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Kein Rosenmontagsumzug mal ganz anders

Mit den heutigen Rosenmontagsumzügen wird traditionell die letzte Etappe im närrischen Treiben eingeläutet. Ab Aschermittwoch ist dann Schluss mit lustig. Obwohl sich im Zschampertgau und den umliegenden Provinzen allerhand Faschingsvereine tummeln, gibt es hier aber keinen Rosenmontagsumzug. Also machen wir unseren eigenen Ringelpietz und schauen mal zurück auf das, was unsere Jecken in den letzten Wochen so geboten haben.

Weil das karnevalistische Flaggschiff MCC sowieso in aller Munde ist, hat sich das Nachtschichten-Team anno 2017 mal den KFV Seebenisch zur Brust genommen. Unter Einsatz aller fünf verfügbaren Spione wurden alle sechs Veranstaltungen besucht und was den satirischen Geistern da geboten wurde, war vom Allerfeinsten.

Da fällt schon mal der solidarische Gedanke auf, den die ländlichen Vereine leben. Man unterstützt und besucht sich untereinander und so wurden in der Grünen Eiche in Gärnitz auch Jecken aus Kitzen und Werben, Räpitz, Zitzschen, Miltitz, Grünau und Zwenkau begrüßt.

Einen Kinderfasching hatten die KFV-Jecken natürlich ebenso wieder im Programm wie den aus geriatrischer Correctness zum „Kaffeefasching“ umgetauften Seniorenkarneval.

Tolle Stimmung in der Gärnitzer „Grünen Eiche“.

Aber neben diesen und den drei Abendveranstaltungen fand erstmals auch ein Jugendfasching (Ü 16) statt, den die Lendenfrucht der KFV-Karnevalisten ganz allein gestaltete. Dass dieser nicht ganz ausverkauft war, wird sich nach der grandios verlaufenen Veranstaltung in den nächsten Jahren aber ganz sicher ändern. Die DHfK hat ländliche Konkurrenz bekommen!

Mit den „Futuristics“ steht die Lendenfrucht der Seebenischer Alt-Karnevalisten schon in den Startlöchern.

Zu den drei Abend-Galas: In 80 Tagen um die Welt wollte man reisen. So jedenfalls lautete das Motto. Und so begann die Veranstaltung nicht mit der traditionellen Selbstbeweihräucherung greiser Elferräte, sondern ganz klassisch nach Jules Verne mit einer Wette.

Na ja, ganz so klassisch dann auch wieder nicht, denn als die beiden Ballonpiloten mit Kanzlerraute schworen „Wir schaffen das!“, war die Gegenwart zurückgekehrt.

Innovationen aus der Energiestadt

Herrlich auch die innovative Idee der Energieversorgung. In einem physikalischen Versuch wurden zwei an der Saaldecke baumelnde Ballons mit heißer Luft aufgeblasen, die der Neujahrsansprache des Bürgermeisters und dem Bericht des Akteneinsichtsausschusses entwich. Das Rathaus als regenerative Energiequelle – darauf muss man erst mal kommen.

Ordnung muss sein. Das Abwerfen von Sandsäcken wird konsequent geahndet.

Alsdann erhob sich der große Ballon in die Lüfte über Seebenisch. Dass dabei ein Sandsack in die unberührte Natur abgeworfen werden musste, erregte die ökologischen Gemüter nur kurz. Ein Bärtiger, der mit seinem Minifahrrad zufällig vorbei kam, sorgte für Ordnung und den nächsten Brüller.

Die PISA-Clique, bestehend aus drei Teenies, erheiterte das Publikum dann mit einem Sketch. Erst wollte man ja nur was zu dritt spielen, aber einer der beiden Jungs hatte schon mal im Kastanienhof durchs Fenster geillert und seither die Lust an Gesellschaftsspielen verloren. „Die Bilder kriegst du nie wieder aus dem Kopf und ich will gar nicht wissen, wie’s da erst riecht!“

„Stadt – Land – Fluss“ mit der PISA-Clique. Stadt mit V? Klar: Frankfurt!

Also wurde auf Vorschlag des Mädchens „Stadt-Land-Fluss“ gespielt. Als dann einer der Jungs bei L „Lappland“ vorschlug, fühlte sich das Mädchen an einen Discountmarkt für Geschirrtücher erinnert. Einfach köstlich.

Auf der politischen Streckbank

Natürlich war der Seebenischer Fasching wieder von kommunalpolitischen Prangern geprägt und wie es die LVZ schon beschrieb, bekamen alle Protagonisten ihr Fett weg.

So musste über dem Marktplatz ein Sandsack abgeworfen werden, damit der Ballon nicht den Kirchturm streift. Zum Glück verfehlte er den Pfarrer, schlug dafür jedoch in einer nahegelegenen Arztpraxis ein. „Nicht schlimm!“, meinte einer der Piloten und verwies darauf, dass der dort praktizierende Arzt um diese Tageszeit immer beim Bürgermeister sei.

