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Riesen-Bärengefahr nicht nur auf Radwegen

Es ist fast genau ein Jahr her, dass sich im ehrwürdigen Ratssaal von Markranstädt die Tür geheimnisvoll knarzend öffnete und niemand anderes um Gehör bat als Gandalf der Graue. Was damals zum Brüller des Jahres 2016 avancierte, hatte aber einen ernsten Hintergrund und weil der scheinbar nicht ernst genug genommen wurde, entwickelt er sich nun zum Problem. Einem Problem, das man ausnahmsweise mal nicht aussitzen kann, denn der Riesen-Bärenklau ist weder Gutmensch noch Wutbürger.

Man kann die traurige Geschichte mit einem lustigen Wortspiel beginnen. Zum Beispiel, dass Bayern einst berühmt wurde mit seinem Problembären und Markranstädt jetzt ein riesiges Problem mit Bären bekommt. Oder dass in Markranstädt neuerdings nicht nur Fahrräder geklaut werden, sondern ein regelrechter Riesen-Bärenklau begonnen hat.

Aber all das wäre schon allein sachlich nicht richtig. Markranstädt bekommt kein Problem mit dem giftigen Gewächs, sondern hat es bereits.

Auch hat das Problem nicht erst begonnen, sondern längst Fahrt aufgenommen. Es war sogar schon da, als Ronald Gängel letztes Jahr im Gandalf-Kostüm die erste Ernte in die vierte Etage eingefahren hat.

Gandalfs Zauberstab vom Juni 2016 in der vierten Etage. Hat man das Thema trotz der eher komödiantischen Einlage ernst genug genommen?

In anderen Städten ist der Riesen-Bärenklau längst ganz oben auf der Agenda kommunalpolitischen Handelns angekommen.

In Cottbus beispielsweise rangiert das Thema noch weit vor den Umweltschäden durch die Lausitzer Tagebaue. Auch in Chemnitz und Halle sowie in zahlreichen anderen Städten genießt die Pflanze bereits einen gefühlt höheren Stellenwert als der soziale Wohnungsbau.

Der Riesen-Bärenklau nimmt unter den so genannten Neophyten eine Sonderstellung ein, da er nicht nur heimische Kulturen verdrängt, sondern auch die menschliche Gesundheit gefährdet. Und das Zeug vermehrt sich geradezu epidemisch.

Die Giftpflanze des Jahres 2008 hat sozusagen einen kaukasischen Migrationshintergrund. Sie ist Anfang des 19. Jahrhunderts vom Kaukasus nach England ausgewandert, hat dort die doppelte Staatsbürgerschaft erhalten und sich seitdem über fast ganz Europa ausgebreitet.

Schon hat sich in Mitteldeutschland mit einem länderübergreifenden Netzwerk eine Art botanische AfD etabliert, in der die Bekämpfung der giftigen Pflanze koordiniert werden soll. Lediglich in unserer Region hat sich scheinbar eine friedlichere Willkommenskultur gegenüber der Pflanze gefestigt. Ein chlorophyllhaltiges Valium-Placebo für bequeme Volksvertreter.

In fast allen Dörfern rund um Markranstädt darf sie sich prächtig entwickeln. In den Ellern zwischen Seebenisch und Schkeitbar gibt es Exemplare von solch beeindruckendem Ausmaß, dass man beim Vorübergehen aus lauter Ehrfurcht zu einem zünftigen Gruße ansetzen möchte.

Auch auf dem wegen der vielen Glasscherben „Kristallstraße“ genannten Weg hinter dem REWE-Markt fühlt sich der Riesen-Bärenklau trotz Chemotherapie pudelwohl.

Auch in der Kernstadt hat sich das giftige Zeug längst angesiedelt. Hinter dem REWE-Markt beispielsweise existiert eine ganze Population. Die wird zwar frühzeitig durch eine Art komplexer Chemotherapie nach dem Vorbild von Agent Orange so weit dezimiert, dass sie im Stadium eines Zwerg- oder Normal-Bärenklau stecken bleibt, aber ein paar Spermien schaffen es dann regelmäßig doch in ruhigere Gefilde.

