+ + + Stadt Markranstädt für Creativ-Oscar nominiert: Kita am Stadtbad soll „Kita am Stadtbad“ heißen – Kuratorium würdigt „großartigen Ideenreichtum, gepaart mit Wortwitz und stadthistorischem Bezug“ + + +

Hinter den sieben Bergen…

Der vorweihnachtlichen Stimmung in der Kernstadt wurde ausreichend gehuldigt. Doch wie sieht es hinter den sieben Bergen in den Wäldern des Landkreises Markranstädt aus? Die Gegenden, in denen im Sommer selbst der Regenbogen mitunter noch schwarz-weiß kommt, bestechen ja traditionell eher durch privates Beleuchtungsengagement. Häuser im Stile Clark W. Chriswolds, deren Gebälk unter der Last tausender blinkender Glühbirnen ächzt.

Also haben wir den Landkreis Markranstädt ganz im Sinne weihnachtlicher Traditionen wie einen Stern sauber in drei Teile zerlegt. Sie merken schon: Nicht nur im Sinne weihnachtlicher Traditionen, sondern auch deutscher Ordnung. Es ist ein Mercedes-Stern. Drei Mann, drei Kameras und ab in die ländliche Nacht!

Schon von weitem grüßt das Lindennaundorfer Wahrzeichen, als wolle dessen festliche Beleuchtung sagen: Gehe direkt zur Windmühle, begib dich nicht über Los.

Den Grund erfährt man beim Blick in die Ereigniskarte: „Die Stadt hat die Schranke abgebaut und statt dessen Kapitulationssteuer erhoben. Zahle für jedes Haus 30 mal die Augen deiner Würfel“.

schranke

Ehemalige Frankenheimer Schranke.

Frankenheim

Die Mühle selbst knüpft rein lichttechnisch an die Maßstäbe ihrer großen Schwester in Paris an. Sie hat was von Moulin Rouge und selbst wenn man sie nur fotografieren will, kann man kaum widerstehen, mal einen Blick hinein werfen zu wollen.

Wer weiß, was da abgeht, bei so viel einladendem Rot? Und reichlich alte Säcke soll es ja in einer Mühle auch ohne rotes Licht geben.

Großlehna

Weiter geht die Reise nach Großlehna. Auch hier lockt aus der Ferne eine gigantisch strahlende Supernova, die sich jedoch beim Näherkommen als Nachtbeleuchtung des Gewerbegebietes herausstellt. Die Suche nach vorweihnachtlicher Stimmung endet an der Kirche vor Schloss Altranstädt.

altranstaedt

Adventsstimmung in Altranstädt

Hier wird auch deutlich, wie viel mehr etwas weniger sein kann. Der Stern über dem Portal reicht, um den Advent ins Dorf zu holen.

Sozusagen als Reminiszenz an den Energieversorger (man soll ja in diesen Tagen gerade auch mal an die Ärmsten denken), wurde noch ein historischer Flak-Scheinwerfer aus Zeiten der Leuna-Verteidigung zur Inszenierung des Kirchturms aufgestellt, damit sich der Stromzähler wenigstens ein paar Millimeter von der Stelle bewegt. Gelebte Nächstenliebe.

Ein paar Kilometer weiter, in Quesitz, steht der öffentlich-rechtliche Baum direkt neben der Döhlener Feuerwehr. Man muss aber schon genau hinschauen, um das Lichtspektakel auf den Ästen des imposanten Nadelgehölzes zu entdecken. Die Lichterketten auf und an den umliegenden Häusern, Höfen und Gärten nehmen seinen Lampen das ganze Licht.

Quesitz

Dafür hat man aber an der Quesitzer Tankstelle Kreativität bewiesen. Dort gibt es festliche Beleuchtung für Rätselfreunde. Advent zum Mit- und Nachdenken sozusagen. In harmonischen, vorweihnachtlichen Farben wird dem vorbeifahrenden Kraftfahrer ein aus hunderten roten Lichtern zusammengesetztes Sudoku präsentiert.

quesitz

Vorweihnachtliches bft-Sudoku.

