Na gut, in Halle kaufe ich eigentlich nur ein, wenn ich mal was für die Mittagspause brauche. Ansonsten hole ich alles hier in Markranstädt. Ich glaube aber nicht, dass die Entwicklung der Stadt dadurch nachhaltig profitiert.

Sie wurden ab und zu schon beim Absolvieren von Laufeinheiten am Kulki gesehen. Mal schauen, wie gut Sie im Schätzen von Entfernungen sind: Wie lang ist eine komplette Runde um den See?

Oh, da muss ich mal nachdenken. So 7,5 Kilometer?

Wow!

Richtig?

Fast. Genau weiß das wahrscheinlich niemand. Je nach Quelle differieren die Angaben zwischen 7,1 und fast 8 Kilometern. Lassen Sie uns zu den Olympischen Spielen kommen. Mit welcher Zielstellung werden sie in Rio an den Start gehen? Ein Platz unter den Top 10 müsste doch drin sein, oder?

Wissen sie, mit den Platzierungen ist das so eine Sache. Die sind meist auch von den anderen Sportlerinnen abhängig. Wenn da eine mal einen schlechten Tag hat, eine andere den Balken verfehlt und die nächste Athletin stürzt, kann man gleich mal drei Plätze weiter vorn landen, ohne dass man was dafür kann. Ich konzentriere mich da lieber auf meine eigenen Leistungen und die werden im Siebenkampf nach Punkten bewertet. Ich strebe die Marke von 6.300 Punkten an. Ob ich das schaffe und zu welcher Platzierung das reicht, werden wir sehen.

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Will ihre Karriere mit dem Bayer-Kreuz auf dem Trikot beenden. Aber zuvor wartet noch das Olympiastadion in Rio und sicher wird es auch nach den Spielen noch eine Weile weitergehen. Nächstes Jahr finden in London die Leichtathletik-Weltmeisterschaften statt…

Was nehmen Sie als Talisman mit?

Hmmm … früher hatte ich immer ein Schwein, aber das passt nicht in den Koffer. In Ratingen hatte ich ein Glücks-Ei dabei, das mir leider auch nicht so geholfen hat. Mal sehen…

Sie sind bekannt dafür und das ist irgendwie besonders sympathisch, dass Sie sich an den Wettkampforten auch die Zeit nehmen, sich mit Land und Leuten zu beschäftigen. Bei der WM letztes Jahr haben Sie sogar die Chinesische Mauer besucht. Was wollen Sie sich in Rio anschauen?

Ich will erst mal die Lage vor Ort checken. Um ehrlich zu sein, habe ich ein etwas mulmiges Gefühl diesmal. Da ist unter anderem die Sicherheitslage, dann Fragen der Umwelt und Sauberkeit, die Mücken, die Olympia-Bauten … ich will mir zunächst ein Bild verschaffen, bevor ich etwas unternehme. Viel Zeit bleibt dafür sowieso nicht.

Es gibt ja so Klischees, die man Frauen gerne unterstellt. Wie ist das, bevor Sie ein mit tausenden Menschen besetztes Olympiastadion betreten – schauen Sie da nochmal kurz in den Spiegel, nach dem Motto „Kann ich so gehen?“

Jetzt wollen sie es aber wirklich wissen, was? Okay: Also in der Regel sucht man ja vor dem Wettkampf nochmal die Toilette auf und auf dem Rückweg schaut man da schon nochmal kurz in den Spiegel. Das soll Männern aber auch so gehen, habe ich gehört.

Vorm Fernseher hat man aber manchmal den Eindruck, dass sich die Bildregisseure vom Äußeren der Athletinnen stärker beeinflussen lassen als von ihren sportlichen Leistungen. Bei RP-online gibt es sogar eine Bildgalerie mit dem Titel „So schön ist der Siebenkampf“. Da sind Sie übrigens auf Platz 6 – weltweit. Kompliment! Auch der Kölner Express hat in seiner Serie „Traumfrauen der Leichtathletik“ festgestellt, dass die schönsten Frauen im Siebenkampf unterwegs sind. Ist es für eine erfolgreiche und ebenfalls gut aussehende Sportlerin nicht ernüchternd, wenn man im Startblock neben einer Fackel wie Linda Züblin kniet, auf die alle Kameras gerichtet sind, obwohl sie mit dem Ausgang des Wettbewerbs höchstwahrscheinlich nichts zu tun haben wird?

