Darüber lacht Markranstädt: Betten-Blocker, grüne Massenmedien und andere Schmunzetten

Ob im Internet, in der Zeitung, auf der Straße oder im Fahrstuhl: Wer die Welt mit offenen Augen betrachtet, hat Spaß am Leben. Und da sind die folgenden drei Beispiele bei 30 Grad im Schatten nur die Spitze des Eisberges.

Fehldiagnose im Lift

In einem Fahrstuhl im Alten Ratsgut wird das Seelenheil zur Glücksache. Also rein pschychologisch.

Weil heutzutage in den Schulen gelehrt wird, dass man schreiben soll wie man spricht, könnte hinter dem Hinweis zunächst ein Sprachfehler des Verfassers vermutet werden.

Was, wenn's gar kein Fehler ist? Ein Onkologe ist ja auch nicht der Bruder der Mutter, sondern Experte für Thermoscherapie.

Was, wenn’s gar kein Fehler ist? Ein Onkologe ist ja auch nicht der Bruder der Mutter, sondern Experte für Thermoscherapie.

Doch ein Blick auf das restliche Panel des Aufzuges verrät, dass das ausgeschlossen ist. Der Knopf für die zweite Etage verweist schließlich tadellos auf die Logopädie und damit die Kernkompetenz fehlerfreier Aussprache. Der pschychologische Grund kann also nur in einer Anpassung des großen Latinums der Ärzte an den Bildungsdurchschnitt der Patienten liegen.

Ob Pschychologen, Schirurgen, Kühnegologen oder Thermatologen: Sogar die KI weiß, was gemeint ist und navigiert den Patienten sicher in die Wartezimmer. Wenn diese kreative Rechtschreibung allerdings auf die Rezepte der Mediziner abfärbt, birgt das unvorhersehbare Risiken und Nebenwirkungen.

Wer beispielsweise zur Stärkung seines Herzmuskels vom Gardjologen ein Rezept für einen „Betten-Blocker“ ausgestellt bekommt, kann nach dem Besuch in der Apotheke gleich einen Abstecher zum Uchologen seines Vertrauens machen. Der kann die Risiken und Nebenwirkungen mit einem Rezept für die landwirtschaftliche Wachstumspille „Wie Agra“ ausschalten. Abgespeichert auf Ihrer Schippkarte.

Das geht ganz tief rein

Die Partnersuche wird immer spezialisierter. Früher reichten Eigenschaften wie „treu“, „humorvoll“ oder „Nichtraucher“. Heute führt der Best-Ager 70plus die Wunschliste seines Lebensabends mit bewundernswerter Präzision an.

Eigentlich gibt's für sowas heute Spülmaschinen, aber die haben in der Regel nicht so viel Verständnis wie eine Krankenschwester.

Eigentlich gibt’s für sowas heute Spülmaschinen, aber die haben in der Regel nicht so viel Verständnis wie eine Krankenschwester.

In diesem Fall soll es eine verständnisvolle Krankenschwester mit Interesse an Darmgesundheit und Wasseranwendungen sein. Spätestens bei der E-Mail-Adresse „Einlauf555“ weiß man: Hier sucht einer keine flüchtige Bekanntschaft, sondern eine Beziehung mit richtig viel Tiefgang!

Spätestens seit die Internet-Pornoseite der „Analschwestern“ im Arsch ist, sind bei den Fans von Darmstädtern, After-Shave und anderen anal-ogen Spielarten jetzt Alternativen gefragt. Tauschte man früher beim ersten Date Lieblingsfilme aus, stehen hier vermutlich Erfahrungen mit Flohsamenschalen und die Vorzüge lauwarmen Wassers im Mittelpunkt. Das Meer dient dabei weniger dem Sonnenuntergang als der perfekten Kulisse für den täglichen Verdauungsspaziergang.

Man muss Einlauf555 allerdings eines lassen: Ehrlicher kann man kaum sein. Während viele ihr wahres Ich erst nach Monaten offenbaren, legt er sämtliche Karten sofort auf den Tisch. Bleibt die Frage, ob sich eine Krankenschwester mit so viel Verständnis findet, dass sie nach 14 Stunden Stuhlmanagement im Krankenhaus auch zu Hause noch fremde Mokkastübchen spülen will?

Genug ist nie genug

Manche sammeln Briefmarken, andere alte Münzen. Markranstädt sammelt offenbar Pin-Up-Fotos. Anders lässt sich das Bild einer Briefkastenanlage kaum erklären: Rund 30 gefüllte Boxen – und obendrauf noch einmal ein ordentlicher Stapel aus rund 40 druckfrischen Extra-Exemplaren. Doppelt hält besser? Nein, eher: Vierzigfach lächelt besser.

Da bekommt der Begriff vom Massenmedium doch gleich eine ganz andere Dimension. Allein hier lauern 760 Pin-ups.

Da bekommt der Begriff vom Massenmedium doch gleich eine ganz andere Dimension. Allein hier lauern 760 Pin-ups.

Das aktuelle Amtsblatt bringt es immerhin auf 19 Fotos des führenden Markranstädter Starlets. Aber theoretisch gibt’s jedes Motiv pro Briefkasten nur einmal. Die Älteren kennen das Problem noch aus Zeiten der „Bravo“. Schon damals wurden die Pin-Ups mittels hormonell gesteuertem Buchbinderhandwerk mitunter so gründlich versiegelt, dass die Seiten danach für immer als unzertrennliches Gesamtkunstwerk miteinander verschmolzen waren. Da hätte man sich manchmal gern ein Ersatzexemplar gewünscht.

Das ist der Vorteil des innovativen Verteilungskonzeptes in Markranstädt. Wer mehrere Ausgaben mitnimmt, kann seinem Star-Model noch häufiger begegnen. In diesem Fall (19 Fotos mal 40 Exemplare) bis zu 760 mal!

Das ist mal eine Kampfansage vor der Wahl im nächsten Jahr. Die Opposition sollte sich langsam sputen. Wenn sie nicht selber bald ein Model für den Wahlkampf auf den Steg schickt, bleibt ihr ab dem nächsten Amtsblatt nur noch eine Leerzeile unter dem Impressum. Ein Fleck, an dem nichts haften bleibt.

1 Kommentar

    • Bernhard auf 13. Juli 2026 bei 18:42
    • Antworten

    Was habe ich gelacht, herrlicher Artikel. Gerne mehr davon und Chapeau für den Schreiberling!

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