Was ’ne Fackel!

Je nach Perspektive, aus der man das Treiben am Montagvormittag beobachten konnte, war das eine interessante Aktion in den Weiten der Lindennaundorfer Flur. Aus Richtung Südost sah es fast so als, als habe die Bockwindmühle in Brand gestanden oder der Mühlenbäcker vergessen, die Brote aus dem Ofen zu holen. Hätte aber auch sein können, dass ein Bohrtrupp auf eine Erdgas-Ader gestoßen ist, ein gigantischer Sandwurm zu viel Spargel gegessen hat oder was sonst noch alles. Am Ende war es doch ganz anders.

„Was ’ne Fackel!“ Die Zeiten, als man das noch ohne Gefahr einer Anklage wegen Sexismus sagen durfte, sind lange vorbei. Wie schön, wenn man diesen Spruch angesichts solcher Bilder trotzdem ungestraft loslassen darf.

Angeblich soll sich dieser Teil Markranstädts an einer Straße namens Mühlweg befinden. Doch weder bei Google noch sonstwo gibt es diese Bezeichnung. Egal, der Weg wird sowieso nur von Nordic Walkern genutzt oder als Gassi-Runde von Dämchen und Herrchen, die keine Lust haben, sich innerhalb geschlossener Siedlungsbereiche nach der Kacke ihrer Haustiere zu bücken. „Lass ruhig fallen, Waldi. Ach, hast schon?“

Genau diese Bevölkerungsgruppen waren es allerdings, die am Montag das Glück hatten, staunend vor einem phallischen Etwas zu stehen, aus dessen Innerem eine bis zu vier Meter hohe Flamme entwich.

Sieht aus als brennt die Mühle oder der Bäcker hat vergessen, das Brot rauszuziehen.

Sieht aus als brennt die Mühle oder der Bäcker hat vergessen, das Brot rauszuziehen.

 

Und das auch noch mitten am Absperrschieber direkt über der Erdgas-Hochdruckleitung Moskau – Meuchen.

Aber genau das war auch des Rätsels Lösung. Die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Gas betreibt hier eine Gashochdruckleitung, an der Reparaturarbeiten erforderlich sind. Um die ausführen zu können, musste das Gas vorher natürlich raus aus der Pipeline. Wir Menschen kennen diesen Vorgang beispielsweise nach dem Verzehr von Hülsenfrüchten oder ähnlich geladenen Teilchen.

Mobile Wanderfackel oder ist das Olympische Feuer auf dem Weg nach Peking grade in Frankenheim angekommen?

Mobile Wanderfackel oder ist das Olympische Feuer auf dem Weg nach Peking grade in Frankenheim angekommen?

Also musste die Leitung vorher „entspannt“ werden, wie die Fachleute das Ablassen des Drucks nennen. Früher war das ganz einfach: Da hat man links und rechts des betreffenden Abschnitts einfach die Schieber zugeleiert und das dazwischen befindliche Gas via Ventil an die frische Luft abgelassen.

 

Heute weiß man, dass Methan schädlich für die Umwelt ist. Deshalb wird es abgefackelt, wobei umweltfreundliches Kohlendioxid entsteht, was wiederum von den umherstehenden Bäumen dringend benötigt wird, um durch Photosynthese lebensnotwendigen Sauerstoff herstellen zu können.

Kerzengerade im Wuchs, ein Becken wie die Venus von Lallendorf, noch dazu schlank und heiß wie eine Fackel. Zumindest hier darf man das noch sagen.

Kerzengerade im Wuchs, ein Becken wie die Venus von Lallendorf, noch dazu schlank und heiß wie eine Fackel. Zumindest hier darf man das noch sagen.

Alles reine Naturwissenschaft. Ein bisschen Physik, gemischt mit biochemischen Vorgängen und angereichert mit den modernsten Erkenntnissen im Kampf gegen den Klimawandel und sinnlosem Verbrauch immer ebenso knapper wie teurer werdender Ressourcen. Es war eine anschauliche Lehrvorführung und endlich konnte man trotz Beiseins heißer Hundebesitzerinnen mit eindrucksvollen Herzkranzgefäßen und einiger Nordic-Walkerinnen mit atemberaubenden Fahrgestellen mal wieder völlig straffrei laut staunen: „Was ’ne Fackel!“

 

2 Kommentare

  1. Oh Lallendorf was bist Du schön- hier bekommt man als einzige Kommune Klimawandel Pur zu sehen… . Nee, mal im Ernst: Es ist doch gut das durch MN bewusst wird das es beruhigende Mechanismen der Aufrechterhaltung fleißiger und pflichtbewusster Menschen in Firmen gibt die uns unser schönes bequemes Leben aufrecht erhalten. Bevor es nur gemeckertes gibt das Irgendwer irgendwas nicht am Laufen hält. Positiv!

    1. Dieses flammende Plädoyer passt zum Thema. Danke!

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