Die Markranstädter Antwort auf das Münchener „mia san mia“

Was ‘ne Osterüberraschung! Nein, nicht dass Markkleeberg sein eigenes Kfz-Kennzeichen mit der Ortsmarke MKB bekommt. Für Dörfer wie Markranstädt ist ein Heimatkennzeichen a la MKR ohnehin nicht vorgesehen. Das brauchen wir aber auch gar nicht, denn längst hat sich ein anderes Motiv als Ausdruck des Lokalpatriotismus durchgesetzt. Und das hat jetzt sogar interfamiliären Zuwachs bekommen! Für die Markranstädter Nachtschichten ein stolzer Anlass, die sächsische Antwort auf das bajuwarische „mia san mia“ mit einem Preisausschreiben zu würdigen.

Es soll sogar ganz überzeugte Patrioten geben, die sich das Motiv auf den Bizeps stechen ließen. Wer in Markranstädt was auf sich und seine Herkunft hält, hat aber zumindest auf der Heckscheibe, der Kofferraumklappe oder an der Stoßstange seines Autos längst den legendären Kellner kleben.

Eine Ikone der deutschen Brau- und Trinkkultur, mit der man sogar auf Parkplätzen im versoffenen Bayern neidvolle Blicke auf sich zieht. Der schwarze Kellner auf gelbem Grund ist quasi die Markranstädter Antwort auf das Münchener „mia san mia“!

Schwarz-gelbes Heimatgefühl

„Kellner, ein Markranstädter“, heißt es auf dem Original aus den 1920er-Jahren. Aber die Gastronomie ächzt unter steigenden Löhnen und sucht händeringend nach Fachpersonal. Auch der Markranstädter Hopfenschaffende ist im Laufe der Jahrzehnte immer teurer geworden.

Fachkräfte sind teuer geworden: Die Startgebote für den Markranstädter Kellner auf Emaille belaufen sich auf 700 Euro.

Fachkräfte sind teuer geworden: Die Startgebote für den Markranstädter Kellner auf Emaille belaufen sich auf 700 Euro.

Die Startgebote für einen der seltenen in Emaille gebrannten Ober aus Lallendorf belaufen sich in Europas Auktionshäusern inzwischen auf mindestens 700 Euro. Selten geht er unter 1.200 Euro weg, von Sozialabgaben ganz zu schweigen.

Der mit dem Bier tanzt

Ein anderer Markranstädter, der weniger mit dem Ausschank von Hopfenkaltschale als mit deren gelegentlichem Konsum seine Freude hatte, bewies allerdings schon gleich nach der Wiedervereinigung den richtigen Riecher.

So sieht das Original aus den 1920er-Jahren aus. Man sieht dem Typen sein Alter kaum an.

So sieht das Original aus den 1920er-Jahren aus. Man sieht dem Typen sein Alter kaum an.

Damit sich nicht irgendwelche dahergelaufene Westelbier unsere servierende Fachkraft unter den Nagel reißen und als Gelddruckmaschine oder für anderen Unsinn missbrauchen können, hatte sich Wolfram Friedel die Rechte an dem Kellner gesichert.

Zum 65. Geburtstag des letzten echten Markranstädter Gastwirts hatte sich der MN-Karikaturist im August 2020 am Kellner bedient und ihm die Züge von Andreas Groitzsch verliehen.

Zum 65. Geburtstag des letzten echten Markranstädter Gastwirts hatte sich der MN-Karikaturist im August 2020 am Kellner bedient und ihm die Züge von Andreas Groitzsch verliehen.

Spätestens in diesem Augenblick hatte man auch in Kulmbach, Warstein oder Erding verstanden, dass man den Ossi nicht überholen kann, ohne ihn einzuholen. Oder anders gesagt: Wer zu spät kommt, kriegt nur schales Bier.

Bei diesem Deal ist allerdings nicht nur Friedels gesamtes Begrüßungsgeld drauf gegangen. Nachdem er den jahrelangen Papierkrieg endlich gewonnen hatte, musste er einen gesunden vierstelligen D-Mark-Betrag ans Patentamt überweisen.

Im Unterschied zu den BWL-gestählten Invasoren aus den gebrauchten Bundesländern spielte die Refinanzierung seiner Investition für Friedel jedoch keine Rolle. Ihm ging es lediglich darum, dass der Kellner aus Markranstädt auch ein Kellner für Markranstädt bleibt und nicht irgendwann im Internet für Hörgeräte werben muss oder man ihm eine Regenbogenbinde umhängt.

Nach zähem Kampf und einem vierstelligen Betrag hatte ein Markranstädter den westelbischen Spekulanten die Rechte am Lallendorfer Kellner vor der Nase weggeschnappt.

Nach zähem Kampf und einem vierstelligen Betrag hatte ein Markranstädter den westelbischen Spekulanten die Rechte am Lallendorfer Kellner vor der Nase weggeschnappt.

Und so nahm die Geschichte vom heimlichen Stadtwappen ihren Lauf. Geschult durch unzählige karnevalistische Lebenserfahrungen und heimatgeschichtliche Recherchen machte Friedel dem flinken Kellner Beine.

Ich bin ein Markranstädter!

Kurzerhand wurde aus dem Slogan „Kellner, ein Markranstädter“ der selbstbewusste Ruf „Ich bin ein Markranstädter“. Die Alten erinnern sich: Von diesem Spruch hatte John F. Kennedy einst sein legendäres „Isch biehn oin Börlinör“ geklaut.

