Neues aus der vierten Etage (5) – Teil 1

Wie immer am ersten Freitag nach dem ersten Donnerstag im Monat werden heute viele Leser auf den Bericht aus der vierten Etage warten. Den gibt es heute aber nur in abgespeckter Version, weil zwischen den Zeilen so viel passiert ist, dass man die Dinge etwas ordnen und sich auch Zeit für die richtigen Formulierungen nehmen muss. Was da nämlich gestern im Ratssaal passierte, sah für den unvoreingenommenen Besucher zwar wie eine (fast) normale Sitzung aus, war in Wahrheit aber ein von taktischen Maßnahmen und fintenreichen Strategien geprägtes Gemetzel. Es ist schwer, sowas in Worte zu fassen und noch schwerer, dafür satirische Gleichnisse zu finden.

 

Fangen wir also mit dem lustigen Teil an: Gleich mehrmals fragte der Bürgermeister, ob er in der Runde gut zu verstehen sei. Nachdem das Mikro justiert war und der Nordmann auf dem Thron von einem Imitator mit Kermit-der-Frosch-Stimme zu langsamer und deutlicher Aussprache ermahnt wurde, funktionierte es diesmal mit der Verständigung ebenso einwandfrei wie mit der Verständlichkeit.

Die Vernässungsfläche in Seebenisch war das erste Thema und es schien, als hätte sie das Zeug zum künftigen Wahlkampfthema. Ronald Gängel (LINKE) brachte es zuerst auf den Tisch. Sicher gehört er nicht zum Leserkreis der Markranstädter Nachtschichten, doch knüpfte er nahtlos an unsere Thesen und Berichterstattung an. Er wunderte sich, dass man sich wunderte, dort auf Wasser zu stoßen, wo Wasser vermutet wird. Konkret ging es um den verfügten Baustopp am Kulkwitzer Sportplatz. „Wenn jetzt ein hydrologisches Gutachten erstellt wird, weil man dort auf Wasser gestoßen ist, dann frage ich mich, auf Grundlage welchen Gutachtens dort die Baumaßnahme begonnen wurde?“

Zwischen Logik und Vorschriften

Bauamts-Chefin Dr. Richter konterte: „Wir haben alle erforderlichen Gutachten eingeholt. Aber wenn da plötzlich bei 20 Zentimetern Tiefe schon Wasser ist, rechtfertigt das ein solches Gutachten schon.“ Eigentlich schade, dass sich Gängel mit der Entgegnung zufrieden gab: „Hätte man vorher mal sachverständige Bürger aus Seebenisch gefragt, könnten die Kosten für das hydrologische Gutachten beispielsweise dem Kita-Projekt zufließen.“ Rein rechnerisch würde sowas zwar funktionieren, aber praktisch verbieten haushalterische Buchungsposten solche Gedanken.

In der anschließenden Bürgerfragestunde kam das Thema dann nochmal auf den Tisch. Die Kosten für das Abpumpen des Seebenischer Wassers wurden da nachgefragt. Mal sehen, was dabei herauskommt.

Dann begannen die Abstimmungen zu den beantragten Beschlüssen. Und spätestens hier wurden die Daseinsberechtigungen der MN-Mitarbeiterin im linken und des maskulinen Schreiberlings im rechten Teil des verwinkelten Ratssaales gerechtfertigt. Bei einer solchen Programmgestaltung ist es dem einfachen, quasi uninformierten Volke wirklich schwer zuzumuten, sich da stundenlang hinzusetzen und zuzuschauen, wie was beschlossen wird, was sich einem nicht erschließt

Selten war zu ermessen, welche Dimensionen die Beschlüsse umfassen. Da wurden zwar erneut Grundstücksverkäufe am Westufer des Kulki in Millionenhöhe ausgewiesen, aber als es beispielsweise um Zuschüsse für den SSV Markranstädt oder die Investition für einen Rasentraktor in Räpitz ging, wusste niemand unter den Gästen, ob es da gerade um Peanuts aus der Portokasse oder Millionenbeträge ging. Man schaut halt eben nur zu und langweilt sich, derweil sich die Volksvertreter bei ihren wichtigen Auseinandersetzungen wie Pharaonen vorkommen mögen.