Das gehört dazu. Ich finde das auch nicht schlimm, so lange der sportliche Aspekt nicht zu kurz kommt und die Siegerin auch gezeigt wird. Es ist nun mal so, dass wir gut trainiert sind, eine sportliche Figur haben und auch die Kleidung dazu angetan ist, dass man diese Merkmale wahrnimmt. Ist doch besser, als wenn man trotz Weltrekords lieber wegschauen würde, oder?

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„Gänsehautattacken“ gab es nach Bekanntwerden der Nominierung für Olympia 2016 auch per Facebook. Auch Cindy Roleder (rechts) fährt mit nach Rio.

Die Damen bei den Markranstädter Nachtschichten sehen das mit einem gewissen Neidfaktor und lassen fragen, ob Sie überhaupt irgendwelche Problemzonen an Ihrem Körper haben, mit denen Sie nicht zufrieden sind?

Na ja, im Wettkampf bewegt man sich und auch wenn da allerhand Muskulatur im Spiel ist, wird die doch rundherum von Haut bedeckt. Wenn ich da manchmal so Zeitlupen sehe … also das sind dann oft nicht so schöne Bilder. Zumindest nach meinem Empfinden ziemlich unvorteilhaft. Aber ansonsten bin ich ganz zufrieden.

Eine von unseren Nachtschichten-Damen wollte früher selber mal Leistungssportlerin werden. Nicht etwa, weil sie so gern über die Tartan-Bahn heizt, sondern weil sie meinte, dass sie da keine Fenster mehr putzen muss. Putzen Sie Ihre Fenster selbst?

Ja, ätzend! Vor allem, weil es danach immer gleich regnet. Aber ehrlich jetzt: Wenn es jemanden in Markranstädt gibt, der oder die das bei mir machen möchte, dann sehr gern. Das können Sie als Aufruf veröffentlichen, wirklich!

Haben Sie eigentlich schon Pläne für die Zeit nach Ihrer aktiven Laufbahn? Ich denke da an unser Stadion in Markranstädt, dem eine entsprechend vernetzte Person wie Sie sicher auch etwas leichtathletisches Leben einhauchen könnte. Muss ja nicht gleich ein deutsches Götzis draus werden, aber etwas mehr als nur ein Spendenlauf pro Jahr und ein paar Fußballspiele mit bestenfalls 200 Zuschauern könnte durchaus drin sein, oder?

Ja, das ist ein wirklich schmuckes Stadion mit guten Voraussetzungen. Wenn auch die technischen Möglichkeiten vorhanden sind, also beispielsweise die entsprechenden Geräte, könnte ich mir vorstellen, Kinder an die Leichtathletik heranzuführen. Zumindest gehen meine Gedanken in diese Richtung, aber was draus wird, ist von vielen Faktoren abhängig.

Vielen, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch genommen haben. Wir wünschen Ihnen, ganz sicher auch im Namen aller Leserinnen und Leser der Markranstädter Nachtschichten, für die Olympischen Spiele viel Erfolg und für Ihre weitere Karriere alles Gute. Vor allem: Bleiben Sie gesund und von Verletzungen verschont. Am 12. und 13. August werden die Einschaltquoten in Markranstädt ganz sicher alle Rekorde brechen: Wir sind bei Ihnen!

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Jennifer Oeser hat bereits je eine WM-Silber- und Bronzemedaille sowie EM-Silber in der Vitrine. Jetzt steht sie vor ihrer dritten Olympiateilnahme.

