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Klimawandel zwei Tage aufgehalten

Bevor wir zum satirischen Rückblick auf das Promenadenfest, die Oldtimer-Rallye und das Fest im Gewerbegebiet Frankenheim kommen, richten wir unseren Fokus auf eine etwas nachdenklich stimmende Information. Der Radschefummel, beliebter Laden in der Leipziger Straße, schließt seine Pforten. Inhaber Henry Gasch hat sich per Video von seinen Kunden verabschiedet und bittet ab heute zum Ausverkauf.

Das Auffällige wie auch Sympathische an seinem per Facebook transportierten Nachruf ist die Art und der Inhalt der Botschaft. Kein Jammern, kein Nachtreten und keine Suche nach der Schuldfrage bei anderen. Das hinterlässt positive Erinnerungen. Gasch hat sich damit sozusagen noch einmal ein sympathisches Denkmal gesetzt.

In den vergangenen Jahren hatten sich die Reihen der Einzelhändler in der Markranstädter Einkaufsstraße immer mal wieder gelichtet. Manchmal fanden die Passanten im Nachhinein regelrechte Anklageschriften der ehemaligen Inhaber in den leeren Schaufenstern, die sich gegen nahezu alles richteten, was diese böse Welt zur Existenzvernichtung beiträgt.

Zweifelsfrei gibt es diese Entwicklungen auch. Zuletzt wurde Gasch beispielsweise ein global agierender Wettbewerber direkt vor den linken Nasenflügel gesetzt, der neben Drogerie-Artikeln nahezu das gleiche Portfolio bedient wie der Radschefummel. Grund genug für einen schuldzuweisenden Rundumschlag hätte Henry Gasch also gehabt.

Zwischen Abschied und Weitergehen

Aber er hat’s nicht getan. Ebenso hat er auf Kritik am allgemeinen Kaufverhalten verzichtet, obwohl es außer Frage steht, dass sich die homogene Einheit der deutschen Konsumenten mit ihrer Geiz-ist-geil-Mentalität genau die Verhältnisse erkauft hat, die den kleinen Einzelhandel heute in die wirtschaftlichen Massengräber trägt.

Trubel vorm Radschefummel beim Straßenfest anno 2014. Was wird folgen? Eine Döner-Bude könnte den Branchen-Mix in der Markranstädter Einkaufsmeile abrunden…

Also wieder einer weniger. Das ist traurig. Aber die Art und Weise, wie sich Henry Gasch bei seinen Kunden verabschiedet, ist sympathisch. Er hat sich bei den Markranstädtern bedankt und es gibt allen Grund, dass diese sich auch bei ihm nochmal bedanken. Vielleicht nicht nur beim Leichenschmaus à la ‚Geiz ist geil‘ für „50 Prozent auf alles“, sondern auch einfach mal so? Noch ist er da.

Nun zum positiven Ende der letzten Woche. Das inzwischen 5. Promenadenfest war eine richtig tolle Sache. Das Wetter meinte es fast zu gut und viele der wohnzimmergebleichten Besucher mit der Bräune einer Kellnerjacke holten sich ihren ersten Sonnenbrand des Jahres ab.

Nicht nur das Antlitz der Gäste zierte ein zufriedenes Lächeln, auch die Mitwirkenden waren voll des Lobes. Während bei einigen Akteuren schon eine gewisse Routine und damit verbundene Erwartungshaltung für Selbstbewusstsein sorgten, waren die Betreiber der Location Ab ans Ufer zu Beginn noch etwas aufgeregt.

Statt des etwas in die Jahre gekommenen Reizes eines morbiden Pappboot-Rennens hatten sich David Weide und Stephan Riedel ein neues Event ausgedacht, um die ausgediente Papier-Werft wieder zu ertüchtigen. Im Kampf Mann gegen Mann wurde auf hoher See der Sieger im Fischerboxen ausgefochten.

Unter den strengen Augen des Kampfrichters Stephan Riedel gings auf dem Kulkwitzer Ozean beim Fischerboxen hoch her. Gelungener Gaudi.

Dazu standen sich auf einem Stehpaddelbrett je zwei mit gigantischen Handschuhen bewaffnete Athleten gegenüber. Wer ins Wasser fiel, hatte verloren, der Sieger kam eine Runde weiter. Auch wenn am Ende der „Käpt`n Kulki“ gekürt werden konnte, waren alle Teilnehmer irgendwie Sieger. Bei 18 Grad Wassertemperatur an der Oberfläche und knapp 15 Grad ein paar Zentimeter tiefer, muss man allein schon den Mut zur Teilnahme an der lustigen Seeschlacht honorieren.

Auch die umliegende Gastronomie schien am Treiben auf der Promenade zu partizipieren. So entwickelte sich eine sichtbare Gästewanderung zwischen Westufer und gut frequentierten Lokalitäten wie Holzwurm, Bowlingbahn und anderen Einrichtungen. Es schien fast, als würde sich die längst totgesagte „Große Raupe“ noch einmal zu regen beginnen. Vielleicht wäre das ja doch mal ein Ansatzpunkt, über die Reinkarnation der Kneipenmeile als Bestandteil eines großen Stadtfestes nachzudenken?

Am Sonntag wurde es dann nostalgisch. Fahrzeuge im Alter von teilweise mehr als 100 Jahren verliehen dem Erscheinungsbild der Kernstadt eine überzeugende Patina. Die Route der „Via Regia Classic 2017“ führte die Oldtimer und ihre Chauffeure sinnstiftend von Markranstädt erst mal direkt nach Frankenheim.

Dort war alles für die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des Gewerbeparks gerichtet, die mit der Ankunft der betagten Fahrzeuge eröffnet wurden. Immerhin wird dort, am Rande der beschaulichen Ortschaft, ein nicht unbeträchtlicher Teil der Markranstädter Gewerbesteuern generiert.

Während die Akteure im Zonenrandgebiet des Gewerbeparks Frankenheim meist unter sich waren, brillierte das Epizentrum mit ansprechendem Unterhaltungswert. Auch kulinarisch ging hier die Post ab. Frisches Brot aus der Windmühlenbäckerei ging weg wie warme Semmeln.

Einziger Wermutstropfen: Mit den Attraktionen des ersten Wertungspunktes der Oldtimer-Rallye bei Fahrzeugbau Frank und den gleich in direkter Nachbarschaft konzentrierten musikalisch-kulinarischen Erlebnisbereichen, konnten sich die etwas weiter außerhalb dieses Epizentrums angesiedelten Firmen mit Infoständen, Werbegeschenken und offenen Türen in der Gunst des Publikums nur bedingt messen. Hier kann man zum 50. Jubiläum noch nachjustieren.

Ressourcenschonendes Wochenende

Was steht am heutigen Montag unterm Strich des abwechslungsreichen Wochenendes? Ganz klar: Die grüne Energiestadt am See ist ihrem vorauseilenden Ruf wieder mal gerecht geworden. Durch die zentrale Versorgung mit Speis und Trank blieben viele stromfressende Küchenherde am Wochenende einfach mal kalt.

Markranstädt hat gezeigt, wie der Klimawandel ohne Verzicht auf Spaß und Unterhaltung mal für zwei Tage aufzuhalten ist. Fehlt eigentlich nur noch ein schlüssiges Konzept, wie man diese Philosophie auf 365 Tage ausdehnen kann.

 






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