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Ein Hudel-Dudel für Rolf Kauka zum 100. Geburtstag

Wenn man betrachtet, wie das offizielle Markranstädt mit seiner Geschichte umgeht, kann man schon auf seltsame Gedanken kommen. Kein Hinweis im Stadtbild auf den Besuch Goethes oder auf Napoleons Abstecher, seit Donnerstag auch null Euro im Haushalt für Tourismusförderung und auch kaum gepflegte Spuren eines ganz großen Sohnes der Stadt. Der hätte heute seinen 100. Geburtstag gefeiert und deshalb ist Rolf Kauka der heutige Hudel-Dudel gewidmet.

Welche Helden hat ein Heranwachsender, wenn er in der Zeit einer Weltwirtschaftskrise aufwächst? Eher keine – und so muss er sich eben Vorbilder ausdenken. Wäre Rolf Kauka 80 Jahre später geboren, würde es heute möglicherweise nicht „Fix & Foxi“ geben, sondern vielleicht sowas wie „Carina & Jens“ oder irgendwelche Pokemons.

Da Markranstädt in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts jedoch ein dahingehend eher langweiliges Kaff war, in dem es weder Wahlanfechtungsklagen noch Schulanbauten oder undichte Sporthallen gab, musste Rolf Kauka seine Phantasie spielen lassen. Zum Glück für die Nachwelt.

Als Sohn eines Schmieds hatten es dem am 9. April 1917 in Markranstädt geborenen Rolf Kauka weder Hammer noch Amboss angetan. Ihm lagen eher filigrane Arbeiten mit Stift und Papier.

Erste Erfolge

Schon früh wurden Zeitungen auf ihn aufmerksam und veröffentlichten Cartoons des jungen Gymnasiasten. In den Archiven der Leipziger Neuesten Nachrichten oder des Weißenfelser Tageblatts sind diese Zeugnisse noch heute zu finden.

Was man in der Gegenwart hochtrabend als Netzwerk bezeichnet, waren nach dem zweiten Weltkrieg überlebenswichtige Bekanntschaften. Hätte es damals schon Facebook gegeben, wären in der Freundesliste Kaukas möglicherweise auch die Gesichter von Heinz Ullstein oder Harry Schulze-Wilde aufgetaucht.

Ullstein, Schulze-Wilde, Kauka

Genährt durch diese Freundschaft entstand nach dem Krieg nicht nur der Heinz-Ullstein-Verlag, an dessen Gründung Kauka mitgewirkt haben soll, sondern – wie aus unlängst aufgetauchten Unterlagen hervorgeht – auch der Kauka-Verlag. Aber auch das war noch nicht der Durchbruch des Metallurgen-Sohnes.

Der Erfinder von Fix und Foxi wäre heute 100 Jahre alt geworden. Rolf Kaukas Lebenswerk wird noch immer weltweit gefeiert. Weltweit? Nun, ein kleines sächsisches Dorf leistet seit Jahrzehnten erbitterten Widerstand…

Als zu Beginn der 1950er Jahre immer mehr Amis in die Westzone kamen, machten die Besiegten auch zunehmend Bekanntschaft mit der Literatur der GI’s. Ganz schwere Kost! Sie reichte von Mickey Mouse bis Donald Duck.

Alternative zum Stillen Don

Und so wie die Menschen in der Zone auf Bananen abfuhren, zog man sich im Westen kilometerweise Comics von Walt Disney rein und konnte gar nicht genug davon bekommen. Der Zoni quälte sich derweil auf der Arbeiter- und Bauernfakultät mit dem Stillen Don.

Kauka, der neben seinem Zeichentalent auch über das Wissen aus einigen Semestern Betriebswirtschaft verfügte, erkannte die Chancen und gab den Deutschen nicht nur eine nationale Mutation von Mickey Mouse & Donald Duck, sondern gleich auch eine zu Adenauer & Pieck oder wahlweise auch Truman & Stalin. „Fix & Foxi“ hießen die beiden Figuren.

Damit eroberte Kauka in den folgenden Jahrzehnten erst Deutschland, dann Europa und schließlich die ganze Welt. Uns Ossis wurde natürlich nicht gesagt, warum unsere Mütter manchmal „fix und foxi“ von Arbeit kamen. Und hätten wir drüben keine Onkel oder Tanten gehabt, die ab und zu das Nutella-Glas ganz unauffällig in das Papier eines Kauka-Magazins einwickelten, dann hätten wir nicht einmal gewusst, wie so ein Fuchs überhaupt aussieht.