An dieser Stelle wäre ein Hinweis an die Verwaltung angebracht: Jetzt, wo eine professionelle Pressefrau die Wortgewalt führt, ist es vielleicht auch möglich, die Tagesordnung mit einigen Informationen zu unterfüttern, die eine solche Stadtratssitzung für das Publikum nachvollziehbar machen?! Es wäre nicht nur schön, sondern auch transparenter und es würde genüger, beim Verlesen des betreffenden TOP einen kjleinen Abriss zu geben, damit das Publikum versteht, worum es geht.

Apropos SSV Markranstädt: Der befindet sich nach Aussagen des Bürgermeisters wohl in einer „Schieflage“. Deshalb stimmten die Abgeordneten einer Spritze zu, die im „Vorgriff auf den Beschluss“ schon mal prophylaktisch in die Lenden des Oberligisten injiziert wurde. Kommunalpolitisches Harakiri, das man bei den gegebenen Kräfteverhältnissen nur dann eingeht, wenn man sich des Vertrauens sehr guter Freunde sicher ist. Dass das trotzdem ein Drahtseilakt sein kann, lassen Gerüchte auf Lallendorfs Straßen befürchten. Der Geschäftsstellenleiter des SSV sei, so hört man, ab 1. Januar nicht mehr Geschäftsstellenleiter (soll inzwischen als Ordnungshüter eine Option sein, möglicherweise sogar mit Ausschreibung) und das ganze Drumherum des SSV wäre nur noch mit Jahresverträgen ausgestattet. Wie dem auch sei: SSV – dynamisch. Besser als Bayern – Hoeneß.

Sie merken schon, liebe Leserinnen und Leser: Wir schwabbeln so an der Oberfläche lang, ohne uns dem Kern zu nähern, Tagesordnungspunkt 13. Na gut – ein erster Versuch. Also: Ähm, …. tja … nun … Klarstellungsbeschluss … Wenn Sie den Begriff mal in Word oder einem andren Textprogramm eingeben, ist er mit Sicherheit durch eine rote Wellenlinie unterstrichen. Das hat auch seinen Grund. Den Begriff gibts eigentlich nicht. Auch nicht in Markranstädt. Drum hieß der TOP hier „Klarstellung zur Standortentscheidung“ und er war in der Tagesordnung auch nicht als Beschluss aufgeführt. Deshalb lautete es hier nur „Neubau einer Kindertagesstätte“.

Was dann passierte, überforderte sogar den Intellekt gleich zweier MN-Vertreter an gegenüberliegenden Seiten des Podiums, wahrscheinlich aber auch den einiger Abgeordneter. Auf der konservativen Seite des Ratstisches (zehn Abgeordnete) war man ebenso für den Standort am Bad neben dem JBZ wie auf dem Thron (macht zusammen elf!).

Kommunal-Mathematik

Die neun Abgeordneten auf der anderen Seite positionierten sich scheinbar fraktionsmäßig, was nach Adam Ries neun Stimmen bringen könnte. Argumente wurden hin und her geworfen, anhand derer der außenstehende Beobachter den Eindruck gewinnen musste, dass die Abgeordneten nur Angst davor hatten, mit ihrer Standortentscheidung vom Juni 2014 auch die Verantwortung für möglicherweise explodierende Kosten übernehmen zu müssen. Eigentlich verständlich. Die Mehrkosten beliefen sich allerdings erstmal auf 25.000 Euro wegen des Abwassers. Und die waren bereits beim Beschluss zu ermessen. Angesichts vakanter Beträge beim Rasentraktor oder der Finanzspritze für den SSV eröffnete sich dem mit Zahlenwerk unterversorgten Gast schon die Frage der Verhältnismäßigkeit und ob da gleich ein ganzes Projekt in Frage gestellt werden muss?

Keine Frage nach den Fördermitteln

Immerhin wurde der Standort längst beschlossen und damals wurde auch zur Eile gemahnt, um 2014 noch Fördermittel beantragen zu können. Ein solcher Antrag bedarf natürlich auch belastbarer Zahlen, also einer Planung. Wenn man dann aber drei Wochen vor Jahresende diese Planungen, die der Stadtrat im Sommer per Beschluss in Auftrag gab, in Frage stellt, dann sind die Verluste groß. Entweder waren die Planungsleistungen umsonst (schlimm) oder sie hatten gar nicht stattgefunden (der Beschluss des Stadtrates wurde von der Verwaltung quasi nicht umgesetzt). Egal wie: Es sollte zu denken geben.

