H5N8: Die Gefahr aus der Kuckucksuhr

Vor einigen Wochen ist auf der Insel Rügen ein toter Vogel gefunden worden. In ihm haben Wissenschaftler nach fieberhafter Suche eine Wasserstoff-Stickstoff-Verbindung gefunden, die in der Natur nie und im Chemielabor nur in einem Reaktor vorkommt: H5N8. Der ideale Anlass, die Preise für Weihnachtsgänse und anderes Federvieh in die Höhe zu treiben?

Die Grippe-Lobbyisten haben offenbar wieder mal ganze Arbeit geleistet. Ein toter Vogel bislang und die ganze Republik steht Kopf. Fast könnte man darüber selbigen schütteln.

Aber so ist das in der heutigen Zeit. In Kurdistan werden täglich tausende Menschen geschlachtet, aber die Welt horcht nur auf, wenn ein amerikanischer Journalist geköpft wird. Es scheint, als könnten nur noch Einzelschicksale die Herzen der Menschen ergreifen und zu Veränderungen oder wenigstens Maßnahmen führen.

Der Verwesungsgeruch des toten Vogels von Rügen zieht nun auch auf Markranstädt zu. In Gebieten der Landkreise Görlitz, Bautzen und Nordsachsen sowie im Vogtlandkreis muss Geflügel schon in den Ställen bleiben. Als Risikogebiete für eine Ausbreitung des H5N8-Virus gelten vor allem die Uferbereiche an Seen, Teichen und Flüssen. „Geflügel muss dort so gehalten werden, dass es keinen Kontakt zu Wildvögeln haben kann.“, heißt es. Auch die Seen im Südraum Leipzig sowie die Uferbereiche der Mulde wurden als solche Risikogebiete eingestuft.

Dabei hat die Hysterie gerade erst begonnen. Schon nageln besorgte Frauen die Türen der Kuckucksuhren zu und der BND befürchtet salafistische Selbstmordattentäter, die mit lauter toten Vögeln am Gürtel ins Markranstädter Rathaus marschieren.

Kinder stehen weinend an der Supermarkt-Kasse, weil Mama ihnen keine Überraschungseier mehr kauft (in jedem fünften Ei steckt ein H5N8) und die größte Sorge besteht darin, dass das Virus muhtiert und dann auch Kühe befällt.

Nicht zuletzt droht auch dem horizontalen Gewerbe eine ernsthafte Krise. Niemand will mehr was mit Bordsteinschwalben zu tun haben. Die hier drohende Vögelgrippe wütet zwar schon seit Jahrhunderten, hatte aber bislang so harmlose Bezeichnungen wie Tripper oder Schanker. H5N8 klingt gefährlicher und schreckt deshalb ab.

In den landwirtschaftlichen Betrieben Sachsens werden rund 10,8 Millionen Hühner, über 26 000 Gänse, fast 45 000 Enten und 195 900 Truthühner gehalten.

Was die wenigsten Menschen wissen: Unsere Weihnachtsgänse kommen meist aus Polen oder anderen innovativen Wirtschaftsräumen und werden dort „genudelt“. Über ein in den Hals eingeführtes Metallrohr wird den Tieren kiloweise Futter in die Mägen gepumpt. Da leiden die zwar mehr drunter als unter einem Grippevirus, aber da es keine Einzelschicksale sind, interessiert das niemanden. Wichtig ist, dass die Gänse schnell wachsen, in kürzester Zeit fett und dann geschlachtet werden. Noch deutlicher wird das beim Broiler.

Vom Schlüpfen bis zum Schlachten hat er gerade mal 33 Tage! Der Lebenszyklus eines solchen Tieres ist kürzer als die Inkubationszeit eines H5N8-Virus. Sie können also gar nicht krank werden, unsere Weihnachtsbraten. Jedenfalls nicht an Grippe.

