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Tief Herwart nahm Rache für seinen Namen

Ginge es um Leserzahlen oder Einschaltquoten, würde die Schlagzeile so lauten: „Sturmtief Herwart schlug Schneise der Verwüstung durch Markranstädt“. Ganz so schlimm wars dann aber doch nicht. Im Pazifik hätte ein Orkan bestenfalls zur Kokospalme gesagt: „Halt die Nüsse fest, jetzt wird geblasen!“ Seit Tiefs bei uns Männernamen wie Herwart tragen, ist aber nicht mal mehr das denkbar, auch wenn inzwischen die Ehe für alle proklamiert wurde.

Das Sturmgebraus am Sonntag hatte im ständigen Tatü-Tata der Feuerwehr einen steten Begleiter. Nachdem sich der Wind gelegt hatte, wagten sich Überlebende der Markranstädter Nachtschichten raus an die Luft.

Die Medien hatten mit ihren Informationen zwischenzeitlich dafür gesorgt, dass unsere Reporter befürchten mussten, rauchende Trümmer und traumatisierte Menschen vorzufinden.

Aber dem war nicht so. Die Dächer der Stadt erwiesen sich als so widerstandsfähig, wie es die Dachdecker versprochen hatten und dass die Versorgungslage dennoch katastrophal war, lag einzig daran, dass die Geschäfte sonntags nie geöffnet haben. Lediglich die Natur zeigte sich arg gebeutelt.

Auf dem alten Friedhof wäre es beinahe zu einer Tragödie gekommen. Am Treff der Anti-Alkoholgegner vorm Denkmal landete ein Baumstamm krachend direkt auf einer Parkbank. Aber die Beiden hatten einen Schutzengel.

Die von einem Konsortium stadtbekannter Sterngucker gemietete Bank entging nur knapp einer Katastrophe.

Kurz vor dem Zwischenfall war ihr Bier alle. Weil sie sich aufgrund von „Fäärschdänngsprrrblemen nüschd dsharauf einijenn“ konnten, wer Nachschub holt, gingen beide los. Nur Sekunden später schlug der Ast auf der Parkbank ein. Der Heilige Gambrinus hatte eine schützende Hand über seine Jünger gelegt.

Die am Baum verbliebenen Reste wetteifern nun mit dem gleich nebenan befindlichen urbanen Karzinom um das Prädikat der kreativsten Interpretation einer Naturkatastrophe. Dieses Motiv hat das Zeug, noch in den kommenden Wochen die Feuilletons der deutschen Presselandschaft zu füllen.

Zwei Interpretationsformen einer Naturkatastrophe.

Hier schließt sich der Kreis. Auch ein Baum ist nicht vor einer Darmspiegelung gefeit.

Nur wenige Meter weiter wird dem Spaziergänger gewahr, wie die Symbiose aus Mensch und Natur funktionieren kann. In der Leipziger Straße hat man nicht mit sinnfreien Geräten das Laub hin und her geblasen, sondern einfach auf die Kraft der Natur gewartet.

Sauber abgelegt: Tief Herwart als ökologisches Gebläse für nachwachsende Rohstoffe.

Herwart hat diese Geduld belohnt und die Blätter ordentlich auf Haufen gepackt. Jetzt müssen sie nur noch aufgeladen und abtransportiert werden. So funktioniert ökologisches Handeln in einer grünen Stadt am See!

Glatt in der Mitte durchgebrochen! Orkan Herwart schlug in Markranstädt mit der gesamten brachialen Urgewalt  der Natur zu.

Am schlimmsten gewütet hat Sturmtief Herwart allerdings im Stadtzentrum. Im roten Elefanteneimer an der Kreuzung Leipziger / Hordisstraße knickte der Orkan einen mehrere Millimeter starken Baum samt Takelage unterhalb der Krone ab. Zum Glück stürzte sie nicht auf den Gehweg, sondern schlug noch innerhalb des Behälters auf, der dabei ebenfalls nicht zu Schaden kam.

Ansonsten hat sich Herwart aber ganz ordentlich verhalten. In der Zwenkauer Straße, die meteorologisch wohl wie ein Tal in den Alpen wirkt, ließ er ein paar Dachziegel hernieder gehen.

Hier hat Tief Herwart wahrscheinlich mal kurz ein paar Dachziegel geniest. Immer noch besser, als wenn er gefurzt hätte.

Beim Passieren dieses Ortes schaut man automatisch besorgt nach oben und von daher ist das gelandete Gut durchaus geeignet, das prophylaktische Handeln der Fußgänger zu schulen.

Auch der Schilderwald hat was abgekriegt und wurde am Sonntag gelichtet. Sowohl in der Zwenkauer Straße als auch am Markt und an anderen Orten lag Windbruch rum.

Klimawandel nix schuld!

Umgefallene Schilder und weiterer Holzbruch am Krakauer Teich, in der Neuen Straße oder im Park komplettieren das Schadensbild, das sich dem Betrachter nachmittags in der Kernstadt bot.

Die Geräte auf dem Spielplatz sind ohnehin nur Deko-Artikel. Herwart hat in der Parkstraße Knüppel regnen lassen und damit für altersgerechte Beschäftigung nach der Schule gesorgt.

Es war zwar nicht viel Wind um nichts, aber dennoch nicht genug Schaden, um daraus klug werden zu müssen. Mit dem Klimawandel hat das noch immer nichts zu tun.

 



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