Der folgende Ablauf ist fiktiv, sehr geehrte Leserinnen und Leser. Nur seine Ergebnisse sind real. Also bitte nicht falsch verstehen: Es ist alles (bis auf die Zahlen und Ergebnisse) frei erfunden, aber im Vorfeld gut geplant:

…. (Fortsetzung folgt nach einer kurzen Werbepause von nur 24 Stunden im nächsten Teil)

 

Sind die Lichter angezündet…

So viel Heimlichkeit in der Weihnachtszeit … Ja, in den Adventstagen passieren immer wieder wundersame Dinge. Man muss sie nur spüren und sehen wollen. Der Pfarrer wird nicht müde, vor allem in der Vorweihnachtszeit derlei Gleichnisse unter die Gemeinde zu bringen und sie für die Besonderheiten dieser Zeit zu sensibilisieren. So richtig glauben wollen derweil nur wenige Menschen an ein Weihnachtswunder. Jetzt ist ein solches geschehen. Noch dazu direkt vor der Kirche! Die Fichte auf dem Marktplatz erstrahlt in makellosem Lichterkleid!

Nicht nur der Marktplatz wird jetzt vorweihnachtlich erhellt. Seit dem 1. Advent wird auch die Leipziger Straße in besinnliches Licht getaucht. Was für Fußgänger das richtige Flair ausstrahlt, könnte derweil für den Luftverkehr und damit vor allem für den nahe gelegenen Leipziger Flughafen so manche Gefahrensituation heraufbeschwören. Gestern konnte eine Boeing 737 der San Marino-Airlines nur noch nach einem zünftigen „Mayday“ vom Schkeuditzer Tower ihren Landeanflug auf Markranstädt abbrechen. Dem Piloten gelang es im letzten Moment, seine Maschine hochzureißen, nachdem er die Weihnachtsbeleuchtung auf der Leipziger Straße versehentlich für die Landebahnbefeuerung des Flughafens hielt.

aaaeins

aaazwei




WböR: Weihnachtsbaum mit Abblendlicht

Der Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz gibt immer mehr Rätsel auf. Erst präsentierte er sich mit Doppelspitze (die MN berichteten), dann mit einer wiedervereinigten Einheitskrone (es wird zusammengefesselt, was zusammen gehört) und als Krönung leuchtete nun das arme Teil zum 1. Advent in nur halbem Gewand. Mit unserem Weihnachtsbaum öffentlichen Rechts (WböR) ist es wie mit der Wahl von Fußballmannschaften auf einem Bolzplatz der 1970er Jahre: Spitze – Halbe – Ganze.

Nachdem im Laufe der zurückliegenden Woche aus der lokalen Tagesgazette zu erfahren war, dass man in Markranstädt sowieso nichts erfährt, wenn man etwas erfahren will, wollten wir gar nicht erst die Erfahrung machen, nichts zu erfahren und haben versucht, mit eigener Erfahrung Erfahrungen zu machen. Oder, anders gesagt, eben selbst auf des Pudels Kern zu stoßen.

Aus der intensiven Bemühung individueller Logik erschließen sich dem Beobachter demnach zwei grundsätzliche Möglichkeiten, die das Szenario eines halb angeputzten Baumes rechtfertigen. Da wäre einmal der ungünstige Wochentag, der für das Aufhängen von Kugeln und Lampen gewählt wurde. Es war der Freitag.

Freitag um eins…

Im öffentlichen Verwaltungsraum Deutschlands ist das längst kein Freitag mehr, sondern ein Frei Tag oder bestenfalls ein Freistundentag. Freitag um eins macht Jeder seins. Nun ja … wenn man sich vornimmt, den Baum an einem Tag zu schmücken, wird’s an einem halben Tag zwangsläufig auch nur ein halber Baum. Noch dazu, wenn man einen nicht unbeträchtlichen Teil dafür verwenden muss, aus zwei Spitzen einen einheitlichen Zopf zu flechten.

…und wenn das halbe Lichtlein brennt …

Die zweite Ursache könnte natürlich darin bestehen, dass die Stadt erst kürzlich so einen Energy-Award bekommen hat und jetzt noch sparsamer mit Strom umgehen will. Oder muss. Weihnachten, das ist die Erntezeit der Energiekonzerne. Nirgendwann und nirgendwo sonst auf der Welt (außer bei den Criswolds in den USA) werden in den Tagen vor Silvester Häuser, Gärten und ganze Landstriche so intensiv ausgeleuchtet, dass die heimische Vogelwelt verwirrt mit dem Nestbau beginnt. Da darf man als Energie-Stadt ruhig mal mit Vorbildwirkung vorangehen und es bei einer Kerze belassen.

