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Wo Barthel den Most holt

„Quo Bartolus vendit mustum“, heißt es in einem mittelalterlichen Knittelvers. Das bedeutet so viel wie „Wo Barthel den Most holt“. Das ist im Laufe der Jahrhunderte zu einem Sprichwort geworden. Wenn einer weiß, wo Barthel den Most holt, dann ist er ein pfiffiges Kerlchen. Der Legende nach befand sich jener sagenumwobene Laden mit dem besten Saft einst bei Meißen. Heute ist sich die Fachwelt jedoch einig, dass Seebenisch der Ort ist, wo Barthel den Most holt.

Tag der offenen Tür in der Weinkelterei Schauß, dem mitteldeutschen Inbegriff für hervorragende Obstweine und erstklassigen Most. Hier kauft seit Unternehmensgründung im Jahre 1926 auch der legendäre Barthel ein.

Vor rund 30 Jahren noch war Seebenisch um diese Jahreszeit komplett zugestellt. Ladas, Trabis und Wartburgs mit Kennzeichen aus gefühlt allen Bezirken der Republik standen samt Fahrern und vollbeladenen Anhängern geduldig in einer Reihe. Warten bis man dran ist, das hatte System in der DDR.

Sie alle wollten bei Schaumwein-Papst Frank Schauß ihr Obst veredeln lassen. Die einen nahmen den gepressten Saft gleich wieder als Most mit, andere wiederum ließen ihn zu Sekt verarbeiten. Weil Sekt aus Obst selbst in der DDR nicht Sekt genannt werden durfte, war es eben Schaumwein. Egal, es hat gedreht und gut geschmeckt. Mehr war nicht wichtig. Auch nicht, dass die edlen Tropfen damals schon Bio waren.

Tag der offenen Tür: Erfahren, wo Barthel den Most holt.

Gedreht hat aber nicht nur der Schaumwein, sondern auch die Welt rotierte weiter. Der übliche Karriereknick ostdeutscher Unternehmen nach der Wende ereilte auch die Seebenischer Weinkelterei. Barthel holte seinen Most jetzt lieber im Supermarkt. Hergestellt mit spanischen Äpfeln aus Paraguay, die vorzugsweise aus heimischen Anbaugebieten in Chile importiert wurden.

Dass sogar Maden um dieses nicht nur mit Freiheit gespritzte Obst einen weiten Bogen machten, spielte damals keine Rolle in der Gedankenwelt der Konsumenten. Auch nicht, dass die Geschmacksdefizite dieser chemischen Lösungen bisweilen mit tonnenweise Zucker und der gesamten Palette von E1 bis E999 übertüncht wurden.

Der Saftladen war schon immer „Bio“

Mitten hinein in diese Prozesse der Chemisierung unserer Nahrungskette platzte für den Seebenischer Bio-Saftladen plötzlich die Chance, eine Mosterei in Geithain zu übernehmen. Was damals wie ökonomischer Wahnsinn erschien, zeigte sich schon wenige Jahre später als zukunftsweisende Entscheidung.

Blick in die Geithainer Anlage. Hochglaz-Edelstahl auch für naturtrübe Säfte.

Fast eine halbe Million Liter Saft und Wein wird hier seither pro Jahr produziert. Und alles absolut Bio, wie es neudeutsch heißt.Wir realisieren beispielsweise die gesamte Reinigung ausschließlich mit Trinkwasser“, verrät Heike Kleine. Die sympathische Schauß-Tochter führt den traditionsreichen Familienbetrieb gemeinsam mit Ehemann Mario heute in bereits vierter Generation.

Damit auch beim „alles mit Wasser“ das Öko-Siegel passt, wird das kostbare Nass gereinigt, aufbereitet und so mehrfach verwendet. In der letzten Reinigungsstufe werden dann selbst kleinste Druckstellen am Obst per Hochdruck-Strahl entfernt. Am Ende gelangt nur die naturbelassene, reine Frucht blitzsauber in die Presse.

Davon konnten sich am Tag der offenen Tür die zahlreichen Besucher persönlich überzeugen, ebenso wie von den weiteren Verarbeitungsprozessen. Sogar die Flaschen werden ohne chemische Mittel gereinigt. Dass diese Kriterien auch durchgängig eingehalten werden, wird im hauseigenen Labor überprüft. Hier werden auch Zucker- und Alkoholgehalt sowie weitere Merkmale kontrolliert.

Mal mit und mal ohne Prozente: Die Vielfalt heimischer Früchte, abgefüllt in Flaschen, sorgt immer für gute Laune.

Weil der neue Verarbeitungsstandort Geithain nicht gerade um die Ecke liegt, wurde parallel ein weit verzweigtes Netz leistungsfähiger Sammelstellen aufgebaut. Es reicht vom traditionellen Standort Seebenisch über Geithain, Großbardau, Bad Lausick und Wöllmen bis hin nach Zeitz in Sachsen-Anhalt. Auf dem Globus der Leipziger Tieflandsbucht führen sozusagen alle Wege zur Weinkelterei Schauß.

Auch das Portfolio beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Äpfel und Birnen. Die Saison beginnt Ende Mai mit dem Rhabarber, ab Juni werden dann Erdbeeren, schwarze, weiße und rote Johannisbeeren, Stachelbeeren, Jochelbeeren sowie Him – und Brombeeren verarbeitet.