Der deutsche Walt Disney

Das Fix und Foxi-Magazin avancierte bald zum noch heute größten deutschen Comic-Erfolg. Bis zu 400.000 Exemplare sind mitunter pro Woche über die Ladentische gegangen. Im internationalen Maßstab beläuft sich das geschätzte Gesamtvolumen laut Rolf Kauka Comics auf über 750 Millionen verkaufte Hefte. Fix und Foxi lief ohne Unterbrechung bis ins Jahr 1994 und brachte es bis dahin auf stolze 2.018 Ausgaben.

Insgesamt schuf Kuka über 80 mehr oder weniger erfolgreiche Comic-Stars. Manchmal aber bediente er sich auch bereits vorhandener Charaktere. Natürlich tat er das nicht in Guttenberg-Manier, sondern er fragte anständig nach, sicherte sich die Rechte und gab den Figuren ein anderes Aussehen.

Siggi & Barbarras gegen die Digedags

Asterix und Obelix beispielsweise wurden bei Kauka zu Siggi und Babarras, bei denen die berühmten Gallier Germanen waren. Die geringe Werktreue und die Häufung politischer Anspielungen stieß jedoch auf Missfallen der französischen Urheber René Goscinny und Albert Uderzo, die Kauka daraufhin im Streit die Rechte entzogen.

Die richtig erfolgreichen Kauka-Jahre waren 1970er. Da erschien zunächst der Trickfilm „Once Upon A Time“. Lief aber auch nur im Westen. Der Markranstädter Teenie ging damals eh nur ins Kino (das damals noch nicht Filmriss hieß), um zu lernen, im Dunkeln den BH-Verschluss der Freundin zu öffnen. Da war es egal, ob Bud Spencer oder Kaukas Maria über die Leinwand hüpfte. Schon ein Jahr vor dem Kinostart des Trickfilms kam 1972 der Realfilm „Versuchung im Sommerwind“ in die deutschen Kinos, mit Helmut Käutner (Große Freiheit Nr. 7) als Hauptdarsteller.

Im Juli 1973 verkaufte Kauka seinen Verlag, behielt sich aber weiterhin Mitspracherechte vor. Zwei Jahre später gründete er die „Kauka Comic Akademie“, die sich der Aus- und Weiterbildung von Autoren und Zeichnern widmete. Doch schon 1979 gefiel Kauka nicht mehr, das die neuen Besitzer mit seinen beiden Füchsen machten und er kaufte sie zurück.

Kauka, der für sein Leben gern zeichnete, sah sich seit Mitte der 70er Jahre mehr und mehr wirtschaftlichen und juristischen Zügen ausgesetzt. Verlage wurden gegründet, verkauft, erworben, Rechte gesichert und veräußert … der Preis, den man für ein Imperium eben zahlt. Rolf Kauka aus Marktranstädt war spätestens seit Beginn der 1980er Jahre unangefochten der „deutsche Walt Disney“.

Im Jahre 1982 zog sich Kauka dann aber zurück. Sicher nicht wegen des plötzlichen Erfolgsdrucks, der nach dem Ableben der Digedags aus dem DDR-Mosaik durch Ritter Runkel von Rübenstein entprang. Es waren eher gesundheitliche Gründe. In der Fachwelt sprach man schon seit einiger Zeit von einem „Long Goodbye“ des Rolf Kauka. Trotzdem erschienen Fix und Foxi, jetzt allerdings unter dem aus dem Bauer-Verlag hervorgegangenen Label VPM, noch bis 1994.

In seinen letzten Lebensjahren widmete sich Kauka, der in der Zwischenzeit auch zwei Romane auf den Markt gebracht hatte, der Umsetzung von Fix und Foxi in eine Zeichentrickserie, die erstmals im Februar 2000 im Fernsehen lief. Sie wurde erst in der ARD, dann im KiKa ausgestrahlt.

Gemeinsam mit seiner Frau Alexandra Kauka und der Ravensburger AG entwickelte er zudem das „Fix & Foxi Abenteuerland“ im Ravensburger Spieleland, das im Frühjahr 2000 eröffnet wurde. Seine in den 1980er Jahren gegründete Promedia, Inc. leitete er bis Ende 1999 selbst und übergab dann die Geschäftsführung an seine Frau.