Die bft-Ideenschmiede setzte hier mal nicht auf den üblichen Konsumrausch, sondern auf Besinnung, Entschleunigung und Mitmachen. Können Sie dieses Sudoku lösen?

Thronitz

Ganz anders das in beiden Orten identische Bild in Thronitz und Räpitz. Nicht nur der Mangel an Installationsmöglichkeiten an nicht vorhandenen öffentlichen Gebäuden und Flächen setzt dort dem vorweihnachtlichen Lichterrausch Grenzen, sondern auch die selbst gesetzten ökologischen Maßstäbe der Nachhaltigkeit. Nicht „weniger ist mehr“ heißt es hier, sondern „nichts ist alles“.

thronitz

Adventsstimmung in Thronitz

Wozu auch dem Durchgangsverkehr sinnlos Energie hinterher werfen? Und überhaupt: Erst wenn alles dunkel ist, kann man die wahre Bedeutung des Lichts ermessen. So wird den Schäfchen Bescheidenheit gelehrt und nirgendwo im Landkreis Markranstädt wird man beim Entzünden einer Kerze am Adventskranz so viel Dankbarkeit und Demut empfinden wie in Thronitz. Wirklich sympathisch.

Kulkwitz

In Kulkwitz wären Fragen der Weihnachtsbeleuchtung und des damit verbundenen Energiebedarfs eigentlich kein Problem. Leider denkt man dort etwas zu kurz und lässt visionären Gedanken keinen Raum. Ein kleines Wasserkraftwerk in der Gartenanlage zwischen Vernässungsfläche und Sportplatz – und schon könnte man sich dort das ganze Jahr über in elektrischem Kerzenschein bräunen.

So aber repräsentieren nur ein paar Scheinwerfer am Fuße der alten Wehrkirche das nahende Fest. Das Flair auf den beleuchteten Klippen hoch über dem Friedhofsteich und den Kulkwitzer Lachen entschädigt dafür nicht nur Fotografen auf der Suche nach möglichst morbiden Motiven.

kulkwitz

Kulkwitzer Wehrkirche im Advent

Ein Fotografen-Team nach Göhrenz zu schicken, haben sich die Markranstädter Nachtschichten verkniffen. Dort wird noch lange Zeit jeder Versuch, den Garten in vorweihnachtliches Licht zu tauchen, von den Scheinwerfern der Straßenbaumaschinen und Bagger erstickt.

Albersdorf

Also auf zum letzten Ziel. Albersdorf hatten wir lange nicht. Bereits im Sommer wurde am Ortseingang unmittelbar neben dem Dorfanger ein interessantes Lichtspiel installiert.

Nach einer monatelangen Testphase ist die Adventsbeleuchtung nun in den weihnachtlichen Dauerbetrieb übergegangen. In regelmäßigen Abständen wechseln die Lichter von Rot auf Gelb, dann auf Grün, schließlich wieder auf Gelb und dann erneut auf Rot.

Auf den ersten Blick mag es scheinen, dass das Lichtspiel trotz erwarteter Besinnlichkeit etwas zu entschleunigt getaktet wurde, aber das täuscht. Vor allem wenn die Anlage rot leuchtet, beeindruckt das die Passanten so stark, dass sie unvermittelt inne halten und wie paralysiert auf das Licht schauen. Fast könnte man meinen, dass sie gar nicht genug davon bekommen könnten und wirklich – sie fahren erst weiter, wenn das gelbe oder das grüne Licht leuchtet.

albersdorf2

Albersdorfer Ganzjahres-Lichtspiel

Advent im Landkreis Markranstädt

Ja liebe Leserinnen und Leser, das war sie bereits, unsere kleine Rundreise durch den vorweihnachtlichen Landkreis Markranstädt. Es gibt viel zu entdecken, wenn man mit offenen Augen durch die heimatliche Nacht fährt.

Vielleicht finden auch Sie das eine oder andere originelle Licht? Schicken Sie es uns und lassen Sie alle Leserinnen und Leser an seinem Schein teilhaben. Wir binden Ihr Licht sozusagen hoch an, damit es ein Highlight wird.

 






Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.