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Zwischen Ehren und Amt

Beim Neujahrsempfang des Bürgermeisters saß Michael Zemmrich im KuK noch artig unter seinesgleichen im Volk und freute sich aufrichtig mit den für ihr Ehrenamt Gewürdigten. Als Pfarrer hat man in der gesellschaftlichen Wahrnehmung offensichtlich schon von Berufs wegen das Recht aufgegeben, selbst für etwas geehrt werden zu dürfen. Schließlich wird man dafür bezahlt. Umso mehr setzte die Verleihung des Ehrenamtspreises 2016 des Landkreises am vergangenen Freitag ein weithin beachtetes Zeichen.

Pfarrer Michael Zemmrich erhielt im Geithainer Rathaus den Ehrenamtspreis 2016. Nicht für sein Wirken als Pfarrer, als Amtsverweser für fünf Sakralbauten oder Verwalter von sieben Friedhöfen.

Auch nicht als zentraler Ansprech-Papa eines Kindergartens, wobei er da mitunter wohl selbst nicht immer gleich unterscheiden kann, ob jetzt der seines Arbeitgebers in der Marienstraße oder der am Markt gegenüber der Kirche gemeint ist.

Nein, Laudatorin Beate Lehmann wies ausdrücklich darauf hin, dass Zemmrich „sehr, sehr viel mehr“ leiste, als man von einem Pfarrer gemeinhin erwarte.

Ihre Laudatio war eine sachlich und von ihr bekannt emotional gelungene Zusammenfassung der Gründe, warum kein Weg an dieser Würdigung vorbei führen konnte. Im Geithainer Ratssaal herrschte während ihrer Worte ohrenbetäubende Stille.

Sicher wäre dieser Akt schnell vergessen, wenn der Vorschlag zu dieser Auszeichnung von der Stadtverwaltung, einer Partei, dem Gemeindekirchenrat oder einem anderen Gremium gekommen wäre. Das hätte dann die Färbung eines Bundespräsidenten gehabt, der – wie der Begriff schon zum Ausdruck bringt – nur von Profiteuren dieser Personalie gewählt wird und nicht vom Volk.

… und plötzlich … zeng!

Bei unserem Pfarrer war das anders. Der wurde aus der Bürgerschaft vorgeschlagen, was möglicherweise auch für den Landrat und seine Jury mal eine ganz neue Erfahrung war.

Man glaubt fast, selbst mitfühlen zu können, wie das ist, ständig am Ackern für Andere zu sein und zusehen zu müssen, wie die Lorbeeren an einem vorbei gleiten und dann plötzlich … zeng!

Ja, diesmal hat’s nicht nur den Richtigen erwischt, sondern endlich auch mal einen, der es nachhaltig verdient hat. Sogar namhafte Ultras unter den Markranstädter Atheisten äußerten sich am Wochenende anerkennend und zündeten beim Abendappell eine Kerze unter der Stalin-Büste an.

Was kann man dazu noch sagen, das Beate Lehmann in ihrer Laudatio nicht schon gesagt hat? Unter Hinweis auf die bei offiziellen Anlässen übliche Formel „Es gilt das gesprochene Wort“ können und sollten Sie hier einfach mal nachlesen, was uns Markranstädter so stolz sein lässt auf unseren Pfarrer. Diese Lektüre lohnt sich.

Der sich den Wolf tanzt

„Der die Gräben zuschüttet“ ist wohl in der Tat nicht so weit entfernt von dem, der mit dem Wolf tanzt. Das ist eben die diplomatische Poesie, die dann auch den Streithähnen bei den letzten Bürgermeisterwahlen unterstellt, dass sie „durch feinfühlige Mediation und konstruktive Gespräche auf die Grundwerte einer demokratischen Streitkultur“ zurückgeführt wurden.

Wie gerne hätte der stille, aber konsequente Verfechter sozialer Gerechtigkeit nicht lieber mal ordentlich mit der Faust auf den Tisch geschlagen? Allein dass er es nicht tat und statt dessen mit eben dieser feinfühligen Mediation dem Ziel näher kam, ist diese Würdigung wert.

Und dann ist da noch die Zeit einer anderen Spaltung, als man Refugees entweder bedingungslos willkommen hieß oder ebenso kompromisslos ablehnte. Wer hatte da noch Gedanken an all die anderen Teilnehmer unserer Gesellschaft, die sich im plötzlichen Dunkel dazwischen befanden und von dieser längst abgehakt wurden? In diesem ganzen Für und Wider war kein Platz mehr für all jene Menschen, die auch litten und noch immer leiden.

Was hätten wir bei den Markranstädter Nachtschichten nicht alles drum gegeben, dass uns der Begriff vom „Aufmerksamkeitsentzug“ eingefallen wäre? Und dann noch der Mut der Gewissheit, angesichts solcher Formulierungen im Friendly Fire durch die eigenen Leute zu fallen. Wir hätten Märtyrer werden können!

Pfarrer Zemmrich machte statt dessen weiter und baute mit seinen Mitstreitern ein Sozialkaufhaus auf. Nicht allein für die Ärmsten unter den armen Deutschen oder nicht allein für Flüchtlinge, sondern für alle. Also für Menschen.

Vielleicht wäre es auch eine schöne Geste gewesen, wenn sich der Kurator mit diesem Wirken für Menschlichkeit ein wenig deutlicher identifiziert und die Urkunde mit ein paar Noten versehen hätte, an deren Musik unser Pfarrer ganz sicher auch die Bedürftigen hätte teilhaben lassen.