Am 13. September 2000 starb Rolf Kauka in Thomasville (US-Bundesstaat Georgia), wo er auf der Chinquapin-Plantage seine letzten Lebensjahre verbrachte.

Außer seinen ersten Lebensjahren gibt es leider nicht viel, was Kauka mit seiner Geburtsstadt verbindet. Nicht mal eine Straße wurde nach ihm benannt. August Bebel, der nie in seinem Leben in Markranstädt war, hat dagegen hier ebenso sein Straßenschild wie Karl Liebknecht oder Karl Marx. Und wenn doch mal ein neuer Straßenname gebraucht wird, dann gibt es heftige Diskussionen um Vögel, deren Namen man kaum aussprechen geschweige denn schreiben kann.

Der vergessene Sohn

Niemand, so scheint es, denkt hier mehr an den berühmten Zeichner. Stellt man Fragen, erntet man verzogene, vielsagende Grimassen. Irgendwas muss passiert sein im Innenverhältnis zwischen Kauka und seiner Geburtststadt, aber keiner will drüber sprechen.

Woanders schon. Weltweit gibt es Fanclubs und Vereine. Ja sogar ein eigens für Kauka und sein Lebenswerk erstelltes Kaukapedia (www.kaukapedia.com) gibt es im Internet!

Ob Wien, München oder Hannover – überall werden Kauka und seine Figuren noch heute gefeiert. Nur in seiner Geburtsstadt nicht.

Trotzdem ist er ein großer Sohn unserer Stadt und deshalb unser heutiger Hudel-Dudel für ROLF KAUKA. Und vielleicht kann man sich hier dazu durchringen, auch in diesem Fall bestehende Gräben zuzuschütten, Geschichte aufzuarbeiten und mit ihr umzugehen. Wäre doch schön und sicher auch ein guter Anfang, wenn die neue Kita am Bad nicht nur einfallslos Kita am Bad heißen würde, sondern vielleicht Kindertagesstätte „Fix und Foxi“?

 



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4 Comments to Ein Hudel-Dudel für Rolf Kauka zum 100. Geburtstag

  1. Olaf Karl sagt:

    Das Markranstädt überhaupt nicht an Rolf Kauka denkt stimmt nicht ganz, denn Hanna Kämmer vom Büro für Stadtgeschichte hat in der aktuellen Ausgabe an Rolf Kauka’s 100. Geburtstag gedacht. Schade nur das kein Denkmal (Statue) in Markranstädt zu finden ist. Statt dem misslungenen Geschwür „Kunstwerk“ am Alten Friedhof könnte er dort stehen.

  2. dertho sagt:

    Und wieder was gelernt.Fix und Foxi hab ich sehr gerne gelesen,wenn sie es“aus dem Westen“ bis zu mir geschafft haben.Allerdings wusste ich nicht,daß Herr Kauka aus Markranstädt war.Darum kann ich Peter im letzten Absatz voll zustimmen.Vielleicht wirds ja noch….
    Danke und Frohe Ostern.

  3. Peter sagt:

    R E S P E K T !!!
    Ihr traut euch an ein heißes Eisen ran, denn wenn überhaupt wird in dieser Stadt eigentlich nur den Bürgern ( auch meistern und rinnen) gehuldigt wenn sich diese Vorgenannten einmal in Ihrem Leben selbst ein Denkmal gesetzt oder bauen lassen haben.
    Nun ich kenne Rolf schon aus meiner frühsten Jugendzeit und bin mit Ihm groß geworden und hatten auch nach der Schule anderes zu tun als vorm PC zu sitzen oder mit dem Kopf in richtung Smartphone über eine viel befahrene Straße zu gehen.
    Umso unverständlicher ist es mir dass so ein großer Mann weder ein Denkmal noch eine Plakette oder dergleichen in seiner Geburtsstadt hat. Ja nicht einmal eine Erwähnung zu seinem 100 ist es der Rathausgilde wert. Aber ich denke es spiegelt sehr gut wieder was die Bürger ob gewesen oder noch anwesend dem grauen Gebäude (nicht mal mittig der Stadt) mit scheinbar angeschlossenen Krematorium in Schwarz wert sind.

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