Und während es aus den deutschen Wohnzimmerfenstern flimmert wie in den tschechischen Puffs an der E 55, schreiben die Verursacher dieser Supernova aggressive Drohbriefe an ihre Vermieter wegen zu hoher Nebenkosten. Wer sich da – wie die Stadt Markranstädt – einen sparsamen Umgang mit selbigen auferlegt hat, der hat dann auch ein Argument, wenn es um die Erklärung einer halben Erleuchtung geht.

 Der WböR: sparsam und klimafreundlich

Jedenfalls präsentiert sich unser Weihnachtsbaum öffentlichen Rechts (WböR) ziemlich depressiv. Zur Straße hin ist er geradezu lichtlos in Tarnfarben gehüllt und selbst vom Marktplatz aus zeigt er sich nur bis zum Nabel in Lichterglanz – der Unterleib verfließt auch hier im Dunkel der Biologie. Hat er vielleicht nicht nur zwei Spitzen, sondern auch zwei Lenden, die uns verborgen bleiben sollen?

Mini-Top mit freiem Rücken

Man kann sich mit vielen Dingen anfreunden. Manche Frauen werden, so will es die Legende, von Bier zu Bier schöner und Frauen wiederum beziehen ihr Wohlbefinden mitunter aus nur scheinbaren Dingen – wenn sie zum Beispiel verträumt den Oberschenkel ihres Mannes streicheln. Auch unser WböR ist trotz seiner Behinderungen irgendwie akzeptabel. Vor allem dann, wenn man sich vor dem Hintergrund der sich in erschreckendem Maße häufenden Diebstahldelikte in der Stadt und ihren Ortschaften vor Augen führt, dass da, wo keine Lampen brennen, auch keine geklaut werden können.

Das ist wichtig, wo doch neuerdings kein Tag vergeht, ohne dass in Lallendorf und seinen Ortschaften irgendwo eingebrochen wurde und von der Rüttelplatte bis zur Dachrinne nichts mehr sicher ist. Nur dem Umstand, dass Schwiegermütter grundsätzlich nicht zur Beute zählen, ist zu verdanken, dass die Delikte von frustrierten Menschen überhaupt noch angezeigt werden.

Eigentlich ist die Kriminalitätsentwicklung die einzig vernünftige Erklärung für den WböR. Sie vermittelt, warum auf der Straßenseite nichts leuchtet und selbst nach dem Marktplatz hin die Lampen außerhalb körperlicher Reichweite hängen. Man muss eben nur die Weihnachtslieder ein wenig umdichten. Aus einem Baum in strahlend buntem Kleid wird dann in Markranstädt halt ein Mini-Top mit freiem Rücken.

wbör2

Was’n Sternbild! Doch spätestens seit Galileo Galilei wissen wir, dass sich im Dunkel dahinter auch was verbirgt. Eine zweite Spitze vielleicht?

So ein Minikleid kann, je größer die Dame ist, auch schnell mal unter dem Nabel enden. Und hier sind wir bei der vierten möglichen Ursache: Der Baum ist zu groß für Markranstädt! Oder anders gesagt: Die Lichterkette war zu kurz.

Wie dem auch sei: Die Sache ist so auffällig und witzig, dass sie bereits am 1. Advent überregional die Runde gemacht hat und auch bei den Weihnachtsmärkten in Döhlen und Seebenisch zum Alleinunterhalter avancierte. Es ist nicht auszuschließen, dass in den kommenden Tagen eine Nachbesserung erfolgt. Der Weihnachtsmarkt am 6. Dezember auf dem Marktplatz unter der Fichte könnte sonst ganz schnell mal zu einer vorgezogenen Faschingsveranstaltung werden. Das Bauamt müsste dann noch schnell eine Bütt bauen … satirische Sterbehilfe sozusagen.

