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Symbolische Selbstjustiz an Laternenpfählen

Wieder die Sachsen! Und wieder auch die Markranstädter. Im Freistaat, in dem laut einschlägigen Medienberichten zwischen Elbsandsteingebirge und Schkeuditzer Flughafen ausnahmslos Neonazis hausen, macht sich das frustrierte Wahlvolk auf eine besonders perfide Art Luft und zeigt damit seine hässlichste Fratze. Ungeliebte Politiker werden symbolisch an Laternenpfählen gehenkt!

Ungeliebte heißt in diesem Fall: Ausnahmslos alle! Ein regelrechter Hype ist daraus entstanden, der weder vor Frauen, noch den eigenen Kameraden halt macht. Eine Art analoges „Pokémon Hang“ für radikalisierte Stammwähler. Was ist da los im braunen Freistaat und seiner heimlichen Hauptstadt Markranstädt? Haben die nichts gelernt aus ihrer Vergangenheit?

Am schlimmsten hat es Martin Schulz getroffen. Der Hoffnungsträger der SPD und Erfinder des Schulz-Zuges hängt nicht etwa an einem beliebigen Laternenpfahl, sondern noch dazu direkt vor dem Kulkwitzer Friedhof. Kann das ein Zufall sein?

Oder anders gefragt: Ist das noch Satire oder schon Wahlkampf? Diese Frage stellen sich vor allem die Mitglieder und Sympathisanten von HELL-GREEN, der okkulten Splittergruppe aus Restbeständen einer einstigen Öko-Partei um Michelin-Männin Raudia Cloth.

Ich finde das unerträglich!“, kräht das telegene Polit-Model ohne Ausbildung ins Diktiergerät. Wir treffen die charismatische Sympathieträgerin der SUV-Mode zwischen zwei RTL-Aufzeichnungen, in denen es um eine Hitliste der Schlager aus den 30er Jahren geht. Cloth hat gerade etwas Zeit, weil die Cutter fieberhaft damit beschäftigt sind, eine Szene rauszuschneiden, in der sie völlig entrückt das Horst-Wessel-Lied mitpfeift.

Aus der Geschichte lernen

„Dass die nur 72 Jahre nachdem sie ihre Frauenkirche zerstört haben, schon wieder mit so menschenverachtenden Sachen anfangen, ist nicht länger hinnehmbar!“, bezieht sie klar Position zu den symbolischen Hinrichtungen. Wir fragen, ob hier nicht der Rechtsstaat endlich eingreifen müsse. Cloth ist entsetzt: „Ist das nicht schon rechts genug? Sie gehören wohl auch zu denen?“

Am unerträglichsten fände sie nicht einmal das symbolische Aufhängen von Politikern, sondern die Tatsache, dass die braunen Henker auch noch ihre eigenen populistischen Parolen auf die Bilder schmieren.

„Da wird Angela Merkel beispielsweise mit dem nationalistischen Spruch versehen: Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben. Ist es schon wieder so weit? Das hatten wir doch schon mal!“

Dann kommt sie auf den Punkt: „Die wollen unsere Demokratie damit unglaubwürdig machen. Wir predigen jeden Tag von Europa und versuchen alles, um den Begriff ‚Deutschland‘ aus unserem Wortschatz zu tilgen. Da wär es doch völlig unglaubhaft, wenn die Kanzlerin jetzt plötzlich von sich aus wieder mit diesen unerträglichen ideologischen Reichsgrenzen argumentieren soll. Das sind Fake-News und keiner merkt das. Wahnsinn!“

Einmal in Fahrt gekommen, setzt sie nach: „Oder beim Lindner, da hat man drunter geschmiert: Ungeduld ist auch eine Tugend. Genau diese Nazi-Ungeduld hat uns in den letzten hundert Jahren zwei Siege gekostet. Diese braunen Bilderterroristen haben einfach nichts aus der Geschichte gelernt.“, beklagt die viel Fleisch gewordene Kernkompetenz.

Während dessen ziehen die mobilen Standgerichte weiterhin zu Hunderten quer durch den Freistaat und hängen immer neue Politiker auf. Die HELL-GREENEN betrachten das nicht nur aus humanitären Aspekten mit wachsender Sorge. Auch die Missachtung ökologischer Grundsätze sehen sie kritisch.

„Lichtmasten und Laternenpfähle, was anderes kennen diese Ewig-Gestrigen nicht. Dabei wimmelt es bei uns geradezu von nachwachsenden Ressourcen. Warum hängen die ihre Poster nicht auch mal an Lebensbäume oder Riesen-Bärenklau?“ Besonders in der Region um Markranstädt gäbe es da ganz beachtliche Exemplare, die man mit ein wenig gutem Willen weithin sichtbar nutzen könne.

Aber das stört die rechtspopulistischen Banden nicht, die da Nacht für Nacht den öffentlichen Raum mit ihrer entarteten Kunst zukleistern. Im Gegenteil! Ohne nachzudenken, werfen sie alle politischen Richtungen in einen Topf.

Der Generalverdacht parteiübergreifender Wahlkampflügen gipfelt darin, dass neben Martin Schulz nun auch sein Leipziger Statthalter Markus Bergforth am gleichen Mast vorm Kulkwitzer Friedhof hängt. Nicht etwa Schulter an Schulter, wie unter Genossen üblich, sondern Rücken an Rücken.

Alles wird tapeziert

Nur wenige Meter weiter baumelt das Konterfei ihrer Gegnerin im Wind. Wenigstens haben die braunen Schergen respektiert, dass Katharina Landgraf Christdemokratin ist und für sie einen Platz in Sichtweite der Kirche ausgesucht.

Ob nicht auch ein gewisser Neid im Spiel sei, weil die HELL-GREENEN bei diesem Bilder-Pogrom nicht einmal anständig ignoriert werden, wollen wir wissen. Cloth lacht und winkt ab: „Dazu brauchen wir die Rechten nicht. Das machen wir selber. Und außerdem: Ein Bild von mir wird erst aufgehängt, wenn ich weiß, dass alle Stricke reißen.“

Und so werden die paramilitärischen Klebe-Einheiten sächsischer Nazi-Zellen in den kommenden drei Wochen wohl ungehindert damit fortfahren können, ihre zweifelhaften Botschaften so lange öffentlich zu publizieren, bis der gesamte Freistaat flächendeckend tapeziert ist.

Wahlkampfzirkus zwischen Clowns und Hochseil-Artisten

Und auch solche satirischen Kostbarkeiten wie nebenstehende Ankündigung einer Zirkusnummer ganz besonderer Art werden im Zeitalter der Fake-News zum Alltag des politischen Wahlkampfes zählen. Hereinspaziert, hereinspaziert!

 

 



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2 Comments to Symbolische Selbstjustiz an Laternenpfählen

  1. Ulrich Naser sagt:

    Ich sehe, wie der Schulz-Zug auf seinem Weg die unterschiedlichsten Menschen erfolgreich mitnimmt und das gehört wohl auch dazu, manchmal an Friedhöfen vorbeifährt. So bleibt mir nur die Hoffnung, dass ihr Fotograf das Plakat von Martin Schulz wieder in Fahrtrichtung (auf volle Fahrt) gedreht hat.

    • -st- sagt:

      Diese Trauben hingen für unseren Fotografen zu hoch. Er hätte dazu einen Stock gebraucht. Wenn das wiederum von anderen Fotografen gesehen worden wäre … Da schlägt ein Sachse nach einem Sozialdemokraten 😉 Morgen schon würde es heißen, er war der Anführer eines braunen Mobs. 😉

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