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Lieber Schamlippen küssen als sich lahmschippen müssen

Die Wirtschaft boomt. Leider hat das Folgen. Viele der fähigsten Köpfe der Markranstädter Nachtschichten haben jetzt sogar einen festen Job. Natürlich nicht hier vor Ort. Schließlich ist das Protonentherapiezentrum noch nicht fertig. Also sind sie in Europa unterwegs. Aber auch da draußen lauern allerhand Eindrücke, die einem Vergleich mit Markranstädt durchaus standhalten können.

Wer viel herumkommt in Europa, der kann viel sehen. Verkehrsschilder zum Beispiel. In keinem anderen Bereich ist unser multikultureller Kontinent so bunt und vielfältig aufgestellt wie bei den regulierenden Zeichen im Straßenverkehr. Weil in Markranstädt vor allem in den letzten Monaten Vollsperrungen an der Tagesordnung sind, lohnt sich ein expliziter Blick auf die Baustellenschilder.

In Europa ist alles geregelt. Sogar für den Krümmungsgrad von Bananen und Gurken gibt es Vorschriften und bald schon werden Hühner eckige Eier legen müssen, weil man diese platzsparend und damit umweltfreundlicher stapeln kann.

Allein bei der Mode ist der uniforme Regelungswahnsinn noch nicht angekommen. Jedes Land, das was auf sich hält, hat seine eigene Größenbezeichnung behalten.

So enthält der Wäschezettel am Hinterteil der Unterhose inzwischen Informationen, für deren Entschlüsselung die freie Wirtschaft vor Urzeiten schon Excel-Tabellen erfunden hat.

Die Excel-Tabelle auf dem Arschfax

Da stehen dann neben diversen Wasch- und Bügelanleitungen sowie der Materialzusammensetzung dann auch solche Angaben drauf, wie: „EU/D: 42, F: 44, I: 46, UK: 16, USA: 16, INT: XL“

Kein Wunder, dass das Arschfax inzwischen bis zu den Kniekehlen hängt und vor allem bei Tangas mehr Stoff beansprucht als das eigentliche Produkt.

Manchmal länger, manchmal statt dessen mehr: Die im Jugend-Jargon „Arschfax“ genannten Wäschezettel in den Slips.

Jedoch ist, ebenso wie die Größenbezeichnung, auch die Mode von Land zu Land verschieden. Jawohl, auch die Mode der Arbeitskleidung unterliegt nationalen Gepflogenheiten. Mitunter macht man sich nicht einmal die Mühe, besonders ausgefallene Trends zu verstecken.

Achtung Baustelle!

So verraten beispielsweise die Baustellenschilder viel über die jeweilige Mode der Arbeitskleidung. Aber nicht nur das. Auch der Entwicklungsstand der Werkzeuge und das Ziel der Arbeit kann man da erkennen.

Beispiel 1: Markranstädt

Der Markranstädter Bauarbeiter trägt sichere, eng anliegende Arbeitskleidung in modischem schwarz. Das macht schlank und ist vor allem bei Nachtschichten weniger auffällig. Er verwendet Profiwerkzeug mit extra dickem, bruchsicherem Schippenstiel.

Das ermöglicht ihm eine gesunde, ergonomische Arbeitshaltung mit optimaler Schaufelleistung bei voller Schippe. Die damit einhergehende strukturierte Arbeitsweise gilt nur einem Ziel: Der Haufen wird weggeschaufelt und die Baustelle schnellstmöglich beendet.

Beispiel 2: Österreich

Ganz anders machen es unsere Nachbarn in Beispiel 2. Beim Österreicher kann man mit Blick auf die Darstellung kaum von einem Bauarbeiter sprechen. Die weiten Schlaghosen attestieren ihm einen Modegeschmack, der schon mit dem Mann vom Hauslabjoch erfroren war.

Noch älter scheint das Werkzeug zu sein. Man staunt, dass es solch Equipment überhaupt noch gibt, galt es doch spätestens seit 1938 als ausgerottet.

