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Der Alte und Rohr: Wenn das keine Geschichte ist? (Teil 1)

Eigentlich sollte es ja nur ein Interview anlässlich der Verleihung des Hudel-Dudel werden, das die Markranstädter Nachtschichten mit der Lallendorfer Fußball-Legende Wolfgang Altmann führten. Konnte ja vorher niemand wissen, was da noch so alles in seiner Lebenskiste schlummert. Aber was da ans Tageslicht kam, war zu lustig, zu kurios und vor allem viel zu interessant, um es der MN-Leserschar vorzuenthalten. Ein lesenswertes Stück deutscher Fußballgeschichte – mitten aus Markranstädt.

Sie beginnt bereits im Jahre 1971. Tschechien ist Gastgeber des traditionsreichen UEFA – Juniorenturniers, einer Art Europameisterschaft für die U19. Mit dabei sind die Auswahlteams des westdeutschen DFB und des DFV der DDR.

In einem Hotel im mährischen Gottwaldov kreuzen sich die Wege beider Mannschaften und am Abend kommt es zu einer ersten Begegnung zweier Fußballer, aus der sich in den kommenden Jahren eine tiefe, ganz besondere Freundschaft entwickeln soll.

Grade hatte die DDR-Auswahl das Team um Rudi Kargus, Manfred Kaltz, Harald Konopka und Ronald Worm mit 3:1 geschlagen. Es war zugleich die erste Begegnung zwischen Gernot Rohr (DFB) und Wolfgang Altmann (DFV).

Am Abend kreuzten sich die Wege der beiden Verteidiger noch einmal kurz in jenem Hotel in Gottwaldov, wo neben den Teams der DDR und der BRD auch die Mannschaften von Griechenland und Gastgeber CSSR untergebracht waren.

Es gab viele Parallelen zwischen Altmann und Rohr, auch wenn sich die meisten davon erst im Laufe der Jahre zeigten. Zum Beispiel die, dass beide zu den Besten ihres Landes zählten und dennoch bei ihren Nationaltrainern nie auf dem Notizzetteln standen. Jede Menge Junioren- und Nachwuchsländerspiele, aber die Karriere im jeweiligen Nationalteam blieb beiden versagt.

Spielanalyse im Eden

Bis zur nächsten Begegnung zwischen Altmann und Rohr vergehen fünf Jahre. Man schreibt bereits April 1976, als Gernot Rohr mit den Kickers Offenbach in Leipzig zu einem Freundschaftsspiel antritt, das von den Offiziellen wegen fehlender politischer Zuneigung als „internationales Vergleichsspiel“ getarnt wird.

Nach der Begegnung kommen sich die beiden Sportler etwas näher. Man unterhält sich zwanglos und verabredet sich schließlich zu einer … nun, nennen wir es ruhig Stadtführung.

Im Eden hingen die Trauben für Fußballer nicht so hoch. Man brauchte nur sein Glas drunter zu halten…

Sie ziehen erst eine Weile um die morbiden Bauensemble der Leipziger Innenstadt und landen schlussendlich im legendären „Eden“. Dort geht, wohlgemerkt acht Tage vor dem Pokalfinale zwischen Lok Leipzig und Vorwärts Frankfurt, so richtig die Post ab.

Altmann quält zu dem Zeitpunkt noch eine fiese Verletzung am Zeh, doch die Sorge darüber verschwindet vorübergehend im Strudel der Gläser.

Erst zwei Tage später, Gernot Rohr ist auf dem Bieberer Berg unter der Knute von Trainer Otto Rehagel inzwischen längst wieder ausgenüchtert, geht Wolfgang Altmann diesseits der Elbe wegen seines Zehs zum Arzt.

Sieben Jahre Funkstille

Der ist sich nicht ganz sicher, ob er den Verteidiger bis zum Pokalendspiel am Samstag wieder fit bekommt und macht sorgenvolle Miene zum wichtigen Spiel. Am Ende gewinnt Lok das Finale am 1. Mai 1976 zwar mit 3:0, aber Wolfgang Altmann steht nicht auf dem Platz.

Es sollte bis 1983 dauern, dass sich Wolfgang Altmann und Gernot Rohr wieder auf dem Rasen gegenüber stehen konnten. Rohr war über Bayern München, mit denen er zweimal Meister und Europacup-Sieger wurde, sowie Stationen bei Waldhof Mannheim und Kickers Offenbach inzwischen nach Frankreich gewechselt und spielte nun bei Girondins Bordeaux.

Die Auslosung der ersten Runde im UEFA-Cup führte Lok an die französische Atlantikküste. Der Abflug der Leipziger Elf nach Bordeaux sollte am Montag, dem 12. September 1983 von Berlin aus erfolgen.

Wolfgang Altmann gibt heute zu, am Sonntag etwas aufgeregt gewesen zu sein. Deshalb hat er sich bis in die Nacht hinein ein Tennis-Match im Fernsehen reingezogen. Sowas kann ja bekanntlich stärker wirken als Valium und so ist er dann irgendwann auch in Morpheus‘ Arme gesunken.

Schlaf Kindchen, schlaf

Ein wenig zu tief allerdings, denn als sich sein Augenwerk wieder zu öffnen begann, war es bereits taghell und draußen schien die Umwelt in Aufruhr. Sein Blick aus dem Fenster offenbarte Altmann seltenen Besuch. Auf der Lausner Straße stand der vollbesetzte Mannschaftsbus des 1. FC Lok und der Fahrer hupte unablässig.