Gefahr im Ballonkorb: Turbulenzen oder Angstfürze?

Und obwohl ihn der virtuelle Sandsack nur knapp verfehlte, stand auch Pfarrer Zemmrich, der gleich bei der Premiere anwesend war, der feierliche Jubel ins Gesicht geschrieben.

Turbulenzen aus Flatulenzen

Als es gleich danach im Ballonkorb unruhig wurde, sinnierten die Fahrer über die Windverhältnisse. „Wir sind noch über Markranstädt. Das sind keine Turbulenzen, sondern die Angstfürze der Freien Wähler. Die gehen ja neuerdings in alle Richtungen.“ Das Publikum johlte und mit ihm auch jene Gäste, denen die Flatulenzen zugesprochen wurden. Fasching ist eben, wenn man trotzdem lacht.

An den einzelnen Etappenzielen des Ballons zeigten die KFV-Tanzgruppen, was sie drauf haben. Garde-, Funken- und Showtänze in Perfektion und allen Altersgruppen. Mal irisch, mal schottisch, dann spanisch, kubanisch, hawaiianisch oder brasilianisch.

Die Deichrosenbliehden in Aktion gemeinsam mit den Brummochsen. Eine Darbietung von noch nie dagewesener Eleganz.

Auch die schon etwas reiferen „Deichrosenbliehden“ und das Männerballett „Dä Brummochsen“ begeisterten die Jecken und die Darbietungen endeten nie ohne völlige Erschöpfung der Athleten infolge zahlreicher Zugaben.

Der Mann in der Bütt machte sich Gedanken darüber, warum die Leute immer in die weite Welt reisen müssen, wo es doch dort „ooch nisch andorsch als dorheem“ ist. Grenzkontrollen mit Schlagbaum gibt es im Zonenrandgebiet Frankenheim, baden kann man in den Seebenischer Seen und nicht austreten gehen können kann man auch im Ausland, wenn man dort nur an zwei Griffen hängt (Foto).

Und gleich gar nicht muss man als alter Greis nach Thailand fliegen, um junge Mädchen aufzureißen. Das geht ebenfalls in Markranstädt, was hier und da bereits beispielhaft vorgelebt werde.

Einer der absoluten Höhepunkte und sogar mit dem Prädikat „fernsehtauglich“ versehen, war die Vorführung zur Herstellung eines Irish Coffee. Der Moderatorin war entgangen, dass dem Gentleman im Hintergrund zwar alle Zutaten zur Verfügung standen, aber keine Tasse. So musste der arme Kerl alles hinterschlucken und dann im Magen mischen. Man kanns beim besten Willen nicht beschreiben, sondern muss es einfach gesehen haben. Den Jecken an den Tischen standen die Tränen in den Augen.

Auch der Müllmann war wieder da und hatte allerhand mitgebracht, was die Markranstädter im zurückliegenden Jahr so alles weggeworfen hatten. Das Spektrum reichte vom Blitzer in der Zwenkauer Straße über das Bauch-Implantat einer Schwangeren (das übrigens wirklich in die Blaue Tonne gehört, weil sowas im Rathaus unter „Bewerbungsunterlage“ fällt) bis hin zu einer verstellbaren Messlatte, mit der man den Wasserstand eines Sees ebenso flexibel messen kann wie den Abstand einer Armlänge.

Der KFV-Müllmann kommt langsam in die Jahre und schafft’s kaum noch auf die Tonne.

Es war einfach lustig, unterhaltsam und wirklich toll, was die Närrinnen und Narren aus Seebenisch anno 2017 auf die Gärnitzer Bühne gezaubert haben. Vor allem die Stimmung und das Publikum bei der letzten Veranstaltung am vergangenen Samstag werden sie wohl lange in Erinnerung behalten. Da ging beim Groitzscher wirklich die Post ab wie seit langem nicht.

Ja – und zumindest denen, die eine der Gala-Sitzungen besucht haben, wird der umzugslose Rosenmontag in Markranstädt nicht fehlen. Genug erlebt, um bis zur nächsten Session über die Runden zu kommen.

Und wer trotz allem vom „Tätäää“ noch nicht genug hat, der kann sich am kommenden Samstag oder dem 11. März auf die Socken nach Räpitz machen. Dort feiert man den Fasching traditionell nach dem Fasching. Was allerdings nicht heißt, dass da auch der Spaß noch schwarz-weiß kommt. Da geht’s noch mal richtig hoch her und auch die Vereine der umliegenden Dörfer werden sich das nicht nur aus solidarischen Gründen nicht entgehen lassen.

 



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