Bon appetit. (Foto: Asavaa, Creative Commons Lizenz 3.0)

 

Insofern ist für uns Verbraucher alles gut und Weihnachten trotz nicht vorhandener H5N8-Epidemie gerettet. Der Vogel wird zwar vielleicht etwas teurer werden, aber was nimmt man nicht alles in Kauf, so lange Ebola schön weit weg ist? Wir schreien erst im Januar wieder auf, wenn – statistisch gesehen – im Islamischen Staat der nächste Amerikaner geköpft wird.

 

Hasel- und Genüsse unterm Tannenbaum

Weihnachten und Satire: Passt das zusammen? Klar, wenn der Weihnachtsmarkt in einer Stadt zelebriert wird, in dem die Narren regieren, dann passt das schon. Ohne Zutun der Karnevalisten, so scheint es, geht’s auch zur Adventszeit in Lallendorf kaum. Und so bildeten die Närrinnen und Narren – freilich neben Kita- und Schulkindern, Vereinen und professionellen Schaustellern – auch beim diesjährigen Weihnachtsmarkt drei tragende Säulen: Micha Unverricht und Thomas Koch als Conferenciers, der MCC und der Kultur- und Faschingsverein Seebenisch auf der Bühne.

Beate Lehmann, 1. Beigeordnete im Rathaus, erinnert sich noch gut an den ersten Weihnachtsmarkt vor acht Jahren. „Da standen die Leute erst mal draußen um den Marktplatz herum und haben vorsichtig geschaut, was da abgehen könnte.“ Aber so Stück für Stück – also Jahr für Jahr – wurde die junge Tradition selbstverständlicher angenommen.

Und diesmal, zum inzwischen 8. Markranstädter Weihnachtsmarkt, sammelten sich schon eine halbe Stunde vor der Eröffnung ganze Heerscharen unter der sorgsam zusammengeklöppelten Doppelspitze auf dem Marktplatz. Als es dann richtig losging, sah man vor lauter Füßen kaum noch die Pflastersteine. Wo Glühwein ausgeschenkt wurde, konnte man durchaus die Erkenntnis gewinnen, dass in den Bechern Begrüßungsgeld versteckt war. Die Schlangen bildeten Labyrinthe.

Generalprobe mit Glühwein

Bürgermeister Jens Spiske hatte im Rahmen der Eröffnung die Gelegenheit, einen Tag vor seinem 50. Geburtstag (nachträglich alles Gute!!!) eine Generalprobe zu seiner Festrede am folgenden Tag abzuliefern. Es war ein guter Jahrgang, der 64-er, auch wenn die friesischen Trauben in den nördlicher gelegenen Anbaugebieten gewöhnlich über eine etwas herbere Note verfügen, als es der Durchschnitt mitteldeutscher Kehlen gewöhnt ist. Aber mit Cardamom, Zimt und einem Schuss Orange versehen, hat der Rathaus-Glühwein die Seelen überzeugt.

Ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel als das Stadtoberhaupt hatte der Weihnachtsmann. Der beschenkte nicht nur die Kinder, die auf der Bühne mit großen Augen ihre lange einstudierten Programme boten, sondern mischte sich auch unters Volk. Auch eine Form der Klarstellung, dass er es mit Transparenz und Bürgernähe ernst meint.

Was heute von verkaufsfreudigen Seminar-Managern als „Team-Finding“ propagiert wird und nicht selten mit einem gemeinsamen Besuch auf der Toilette („Tschacka – Du schaffst es!“) endet, konnte man hier ganz natürlich und ungezwungen erleben. Kollegen, Bekannte und Nachbarn machten sich gemeinsam auf den Weg zum Marktplatz. Ohne Befehl vom Chef, Anweisung von Mutti oder Gruppenzwang aus der Clique. Und auch so manche sympathische neue Bekanntschaft entstand am Fuße der Fichte aus Großlehna.