Während für den Normal-Ossi in Helmstedt das Ende der Welt wartete, hatte der Herr Libero aus Markranstädt fast den Flug nach Bordeaux verpennt.

Die Gesten seiner Mannschaftskameraden hinter den Fenstern des Gefährts mahnten den Langschläfer zu höchster Eile. Kaum zu fassen: In Berlin wartet der Flieger nach Bordeaux und der Herr Libero hat sich noch nicht mal die Zähne geputzt.

Dank eines Busfahrers, der den Mannschaftsboliden im Stile Michael Schumachers über die A 9 jagte, konnte die Interflug-Maschine dennoch pünktlich in Schönefeld abheben.

Château des Pins und Krim-Sekt

Am 14. September 1983 gewannen die Messestädter das Hinspiel im Stade Municipal mit 2:3. Gernot Rohr zeigte sich nicht nur als guter Verlierer, sondern auch als Genießer und wahrer Freund. Er ließ es sich nicht nehmen, Altmann zwei Flaschen guten französischen Rotweins höchstpersönlich zum Flugzeug zu bringen. Was Trainer Harro Miller beim Anblick dieser Transaktion durch den Kopf ging, ist nicht überliefert.

Wolfgang Altmann und Gernot Rohr: Der Beginn einer germanogallischen Freundschaft, die bis heute hält.

Nach dem Rückspiel in Leipzig, das Lok gar mit 4:0 gewann, revanchierte sich Wolfgang Altmann für diese Geste und überbrachte dem Hobby-Gourmet Gernot Rohr in Ermangelung Leipziger Weinanbaugebiete eine Flasche Krim-Sekt.

Allerdings hatte der Reporter eines westdeutschen Fußballmagazins Wind von der Sache bekommen. Ein paar Tage später war die mit französischen Edeltropfen und russischen Perlen besiegelte deutsch-gallische Freundschaft ein viel beachtetes Thema im „Kicker“.

Wiedersehen mit Elfmeterschießen

Das nächste Freundschaftstreffen Altmann-Rohr gab es dann im April 1987 bei jenem legendären Halbfinale im Europacup der Pokalsieger. Spätestens hier wurde auch den Vertretern von Funk und Presse gewahr, dass sich zwischen beiden Spielern mehr entwickelt hat als der Reiz grenzüberschreitenden sportlichen Kräftemessens.

Während die meisten Lok-Spieler ihre Ehrenrunde im Zentralstadion im blau-gelben Vereinsleibchen drehten, zeigte sich Altmann sogar im TV-Interview athletisch mit freiem Oberkörper und schwenkte Rohrs Trikot, während der geschlagene Germanogallier mit Altmanns Hemd in der Hand geknickt in die Kabine ging.

Trikottausch, das war nicht mal der DDR-Nationalmannschaft nach dem siegreichen 74er Klassenkampf in Hamburg gegen die BRD erlaubt. Auch anno 1987 hatten die Lok-Spieler klare Anweisung, Trikots – wenn überhaupt – nur „dezent“ zu tauschen. Frühestens also im Stadiontunnel, wo’s niemand sieht.

Nach dem Hinspiel in Bordeaux hatte Rohr sein Trikot beim Gang in die Kabine noch behalten. (Screenshot youtube)

Im Trubel nach dem Leipziger Elfmeterschießen tauschten die beiden Freunde ihre Trikots. Während Rohr (Foto) mit Altmanns adidas-Leibchen geknickt in die Kabine ging, gab der Markranstädter „oben ohne“ Fernseh-Interviews. (Screenshot youtube)

Und hier hatte der Leipziger Libero nun sein teures adidas-Leibchen sogar vor den TV-Kameras weggeschenkt! Das hätte schief gehen können, wie das Europacup-Finale drei Wochen später zeigen sollte.

Winterkleidung für den Sommer

Loks Kleiderkammer war nämlich, auf welchen Wegen auch immer, dem Ausstatter adidas anheim gefallen. Allerdings hat man weder in Herzogenaurach noch in Leipzig damit gerechnet, dass Lok im Europacup den Winter überstehen würde und hatte daher nur langärmlige Trikots ins Westpaket gen Leipzig gesteckt.

Nun schrieb man Anfang Mai und das Finale im schönen, warmen Athen stand auf dem Plan. Da brauchte man kurzärmlige Shirts und schickte deshalb ein entsprechendes Bittgesuch von Sachsen nach Bayern.

Stilleben mit Weinkiste: Gernot Rohrs Trikot vom Europacup-Halbfinale gegen Lok befindet sich in Wolfgang Altmanns Reliquiensammlung eines bewegten Fußballerlebens.

Lieferengpässe im Westen

Die Globalplayer am Weißwurstäquador konnten allerdings nicht liefern. „Ich dachte noch: Geht das jetzt da drüben auch schon los mit den Engpässen?“, feixt Altmann rückwirkend.

Nun ja, jedenfalls gabs für adidas wohl kein Textil-Kontingent vom Rat des Kreises Erlangen oder sie waren der Meinung, dass es für die Ossis noch zu früh war für die Definition einer Armlänge. Da war guter Rat teuer.

„Guck mal hier“, meint Altmann und zeigt auf den Ärmel seines Trikots vom Athener Finale. Ganz klar, die Naht war made in leipzig.

Ende des ersten Teils. Lesen Sie morgen:

+ + + Europacup-Finale in Athen mit selbstgeschneiderten Klamotten und handbemalten Töppen + + + Reiseverbot für ein Abschiedsspiel + + + Mit dem Trabi von Lallendorf nach Bordeaux + + + Was Urs Meyer mit Markranstädt verbindet + + +

 



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