 

Der mit dem Holz spricht

Weihnachten rückt näher und mit dem Fest auch die Zeit finaler Hektik. Gefühlt ganz Markranstädt rückt dann wieder aus und überfällt das Nova Eventis. Was schenkt man Leuten, die scheinbar schon alles haben oder bei denen man nicht weiß, was ihnen außer einem Gewinn bei „Wer wird Millionär“ noch fehlt?
Für Stine und Frank Michael aus der Schkeuditzer Straße beginnt an diesem Punkt alljährlich die Zeit, da ihre „Markranstädter Werkstätten“ zum Zentrum für Seelsorge völlig verwirrter Kaufrausch-Opfer werden, die sich plötzlich am Ziel ihrer Wünsche sehen.

Es gibt viele Möglichkeiten, anderen Menschen mit Weihnachtsgeschenken eine Freude zu bereiten. Kerzenständer aus einem skandinavischen Einrichtungszentrum zum Beispiel wäre eine davon. Die tragen dann meist so lustige Namen wie vielleicht Erek Tion oder Lasse Leuchten. Aber mit dem Spaß ist es schnell vorbei, wenn man einen Blick auf die Bauanleitung wirft. „Nehme das Staender (3) und fuhre die Stift (8) durch den Loch von Bohrer (2) mit Drehung von links in Aussparung (4) von Halter (1) von Kerze.“ Da kann am Ende schon mal ein Dildo dabei herauskommen oder eine Fernbedienung für eine Abschussrampe interstellarer Trägerraketen.

Man kann auch direkt ins Nova Eventis gehen und dort raten, ob es bei GEOX Schoko-Weihnachtsmänner, bei BiBA Handschuhe oder bei zero MP4-Player gibt. Falls nicht, gibt’s da noch Roland, ara, Viba, Esprit, Whörl, nanu-nana oder idee. Die Auswahl ist groß, die Bezeichnung der Läden verrät halt nur nicht, woran. Und hat man dann doch mal ein Geschäft gefunden, das einen Traum von BH für die Frau verheißt, dann fällt dem Mann garantiert nicht die Größe ein. So kann Einkaufen in der Vorweihnachtszeit in der Tat zu einem unvergesslichen Nova-Event werden – inklusive Plattfuß, Rückenschmerzen und 220 Blutdruck.

Mit diesen körperlichen Leiden kann man dann auf dem Rückweg bei einem unserer Markranstädter Ärzte einkehren oder … tja … kaum zu glauben: Bei den Markranstädter Werkstätten in der Schkeuditzer Straße 25. Denn immer öfter geschah es in den letzten Jahren, dass völlig entnervte Kunden nach erfolgloser Safari durch die Günthersdorfer Konsumwüste oder anderen Handelstempeln bei Stine und Frank Michael einkehrten und hier genau das fanden, was sie eigentlich suchten: Attraktive Geschenke mit Gebrauchswert, Ästhetik, hoher handwerklicher Wertschöpfung und vor allem mit einzigartiger Geschichte!

Lebendige Gegenstände mit Geschichte

Jedes Teil ist ein Unikat und birgt sowohl in Material als auch Ausführung seinen eigenen, ebenso interessanten wie mitunter auch kuriosen Lebenslauf. Unter der erfahrenen Hand des Tischlermeisters Frank Michael erhalten die seltsamsten Hölzer eine völlig neue, attraktive Identität. Da ist zum Beispiel die eindrucksvolle Schale mitten im Entree. Die Esche wurde einst in Quesitz von der Straßenmeisterei gefällt. „Das Zopfende, wo am Stamm die Äste begannen, lag im Straßengraben“, erinnert sich Frank Michael. „Es sah interessant aus und ich dachte, dass sich daraus was machen ließe.“

schale

In Quesitz aufgewachsen, nach Borna gebracht und schließlich in Markranstädt zu einem stilvollen Wohn-Accessoire geworden: Eine Esche, deren Maserung sie zur „Sonnenschale“ werden ließ.

Zu Hause erzählte er es seiner Frau, die am nächsten Tag vorbei fuhr und sich das Stück ansah. Weil sie nicht wusste, wem es gehört, schrieb sie mit Kugelschreiber Namen und Telefonnummer auf eine Schnittstelle am Stamm. Es kam der Winter und das folgende Frühjahr ging ins Land. Die Michaels hatten das Gehölz schon vergessen.

