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Kulkwitz: Entweder nachpumpen oder Lift-Sportplatz

Die Lage in Kulkwitz ist prekär. Die in den letzten Jahren hier angesiedelten Fischer sehen sich seit einigen Wochen ihrer Existenzgrundlage beraubt. Grund: Der Wasserspiegel des Lago Radona ist drastisch gesunken. Jetzt muss die Stadt reagieren, weil die Natur eine Festlegung des Landratsamtes einfach mal so ignoriert hat. Nicht auszudenken, dass der See auf die gleiche Weise, wie er zum See ernannt wurde, wieder zum Acker wird. Ganze Aktenordner würden ad absurdum geführt.

Erst im Januar hat das Landratsamt einen Wasserstand von mindestens 121,10 Metern über Nullniveau des Meeresspiegels (NHN) genehmigt.

Vorausgegangen waren zahlreiche Diskussionen, in denen Experten befürchteten, dass ein Wasserstand von weniger als 121 Metern NHN zu einer erheblichen Verschlechterung des ökologischen Zustandes des Gewässers führen würde.

Insbesondere befürchtete man in den Sommermonaten den Verlust des ökologischen Gleichgewichts mit Fischsterben und Geruchsbelästigungen für die Anwohner.

Thronitzer Fjord

Der einst fischreiche Thronitzer Fjord ist nur noch eine Pfütze.

Die Natur, anarchistisch wie eh und je, schert sich um Expertenmeinungen und Behördenbescheide einen Feuchten. Gegenwärtig liegt der Wasserstand, will man der von Experten angebrachten Messlatte Glauben schenken, ganze zwanzig Zentimeter unter der vorgeschriebenen Marke.

In Gärnitz wird sichtbar, was zwanzig Zentimeter wirklich bedeuten

Schon sind ganze Uferbereiche verlandet und werden von der heimischen Flora sukzessive zurückerobert. Die Kutter der Seebenischer Fischer bleiben im Trockendock. Selbst wenn sie genug Wasser unterm Kiel hätten, wäre eine Kaperfahrt sinnlos, da auch die Fischbestände proportional zur Wassermenge zurückgegangen sind.

Will die Stadt der Anordnung des Landratsamtes bezüglich des Wasserstandes Folge leisten, müsste jetzt Wasser in den See gepumpt werden. Aber woher nehmen? Die Kulkwitzer Fischer sind sauer, haben aber schon eine Alternative vorgeschlagen.

haus

Schon 20 Zentimeter unter der vom Landratsamt erlaubten, rot markierten Linie und der Wasserstand fällt weiter. Muss die Stadt die hinter diesen Mauern verborgenen Pumpen demnächst rückwärts laufen lassen?

Die in den letzten Jahren hier angesiedelten Wildvögel, die aufgrund der ökologischen Veränderungen größtenteils schon weitergezogen sind, haben allerhand Fäkalkapital hinterlassen. Jetzt will man am Ufer des Lago Radona in großem Stil Guano-Abbau betreiben. Die ersten Bagger scharren schon mit den Ketten.

Fußballer müssen sich wieder in Geduld üben: Der Liftplatz kommt!

Ganz anders stellt sich die Situation beim SSV Kulkwitz und im Bauamt der Stadt dar. Infolge des gesunkenen Wasserspiegels ist die Grundlage für die Bewilligung der Fördermittel zur Höherlegung des Sportplatzes rückwirkend nichtig geworden.

Der Landesrechnungshof fordert nun, die Fördergelder zurückzuzahlen und den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Lediglich die Eckfahnen, immerhin ein Kostenfaktor von rund 250 Euro pro Stück, darf man behalten.

hausganzalt

Im Jahr 2013 war die Welt der selbst ernannten Ökologie-Experten noch in Ordnung.

hausalt

Aber bereits 2015 stand die Bude nur noch bis zum Hals im Wasser. Schon trug man sich mit dem Gedanken, sie als Wärterhäuschen an die Frankenheimer Schranke zu versetzen.

„Zum Glück wird die Wiederherstellung ebenfalls gefördert“, war aus dem Bauamt zu erfahren. Mehr noch: Da niemand voraus sehen kann, ob und wann der Wasserspiegel wieder steigt, bietet die EU finanzielle Anreize für eine flexible Lösung an. „Brüssel fördert ein Projekt, wonach der Sportplatz auf einer hydraulisch heb- und senkbaren Plattform praktisch mit dem Tidenhub mitgehen kann“, frohlockt man im Rathaus.

Die Ebbe in Kulkwitz soll nun dazu genutzt werden, unter Tage Stollen unter dem Fußballplatz vorzutreiben, damit noch im Herbst die hydraulischen Anlagen abgeteuft werden können. Daran partizipiert auch der SSV Markranstädt, dessen Hauptsponsor dem Vernehmen nach den Zuschlag für den Großauftrag erhalten haben soll und damit sein Perspektivprojekt „Bundesliga“ mit dem Kernstadtverein weiter vorantreiben kann.

So schließt sich der Kreis einer lokalen Erfolgsgeschichte, die mit einer Vernässungsfläche begann und mit einer ebensolchen endet. Die Kraft des Wassers – man sollte sie eben nicht unterschätzen.






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