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Markranstädt feiert: Leipzigs Vorzeigeverein wird 70!

Am kommenden Wochenende geht’s rund im Süden der Bunten Republik Markranstädt. Mit einem volksfestähnlichen Familienevent wird der 70. Geburtstag der SG Räpitz ganz groß gefeiert. Unser Volkskorrespondent aus der Süd-Redaktion hat deshalb mal tief im Archiv gekramt, um nicht nur die Bedeutung dieses Festes, sondern auch des Vereins darzustellen. Im Gegensatz zu RB, Chemie oder Lok kann die SG Räpitz nämlich einen internationalen Titel vorweisen und hat auch sonst allerhand Geschichte(n) geschrieben.

Chemie Leipzig war DDR-Meister, zweimal sogar. Die internationalen Auftritte endeten dagegen stets in diversen Vorrunden. Lok, VFB, Lokomotive oder wie sich der andere Verein in seiner Geschichte auch immer nannte, war erster Deutscher Meister und kam immerhin mal in ein Europacupfinale. Und die roten Bullen haben mit dem Viertelfinalaus in der Europa League ihren bislang größten Erfolg eingefahren.

Der einzige Leipziger Fussballverein, der somit einen ordentlichen internationalen Titel vorweisen kann, ist die SG Räpitz. Die Siegerlorbeeren vom legendären Pfingstturnier in Sautens (Tirol) zieren seit 1994 die Briefköpfe der Rot-Weißen.

Und dann hatte man auch schon mehr als eine Hand am DFB-Pokal. Doch durch den damals gerade wieder mal neu gegründeten FC Lok Leipzig wurde man auf dem Weg ins Finale in Berlin mit einer herben Blutgrätsche gestoppt. Zur Erinnerung: Lok war damals (11. Liga) ein unterklassiger Gegner und die Favoritenrolle lag nach der Auslosung klar auf Seiten der Räpitzer. Schon hallte ein zünftiges „Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin“ durch Frankies Bierstube.

Opfer fragwürdiger Transferpolitik

Doch dann kaufte Lok mitten in der Saison für diese eine Begegnung Nationalspieler Bernd Hobsch ein. Und während man sich auf Räpitzer Seite noch fragte, auf wessen Pass das neue Gesicht im Probstheidaer Kader klebt, hatte der schon zur Führung eingenetzt. Soll sich ein Lokist noch einmal über die Transferpolitik der roten Bullen aufregen…

Doch zurück zum internationalen Titel. Drei Jahre nachdem die Räpitzer in Österreich erfolgreich waren, holte auch der FC Schalke 04 mit seinen Eurofightern den bis heute letzten internationalen Titel (die Bayern mal ausgenommen) für einen deutschen Verein. Viele selbsternannte Fussballexperten zerbrechen sich seitdem die Köpfe, warum das so ist. Doch würden sie am 31. August nach Räpitz kommen, hätten die ihre Antwort.

Da kann man noch Spieler treffen, die auch eine dritte Halbzeit schadlos überstehen. Die nicht nur das Bierglas  zig mal gen Himmel recken können, sondern auch in der Lage sind, die dazu passenden Lieder zu singen und noch Sinn für gesellige Gemütlichkeit haben.

Siegesserie in der dritten Halbzeit

Psalm 3 aus der Fußballbibel, „Elf Freunde müsst Ihr sein“, wird hier nicht nur gebetet, sondern gelebt. Und wenn die Nationalhymne „Hobelbank“ angestimmt wird, singen auch wirklich alle mit. Da braucht man keine WM-Analyse, um dem Begriff „Zsmm“ hinterher einen Inhalt zu geben. Das ist „Die Mannschaft“, auch wenn das Spiel verwonnen wurde.

Schaut man auf die selbsternannten Profivereine unserer Tage, werden dort Heerscharen von Feelgood-Managern und Teambuilding-Coaches bemüht, damit sich die hochbezahlten Kicker nicht gegenseitig die Instagramm-Accounts hacken. Dabei hat schon so manche gelungene Kneipentour festere Männerfreundschaften fürs Leben hervorgebracht als solche Tschakka-Kurse.

Am Samstag ab 15 Uhr gibts eine Neuauflage des Derbys zwischen Räpitz und Kulkwitz. Die letzte Begegnung beim KuGäSe 2018 in Gärnitz (Foto) war eine klare Angelegenheit für die Räpitzer.

Sämtliche von den Räpitzern errungene Pokale und Medaillen wurden auch in der dritten Halbzeit geholt. Als das Spielgeschehen schon längst vergessen war, konnte sogar der Zeugwart seinen Teil zum Erfolg beitragen, indem er den gegnerischen Stürmer zum letzten und entscheidenden Obstler an die Bar einlud. Sauber in der Mitte versenkt!

Es scheint aber langsam ein Umdenken stattzufinden. So werden bei vielen Trainingseinheiten kleiner Fussballer bereits Fantaflaschen als Markierung für Taktikbesprechungen genutzt. Damit werden die Steppkes auf ganz spielerische Weise langsam an die Anforderungen einer dritten Halbzeit herangeführt.

Auch bei Chemie Leipzig hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Die SG Räpitz hat die Leutzscher deshalb zum Spiel geladen. Doch anstatt die Truppe zu schicken, die sich erst vor kurzem im DFB-Pokal sensationell durchgesetzt hat, traut man lediglich den alten Haudegen einen Erfolg in Räpitz zu und schickt deshalb eine Traditionsmannschaft, die auch eine dritte Halbzeit überstehen kann. Getreu der medizinischen Zauberformel im Volkssport: Leberwerte statt Laktatwerte!

Zwischen Trikots und Dessous

Übrigens trägt die SG Räpitz noch eine weitere gesellschaftliche Vorreiterrolle. Noch bevor Alice Schwarzer wusste, wie man Emma überhaupt schreibt, hatten die Räpitzer die Emanzipation der Sportlerinnen schon längst vollzogen.

Die war den Rand-Markranstädtern quasi in die Wiege gelegt. Schließlich entstand das Räpitzer Vereinsgelände aus einem einstigen Maidenlager. Hier wohnten und schliefen in den 40-er Jahren bis zu 60 Mädels, die zur Schließung kriegsbedingter personeller Lücken in der Landwirtschaft eingesetzt waren.

Das östrogengeschwängerte Maidenlager in Räpitz. Heute werden auf diesem Gelände in ritterlichem Wettstreit alle drei Halbzeiten ausgespielt.

Genau auf diesem Gelände – das Gras war noch vom Duft des Östrogens geschwängert – entstand in den Jahren 1948 und 1949 der Räpitzer Sportplatz, auf dem zunächst die Herren der BSG „Vorwärts“ Fussball spielten.

Warum sich aber erst nach der Umbenennung in BSG „Traktor Räpitz“ auch eine Frauen- Handballmannschaft auf dem Sportplatz tummelte, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Erfolge der Räpitzer Fußball-Damen sind hingegen weit über den Landkreis hinaus bekannt.

Wer gern noch mehr erfahren und dabei auch noch Spaß und beste Unterhaltung genießen möchte, sollte sich die anstehende 70-Jahr-Feier nicht entgehen lassen. Diese zwei Tage am 31. August und 1. September werden mit Sicherheit eine lange dritte Halbzeit.






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