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Wer 364 Tage im Jahr freundlich und nett zu anderen Menschen ist, darf sich an einem Tag wie diesem auch mal darüber freuen und die Stimmung genießen. Das sympathische Edeka-Team beim privaten Betriebsausflug auf dem Markranstädter Weihnachtsmarkt.

Beifall für den Rathaus-Walzer

Das positive Fazit galt auch für das Programm auf der Bühne. Hier kamen vom Auftakt bis zum letzten Akkord alle Besucher auf ihre Kosten. Selbst als ein Gesangs-Duo am Ende „Atemlos“ interpretierte, gab es keinerlei Gewaltszenen unter der Weihnachts-Fichte. Und als dann nach Karel Svobodas Titelmelodie aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ die Emotionen überschwappten, wurde direkt vor der Rathaustür sogar getanzt!

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Da wurden alle Herzen weich und es gab Beifall: Spontaner Walzer vor der Rathaustür.

Das muss man sich mal vorstellen: Walzer vor der Rathaustür! Das ist ungefähr so, als würde Uli Hoeneß zu Weihnachten lieber in Festungshaft auf Landsberg bleiben, als zu Hause mit Frau und Hund „Süßer die Glocken nie klingen“ trällern zu müssen. Egal wie: Das Paar da oben auf dem Podest hat mit viel Gefühl und sauberer Schrittfolge im 3/4-Takt die Herzen des Publikums unten auf dem Marktplatz im Sturm erobert. Es gab spontanen Beifall!

Neues Jahr – neue Zeit

Es war ein wirklich schöner Abend auf dem Marktplatz. Und als Micha Unverricht und Thomas Koch vom MCC nach den Auftritten der Tanzgarden des Kultur- und Faschingsvereins Seebenisch diese mit wirklich warmen Worten verabschiedeten, gingen auch die Dörfler mit der Zuversicht nach Hause, dass bald nicht nur ein neues Jahr, sondern auch eine neue Zeit anbricht.

Besuch aus Fukushima

Ach ja: Zum Glück kam auch ein Affe zum Weihnachtsmarkt. Der Mann (oder die Frau?) im King-Kong-Kostüm hatte zumindest dafür gesorgt, dass die Veranstaltung sogar in den Medien berücksichtigt wurde. Findige Experten wollten das als PR-Gag der neuen Sprecherin in die Schuhe schieben. Na und? Einen Weihnachtsmann hat doch jeder …

 

Neues aus der vierten Etage (5) – Teil 2: Schraps hat den Hut verloren

In Sachen Kita, vor rund einem halben Jahr vom Stadtrat in quasi einer Eilsitzung beschlossen („Wir können hier heute nicht ohne einen Beschluss rausgehen“), wurden am Donnerstag die Zeiger wieder auf Null gestellt. Es war höhere Mathematik, die da Anwendung fand, denn die Gleichung hatte viele Unbekannte und ein erstaunliches Ergebnis.

Von einem „Geschmäckle“ war die Rede, als im Sommer der Beschluss für den Kita-Standort am Bad gefasst wurde. Die Abgeordneten hatten sich damals Eile auferlegt, um noch Fördermittel abschöpfen zu können. Jetzt beginnt man wieder von vorn und der Begriff Fördermittel wurde nicht einmal ansatzweise erwähnt.

Ungewöhnlich war es wohl, das Ergebnis, aber nicht unerwartet. Zumindest nicht für aufmerksame Beobachter und Zuhörer, welche die Zwischentöne in den vorangegangenen Sitzungen zu interpretierten versuchten. Man kann es demokratisch nennen oder nicht: Das Ergebnis der Abstimmung um den Kita-Standort am Bad ist jedenfalls nicht das Resultat ehrlicher Meinungsäußerungen aller Abgeordneten. Deren zehn fanden sich auf CDU-Seite, neun Volksvertreter saßen in der Opposition und die Stimme des Bürgermeisters hätte mithin das Zünglein an der Waage sein können. War es aber nicht.