In der Straßenmeisterei in Borna, in die das große Holzstück inzwischen transportiert wurde, entdeckte ein aufmerksamer Mitarbeiter unter dem schmelzenden Schnee einen Schriftzug auf dem Stamm. Kurzerhand rief er in Markranstädt an und einen Tag später lag das Esche-Stück im Hof der Michaels. Der Tischlermeister schuf daraus ein eindrucksvolles Unikat. Jetzt wartet die Schale auf einen Interessenten, der nicht nur die kreative Handwerkskunst zu schätzen weiß, sondern auch die ganz besondere Geschichte dazu.

specht1

Im Nebenraum steht eine interessante Kugel in der Vitrine, die ihr Geheimnis zunächst nur dem Fachmann preisgibt. Sie beherbergt einen Glaszylinder, in den man eine Kerze oder Blumenschmuck stellen kann. Die Löcher in der Kugel hat die Natur gefertigt, aber das gleich in vielerlei Hinsicht. „Die großen Löcher sind Astlöcher“, weiß Stine Ose-Michael. „Aber das hier, das ist etwas ganz Besonderes. Es ist ein Specht-Loch!“ In der Tat sieht man ganz genau die Spuren, die der Schnabel des Spechts dort hinterließ.

specht2

„Guck mal, wer da gehämmert hat.“ Deutlich sind die Spuren zu sehen, die der Specht mit seinem Schnabel hinterlassen und mit dem er der Kugel einen einzigartigen Wert verliehen hat.

Der eindrucksvolle Kerzenständer, den der Meister aus einem Balken der abgerissenen Markranstädter Brauerei gefertigt hat und der damit ein wirklich bedeutendes Stück Heimatgeschichte verkörpert, ist in der Schkeuditzer Straße leider nicht mehr zu bewundern. Er hatte schon kurz nach seiner Fertigstellung einen Liebhaber gefunden und erzählt seine Markranstädter Heimatgeschichte nun in der Weltstadt Berlin.

Eine Weltreise endet in Markranstädt

Dafür hat eine andere originelle Anekdote hier in der Stadt am See ihren wirklich würdigen Abschluss gefunden. Begonnen hatte sie am Nordkap in Norwegen. Dort fanden die Michaels vor ein paar Jahren ein markantes Stück Treibholz. Fachmann Frank Michael stellte bald fest, dass die auffälligen Löcher von einem Parasiten stammen, der als Schiffsbohrmuschel bekannt ist. Sie war in der Seefahrt einst gefürchtet, weil sie das Holz der Schiffe befallen und zerstören konnte.

Aber die Schiffsbohrmuschel kommt nur in tropischen Gebieten vor. „Das Holz wurde von den Tropen ans Nordkap geschwemmt, hatte also eine wahre Weltreise hinter sich“, weiß Meister Michael. Doch am Nordkap war die Reise für den Stamm noch nicht zu Ende. Die Handwerker- und Künstlerfamilie nahm das Holz mit nach Markranstädt. Hier wartet es auf Eingebungen des Meisters. Ein Stück davon wurde schon zu einem reizvollen Teelicht verarbeitet und fand sofort einen dankbaren Käufer. Es ziert jetzt als Accessoire ein namhaftes Autohaus.

bohrmuschel

Dieses Stück Treibholz begann seine Reise in den Tropen und machte Station am Nordkap, bevor es die Michaels nach Markranstädt mitbrachten. Das von der Schiffsbohrmuschel gezeichnete Material hat hier schon erste Liebhaber gefunden.

Apropos Eingebungen des Meisters: Überall in der Werkstatt warten Baumstämme, Holzscheiben, Wurzeln und Astknollen auf die Ideen von Frank Michael. „Hundertmal gehe ich an solch einem Stück vorbei, manchmal jahrelang. Irgendwann bleibe ich dann davor stehen und weiß plötzlich, was ich zu tun habe.“ Es ist, als ob das Holz zu ihm spricht.

restaurierung

Historische Möbel werden auf Kundenwunsch auch aufgearbeitet.