Aber dann wär’s wahrscheinlich kein Ehrenamt mehr. Zumindest laut Gesetz, nach dem es auch keine Armut bei uns gibt.

Lob muss man aushalten können

Aber andererseits kann dahinter auch ein tieferer Gedanke stecken. Materielle Anerkennung hätte unser Pfarrer sicher gleich an die Menschen weitergereicht, denen es an solch grundlegenden Dingen fehlt. Eine Urkunde dagegen kann man nicht essen und deshalb muss er sie behalten. Das ist das Los eines gewürdigten Ehrenamtlers. Wie hieß es doch gleich in der Laudatio? „Auch Lob muss man aushalten können.“

Es ist ein schönes Lob und wir dürfen stolz und froh sein, einen solchen Menschen in unserer Stadt zu wissen. Die Urkunde? Na ja – mehr ein Denkzettel sozusagen. Viel wichtiger ist die Person, die ihn bekommen hat.

 






3 Comments to Zwischen Ehren und Amt

  1. Manfred Schwung sagt:

    Eine wahrhaft große Auszeichnung für ein Ehrenamt

    Ja, es ist schon irre was es alles in Markranstädt gibt und was in unserer Stadt möglich ist!
    Die würdige Anerkennung für unseren Pfarrer Zemmrich durch den Landrat Henry Graichen am 20.Januar 2017 kann man bei den immer hoch aktuellen und schnellen „Markranstädter Nachtschichten“ schon in der Nacht bevor die „Qualitätspresse“ am Morgen im Briefkasten landet, lesen!
    Unsere Hochachtung, Anerkennung und Dank dafür!!

    Die Bürgerschaft unserer schönen Stadt Markranstädt beobachtet voller Stolz, Respekt und Anerkennung die wohltuende Kompetenz unseres Pfarrers Michael Zemmrich, der neben seiner inzwischen 15-jährigen Kirchenarbeit sich unermüdlich ehrenamtlich engagiert .
    Neben einer umfänglichen seelsorgerischen Kirchenarbeit und der erfolgreichen Tätigkeit in der Kirchgemeinde hat Pfarrer Zemmrich immer ein offenes Ohr für alle Bürger dieser Stadt. Insbesondere nach der Bürgermeisterwahl 2012, nach der sich verschiedene Lager und Interessengruppen herausbildeten, oftmals unversöhnlich gegenüberstanden und misstrauten, bewirkte unser Pfarrer mit großer Empathie, Herzenswärme und mit seinen Erfahrungen im Umgang mit den Menschen, dass vor allem die politisch Verantwortlichen und die Protagonisten der unterschiedlichen Lager an einem Tisch zu Gesprächen zusammen kamen! Gegenseitige Akzeptanz und Respekt für die weitere erfolgreiche Zukunft unserer Stadt waren zu erreichen!
    Diese Arbeit, die teilweise auch gegenwärtig noch ihre Daseinsberechtigung hat, wurde und wird durch Pfarrer Zemmrich, der unter Bürgern liebevoll als „sozialer Katalysator“ empfunden wird, unermüdlich Allen gegenüber ausgeführt.

    Mit diesem Hintergrund und durch ausgebliebende Tätigkeit und nicht ausreichende Wahrnehmung der Verantwortung des Asylthemas durch den Bürgermeister und die Stadtverwaltung wurde durch Initiative und Federführung des Pfarrer Zemmrich der „Runde Tisch Asyl“ in Markranstädt ins Leben gerufen. Diese Institution „Runder Tisch Asyl Markranstädt“ zur Unterstützung und Betreuung von Flüchtlingen, auch Wohn- und Arbeitssuche, wird am 21.03.2017 im Gemeindezentrum Weißbach-Haus zum 7. Mal durch den Pfarrer Zemmrich moderiert! Hier wird deutlich wie mit ehrenamtlichen Engagement „öffentliche Defizite“ ausgeglichen werden!

    Ein weiterer sozialer Schwerpunkt ist die Unterstützung wirtschaftlich Bedürftiger und sozial schwacher Bürger in unserer Stadt. Seit über vier Jahren werden die Räumlichkeiten des Gemeindezentrums der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde für die wöchentliche „Tafel“ zur Verfügung gestellt! Aus diesen Erfahrungen ist der Gedanke gereift, ein Sozialkaufhaus einzurichten. Nachdem die Stadt in zentraler Lage ein Ladengeschäft zur Verfügung stellte, ist durch Pfarrer Zemmrich und seiner Frau Claudia mit steter Unterstützung vieler ehrenamtlicher Bürger am
    30.Mai 2016 das „St. Martin Lädchen“ eröffnet worden! Die Resonanz und die Inanspruchnahme zeigen uns wie notwendig diese ehrenamtliche Tätigkeit für die Bedürftigen ist und welcher Stellenwert diese Auszeichnung hat!

    Die Bürgerschaft ist stolz, glücklich und dankbar, dass unser Vorschlag zur Auszeichnung unseres Pfarrers Michael Zemmrich für seine jahrelange, erfolgreiche, ehrenamtliche Tätigkeit in Markranstädt durch den Landrat gewürdigt wurde!
    Wir konnten uns persönlich am 20.01.2017 zum Neujahrsempfang des Landrates Henry Graichen im Bürgerhaus Geithain vom würdigen Rahmen der Auszeichnung überzeugen.

    Rainer Kirsche und Manfred Schwung

  2. Burkhard SCHMIDT sagt:

    Ja, genau richtig und wir sind stolz auf unseren Pfarrer!

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