Letztendlich wurde die Standortentscheidung für die Kita am Bad mit 9 Nein-Stimmen, 7 Ja-Stimmen und 4 Enthaltungen wieder in die Tonne getreten.

Aber was war das für eine Mathematik, wenn es bei zehn Christdemokraten, aus deren Reihen Minuten vorher verlautbart wurde, dass man hinter der Standortentscheidung am Bad stehe, nur maximal sieben von zehn Ja-Stimmen gab? Und wie seltsam ist dieser Umstand vor dem Hintergrund, dass von der Fraktion der LINKEN kurz vorher eine geheime Abstimmung gefordert und diese durch vier Stimmenthaltungen der CDU dann auch möglich gemacht wurde?

Ein missgünstiger Geist könnte aus dieser Konstellation den Schluss ziehen, dass die LINKE den Weg für abtrünnige Christdemokraten geebnet hat, damit diese in der folgenden Abstimmung die Lager wechseln und dem Gegenüber mal eben unbeobachtet unter die Arme greifen konnten.

Natürlich ist es nicht auszuschließen, dass diese Abstimmungen und deren Ausgänge das Ergebnis einer Aneinanderreihung vieler Umstände und Zufälle ist. Ebenso besteht allerdings die Möglichkeit, dass zumindest einige Glieder dieser Kette nicht unbewusst zusammengefügt wurden.

Wenn dem so ist, dann ist das Strickmuster so genial gezeichnet, dass die Zahl möglicher Urheber begrenzt ist. Es gibt nicht viele Leute am Ratstisch, die in der Lage sind, die Gleichung 10+1-9 so zu organisieren, dass das Ergebnis negativ ausfällt und trotzdem richtig ist. Da brauchts Erfahrung und zuverlässige Wegbegleiter.

Aber das sind sicher nur haltlose Verschwörungstheorien, die aus dem seltsam glücklichen Umstand geboren wurden, dass so manch Abgeordneter sich vorab nachhaltig und konsequent für den Standort am Bad aussprechen konnte, ohne hinterher das Gesicht zu verlieren, wenn es dann doch anders kommt.

Manchmal gibt’s wirklich solche Zufälle. Dann heißt die Gleichung eben 10 – x = 7. X ist dann zwar drei, aber welche drei von 10 sind es? Schraps hat den Hut verloren, Vier hat ihn. Vier hat ihn nicht, Acht hat ihn. Acht hat ihn nicht, Drei hat ihn …

Das Spiel geht gewöhnlich so lange, bis sich mal einer verquatscht.

 

Neues aus der vierten Etage (5) – Teil 1

Wie immer am ersten Freitag nach dem ersten Donnerstag im Monat werden heute viele Leser auf den Bericht aus der vierten Etage warten. Den gibt es heute aber nur in abgespeckter Version, weil zwischen den Zeilen so viel passiert ist, dass man die Dinge etwas ordnen und sich auch Zeit für die richtigen Formulierungen nehmen muss. Was da nämlich gestern im Ratssaal passierte, sah für den unvoreingenommenen Besucher zwar wie eine (fast) normale Sitzung aus, war in Wahrheit aber ein von taktischen Maßnahmen und fintenreichen Strategien geprägtes Gemetzel. Es ist schwer, sowas in Worte zu fassen und noch schwerer, dafür satirische Gleichnisse zu finden.

 

Fangen wir also mit dem lustigen Teil an: Gleich mehrmals fragte der Bürgermeister, ob er in der Runde gut zu verstehen sei. Nachdem das Mikro justiert war und der Nordmann auf dem Thron von einem Imitator mit Kermit-der-Frosch-Stimme zu langsamer und deutlicher Aussprache ermahnt wurde, funktionierte es diesmal mit der Verständigung ebenso einwandfrei wie mit der Verständlichkeit.