Stine Ose-Michael unterstützt ihren Mann derweil nicht nur im Geschäft, sondern auch mit kreativen Ideen rund um die Werkstatt. Neben den Produkten aus der Tischlerei verkauft sie in den reizvollen Gewölben des Anwesens historische Möbel und Antiquitäten, die auf Wunsch auch aufgearbeitet werden.

messer

messer2Seit einiger Zeit sind auch handgeschmiedete Messer im Angebot. Die Griffe dafür fertigt Frank Michael in seiner Werkstatt selbst und jedes der verwendeten Hölzer hat natürlich auch wieder eine eigene Geschichte. Da ist zum Beispiel die Aprikose, die gefällt wurde, weil sie nicht mehr trug und „hässlich“ aussah. Stine Ose-Michael rettete den Stamm vorm Schredder und siehe da: Der einst hässliche Baum gebar die schönsten Messergriffe mit stilvollen Maserungen in den harmonischsten Naturkontrasten.

made in markranstädt: Am 7. Dezember ab 14 Uhr hautnah zu erleben!

„handmade in markranstädt“ ist am 7. Dezember hautnah zu erleben. Dann nämlich, wenn die Markranstädter Werkstätten ab 14 Uhr zu „Kunst, Kultur und Krempel“ ins Kreuzgewölbe in der Schkeuditzer Straße 25 laden. Und spätestens dann, wenn der Meister höchstpersönlich den alten Ofen anheizt, damit es im historischen Ambiente gemütlich warm wird, werden die großen und kleinen Besucher wissen, was ein wirkliches nova event ist.

ofen

 

Ä Tännschn pliehs: Die Doppelspitze ist wieder da!

Weihnachten ist das Fest, mit dem die meisten Traditionen verknüpft sind. Der Ruprecht zählt ebenso dazu wie die Bescherung, der alljährliche Gang in die Kirche, das Familientreffen oder der Gänsebraten. Auch der Weihnachtsbaum gehört in diese Aufzählung. In Markranstädt steht seit heute so ein Gewächs auf dem Marktplatz. Und er vereint in besonderer Weise gleich eine Vielzahl von Traditionen in sich. Die Herausragendste: Wir haben wieder eine Doppelspitze!

So ein vorweihnachtlicher Baum auf dem Marktplatz ist irgendwie auch sowas wie eine künstlerische Installation. Selbst wenn da jemand einfach nur Schrott abladen würde, fänden kreative Geister in dem Metallhaufen sicher noch eine ästhetische Interpretation. Frei nach dem Motto: Was wollte der Künstler damit ausdrücken?

Die gleiche Frage eröffnet sich manchem Freigeist sicher auch beim Betrachten des Markranstädter Weihnachtsbaumes. Eigentlich ein wirklich schönes Exemplar und auch wenn es sich im oberen Viertel etwas abseits des Ideals präsentiert, macht das eigentlich nichts. So ist eben die Natur. Nicht alles funktioniert da nach Schablone und im Gleichschritt. Wenn da nicht gerade dieser Umstand ausgerechnet in Markranstädt Spielraum für mannigfaltige Interpretationen böte.

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Amtsantritt des Bürgermeisters werden beim Betrachten unseres öffentlich-rechtlichen Christbaumes Erinnerungen an die Ära nach Carina Radon und vor Jens-Reiner Spiske wach. An die Zeit, da sich die legendäre Markranstädter Doppelspitze, designed by lehmann & kirschner, den Platz auf dem Thron der Stadt am See teilte. Wurde möglicherweise ganz bewusst ein zweizinkiges Exemplar aus der biologischen Randgruppe versehrter Kulturen ausgesucht?

Sozusagen als Reminiszenz an die legendären Zeiten der Markranstädter Doppelspitze, die so manchem Bürger in nicht allzu schlechter Erinnerung geblieben sind?

neu-1

V wie Victory: Markranstädt hat die Sieger-Fichte.

Unabhängig von möglichen Antworten bietet die demokratische Wuchsform des Gehölzes ungeahnten Spielraum für die künstlerische Gestaltung des Anputzes.

 

Der obligatorische einsame Stern auf der Spitze war ohnehin langweilig geworden. Sogar Leipzig und Nürnberg haben sowas schon, da wird es wirklich Zeit für neue Innovationen.

Leider könnte das auch wieder Anlass für verbal-politischen Raufhändel geben. Ob nun eine oder zwei Kugeln mit Gesichtern da oben leuchten: Es wird immer Dritte, Vierte und Fünfte geben, die sich benachteiligt fühlen. Eigentlich gibt es nur eine Lösung für das Problem: Morgens um sechs Uhr treten während der Adventszeit Stadtrat und Stadtverwaltung zum Appell auf dem Marktplatz an und hissen jeden Tag zwei neue Kugeln. Da kann dann jeder mal auf der Spitze hängen und sich die Sache von oben anschauen.

