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Der lange Schatten des Richters Jörg L.

Wir haben ernste satirische Konkurrenz bekommen! Ein Portal bietet übers Internet Markranstädter Wohnungen nicht nur zu Preisen wie in Hollywood an, sondern liefert dazu auch noch Begründungen, die einem das Zwerchfell platzen lassen … könnten. In einem Inserat werden aber offenbar auch noch sexuelle Dienstleistungen erwartet. Okay, dafür kostet der Quadratmeter in der Hordisstraße neuerdings nur 14 Euro kalt. Warum also nicht? Die Staatsanwaltschaft scheint ja bislang auch nichts dagegen zu haben.

ticari.de heißt der neue, wenn auch unfreiwillige Shooting-Star am Satirehimmel. Und der hängt bei dem offenbar in der Schweiz geborenen eBay-Imitat mit seriösem Anspruch wirklich voller Geigen.

Da wird ein Foto von der Einfahrt im Alten Ratsgut zwischen Edeka und Pflegedienst schon mal mit dem Text garniert: „Durch diese hohle Gasse ist Tell`s Tip nicht nur für Schweizer“.

Auch sonst verlässt man sich nur ungern auf die deutsche Sprache, vermischt sie dagegen gern mal mit dem Englischen unter Verwendung von italienischen Endungen mit spanischen Akzenten und selbst chinesische Schriftzeichen tauchen hier und da auf.

Wenn man beispielsweise lesen muss: „Hallo! 1 cosy condo furnished Appartement ab sofort in Leipzig-Markranstädt zu vermieten.“, könnte man nie und nimmer annehmen, dass Wilhelm Tell tatsächlich den Apfel getroffen hat. Vielmehr muss wohl der vom alten Goethe beschriebene Pfeil sinnstiftend ein paar Zentimeter tiefer stecken geblieben sein.

Aber das ist nur der Anfang des Spaßes. Einer der Inserenten, dessen deutsche Vorwahl 0511 auf Hannover hinweist, bietet doch tatsächlich eine 1-Zimmer-Wohnung mit 25 Quadratmetern in der Hordisstraße (Altes Ratsgut) zum Mietpreis von monatlich 349 Euro (kalt) an. Fast 14 Euro pro Quadratmeter! Das muss man sich nur nicht mal reinziehen, sondern aufmerksam durchlesen.

Gut – einem Wessi, der noch nie weiter als bis Helmstedt kam, sollte man es sicher nachsehen können, wenn er den Flughafen Leipzig in 3 bis 10 Minuten von der Hordisstraße entfernt vermutet.

Spätestens wenn er sich nach der nächsten Wende im Kanton Markranstädt sein Begrüßungsgeld abholen will, wird ihm beim Marsch vom Flughafen durch die Elsteraue jedoch ein Licht aufgehen, wie endlos weit der wilde Osten sein kann.

14 Euro/m2: Fast geschenkt

Eine weitere Wohnung im Alten Ratsgut ist zwar mit 298 Euro günstiger, lässt aber die Größenangaben vermissen. Dafür verfügt sie über eine ganze Reihe extravaganter Alleinstellungsmerkmale.

So sind die Nebenkosten von der Zahl der Personen abhängig, die da wohnen wollen. Eine Person zahlt nur 112 Euro, für zwei Personen will der Vermieter 149 Euro. Aber das ist längst noch nicht die Krönung des Exposés.

Bilder: screenshots ticari.de

Unser Miethai aus Hannover hat offenbar auch ganz konkrete Vorstellungen, wer da künftig in einer von ihm angebotenen Wohnung residieren soll.

Suche gescheiterte Juristin mit viel Titten und wenig Hirn

Die Person soll bevorzugt weiblich, gleichzeitig auch angehende Juristin mit Prüfung sein und als ob das nicht reichen würde, wäre es vorteilhaft, wenn sie diese Prüfung bei Richter Jörg L. abgelegt hat.

Richter Jörg L.? Da war doch was? Na klar doch, war das nicht der … ach, lesen Sie selbst.

Die Botschaft ist kaum misszuverstehen. Gesucht wird wohl eine nymphomanische Jura-Studentin, die ihr komplettes Hirn in gigantischen Herzkranzgefäßen (mindestens ab Cup H) trägt und ihr Staatsexamen ebenso wie die monatliche Miete in möglichst täglichen Raten abbumsen muss.

Da wirds wohl mit der „quiet area“ (ruhigen Lage) bald vorbei sein?

Also liebe Markranstädter Single-Frauen oder Damen mit unerfülltem Sexleben: Einfach die 0511/ 45 9 15 21 oder 0177/ 93 94 524 anrufen und schon werden Sie wahrscheinlich geholfen. Sie kriegen 25 Quadratmeter für monatlich 349 Euro kalt geschenkt (vielleicht sogar mit Besteck) und alle Sorgen sind wie weggeblasen.

Selbst Gedanken an die Mietpreisbremse, das Grundgesetz und das BGB oder unlautere Geschäftsgebaren kommen bei so viel Kaltschnäuzigkeit gar nicht erst auf.

Ja, Sie kommen bei der Abarbeitung Ihrer Pflichten nicht mal auf die Idee, dass man im Darknet für vier Monatsmieten schon eine Mumpelspritze samt nötigem Zubehör bekommt, mit der man solche Inserate quasi per Klick nachhaltig löschen kann.

+ + + t i c a r i . d e  + + +   l e b s t   D u  n o c h ,  o d e r   w o h n s t   D u   s c h o n ? + + +



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2 Comments to Der lange Schatten des Richters Jörg L.

  1. Heiko Küster sagt:

    Hallo MNN Redakteure,

    wie immer köstlich, aber der von euch beschriebene Pfeil ist ein Kind Schillers, nicht Goethes. Aber ich denke, die mitternächtlichen Eskapaden und Schreiborgien können schon mal Verwirrung stiften. Trotzdem, weitermachen, ihr macht das gut und dem Namen des Redakteurs alle Ehre
    euer Leser Küster

    • Der Chef sagt:

      Schiller? Das war doch der mit der Mona Lisa, oder? Macht der jetzt auch noch in Immobilien????
      (Trotzdem Danke für den Hinweis!)

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