Die Vernässungsfläche in Seebenisch war das erste Thema und es schien, als hätte sie das Zeug zum künftigen Wahlkampfthema. Ronald Gängel (LINKE) brachte es zuerst auf den Tisch. Sicher gehört er nicht zum Leserkreis der Markranstädter Nachtschichten, doch knüpfte er nahtlos an unsere Thesen und Berichterstattung an. Er wunderte sich, dass man sich wunderte, dort auf Wasser zu stoßen, wo Wasser vermutet wird. Konkret ging es um den verfügten Baustopp am Kulkwitzer Sportplatz. „Wenn jetzt ein hydrologisches Gutachten erstellt wird, weil man dort auf Wasser gestoßen ist, dann frage ich mich, auf Grundlage welchen Gutachtens dort die Baumaßnahme begonnen wurde?“

Zwischen Logik und Vorschriften

Bauamts-Chefin Dr. Richter konterte: „Wir haben alle erforderlichen Gutachten eingeholt. Aber wenn da plötzlich bei 20 Zentimetern Tiefe schon Wasser ist, rechtfertigt das ein solches Gutachten schon.“ Eigentlich schade, dass sich Gängel mit der Entgegnung zufrieden gab: „Hätte man vorher mal sachverständige Bürger aus Seebenisch gefragt, könnten die Kosten für das hydrologische Gutachten beispielsweise dem Kita-Projekt zufließen.“ Rein rechnerisch würde sowas zwar funktionieren, aber praktisch verbieten haushalterische Buchungsposten solche Gedanken.

In der anschließenden Bürgerfragestunde kam das Thema dann nochmal auf den Tisch. Die Kosten für das Abpumpen des Seebenischer Wassers wurden da nachgefragt. Mal sehen, was dabei herauskommt.

Dann begannen die Abstimmungen zu den beantragten Beschlüssen. Und spätestens hier wurden die Daseinsberechtigungen der MN-Mitarbeiterin im linken und des maskulinen Schreiberlings im rechten Teil des verwinkelten Ratssaales gerechtfertigt. Bei einer solchen Programmgestaltung ist es dem einfachen, quasi uninformierten Volke wirklich schwer zuzumuten, sich da stundenlang hinzusetzen und zuzuschauen, wie was beschlossen wird, was sich einem nicht erschließt

Selten war zu ermessen, welche Dimensionen die Beschlüsse umfassen. Da wurden zwar erneut Grundstücksverkäufe am Westufer des Kulki in Millionenhöhe ausgewiesen, aber als es beispielsweise um Zuschüsse für den SSV Markranstädt oder die Investition für einen Rasentraktor in Räpitz ging, wusste niemand unter den Gästen, ob es da gerade um Peanuts aus der Portokasse oder Millionenbeträge ging. Man schaut halt eben nur zu und langweilt sich, derweil sich die Volksvertreter bei ihren wichtigen Auseinandersetzungen wie Pharaonen vorkommen mögen.

An dieser Stelle wäre ein Hinweis an die Verwaltung angebracht: Jetzt, wo eine professionelle Pressefrau die Wortgewalt führt, ist es vielleicht auch möglich, die Tagesordnung mit einigen Informationen zu unterfüttern, die eine solche Stadtratssitzung für das Publikum nachvollziehbar machen?! Es wäre nicht nur schön, sondern auch transparenter und es würde genüger, beim Verlesen des betreffenden TOP einen kjleinen Abriss zu geben, damit das Publikum versteht, worum es geht.

Apropos SSV Markranstädt: Der befindet sich nach Aussagen des Bürgermeisters wohl in einer „Schieflage“. Deshalb stimmten die Abgeordneten einer Spritze zu, die im „Vorgriff auf den Beschluss“ schon mal prophylaktisch in die Lenden des Oberligisten injiziert wurde. Kommunalpolitisches Harakiri, das man bei den gegebenen Kräfteverhältnissen nur dann eingeht, wenn man sich des Vertrauens sehr guter Freunde sicher ist. Dass das trotzdem ein Drahtseilakt sein kann, lassen Gerüchte auf Lallendorfs Straßen befürchten. Der Geschäftsstellenleiter des SSV sei, so hört man, ab 1. Januar nicht mehr Geschäftsstellenleiter (soll inzwischen als Ordnungshüter eine Option sein, möglicherweise sogar mit Ausschreibung) und das ganze Drumherum des SSV wäre nur noch mit Jahresverträgen ausgestattet. Wie dem auch sei: SSV – dynamisch. Besser als Bayern – Hoeneß.