Schwierig wird’s bei der Wahl der Partner, die den Tag da oben zusammen verbringen müssen. Da haben sich ja in den letzten Monaten Konstellationen ergeben, die sowohl in einem Säbeltanz als auch einem Kuschelmarathon auf der Christbaumspitze enden könnten.

Aber jetzt kommt erst mal die Adventszeit und damit, so die christliche Tradition, eine Art vorweihnachtlicher Frieden. Nehmen wir die Sache so, wie sie ist: Wir haben in den kommenden Wochen nicht nur einen schönen Baum auf dem Marktplatz, sondern auch einen ganz besonderen. Seine Spitze stellt ein großes V dar. V wie „victory“.

Die nächste Sperrung der Leipziger Straße droht

Das Lichterfest in der Leipziger Straße ist buchstäblich ins Wasser gefallen. Dass sich die Händler, die neben jeder Menge Arbeit und Aufwand auch viel Hoffnung hatten, Petrus‘ Gunst selbst mit Glühwein und Rostbratwürsten nicht erkaufen konnten, war dennoch zu verschmerzen. Das Straßenfest am 3. Oktober hatte zwar Maßstäbe gesetzt, aber unter den regensicheren Pavillons sammelten sich am Dienstag in den Abendstunden dennoch allerhand Besucher.

Das Gute zuerst: Die mehrfach angekündigte weihnachtliche Straßenbeleuchtung wurde eingeschaltet und funktionierte auch. Kurzfristig schien es so, als hätte man auf Seiten der Verantwortlichen aus lauter Urlaubsfreude den Stecker versiebt und die Schaltberechtigung in einem Akt finaler Verzweiflung dem Veranstalter des Lichterfestes in die Schuhe schieben wollen. Dem Gott des Lichtes sei Dank, dass es unter Verantwortlichen auch Verantwortliche gibt. So leuchteten die Sterne in der Leipziger Straße schließlich doch.

Etwa eine halbe Stunde vor dem Beginn des Festes wurden dann allerdings die Schleusen geöffnet. Petrus ergoss seinen kompletten Frust über Markranstädt. Und er machte ganze Arbeit. Alles was Füße und keinen Schirm hatte, verzog sich unter die wenigen Pavillons. Dort gab es zum Glück ausreichend Kulinarisches, so dass die Stimmung alles in allem gut war. Dazu trug auch der Lampionumzug bei, von dem sich viele Kinder und Eltern trotz Regens nicht abhalten ließen.

Dennoch wollte das Gesamtbild wegen des Regens nicht so recht in die Erwartungen passen. Kaum ein Mensch zwischen den Pavillons und Licht kam dort nur aus den Schaufenstern und der Straßenbeleuchtung, weil das Himmelswasser sogar Kerzen löschte.

neu-1

Ja, mit Dach macht das Einkaufen gleich noch mehr Spaß. Und wenn es fertig ist, kommt dann die Fußbodenheizung dran.

Hier offenbarte sich ein schwerer Fehler bei der Planung des Neubaus der Leipziger Straße. Fassungslos schauten die Menschen nach oben und stellten erschüttert fest, dass man die Überdachung vergessen hatte. Nun droht eine erneute mehrjährige Schließung, um das unglaubliche Versäumnis nachzuholen. An beiden Enden der Straße müssen Pylone errichtet werden, die das stählerne Gerüst für die Glasscheiben tragen.

In sechs Bauabschnitten wird dieses Vorhaben sukzessive realisiert. Ab Sommer 2017 ist man dann in der Leipziger Straße komplett vor Regen geschützt. Das Dach kann ähnlich einem Caprio-Verdeck bei Sonnenschein unter den Marktplatz eingefahren werden und verfügt alternativ über Sonnensegel. Von Oktober bis April soll es ständig geschlossen bleiben.

Damit in der Weihnachtszeit auch winterliches Flair aufkommen kann, sollen unterhalb des Firstbereiches zudem leistungsfähige Schneekanonen installiert werden. Weil das jedoch wahre Stromfresser sind und man in Markranstädt den Energy Award verteidigen will, muss während des Kunstschneefalls die weihnachtliche Straßenbeleuchtung abgeschaltet werden.

Da kommt also was zu auf die Händler und die Stadt. Aber was macht man nicht alles, wenn es darum geht, im Trockenen zu weilen …