Schippen dieser Art wurden nach dem Anschluss zu Tausenden konfisziert, weil sie bestenfalls zur Wirtschaftssabotage taugen.

Das österreichische Arbeitsgerät ist einfach zu schwach. Wie man unschwer erkennen kann, ist der Schippenstiel bereits verbogen, obwohl erst ein kleines Häufchen versetzt wurde.

Doch nicht nur eine signifikant geringere Schaufelleistung setzt dem österreichischen Bruttosozialprodukt zu.

Die schlechte Arbeitshaltung führt zu Rückenproblemen und damit nicht selten zur Frühverrentung des wertschöpfenden Kapitals.

Das Schlimmste aber ist die darauf beruhende Motivation. Während beim Markranstädter Bauarbeiter der Haufen allmählich verschwindet, schippt der Österreicher das Problem nur von rechts nach links bzw. hinter sich und kann anschließend von vorn beginnen.

Der Haufen wird zwar umgesetzt, aber die Baustelle nie beendet. Fazit: Ein Ziel seines Handelns ist beim Österreicher nicht erkennbar.

Beispiel 3: Schweden

Der Schwede ist ja so unsagbar stolz auf seine Holzmöbel, dass er seine Kunden sogar generell duzt. Dabei ist das keine große Kunst. Wenn jemand nur mit Holz heizt und deshalb Tag und Nacht mit der Axt unterwegs ist, dann ist es geradezu folgerichtig, dass da ab und zu auch mal ein Hocker dabei rauskommt. Mit einer Schippe hat er’s dagegen nicht so, der Schwede.

Der schwedische Bauarbeiter trägt noch weitere Schlaghosen als der Österreicher. Geradezu unfassbar weit sind die. Zudem benutzt er eine ganz andere Schippe als seine artverwandten Individuen in den anderen europäischen Regionen. Dennoch ist des Schweden Schaufel weit weniger geeignet für das Erreichen des Feierabends als die des Österreichers.

Eigentlich kann man noch nicht einmal von einer Schippe oder Schaufel sprechen. Eher handelt es sich um eine Art Spaten. Die Länge seines Stiels kann sich kaum mit dem Griff einer Sichel messen. Nicht auszuschließen, dass das Hebelgesetz im Dauerfrostboden schwedischer Autobahnen anders wirkt als in der heißen Atmosphäre der Markranstädter Hordisstraße.

Jedenfalls ist die Arbeitshaltung der schwedischen Bauarbeiter auf Grund des kurzen Schippenstiels ebenfalls bedenklich. Eine Pensionierung infolge Vorfalls der Bandscheiben oder anderer Organe wird seitens der WHO bereits mit durchschnittlich 38 Jahren erwartet. Die Größe der Schaufelfläche gegenüber dem Markranstädter Exemplar sorgt zudem dafür, dass der Schwede 20 Jahre länger schippen müsste als seine Kollegen zwischen Zschampert und Hunnenschanze, um die gleiche Menge umzusetzen. Fazit: Auch beim Schweden ist kein Ziel seines Handelns erkennbar.

Zumindest auf den ersten Blick. Beim genauen Hinsehen offenbart sich dem Betrachter allerdings die Logik des dargestellten Geschehens. Österreicher und Schweden leben dem Markranstädter vor, wie die Europäische Union funktioniert.

Der Österreicher schippt seinen Haufen hinter sich und verschafft damit dem Schweden einen Auftrag. Der nimmt ihn an und schaufelt den Haufen wieder dem Österreicher zu. Beide leben gut davon, so lange der Markranstädter seinen Haufen wirklich wegschippt und die Subventionen dieser wertschöpfenden Leistung nach Wien und Stockholm transferiert werden können. Am Ende darf der Bauarbeiter aus Lallendorf dann aber wenigstens in den Urlaub fahren und dort mit Georgio und Dmitri einen griechischen Grillabend verbringen. Für die Schweden und Österreicher sei erwähnt: Griechisch grillen … ohne Kohle.

 






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