Sie merken schon, liebe Leserinnen und Leser: Wir schwabbeln so an der Oberfläche lang, ohne uns dem Kern zu nähern, Tagesordnungspunkt 13. Na gut – ein erster Versuch. Also: Ähm, …. tja … nun … Klarstellungsbeschluss … Wenn Sie den Begriff mal in Word oder einem andren Textprogramm eingeben, ist er mit Sicherheit durch eine rote Wellenlinie unterstrichen. Das hat auch seinen Grund. Den Begriff gibts eigentlich nicht. Auch nicht in Markranstädt. Drum hieß der TOP hier „Klarstellung zur Standortentscheidung“ und er war in der Tagesordnung auch nicht als Beschluss aufgeführt. Deshalb lautete es hier nur „Neubau einer Kindertagesstätte“.

Was dann passierte, überforderte sogar den Intellekt gleich zweier MN-Vertreter an gegenüberliegenden Seiten des Podiums, wahrscheinlich aber auch den einiger Abgeordneter. Auf der konservativen Seite des Ratstisches (zehn Abgeordnete) war man ebenso für den Standort am Bad neben dem JBZ wie auf dem Thron (macht zusammen elf!).

Kommunal-Mathematik

Die neun Abgeordneten auf der anderen Seite positionierten sich scheinbar fraktionsmäßig, was nach Adam Ries neun Stimmen bringen könnte. Argumente wurden hin und her geworfen, anhand derer der außenstehende Beobachter den Eindruck gewinnen musste, dass die Abgeordneten nur Angst davor hatten, mit ihrer Standortentscheidung vom Juni 2014 auch die Verantwortung für möglicherweise explodierende Kosten übernehmen zu müssen. Eigentlich verständlich. Die Mehrkosten beliefen sich allerdings erstmal auf 25.000 Euro wegen des Abwassers. Und die waren bereits beim Beschluss zu ermessen. Angesichts vakanter Beträge beim Rasentraktor oder der Finanzspritze für den SSV eröffnete sich dem mit Zahlenwerk unterversorgten Gast schon die Frage der Verhältnismäßigkeit und ob da gleich ein ganzes Projekt in Frage gestellt werden muss?

Keine Frage nach den Fördermitteln

Immerhin wurde der Standort längst beschlossen und damals wurde auch zur Eile gemahnt, um 2014 noch Fördermittel beantragen zu können. Ein solcher Antrag bedarf natürlich auch belastbarer Zahlen, also einer Planung. Wenn man dann aber drei Wochen vor Jahresende diese Planungen, die der Stadtrat im Sommer per Beschluss in Auftrag gab, in Frage stellt, dann sind die Verluste groß. Entweder waren die Planungsleistungen umsonst (schlimm) oder sie hatten gar nicht stattgefunden (der Beschluss des Stadtrates wurde von der Verwaltung quasi nicht umgesetzt). Egal wie: Es sollte zu denken geben.

Der folgende Ablauf ist fiktiv, sehr geehrte Leserinnen und Leser. Nur seine Ergebnisse sind real. Also bitte nicht falsch verstehen: Es ist alles (bis auf die Zahlen und Ergebnisse) frei erfunden, aber im Vorfeld gut geplant:

…. (Fortsetzung folgt nach einer kurzen Werbepause von nur 24 Stunden im nächsten Teil)

 

Sind die Lichter angezündet…

So viel Heimlichkeit in der Weihnachtszeit … Ja, in den Adventstagen passieren immer wieder wundersame Dinge. Man muss sie nur spüren und sehen wollen. Der Pfarrer wird nicht müde, vor allem in der Vorweihnachtszeit derlei Gleichnisse unter die Gemeinde zu bringen und sie für die Besonderheiten dieser Zeit zu sensibilisieren. So richtig glauben wollen derweil nur wenige Menschen an ein Weihnachtswunder. Jetzt ist ein solches geschehen. Noch dazu direkt vor der Kirche! Die Fichte auf dem Marktplatz erstrahlt in makellosem Lichterkleid!

