Warum der Markranstädter Stadtrat nicht in der BND-Kantine tagt

Da staunt der Laie und der Bürger wundert sich: Nachdem der SSV Kulkwitz seinen Insolvenzantrag zurückgezogen hat, geht nun der Streit darüber los, wer sich als todesmutiger Retter des in Not geratenen Vereins feiern lassen darf. Ist es die Bürgermeisterin, die 9.000 Euro Steuergelder in die Ablösung der Vereinsschulden gepumpt hat? Oder doch die Stadträte von CDU, SPD und Grünen, die dem SSV aus der gleichen Quelle jährlich 400 Euro mehr Unterstützung zugebuttert haben? Der MN-Chefsatiriker Claus Narr hat sich die Dramödie mal aus einer ganz anderen Perspektive angeschaut.

Das Nachsehen hat wieder einmal der gemeine Plebs, der das Geld für die Rettungsaktion erwirtschaftet hat.

Weil er seine Steuern nicht freiwillig herschenkt, sondern die öffentliche Hand sie ihm mit viel bürokratischem Aufwand erst wegnehmen muss, hat er für seinen heldenhaften Rettungseinsatz nicht einmal einen feuchten Dank zu erwarten.

Schraps hat den Hut verlor’n

Während die Verweser des Volksvermögens noch darüber streiten, wem wieviele der Lorbeeren bei der Verteilung des Geldes zukommen, erschöpft sich das Bürgertum in Schuldzuweisungen darüber, wer für die Situation verantwortlich ist. Die Ermittlungen der Einwohnermilizen konzentrieren sich auf drei Hauptverdächtige: Rathaus, Stadtrat und natürlich auf den Verein selbst.

Große Sprünge kann man sich in Kulkwitz nicht erlauben. War die Sprunggrube vom Fördermittelgeber vielleicht von vornherein als Schulgarten geplant??

Große Sprünge kann man sich in Kulkwitz nicht erlauben. War die Sprunggrube vom Fördermittelgeber vielleicht von vornherein als Schulgarten geplant?

Seltsamerweise hat niemand die Nummer 4 in diesem Trio auf dem Schirm. Aus Sicht des staatlich ungeprüften Satirikers ist der als monetärer Heiland hernieder gefahrene „Fördermittelgeber“ der Hauptschuldige an der Situation. Zwar verteilt auch der nur Gelder, die dem Volk vorher abgenommen wurden, aber wie er das Vermögen an sich reißt und warum, darüber sollte mal nachgedacht werden, bevor man andere verdächtigt.

Das sind die Fakten: Wenn ein Stadtrat heute einen Baubeschluss fasst, ist das in Wahrheit kein Beschluss, sondern lediglich eine demütige Willensbekundung unmündiger Laiendarsteller.

Ob eine Kita oder ein Sportplatz gebaut wird, entscheidet der „Fördermittelgeber“, hinter dem sich meist Bund oder Land verstecken. Mit diesem System der Geldverteilung wollen die Berufspolitiker die Kontrolle darüber behalten, ob und was gebaut wird.

Nachdem der Insolvenzantrag gestellt war, wurde plötzlich auch der Stadt klar, dass das Kind in die Zisterne gefallen ist. Vereinschef Luckner bei einem seiner Rettungsversuche.

Nachdem der Insolvenzantrag gestellt war, wurde plötzlich auch der Stadt klar, dass das Kind in die Zisterne gefallen ist. Vereinschef Luckner bei einem seiner Rettungsversuche.

Denn das zu entscheiden will man nicht den zu Stadträten erhobenen Friseuren, Mechatronikern, Sozialtherapeuten oder anderen Quereinsteigern überlassen, nur weil die sich vor Ort gut auskennen. Es geht darum, den Blick auf das große Ganze und damit die Kontrolle zu behalten. Der Fördermittelgeber schreibt vor, welche Merkmale ein neuer Sportplatz haben muss, um gefördert zu werden. Die Kommune muss das Projekt nach diesen Maßstäben planen.

Der Fisch stinkt am Kopf

Der Fördermittelgeber prüft und entscheidet, ob ein Projekt umgesetzt werden kann. Er sichert damit ab, dass die Investition wichtig, vernünftig, und finanzierbar ist, weil er diese Expertise den Handelnden vor Ort nicht zutraut. Kurzum: Er hat mit der sich selbst an Land gezogenen Entscheidungskraft die Verantwortung für die Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit des Projektes übernommen.

Wenn ich mir nun das Drama um die Folgekosten wie Wartung, Reparaturen und Unterhalt des Kulkwitzer Sportplatzes anschaue, sehe ich, dass damit nicht nur der Pächter, sondern auch die Stadt als Eigentümerin überfordert ist.

Gefördertes Versagen

Und so erkenne ich nur einen Schuldigen: Der „Fördermittelgeber“ ist hier seiner Verantwortung zur Prüfung einer künftigen Unterhaltung der Anlage nicht nachgekommen. Er hätte erkennen müssen, dass der Betrieb eines solchen Sportplatzes für den Elftligisten einer abstiegsgefährdeten Kleinstadt nicht zu stemmen ist!

Früher stand hier mal alles unter Wasser. Dreck drauf und Rasen ansäen hat dem Fördermittelgeber nicht gereicht. Es musste eine grüne Trockensavanne werden.

Früher stand hier mal alles unter Wasser. Dreck drauf und Rasen ansäen hat dem Fördermittelgeber nicht gereicht. Es musste eine grüne Trockensavanne werden.

Nicht die Ärzte, Busfahrer oder Chemielaboranten der Markranstädter Lokalpolitik haben hier eklatant versagt, sondern der Freistaat Sachsen als Finanzier und Entscheider. Schade nur, dass sich die zu Statisten degradierten Polit-Komparsen vor Ort lieber untereinander die längst verwelkten Lorbeeren streitig machen, anstatt mal mit gebündelten Kräften gegen ihre Entmündigung durch einen externen Verteiler ihres eigenen Geldes vorzugehen.

Auf der anderen Seite ist das irgendwie auch verständlich. Ein Kampf Hinz gegen Kunz verspricht vor Ort nachhaltigere Wirkung als wenn man ein morbides System in Frage stellt. Dann könnte man die Stadtratssitzungen künftig auch gleich in der Kantine des Verfassungsschutzes abhalten. Aber es ist ja zum Glück alles nur Satire.

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