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Von wegen, die sitzen nur rum und zocken…

Am Sonntag fand im Gärnitzer Gasthof „Grüne Eiche“ der weithin einzige für alle offene Kinderfasching statt. Um es vorweg zu nehmen: Für die Kids wars ein Event der Superlative.

Aber auch die Organisatoren krochen am Ende auf dem Zahnfleisch. Das berühmte Zitat, wonach es leichter ist, einen Sack voller Flöhe zu hüten, erhielt an diesem Nachmittag für viele der engagierten Seebenischer Narren eine völlig neue Dimension.

Für einige der weiblichen Veranstalterinnen, die gerade das fertile Stadium ihrer Persönlichkeitsentwicklung erreicht haben, stand am Ende erst mal fest, dass sie nie Kinder haben werden. „Das vergeht“, lachte eine der schon reiferen Damen im Elfenkostüm, für die es schon der 5. Kinderfasching unter dem Dach des KFV Seebenisch war.

Dabei tönte der Büttenredner noch am Vorabend während der ausverkauften zweiten Gala:

Beim Nachwuchs aller Alterssorten,
ist der Kulkser faul geworden.
Er macht sich nicht einmal mehr nackt,
für sowas wie den Zeugungsakt.

Nur wenige Stunden später schien es, als wollten ihm die zwischen Floßgraben und Zschampert im Markranstädter Zweistromtal siedelnden Volksgruppen dafür Lügen strafen. Der Saal beim Groitzscher war rappelvoll!

Gästezahlen wurden bei dem für seine mitunter etwas hartleibige Öffentlichkeitsarbeit bekannten Verein zwar nicht ausgerufen, aber das brauchte es auch nicht. Fakt ist: In der mit Feen, Indianern, Feuerwehrmännern, Teufeln und anderen magischen Wesen gefüllten Parallelwelt hätte am Ende nur noch Peter Pan einen Platz gefunden, weil der bekanntlich fliegen kann.

Genauso illuster wie die Kostüme, setzten sich auch die anwesenden Ethnien zusammen. Neben einheimischem Genträgern tummelten sich kleine Gäste aus Räpitz, Döhlen, Großlehna, Grünau und sogar aus der Kernstadt im selbsterklärten „Fantasia“, dem Reich der Elfen, Feen und anderen magischen Zauberwesen.

Das Kulkwitzer Narrenschiff war ausverkauft. Sogar auf dem Unterdeck rückte man eng zusammen.

Und wie eine Gestalt aus einer anderen Welt sah auch so manch erwachsener Narr vom Org-Team des KFV aus. Die hatten in der Nacht zuvor bei der zweiten der drei angesetzten Galaveranstaltungen den Saal zum Kochen gebracht und mussten nun ihr ganzes kosmetisches Können aufbringen, um ihrem von Hochrufen und ebenso -prozentigem gegerbten Teint ein wenigstens ansatzweise lebendiges Antlitz zu verleihen. Kaum 12 Stunden lagen zwischen dem finalen „KFV Helau“ und dem „Herzlich willkommen, liebe Kinder!“

Das Programm des Kinderfaschings hat derweil nicht nur die Kleinen überzeugt, sondern auch deren Eltern, die zeitgemäß ebenfalls in reicher Zahl erschienen waren. Manche nur, um einfach da zu sein und zu sehen, wie ihr Nachwuchs Spaß hat; andere auch, um helikopterartig aufzupassen, dass ihre Prinzen und Prinzesschen auf der Tanzfläche nicht von verkleideten Grobmotorikern angerempelt werden.

Aber die Kinder der heutigen Generation sind pfiffig. Einige haben es sogar geschafft, mitten unter den Argusaugen ihrer Mütter Teile der Saal-Deko abzumontieren und so an Souvenirs zu kommen, die später mal einen hohen Erinnerungswert haben könnten.

Bei so viel handwerklichem Geschick muss einem nicht bange sein bei der Frage, wer mal unsere Rente verdienen soll.

Die Nachwuchs-Garde lief zur Höchstform auf.

Viel Zeit, um von solchen Nebensächlichkeiten abgelenkt zu werden, hatten die Kinder jedoch nicht. Das Programm war ein buntes, unterhaltsames und abwechslungsreiches Feuerwerk der Farben, Geschichten, Kostüme und Magie.

Da liefen mal die kleinen Tanzgruppen zu Hochform auf, dann wieder lauschte alles gespannt einer fesselnden Story aus Fantasia, danach trat die kleine Funkengarde auf und zwischendurch konnten auch alle Gäste immer mal mittanzen oder bei einer Geschichte mitspielen.

Buntes Feuerwerk der Fantasie

Bei diesem Wahnsinns-Programm einzelne Highlights herauszuheben, ist definitiv nicht möglich. Es war eine wahre Aneinanderreihung von Höhepunkten quasi im Minutentakt. Sehr gut angekommen war beispielsweise ein Battle-Rap (oder Rap-Battle?), den eine Gruppe Jugendlicher aus Döhlen ins Programm einbrachte.

Die Döhlener Rapper überzeugten mit einem Battle, das man auf kommenden Festen wohl noch öfter sehen wird.

Die Nummer war so originell und gut gemacht, dass man sie in diesem Jahr sicher noch auf dem einen oder anderen Volksfest im Markranstädter Raum sehen wird.

Ausgelassene Stimmung auf der Tanzfläche.

Richtig mystisch wurde es, als ein wahrhaftiges Einhorn den Saal betrat. Da waren die Kids nicht mehr auf ihren Stühlen oder unter den Tischen zu halten und der Saal verwandelte sich von einer Sekunde auf die andere in einen Streichelzoo.

Jeder wollte und durfte mal anfassen. Nicht etwa um festzustellen, ob es sich um Stute oder Hengst handelt, sondern wirklich nur um zu streicheln, weil das Tier so herrlich melancholisch dreinblickende Augen hatte. Außerdem geschehen bekanntlich Wunder, wenn man ein Einhorn berührt.

Wenn man ein Einhorn berührt, geschehen mystische Dinge. Schlangestehen am Streichelzoo im Saal der „Grünen Eiche“.

Der Seebenischer Elferrat hatte derweil alle Hände voll zu tun, um Pfannkuchen und Limonade ans Mädchen oder den Jungen zu bringen. Beides – also nicht Mädchen und Jungen, sondern Limo und Pfannkuchen – gibt’s in der heiligen KFV-Halle beim Groitzscher traditionell für jedes Kind gratis dazu.

Und wie in jedem Jahr, so hoffen die Seebenischer Jecken auch anno 2018, dass sich für diese Zutaten wieder ein wärmend Herz öffnet, das dafür ein paar Taler springen lässt.

Kaum 12 Stunden nach dem großen Finale am Vorabend, war der Elferrat schon wieder im Dienste der Kids unterwegs.

Am kommenden Wochenende findet im Saal der „Grünen Eiche“ das große Finale der diesjährigen Session statt. Samstag gibt’s die große Abschluss-Gala und am Sonntag dann den traditionellen Kaffeefasching.

Die Grundidee dieses koffeinhaltigen Gedenkens an die nicht mehr ganz so jung gebliebenen Närrinnen und Narren, so scheint es, wurde inzwischen auch an anderer Stelle aufgegriffen. Vielleicht erfährt ja der Kulkwitzer Kinderfasching per [copy] and [paste] demnächst ebenfalls eine solch kreative Vervielfältigung?

 






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