Nicht nur der Marktplatz wird jetzt vorweihnachtlich erhellt. Seit dem 1. Advent wird auch die Leipziger Straße in besinnliches Licht getaucht. Was für Fußgänger das richtige Flair ausstrahlt, könnte derweil für den Luftverkehr und damit vor allem für den nahe gelegenen Leipziger Flughafen so manche Gefahrensituation heraufbeschwören. Gestern konnte eine Boeing 737 der San Marino-Airlines nur noch nach einem zünftigen „Mayday“ vom Schkeuditzer Tower ihren Landeanflug auf Markranstädt abbrechen. Dem Piloten gelang es im letzten Moment, seine Maschine hochzureißen, nachdem er die Weihnachtsbeleuchtung auf der Leipziger Straße versehentlich für die Landebahnbefeuerung des Flughafens hielt.

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WböR: Weihnachtsbaum mit Abblendlicht

Der Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz gibt immer mehr Rätsel auf. Erst präsentierte er sich mit Doppelspitze (die MN berichteten), dann mit einer wiedervereinigten Einheitskrone (es wird zusammengefesselt, was zusammen gehört) und als Krönung leuchtete nun das arme Teil zum 1. Advent in nur halbem Gewand. Mit unserem Weihnachtsbaum öffentlichen Rechts (WböR) ist es wie mit der Wahl von Fußballmannschaften auf einem Bolzplatz der 1970er Jahre: Spitze – Halbe – Ganze.

Nachdem im Laufe der zurückliegenden Woche aus der lokalen Tagesgazette zu erfahren war, dass man in Markranstädt sowieso nichts erfährt, wenn man etwas erfahren will, wollten wir gar nicht erst die Erfahrung machen, nichts zu erfahren und haben versucht, mit eigener Erfahrung Erfahrungen zu machen. Oder, anders gesagt, eben selbst auf des Pudels Kern zu stoßen.

Aus der intensiven Bemühung individueller Logik erschließen sich dem Beobachter demnach zwei grundsätzliche Möglichkeiten, die das Szenario eines halb angeputzten Baumes rechtfertigen. Da wäre einmal der ungünstige Wochentag, der für das Aufhängen von Kugeln und Lampen gewählt wurde. Es war der Freitag.

Freitag um eins…

Im öffentlichen Verwaltungsraum Deutschlands ist das längst kein Freitag mehr, sondern ein Frei Tag oder bestenfalls ein Freistundentag. Freitag um eins macht Jeder seins. Nun ja … wenn man sich vornimmt, den Baum an einem Tag zu schmücken, wird’s an einem halben Tag zwangsläufig auch nur ein halber Baum. Noch dazu, wenn man einen nicht unbeträchtlichen Teil dafür verwenden muss, aus zwei Spitzen einen einheitlichen Zopf zu flechten.

…und wenn das halbe Lichtlein brennt …

Die zweite Ursache könnte natürlich darin bestehen, dass die Stadt erst kürzlich so einen Energy-Award bekommen hat und jetzt noch sparsamer mit Strom umgehen will. Oder muss. Weihnachten, das ist die Erntezeit der Energiekonzerne. Nirgendwann und nirgendwo sonst auf der Welt (außer bei den Criswolds in den USA) werden in den Tagen vor Silvester Häuser, Gärten und ganze Landstriche so intensiv ausgeleuchtet, dass die heimische Vogelwelt verwirrt mit dem Nestbau beginnt. Da darf man als Energie-Stadt ruhig mal mit Vorbildwirkung vorangehen und es bei einer Kerze belassen.