Nachdem John F. Kennedy den Markanstädter Slogan im Juni 1963 für seinen Berlin-Besuch geklaut hatte, kehrte der Spruch nun wieder in seine Heimatstadt zurück.

Nachdem John F. Kennedy den Markanstädter Slogan im Juni 1963 für seinen Berlin-Besuch geklaut hatte, kehrte der Spruch nun wieder in seine Heimatstadt zurück.

Nachdem Friedel die Ikone auf hunderte Aufkleber drucken ließ und in Lallendorf unter die Leute gebracht hatte, war die Welt nicht mehr die gleiche wie vorher. Ob auf dem Brennerpass, im Schwarzwald oder auf der Fähre nach Göteborg: Überall zeugt der Markranstädter Gastronom von der edlen Herkunft der Autoinsassen. Lediglich in Polen sollen ein paar Fahrzeuge rumfahren, bei denen die Identität der Fahrer nicht mit der Ortsmarke auf dem Aufkleber übereinstimmt.

Das neue Heimatkennzeichen: Wer braucht schon MKR?

Für den Aufbau des Kellners als Heimatmarke war Friedel allerdings nicht allein verantwortlich. Im Laufe der Zeit haben sich zahlreiche Mitstreiter um ihn geschart, durch deren Adern das patriotisch schlagende Herz ebenfalls Markranstädter Gene jagt.

Die Rechte am Bierbringenden mit dem schwarzen Frack teilt Friedel inzwischen mit dem Bauunternehmer Thomas Haenel, der rein biologisch noch ein paar Jahre mehr auf der Lebensuhr hat und deshalb der Garant dafür ist, dass der Kellner auch künftig ein Markranstädter bleibt.

Osterüberraschung in 3-D!

Und jetzt kommt der Oberhammer! Pünktlich zu Ostern lässt der Mann mit den Biergläsern und dem Hund zwischen den Beinen wieder aufhorchen. Das heimliche Wahrzeichen der Stadt hat Zuwachs bekommen – und das auch noch in 3-D!

Neben dem Markranstädter (m) gibt es jetzt auch die Markranstädterin (w) und darüber hinaus auch beide zusammen als Familienpackung mit Hund statt Kind (div).

Ob es sich bei das Vierbeinenden um eine Rüdin oder einen Rüdiger handelt, darf sich das kläffende Tier im Rahmen der Selbstbestimmung eigenständig aussuchen.

Da spannt sich der Zwickel, wenn diese fesche Markranstädterin nicht nur Bier, sondern jede Menge gute Laune bringt.

Da spannt sich der Zwickel, wenn diese fesche Markranstädterin nicht nur Bier, sondern jede Menge gute Laune bringt.

Kein Zweifel: Auch wenn der Mann als Urgestein einen Amtsbonus genießt und die Frau dafür deutlich fescher daherkommt, hat vor allem die Doppelvariante „Wir sind Markranstädter“ voll ins Schwarze getroffen.

Das Wir-Gefühl in der Familienpackung

Das Duo verbreitet fröhlich-lustige Atmosphäre und stillt schon beim ersten Anblick den Durst nach einer Stimmung, nach der Markranstädt schon seit Jahren lechzt: Ein verbindendes Wir-Gefühl, das über allen politischen, gesellschaftlichen, sportlichen oder kulturellen Differenzen steht.

Zum Stolz, ein Markranstädter zu sein, kommt hier noch der Stolz darauf hinzu, dass es in Markranstädt Menschen mit so großartigen Ideen gibt. Einfach genial. Okay, eine Kleinigkeit wäre da noch. Begriffe wie Ober oder Kellnerin klingen irgendwie zu versoffen.

Markranstädt heute: Kellner ohne Kneipen

Grade in einer Stadt, in der die Gastronomie am Boden liegt und ein halber Liter Bier trotz Ölkrise mehr als doppelt so viel kostet wie ein Liter Benzin, sollte man bei den Leuten keine unerfüllbaren Erwartungen schüren.

So geht Sächsisch! Während in München ein vorbestrafter Steuerhinterzieher für das "mia san mia" herhalten muss, wird das Wir-Gefühl in Markranstädt von einem Paar verkörpert, das sein Geld mit ehrlicher Kellnerarbeit verdient.

So geht Sächsisch! Während in München ein vorbestrafter Steuerhinterzieher für das „mia san mia“ herhalten muss, wird das Wir-Gefühl in Markranstädt von einem Paar verkörpert, das sein Geld mit ehrlicher Kellnerarbeit verdient.

Soll heißen: Was jetzt noch fehlt, sind anständige bürgerliche Namen für den Lallendorfer Mundschenk und seine Gefährtin.

Namenssuche: Drei komplette Sets zu gewinnen

Die Markranstädter Nachtschichten loben deshalb ein Preisausschreiben aus. Senden Sie uns Ihre Namensvorschläge einfach per Kommentar oder per eMail an redaktion@nachtschichten.eu zu. Unter den Zuschriften verlosen wir unter Ausschluss des Rechtsweges drei komplette Sets der Autoaufkleber mit Kellner, Kellnerin und dem Kellner-Duo.

Frohe Ostern und viel Glück

In diesem Sinne: Ein dickes Dankeschön an Wolfram Friedel und Thomas Haenel für das neue Symbol eines verbindenden Markranstädter Wir-Gefühls, allen Lesern zündende Ideen für originelle Namensvorschläge und dem gesamten Markranstädter Erdkreis ein gesegnetes Osterfest.

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