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„Sport frei!“ in Kulkwitz: Jedem Schüler sein Reck

Die Kulkwitzer Grundschüler können sich seit kurzem über einen kompletten Satz neuer Turngeräte freuen. Insgesamt 50 solcher Outdoor-Reckstangen wurden aufgestellt, damit sich die Kids an der frischen Luft betätigen können. Es scheint, als verfüge jeder Schüler über ein Gerät. Damit dürfte die Grundschule Kulkwitz zu den am besten aufgestellten Bildungseinrichtungen der Bundesrepublik zählen. Nur bei den Passanten sorgte der neue Anblick zunächst für Irritationen.

Wer zu nächtlicher Stunde durch Gärnitz fährt, dem kann angesichts dessen, was da im Widerschein des Abblendlichs plötzlich vor der Windschutzscheibe auftaucht, ganz schnell mal der Schreck in die Glieder fahren.

Nein, es ist nicht der Securitybereich eines Fußballstadions und auch nicht die Landebahnbefeuerung eines über Nacht errichteten Airports, auf das man da zusteuert. Und auch wenn es farblich hinkommt, handelt es sich ebenfalls nicht um die Deko eines heimlich geplanten Weihnachtsmarktes vor der Grundschule.

Auf der gedanklichen Suche nach dem Zweck der Installation trifft das Auge des Betrachters irgendwann auf die Jünger unseres Turnvaters Jahn. Die Kids haben die ihnen geweihten Stangen dankbar angenommen und üben sich im Geräteturnen.

Felgauf- und abschwung, Sitzen auf der Stange, Drehungen, Schick-Schnack-Schnuck beim Balancieren – all das haben die ABC-Schützen im Handumdrehen gelernt.

Allein die Hoffnung, dass die Turngeräte zugleich auch eine Sicherheitsmaßnahme darstellen, um die Kids vorm Straßenverkehr zu schützen, wollen die ewigen Meckerer volley widerlegt sehen. Manche der Schützlinge würden sogar drunter durch passen, ohne sich großartig bücken zu müssen. Meinen jedenfalls die Bedenkenträger.

Das ist aber zu kurz gedacht. Die Gefahrenlage hat sich in unserer Zeit drastisch verändert. Der Schutz ist jetzt nicht mehr von innen nach außen erforderlich, sondern umgekehrt.

So taugen die neuen Gestänge durchaus als aktives Bollwerk, falls sich perspektivisch auch in Gärnitz mal ein Transporter von „Islam-Logistics“ in eine Menschenmenge verfahren will. Das nennt man weitsichtige Planung.

Insgesamt wurden auf dem Fitness-Park 50 (in Worten: fünfzig) solcher Geräte gepflanzt. Macht einhundert Löcher respektive Fundamentchen und insgesamt einen finanziell fünfstelligen Großangriff in rot-weiß.

Und das nicht nur zur Straße hin, sondern auch am Rand des Steilufers. Dort gibt es dann den ultimativen Kick: Turnübungen hoch über der Vernässungsfläche! Dagegen ist Bungee-Jumping an den Niagarafällen der reinste Firlefranz.

Und diese gelungene Investition glänzt sogar durch weitere Synergieeffekte. Die Eltern, die im Zweifelsfall nur wenige hundert Meter entfernt wohnen, können jetzt gleich im Auto sitzen bleiben und müssen ihre Prinzen und Prinzessinnen nicht mehr durch den Schlamm bis zum Schultor zerren. Den Schülern kann ja nichts mehr passieren, jetzt, wo alles hermetisch abgeriegelt ist.

Also: Hut ab vor dieser mutigen Investition ohne langes Brimborium, wiederholte Klarstellungsbeschlüsse oder zeitraubende Akteneinsichtmaßnahmen.

Und wenn der Satellit von Google Earth das nächste mal über die Kulkwitzer Grundschule fliegt, werden die ersten Verschwörungstheoretiker das Gerücht über eine Gärnitzer Area 51 in die Welt setzen.

Wir werden berühmt werden … werden wir, jawoll!

 






3 Comments to „Sport frei!“ in Kulkwitz: Jedem Schüler sein Reck

  1. Babele sagt:

    Das ist jetzt nicht wahr, oder? Da wird von Windkrafträdern auf weit entfernten Feldern bis zum privaten Zaun alles abgelehnt, weil es nicht ins Ortsbild passt oder die Landschaft verschandelt und dann so eine Vergewaltigung der örtlichen Baubauungskultur. Nicht zu fassen. Das sieht ja wirklich aus wie vor einem G8-Treffen. Dagegen war ja unsere Schranke eine lächerliche Minimalvariante.

  2. Heike Kleine sagt:

    Habe mich lange nicht mehr so amüsiert, wie über diesen Artikel, der uns allen aus der Seele spricht. Besser kann man diese Investition nicht interpretieren!!!!! Danke!

    • CvD sagt:

      Vielen Dank für die Lorbeeren, liebe Heike. Wir wünschten uns nicht nur öfter solch motivierende Kommentare, sondern auch mehr solche Investitionen. Da liegt die Satire praktisch auf der Straße und wir brauchen unsere faulen Hintern nicht mehr aus dem Bunker bewegen. Allerdings haben wir in dem Beitrag ein wichtiges Merkmal vergessen. Es heißt ja immer, dass man als einzelner Volksvertreter oder als Mitglied einer Opposition nichts erreichen kann. Das hier ist der klassische Beweis des Gegenteils. Fünfzig Sportgeräte bei gleichzeitiger Aufwertung des Ortsbildes- und alles praktisch auf Wunsch einer einzelnen Dame. Also: Es geht doch!

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