Und während es aus den deutschen Wohnzimmerfenstern flimmert wie in den tschechischen Puffs an der E 55, schreiben die Verursacher dieser Supernova aggressive Drohbriefe an ihre Vermieter wegen zu hoher Nebenkosten. Wer sich da – wie die Stadt Markranstädt – einen sparsamen Umgang mit selbigen auferlegt hat, der hat dann auch ein Argument, wenn es um die Erklärung einer halben Erleuchtung geht.

 Der WböR: sparsam und klimafreundlich

Jedenfalls präsentiert sich unser Weihnachtsbaum öffentlichen Rechts (WböR) ziemlich depressiv. Zur Straße hin ist er geradezu lichtlos in Tarnfarben gehüllt und selbst vom Marktplatz aus zeigt er sich nur bis zum Nabel in Lichterglanz – der Unterleib verfließt auch hier im Dunkel der Biologie. Hat er vielleicht nicht nur zwei Spitzen, sondern auch zwei Lenden, die uns verborgen bleiben sollen?

Mini-Top mit freiem Rücken

Man kann sich mit vielen Dingen anfreunden. Manche Frauen werden, so will es die Legende, von Bier zu Bier schöner und Frauen wiederum beziehen ihr Wohlbefinden mitunter aus nur scheinbaren Dingen – wenn sie zum Beispiel verträumt den Oberschenkel ihres Mannes streicheln. Auch unser WböR ist trotz seiner Behinderungen irgendwie akzeptabel. Vor allem dann, wenn man sich vor dem Hintergrund der sich in erschreckendem Maße häufenden Diebstahldelikte in der Stadt und ihren Ortschaften vor Augen führt, dass da, wo keine Lampen brennen, auch keine geklaut werden können.

Das ist wichtig, wo doch neuerdings kein Tag vergeht, ohne dass in Lallendorf und seinen Ortschaften irgendwo eingebrochen wurde und von der Rüttelplatte bis zur Dachrinne nichts mehr sicher ist. Nur dem Umstand, dass Schwiegermütter grundsätzlich nicht zur Beute zählen, ist zu verdanken, dass die Delikte von frustrierten Menschen überhaupt noch angezeigt werden.

Eigentlich ist die Kriminalitätsentwicklung die einzig vernünftige Erklärung für den WböR. Sie vermittelt, warum auf der Straßenseite nichts leuchtet und selbst nach dem Marktplatz hin die Lampen außerhalb körperlicher Reichweite hängen. Man muss eben nur die Weihnachtslieder ein wenig umdichten. Aus einem Baum in strahlend buntem Kleid wird dann in Markranstädt halt ein Mini-Top mit freiem Rücken.

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Was’n Sternbild! Doch spätestens seit Galileo Galilei wissen wir, dass sich im Dunkel dahinter auch was verbirgt. Eine zweite Spitze vielleicht?

So ein Minikleid kann, je größer die Dame ist, auch schnell mal unter dem Nabel enden. Und hier sind wir bei der vierten möglichen Ursache: Der Baum ist zu groß für Markranstädt! Oder anders gesagt: Die Lichterkette war zu kurz.

Wie dem auch sei: Die Sache ist so auffällig und witzig, dass sie bereits am 1. Advent überregional die Runde gemacht hat und auch bei den Weihnachtsmärkten in Döhlen und Seebenisch zum Alleinunterhalter avancierte. Es ist nicht auszuschließen, dass in den kommenden Tagen eine Nachbesserung erfolgt. Der Weihnachtsmarkt am 6. Dezember auf dem Marktplatz unter der Fichte könnte sonst ganz schnell mal zu einer vorgezogenen Faschingsveranstaltung werden. Das Bauamt müsste dann noch schnell eine Bütt bauen … satirische Sterbehilfe sozusagen.