Die Kippe wird aufgefressen – Gefahr auch für Menschen

Der Kern dieser Nachricht ist ausnahmsweise mal weniger satirisch, deshalb durchaus ernst gemeint und als Warnung zu verstehen: Den Weg zwischen Markranstädt und Kulkwitz über die Kippe sollten Sie in den nächsten Tagen meiden. Der Grund ist ebenso biologisch wie eklig und für manche Menschen sogar gefährlich. Der Schwammspinner hat sich dort ausgebreitet und dafür gesorgt, dass die Kippe wie die Filmkulisse eines Endzeit-Films aussieht. Aber das ist noch nicht alles.

„Lasst uns weiterfahren, es regnet“, sagt die MN-Tippse zu den zwei Satirikern, als die während der Männertagstour mitten auf der Kippe abgestiegen sind, um verdautes Bier in die Landschaft zu lassen.

Aber als der MN-Chef seinen Blick nach oben richtet, macht er eine haarsträubende Feststellung. Das sind keine Regentropfen, die da zu Boden fallen. Es sind Millionen kleiner Raupen, die sich an seidenen Fäden zu Boden gleiten lassen.

Erst jetzt sieht er, dass das gesamte Erdreich zu seinen Füßen von ihnen bedeckt ist und nicht nur das. Auch auf ihm selbst krabbeln die haarigen Viecher schon rum, während die Tastatursklavin auf dem Fahrrad noch immer glaubt, dass Petrus seine Schleusen geöffnet hat und sie deshalb ihre Kapuze ins Gesicht zieht.

Nicht nur die Bäume, auch der Boden ist voll. Millionen von Raupen. Für allergisch reagierende Menschen kann die Kippenpassage unangenehme Folgen haben.

Millionen, Milliarden? Egal. Unaufhörlich tröpfelt es auf den Boden und jetzt erschließt sich der kleinen Gruppe auch die Antwort auf die vor wenigen Minuten aufgekommene Frage, warum die Kippe so kahl aussieht wie eine mittelalterliche Herbstlandschaft im Moor. Schnell noch ein paar Fotos gemacht (die Tippse kann diese Todesverachtung gar nicht verstehen), die Populationen von den Klamotten klopfen und dann schnell ab nach Hause.

Selbst auf dem Fahrrad ist man sich nicht sicher. Es ist, als würde man durch einen Kettenvorhang aus Raupen fahren. Sogar zu Hause fanden sich noch Exemplare im Haupthaar.

Zurück in der Zivilisation stellt sich heraus, dass die Kippe vom Schwammspinner heimgesucht wird. Das ist nach den Heuschrecken sowas wie die achte Plage der Menschheit, die sich vor allem in Eichenbeständen wohlfühlt und von da aus das gesamte Umland befällt. Sogar Mirabellen suchen diese Viecher auf der Kippe heim und machen nicht einmal vor den ohnehin schon verkrüppelt dahinvegetierenden Jahrgangsbäumen halt.

Im Männertags-Suff vergessen, die Kamera scharf zu stellen. Aber man sieht auch so, was da los ist.

Für die meisten Menschen ist das einfach nur eklig. Aber weil sich sonst niemand dazu berufen fühlt, haben wir mal gegoogelt und siehe da: Die kleinen Raupenviecher können auch für den Menschen unangenehm werden. Auf der Fachseite scheadlingskunde.de erfährt man über den Schwammspinner unter anderem folgende Hinweise: „Diese Art muss darüber hinaus auch als Gesundheitsschädling bezeichnet werden, da Menschen vor allem nach Kontakt mit den Raupen von Lymantria dispar allergische Reaktionen zeigen können.“

Und weiter heißt es: „… weisen darauf hin, dass durchschnittlich 60 Prozent des Laborpersonals, das sich mit der Zucht von Schwammspinner-Raupen beschäftigt, im Laufe der Zeit Symptome einer juckenden Nesselsucht entwickelt. Weitere allergische Reaktionen, die nach einem Kontakt mit den Raupen auftreten können sind Rhinitis, Augen-Irritationen und Atemnot.“

Natürlich wird es jetzt wieder ausreichend Experten geben, die mit entwarnenden Diagnosen aufwarten und uns als Panikmacher oder Verschwörungstheoretiker abstrafen. Den Klimawandel gibt’s schließlich auch nicht. Aber wir sind schon der Meinung: Besser man hat, als man hätte.

Apokalypse now: Je weiter man sich der Mitte der Kippe (Rotes Meer) nähert, desto kahler wird die Gegend. Die Kippe wird aufgefressen.

Ja klar, man kann sich über die kleinen Tierchen auch freuen, getreu dem Motto: Die Raupe gehört zu Deutschland. Aber hier hat man mal die Chance zu sehen, was am Ende übrig bleibt. Wenn Sie es selbst in Augenschein nehmen wollen, dann lassen Sie sich bitte nicht von der blühenden Landschaft täuschen, die Sie am Ende der Südstraße empfängt. Fahren Sie ruhig mal ein paar hundert Meter hinein in die Apokalypse. Es wird von Meter zu Meter unheimlicher und ganz am Ende steht ein Meer nackter Stämme.

 

1 Kommentar

    • Hingucker auf 1. Juni 2019 bei 11:09
    • Antworten

    Ihr seid wirklich Extraklasse! Ich selbst habe es auch erst überlesen, aber meine Frau hat mich darauf aufmerksam gemacht. „Die Raupe gehört zu Deutschland. Aber hier hat man mal die Chance zu sehen, was am Ende übrig bleibt.“ Allein dafür habt Ihr den Pulitzer-Preis verdient.
    Habt tausend Dank und weiter so!

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