Birne: Die Banane des Ostens

Weil die Anliefermengen vor allem bei Beeren für eine sortenreine Verarbeitung mitunter nicht ausreichen, wird aus diesen dann ein wohlschmeckender und besonders gesunder roter Mehrfruchtnektar aus einheimischen Früchten hergestellt. Abgerundet wird das Spektrum durch Aprikosen, Pfirsiche und Pflaumen. Seit den 90er Jahren werden im Betrieb auch Holunder und Sanddorn zu Saft oder Nektar verarbeitet.

Hier wird der Quitten-Nektar abgefüllt.

Und dann wäre da noch ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal. Die Kelterei ist weit über Sachsens Landesgrenzen hinaus bekannt als Spezialist für die Verarbeitung von Birnen. Klingt komisch, ist aber so. Ausgerechnet der Umgang mit der „Banane des Ostens“ verlangt ein besonders hohes Maß an Erfahrung, handwerklichem Fingerspitzengefühl und Fachkompetenz, um aus ihr einen hervorragenden, qualitativ hochwertigen Wein oder Saft zu keltern.

Der Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Konsistenz der Frucht. „Würden wir eine weiche Birne genauso reinigen wie einen harten Apfel, hätten wir am Ende bestenfalls ein paar Kerne in der Presse“, weiß Mario Kleine und formuliert die Herausforderung so, dass sie auch Satiriker verstehen.

„Du musst eine Birne behandeln wie eine Frau. Sensibel und mit viel Gefühl. Manche sind empfindlich, andere mögen’s etwas härter. Das musst du vorsichtig rausfinden. Da hilft keine Maschine und keine Software, das ist reine Erfahrung.“ Spätestens hier wurde der Betriebsrundgang für die Satiriker zum kulturellen Event. Die Kelterei als Swinger-Club, eine völlig neue Sichtweise mit ungeahntem Spaß-Faktor. Darauf gab’s erst mal ein Viertel vom aktuellen Johannisbeer-Wein.

Den Hauptanteil der verarbeiteten Obstmengen machen aber nach wie vor die Äpfel aus. In diesem Jahr sind die Erträge nicht überragend, weshalb Heike Kleine wirbt, dass die Leute auch Straßenobst sammeln sollen. Hier zuckt der bio-geprägte Ökogeist kurz zusammen. Wie jetzt? Bio-Äpfel vom Straßenrand? Und noch dazu nicht nur gepflückt, sondern auch aufgelesen?

Heike Kleine lacht. „Das ist eigentlich das beste Obst. Bleihaltiges Benzin fährt kaum noch jemand, den Feinstaub vom Diesel und alle anderen Rückstände waschen wir sorgfältig ab und vor allem ist das Obst an Straßenrändern nicht mit Insektiziden oder Pestiziden behandelt worden.“ Um das zu beweisen, zeigt sie Expertisen von wissenschaftlichen Untersuchungen internationaler Institute und die Ergebnisse einschlägiger Labortests.

Wieder was gelernt und allein für diese Erkenntnis hat sich der Betriebsausflug der Markranstädter Nachtschichten gelohnt. Besser gesagt: hätte. Denn ohne eine Rundum-Verkostung als Punkt auf dem i wollte an diesem Tag der offenen Tür niemand die Kelterei verlassen.

Früher fuhr Barthel noch mit dem Pferdefuhrwerk los, um den Most zu holen. Heute wird der Saft gleich in Paletten geordert und per Gabelstapler transportiert.

Unser Fahrer bediente sich an der gesamten Produktpalette alkoholfreier Säfte, während Fotograf und Schreiberling das Spektrum der Prozente auskostete. Als dann der Griff zum legendären Kirsch-Glühwein erfolgen wollte, bat Mario Kleine um Einhalt und verschwand in einem Geheimverließ. Kurz darauf kehrte er mit der neuesten Kreation des Hauses zurück.

Der neue Renner: Kirschbier

Es ist ein wahrhaft überzeugendes Kirschbier, das da in Zusammenarbeit mit einer vor Ort ansässigen Brauerei und auf Grundlage einer von Mario Kleine selbst entwickelten Rezeptur entstanden ist. Erfrischend, nicht so ekelhaft süß wie manch ähnlich bezeichneter Sirup anderer Brauer, lecker und absolut süffig. Ein vollmundiges Bukett mit fruchtiger Note und einem Hauch von Cardamom im Abgang.

Leider gibt’s den edlen Tropfen noch nicht in Flaschen und für ein ganzes Fass war das Auto dann doch zu klein. Macht aber nichts. Fürs Erste reichen zwei voll bepackte Saftsäcke mit Säften und Weinen. Das Fass nehmen wir ein andermal mit. Wir wissen ja jetzt, wo der Barthel den Most holt.

Die Zeiten, in denen man Kisten schleppen musste, sind vorbei. Für den kleineren Einkauf gibt’s im Saftladen den passenden Saftsack.

Wo Barthel den Most holt

Und hier der MN-Service für alle, die ebenfalls auf Barthels Spuren wandeln wollen. Die Sammelstellen der Weinkelterei Schauß samt Anschrift und Anfahrtskizze finden Sie, wenn Sie hier klicken und die Öffnungs- bzw. Annahmezeiten finden Sie hier.

 



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