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Schon wieder Probleme mit der Kommunikation: Diesmal grüner Nachtisch zu schwarzem Schmorbraten

Mit der Kommunikation ist das so eine Sache. Ganze Ehen sind schon daran gescheitert. Er hätte ihr doch schon seit Jahren zu verstehen gegeben, dass er keinen Spinat mag und sie wartet noch heute auf seine wohlwollende Anerkennung zum letzten Friseurbesuch. Beide sind der festen Überzeugung, dass sie darüber gesprochen hätten. Nonverbale Kommunikation nennt sich das. Sowas gibt es nicht nur in der Familie, sondern auch in der Politik. In Markranstädt blüht gerade ein besonders schönes Beispiel dafür. Grüne Schonkost für die Stadt, vegane Diät für die GRÜNEN, aber ein wahres Festessen für Satiriker.

Noch sieben Monate, dann wird der gemeine homo marcransis wieder an die Wahlurnen gerufen. Lange hin, könnte man meinen. Einige Parteien bringen sich aber schon in Position. Die GRÜNEN zum Beispiel.

Nachdem deren verwaister Sitz im Stadtrat während der letzten Legislatur infolge ständigen und noch dazu unentschuldigten Fehlens Spinnweben ansetzte, hat sich jetzt offenbar jemand gefunden, der Interesse an dem verstaubten Sitzmöbel hat.

Das hiesige Bürgertum wurde inzwischen per umweltfreundlicher Postkarte vorsichtig darauf vorbereitet, dass künftig auch ein grünes Lüftchen durch Markranstädt wehen könnte. Prophylaktisch sozusagen, damit das Volk der Wähler nicht unter den Folgen eines Kulturschocks zusammenbricht, wenn plötzlich ein Grüner nicht nur in den Stadtrat gewählt wird, sondern auch noch hingeht.

Das darin enthaltene Zehn-Punkte-Programm liest sich durchaus interessant. Die ebenso revolutionären wie sinnstiftenden Forderungen nach „stabilen Steuern“ oder „keine Eingemeindung durch Leipzig“ sind so passend, dass sie auch ein politisches Horoskop zieren könnten. Dafür gibt es aber auch, völlig untypisch für grüne Ambitionen, keinerlei Erwähnungen solcher Themen wie Flüchtlinge oder Integration. Wozu auch einen Riesen wecken, der in den letzten vier Jahren durch ohrenbetäubendes Verschweigen so mühsam betäubt wurde?

Weil solch visionäre 10-Punkte-Ideen aber nur graue Theorie sind und sich politische Akteure an ihren Taten messen lassen müssen, wurde am Dienstag via Tageszeitung eine konkrete Handlung angekündigt. Eine Info-Veranstaltung zu Carsharing in Markranstädt!

Endlich mal was los in Sachen Umwelt- und Klimaschutz, könnte der geneigte Leser jubeln. Großer Bahnhof in der Meri-Sauna mit einem grünen Gastgeber, kompetenter Begleitung durch einen Vertreter von Carsharing-Anbieter teil-Auto und der Stadtverwaltung im Publikum.

Neugierige Satiriker haben ihre eigenen Interpretationen. Vater dieser Idee könnte demnach die Vorstellung gewesen sein, dass die grüne Überholspur quer durch Markranstädt mangels Bündnisgrüner Abgeordneter mitten in der 30-er Zone des schwarz geprägten Stadtrates frei wäre.

Da bietet es sich geradezu an, dem konservativen Bürgertum erst mal zu erklären, was Carsharing überhaupt ist. Also: Ihr Kinderlein kommet ins Restaurant der Meri-Sauna. Höret und staunet, was es da draußen in der Welt schon alles gibt, von dem ihr noch nichts wisst, ihr Ungrünen, ihr.

Mitten in die tief empfundene Dankbarkeit des Volkes für so viel Transparenz platzt nun aber eine Mitteilung der Stadtverwaltung, die einem die ganze Vorfreude auf ein leckeres Buffet in der Meri-Sauna versauen könnte.

Zwar würde man die Initiative zum Carsharing begrüßen, aber man hätte gar keine Einladung zu der Veranstaltung bekommen, ließ die Stadt verlauten. Wörtlich heißt es: „Eine Einladung zu der Informationsveranstaltung liegt dem Bürgermeister bzw. der Verwaltung nicht vor. Kurzfristig ist aufgrund des planmäßigen Stadtrates am Donnerstag jetzt leider keine Teilnahme möglich.“

Und als ob das nicht reichen würde, offenbaren die Spaßbremsen aus dem Rathaus dann auch noch ihre eigenen, ernüchternden Erfahrungen zu diesem Thema.

„Bereits seit über fünf Jahren versucht die Stadt, einen Carsharing-Standort über den Anbieter teil-Auto in Markranstädt zu gewinnen. Laut Anbieter wird der Betrieb als nicht wirtschaftlich für Markranstädt eingeschätzt und deshalb bisher kein Angebot etabliert.“

Die Ökonomie der Ökologie

Auch Bemühungen der Stadt, das Modell Carsharing in der Betriebsflotte einzubinden, seien erst in diesem Jahr ebenfalls aus wirtschaftlichen Gründen gescheitert, heißt es weiter.

Dumm gelaufen, könnte man sagen. Wenn man Bürgermeister und Stadtverwaltung bei einer Veranstaltung begrüßen möchte, macht es sich schlecht, wenn man den Termin genau auf die Sitzung des Stadtrates legt.

Da kann man sich auch schwerlich auf die grünen Traditionen berufen, die einer Teilnahme an Stadtratssitzungen respektive Wahrnehmung des Mandats zumindest bislang keine Bedeutung beimessen ließen.

Haltungsnoten für Salto rückwärts

Doch trotz aller ernüchternden Botschaften könnte ein Besuch der Veranstaltung – sofern sie überhaupt stattfindet – richtig interessant werden. Gelingt es dem grünen Bewerber, alle Bemühungen der Stadtverwaltung der letzten fünf Jahre an nur einem Abend im Restaurant per Handstreich im Alleingang ad absurdum zu führen?

Und wenn ja: Wie interpretiert das Volk dann die Haltungsnoten von teil-Auto beim dafür erforderlichen, doppelt geschraubten Salto rückwärts? Zumindest die Begründung verspricht ein satirisches Dessert, nach dessen Genuss man die Schüssel auslecken möchte. Egal, ob es nach Stadtverwaltung oder Grünfutter schmeckt.

 






2 Comments to Schon wieder Probleme mit der Kommunikation: Diesmal grüner Nachtisch zu schwarzem Schmorbraten

  1. Störenfrieda sagt:

    Kann es sein, dass es eine Nachtschichten-Außenstelle in der Stadtverwaltung gibt?
    Gestern war Feiertag … und trotzdem eine Stellungnahme der SV und dann auch noch 5:19 Uhr Wer bitte arbeitet da im Rathaus?
    Ich mache mir ernsthaft Sorgen

  2. jabadu sagt:

    Na mal sehen was da raus kommt. Es ist schon eine bemerkenswerte Initiative eines Grünen, vor das schwarze Rathaus ein knallrotes teilAuto stellen zu wollen. Und das noch im Schatten der Kirche.

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