Ein spektakulärer Polizeieinsatz und jede Menge Rettungskräfte vor Ort waren nicht die einzigen Vorkommnisse, die den Besuchern des 13. Promenadenfestes am Sonnabend in Erinnerung bleiben werden. Auch ein Eigentumsdelikt wurde festgestellt, nachdem drei junge Musiker aus Markranstädt gut bezahlten Profis mitten auf der Bühne die Show gestohlen hatten. Und nicht zuletzt wechselte unter dem Deckmantel einer Fahrrad-Tour auch allerhand Geld den Besitzer. Die Markranstädter Nachtschichten sind den Vorfällen nachgegangen und haben herausgefunden, warum das trotzdem Gründe zum Feiern waren.
Wenn in Deutschland ein Zug pünktlich ankommt, sorgt das für Zweifel und ungläubige Gesichter. Irgendwas stimmt da nicht! In Markranstädt ist das am Samstag regelmäßig passiert.
Allerdings nicht am Bahnhof, sondern an der Uferpromenade. Lokführer Thomas Hentschel hatte nicht nur Druck auf dem Kessel seiner Lokomotive, sondern auch ein paar Atü auf der Armbanduhr. Der Fahrplan beim Promenadenfest war eng gestrickt.
Angelockt von der schier unglaublichen Pünktlichkeit begann sich daraufhin auch die Polizei für das Phänomen zu interessieren. Normal ist das schließlich nicht und muss deshalb mal genau unter die Lupe genommen werden.
Razzia im Zug
Gerade kam Hentschel mit seinem Zug wieder mit Vmax (ca. 3 km/h) um die Ecke geheizt, da zückte die Markranstädter Abschnittsbevollmächtigte ihre Kelle.

Die Passagiere im Waggon hatten schon ihre Handys gezückt. Wer zieht schneller, die Polizistin oder der der Lokführer?
Dem verdutzten MCC-Zugführer gelang gerade noch eine Vollbremsung. „Guten Tag, Polizeihauptmeisterin Barthold. Allgemeine Verkehrskontrolle: Ihren Ausweis und die Fahrzeugpapiere bitte!“
Eisenbahn-Romantik pur
Hentschels Heizer fiel im Führerstand vor Schreck die Schippe aus der Hand und die Fahrgäste im Wagen zückten angesichts eines zu erwartenden Schusswechsels schon ihre Handys aus den Taschen.

Sie trägt rechts das Holster und links die Handschellen, er hat als Fluchtfahrzeug nur eine Lok mit Wartburgmotor: Der Zugführer ergibt sich und rückt die Papiere raus.
Aber Lokführer Hentschel, im Nebenberuf Karnevalist, hatte den wahren Hintergrund dieser Razzia im Zug bald durchschaut. Generös reichte er der attraktiven Uniformierten seine Payback-Karte samt letzter Steuererklärung und den Resten einer Heiratsurkunde durch das Fenster des Führerstandes. Und konnte sich gerade noch die Frage verkneifen, ob er nicht auch mal blasen soll.

Nach kurzer Verhandlung akzeptiert die Polizeihauptmeisterin die Payback-Karte des Verdächtigen und lässt ihn ziehen. Bei den Passagieren hat sie mit ihrem Sinn für Humor gepunktet.
Bei den Fahrgästen, die eigentlich nur eine kurze Rundreise entlang des Kulki-Westufers zum Fahrpreis von einem Euro bezahlt hatten, kam diese kurze Einlage der staatlichen Exekutive wie eine satirische Sondershow für lau an. Nur das niedrige Dach des Eisenbahnwaggons verhinderte stehende Ovationen für die humorvolle Polizistin und den reaktionsfreudigen Lokführer. Wahrhaft verdächtig gute Jobs – von Beiden.
Dreist: Voll die Show geklaut
Auf der Bühne am Strandbad bahnte sich derweil ein dreistes Eigentumsdelikt an. Beim ersten „Kulki Musik Contest“, einem nur sprachlich etwas verunglückten Ableger des ESC, hatte die Markranstädter Amateurband THNC allen anderen für das Promenadenfest gebuchten Profis auf offener Bühne die Show gestohlen.

Nur zwei Wochen nach Deutschlands ESC-Desaster in Wien mit 12 Punkten gab es 93 Punkte und damit den Sieg beim Kulki Musik Contest für die Band THNC aus Großlehna. Und nebenbei fiel auch noch ein Foto fürs monatliche Album der Bürgermeisterin ab.
Und für diesen spektakulären Diebstahl wurden die drei Jungs nicht nur frenetisch gefeiert, sondern von der Bürgermeisterin auch noch mit 300 Euro und einem Pokal belohnt. Da sage noch einer, ohne Punkte aus Österreich hätten deutsche Musiker nichts zu gewinnen.
Gewonnen hat beim Promenadenfest auch der Markranstädter Gartenverein Ost. Und das mit einem Coup, der zunächst wie eine Finanzmasche klingt, an die sich nicht einmal Ex-Kanzler Olaf Scholz mehr erinnern würde.
Erfolgreiche Ausbeut ung e
Unter dem Deckmantel eines Städtewettbewerbs haben die Begünstigten in Zusammenarbeit mit EnviaM und Mitgas andere für sich strampeln lassen, um aus dem Erlös einen Nasch- und Begegnungsgarten anlegen zu können.
Insgesamt 103 Teilnehmer nahmen diese Form des modernen Galeerendienstes freiwillig auf sich und radelten über 216 Kilometer, ohne sich dabei auch nur einen Meter von der Bühne zu entfernen.

So geht moderne Arbeitsorganisation. Während im Hintergrund gestrampelt wird, freut sich Vereinschef Dirk Veit über jeden Kilometer, weil damit Geld in die Kasse kommt. Der Gartenverein Ost will damit einen Nasch- und Begegnungsgarten bauen.
Fünf Euro pro Kilometer und noch einmal 400 Euro zusätzlich kamen zusammen, die sich die Kleingärtner aus dem Osten und ein ansässiger Förderverein miteinander teilen. Markranstädt liegt damit bei diesem Städtewettbewerb auf Platz zwei, nur 15 Kilometer hinter Markkleeberg.
Ansonsten gab es keine nennenswerten Zwischenfälle auf dem Promenadenfest, was sicher auch der unübersehbaren Präsenz von Ordnungs- und Rettungskräften geschuldet war. Da wurde sogar fröhlich geschluckt, dass der Liter Bier an der Promenade inzwischen über 400 Prozent teurer ist als der Sprit an der Tankstelle.
Wer will schon über den Bierpreis meckern, wenn er für einen Euro Zug fahren kann und trotz Polizeirazzia in der Lok pünktlich ankommt?



















1 Kommentar
Sehr erfrischender Bericht von einem schönen, fröhlichen Fest. Endlich mal was los, würde der allgemeine Markranser sagen. Wenn’s denn Abend auch noch ein paar nutzen würden. Denn so oft gibt’s keine Live Musik, auch noch kostenfrei in Markranstädt.