 



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2 Comments to Zwischen Fensterputzen und Olympischen Spielen

  1. Bekannt sagt:

    Mit diesem Interview ist Euch meiner Meinung nach wirklich ein Meisterstück gelungen. Tolle Fragen, die wie bei Euch nicht anders zu erwarten, mit jeder Menge Schalk im Nacken gestellt wurden. Ohne in den ‚Bild der Frau‘ ähnelnden Klatsch und Tratsch abzurutschen ist es Euch gelungen, ein lesenswertes Porträt über eine erfolgreiche Sportlerin zu schreiben. Das solltet ihr öfter machen. Soviel ich weiß, ist dass das erste Interview mit einer real existierenden Person. Warum also nicht eine neue Rubrik beginnen, a la Porträt per Telefon frei nach Heinz-Florian Oertel.

    Abschließend hätte ich ja nun gern noch gewusst, ob Ihr Schluss endlich doch noch beim Hefe-Weizen gelandet seid. Obwohl … im Bier sollen ja weibliche Hormone sein und die stehen doch bestimmt wegen ihrer potentiellen Gefahr auf dem Index, nicht nur für Sportler

    • CvD sagt:

      Liebe(r) Bekannt,
      bevor wir uns für Ihr Lob in aller Ausführlichkeit bedanken, werfen Sie bitte mal einen Blick nach ganz unten links auf dieser Seite. Da stehen die Zugriffsdaten und die sagen, dass wir heute nach 18 Stunden aktuell bei über 1.700 Lesern liegen. Sie sind der/die Einzige, der/die sich die Mühe gemacht hat, für diesen kostenlosen Meilenstein der deutschen Satire ein paar Worte in die Tastatur zu drücken. Also: Wenn überhaupt Dank und Anerkennung fällig sind, dann für Sie! Lassen Sie uns mal raten: Sie sind nicht aus Markranstädt, oder?

      Na gut – also für die Qualität des Interviews können wir nichts. Wenn man als Gegenüber so einen Profi hat, kann nichts schief gehen. Frau Oeser war absolut professionell, hatte aber auch ausreichend Vertrauen und von Beginn an war zwischen beiden Seiten nicht nur Kaffee und Apfelschorle auf dem Tisch, sondern auch gegenseitiger Respekt. Es sollte auch ganz bewusst ein „etwas anderes“ Interview werden, weil einem der ganze Doping-Mist, die Russenfrage und der ganze politische Kompost inzwischen so auf den Zeiger geht, dass man Olympia sogar am Fernseher am liebsten boykottieren möchte.

      Ja – und zum Schluss noch zu Ihrer Idee mit dem Porträt per Telefon. Es war nicht das erste „reale“ Interview. Da gab es deren schon einige – wenngleich nicht in der Form. Falls Sie Interesse haben und die nachlesen möchten, sagen wir Ihnen gern, wer sich das garantiert kopiert und aufgehoben hat (man kann ja nie wissen, wann und wofür man das verwenden kann, gelle?)

      Aber die Idee, sowas öfter zu machen oder konsequent durchzuziehen, hatten wir selber schon. Leider braucht man dazu, der Begriff „Interview“ sagt es schon, mindestens zwei Personen. Die von uns angefragten potenziellen Interview-Partner konnten sich leider nicht dafür erwärmen. Wahrscheinlich, weil sie schon zu lange in Markranstädt leben oder unter Spaß was anderes verstehen… Die Ausflüchte reichen von „Ja, können wir auch mal machen“ über „Na ja, ich bin da wohl nicht die richtige Person“ bis hin zu „Na gerne. Hab bloß grad wenig Zeit. Vielleicht mal im November, da wird’s ruhiger“ (wobei zum November die Jahresangabe fehlt). Außerdem ist die Tatsache nicht zu unterschätzen, dass man im Falle eines Interviews mit den Markranstädter Nachtschichten öffentlich zugeben würde, dass man zumindest von der Existenz dieser anarchistisch-satirischen Ausgeburt weiß. Das kann in exponierten Fällen nach hinten losgehen. Da kann man sich, nachdem der erste Radfahrer geköpft am Westufer liegt, hinterher beispielsweise nicht mehr damit rausreden, dass man von den noch immer vorhandenen Mängeln am Radweg nichts wusste…

      Sie sehen, Satire ist harte Arbeit! Jetzt müssen wir Frau Oeser auch noch einen Fensterputzer beschaffen. Hätten Sie nicht Lust dazu???

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