+ + + Covid (19) aus Markranstädt will Freundin: Er mit Traumkörper sucht Sie mit Antikörpern + + +  

Neues aus der vierten Etage (4)

Als schon nach vierzehn Minuten elf der dreizehn Tagesordnungspunkte abgearbeitet waren, konnte den Zuschauer das Gefühl beschleichen, dass er beim Studium des Fernsehprogramms einen wichtigen Höhepunkt verpasst hat. Ein Länderspiel vielleicht oder einen erotischen Streifen? Nicht einmal die unter Punkt 12 folgende Vorstellung des Etats für 2015 konnte den hohen Rat zu einem zünftigen Schlagabtausch motivieren. Frieden?

 

Wer da vorher das von Kampfeslust geprägte Säbelrasseln einiger Parteien und Räte vernommen hatte, konnte durchaus mit einer anderen Erwartungshaltung in den Fahrstuhl zur vierten Etage gestiegen sein, als da oben ein Freundschaftstreffen vorzufinden.

Eigentlich fehlten nur noch Schunkel-Lieder. Schlussendlich ließ sich sogar das anwesende Bürgertum von der Stimmung anstecken und unterließ es, den Sitzungsfluss durch mögliche Einwürfe unnötig aufzuhalten. Es war die erste Bürgerfragestunde seit langem, in der keine Fragen gestellt wurden. Es scheint, als diskutiere man in Markranstädt lieber per Facebook als am Tisch.

Breit gefächertes medizinisches Angebot

Dass man bei dieser Sitzung seinen Horizont nicht erweitern konnte, kann man trotzdem nicht behaupten. Die Besucher dieses Events wissen jetzt zum Beispiel aus berufenem Munde, dass ein in der DDR ausgebildeter Allgemeinmediziner nicht nur befähigt ist, Erwachsene und Kinder zu behandeln, sondern auch gynäkologische Untersuchungen durchzuführen. An der Tatsache eines fehlenden Kinderarztes in Markranstädt ändert das allerdings nichts und auch die Damen in den Seniorenwohnanlagen dürfte es kaum beruhigen, dass da auch in Zukunft jemand für sie da ist, wenn es während der Schwangerschaft Komplikationen gibt oder der ihnen die Pille verschreibt.

Ebenfalls horizonterweiternd: Auf eine wiederholte Anfrage wurde wiederholt festgestellt, dass der Abriss von Gebäuden auf einem Grundstück in der Leipziger Straße zu einhundert Prozent gefördert wird. Wenn man sich allerdings mit den Begriffen Förderung oder Fördermittel näher auseinandersetzt, können da ganz andere Fragen entstehen. Fördermittel sollen ein Anreiz sein, um zur entsprechenden Investition zu motivieren. Wenn diese Investition aber mit 100 Prozent abgegolten wird, was wird dann gefördert? Im täglichen Leben des Normalbürgers jedenfalls ist es so, dass der, der für eine Sache den vollen Preis entrichtet, diese bezahlt hat und nicht gefördert. Abseits irritierender Wortgeplänkel wird aber die Erleichterung siegen, dass ein weiterer Schandfleck aus dem Stadtbild verschwindet.

"Wenn sie möchten, kann ich sie auch erstmal gynäkologisch untersuchen. Mein Zahnarztstuhl ist aus der DDR und ganz schnell umgebaut."

„Wenn sie möchten, kann ich sie auch erstmal gynäkologisch untersuchen. Mein Zahnarztstuhl ist aus der DDR und ganz schnell umgebaut.“

Der letzte Tagesordnungspunkt brachte dann endlich etwas Leben in die Bude. „Wichtige Mitteilungen und Aktuelles“ hieß er und nahm alleine so viel Zeit in Anspruch wie alle anderen zwölf Tagesordnungspunkte vorher insgesamt. Darin wurde unter anderem  informiert, dass die Bauarbeiten am Sportplatz in Kulkwitz gestoppt wurden. Bei den Arbeiten an der Drainage sei man schon in geringer Tiefe auf „zu viel Wasser“ gestoßen. Jetzt wolle man erst einmal klären, woher das kommt.

Spätestens an diesem Punkt wird Ex-Stadtrat Dieter Trotz (CDU) für die weise Eingebung, nicht mehr kandidiert zu haben, sehr dankbar gewesen sein. Das gesundheitliche Risiko bei der Konfrontation mit solchen Fragestellungen ist wirklich schwer abschätzbar. So aber kann er sich jetzt beruhigt vom Schaukelstuhl aus anschauen, wie gut bezahlte Hydrologen mit gps-gesteuerten Wünschelruten an seinem Wohnzimmerfenster vorbei durch das Seebenischer Dreiseenland ziehen und sich schlussendlich doch dort treffen, wo er schon vor Jahren den Finger in die Wunde gelegt hat. Wohl dem, der am verdienten Abend eines arbeitsreichen Lebens noch so viel Spaß haben darf.

Das wars dann schon im öffentlichen Teil. Wer wollte und sich beeilt hat, konnte zu Hause sogar noch die 5617. Folge von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ gucken. Das ist doch mal eine wirklich bürgerfreundliche Kommunalpolitik.

 






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