Und genau da wird’s nun endgültig gefährlich für die Bürgerinnen und Bürger. Auf dem Radweg von Markranstädt in Richtung Miltitz, linkerhand entlang der B 87, gedeihen einige Exemplare so dicht am Wegesrand, dass ihre Blätter samt deren nicht minder gefährlichen Stacheln auf den Radweg ragen.

Wenn man da mit kurzen Hosen oder im Sommerkleidchen dem Gegenverkehr Platz machen will oder wegen eigener Schussligkeit (bald ist Männertag!) auf andere Weise mit dem Zeug in Berührung kommt, wars das erstmal mit dem schönen, holden Mai und dem Juni sowie dem anschließend geplanten Urlaub gleich mit.

Nach freistaatlich-sächsischem Recht ist für die Beseitigung des Riesen-Bärenklau der jeweilige Eigentümer des Grundstücks verantwortlich. Der gelernte Bundesbürger weiß natürlich, dass solches Recht erst mal nur dann gilt, wenn der Grundstückseigentümer eine Privatperson oder ein Privatunternehmen ist. Also bleibt selbst eingefleischtesten Satirikern nichts anderes übrig, als die potenziellen Opfer zu warnen.

Wer auf dem Radweg rechterhand von Miltitz nach Markranstädt (oder halt linkerhand von Markranstädt nach Miltitz) fährt, sollte Schutzkleidung tragen oder im Sommer einen Kranken- statt einen Urlaubsschein bevorzugen. 

Eine Warnung hinsichtlich des Betretens der Region hinter dem REWE-Markt mitsamt des Terrains unter der Brücke scheint nicht erforderlich.

Zerschmetterte Flaschen und andere Glasscherben, zerrissene Strumpfhosen sowie weitere Zeugnisse verlorener Jungfräulichkeiten und ein breit gefächertes Spektrum gesellschaftlichen Verpackungsmülls schrecken Menschen mit einem IQ oberhalb 55 sowieso davon ab, sich dort aufzuhalten.

Aber was den linken Radweg zwischen Markranstädt und Miltitz entlang der B 87 angeht, den sollte man sicherheitshalber meiden und auch nicht vergessen, seine Kinder für diese Gefahr zu sensibilisieren. Mit Riesen-Bärenklau ist nicht zu spaßen! Sogar ein vermeindlich gegen alles immunes Wesen wie Gandalf trug voriges Jahr Mütze, Mantel und Handschuhe, als er sein Hälmchen in der Duma präsentierte.

Neben durchaus heilbaren Erscheinungen, die von heftigen Schmerzen begleitet werden, können auch dauerhafte Schäden zurückbleiben. Es wäre doch wirklich schade, wenn sich ein Kind an dem Zeug so schlimm vergiftet, dass später mal nur ein Satiriker aus ihm werden kann.

 






2 Comments to Riesen-Bärengefahr nicht nur auf Radwegen

  1. jabadu sagt:

    Ich kann euch nur zustimmen. Mit dem Riesen-Bärenklau ist wirklich nicht zu spaßen.
    Es ist lobenswert, dass ihr wieder mal für die Stadt in die Bresche springt und die Öffentlichkeits-Arbeit leistet, die die Stadt leisten müsste.
    Und das Zeugs beseitigen? Ist nur eine Frage der Wichtigkeit und der Verteilung der Kräfte und Mittel. Es gibt Städte, die bekämpfen den Riesen-Bärenklau rigoros und in der übrigen Zeit wird die Stadt schön gemäht, so viel wie nötig. In Markranstädt wird der Riesen-Bärenklau kaum bekämpft, aber dafür die Stadt sehr schön gemäht, so viel wie möglich.
    Vielleicht könnte man das Rasen-Mähen zugunsten der Bekämpfung des Riesen-Bärenklaus mal aussetzen. Und wenn das Gras wächst, kann man das vielleicht auch hören. Na das wäre doch ein Beitrag der Stadt zur Öffentlichkeitsarbeit.

    • -st- sagt:

      Damit da nichts falsch verstanden wird: Der im Beitrag ins Bild gesetzte Riesen-Bärenklau auf dem Radweg nach Miltitz gehört nicht der Stadt Markranstädt. Die hat den Rand des Weges vorbildlich genau bis zur Stadtgrenze gemäht 😉 Die abgelichtete Kultur sowie deren Geschwister gedeihen erst hinter der Stadtgrenze.

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