+ + + BREAKING NEWS + + + Ernüchterung in Markranstädt nach der ersten Schulwoche: drei von vier ABC-Schützen haben ihre Schultüten bereits aufgeraucht  + + +

Ohne Stundenplan in die Pokémon-Arena

In sieben Klassen absolvierten gestern insgesamt 148 ABC-Schützen an den Markranstädter Schulen in der Kernstadt sowie in Großlehna und Kulkwitz ihren ersten Schultag. Aber auch für die anderen Jahrgänge öffneten sich die Türen zu den Lehranstalten. Für Satiriker ist das wie das Öffnen der Büchse der Pandora.

Sechs Wochen hatten die Hausmeister an den Markranstädter Schulen Zeit, Kippen wegzufegen, alte Spritzen zu entsorgen und die Kaugummis unter den Bänken zu entfernen. Kaum fertig, hallte gestern schon wieder das traditionelle „Aus dem Weg, du Opfer“ durch die Flure.

Dass er kein Wort des Dankes erhält, ist dem Hausmeister-Opfer klar. Der Lohn dafür, dass er für die Großen während der Ferien auch die kleine Plantage im Keller gepflegt und sogar die UV-Birne ausgewechselt hat, besteht darin, dass er darauf hoffen darf, bei einem der nächsten Amok-Läufe nicht als Geisel genommen zu werden.

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Außerhalb der Öffnungszeiten keine Bedienung.

Es muss ja einen Grund dafür geben, warum man am Gymnasium auch in offiziellen Verlautbarungen nicht von Unterricht, sondern von Öffnungszeiten spricht. Irgendwas muss ja da verkauft werden, notfalls auch oder gerade während der Pausen.

Anders in den Markranstädter Grundschulen. Da herrscht noch sowas wie Ordnung. Also organisiertes Chaos.

Früher gab es Schülerlotsen, die den ABC-Schützen den Weg zur Hölle wiesen. Heute gibt’s das erste Smartphone spätestens in der Schultüte und wenn eine Grundschule ihre eigene Pokémon-Arena hat, finden die Kids ihr Klassenzimmer von ganz alleine.

Computer, Spiele und soziale Netzwerke zu nutzen, ist leider noch nicht überall des Lehrers Ding. Sogar die Möglichkeiten des Internets werden bisweilen eklatant unterschätzt.

In der Kulkwitzer Grundschule wird dieses von der Kanzlerin einst als Neuland ausgerufene Hexenwerk zwar genutzt, um den Eltern beispielsweise mitzuteilen, wo die neuen Stundenpläne aushängen, aber auf die Idee, sie auch gleich mal im Internet zu veröffentlichen, ist man dort augenscheinlich nicht gekommen.

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Willkommen im Internetz: Der Stundenplan hängt in der Schule aus. Ansonsten sind Ihre Kinder aber hier richtig, wenn es um die ersten, wichtigen Schritte ins Informationszeitalter geht.

Andererseits fragt sich der aufmerksame Zeitgeist, warum die Schule dann auf ihrer Web-Präsenz die Telefonnummer veröffentlicht. Wäre es nicht konsequenter, an dieser Stelle auf die Auskunft der Telekom zu verweisen?

Jedenfalls kann es für diese Leistung kein Bienchen geben. Eine Stunde Karzer vielleicht, aber der ist ja vor einigen Jahren dem Umbau zum Opfer gefallen.

Der satirische Kreis schließt sich wieder auf der Webseite des Gymnasiums. Dort – man lese und staune – können die Sprachen sprechen und werden wie Individuen behandelt.

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Gestatten: Sprache!

Unter der Überschrift „Die Sprachen stellen sich vor“ wird denen das Wort überlassen. Na gut, angesichts solcher Konversation wie „Ich sag den Lehrer, damit du mir die Füllers nicht wieder geben tust“ ist dieses Ansinnen grundsätzlich nicht zu verdammen, auch an einem Gymnasium nicht. Aber als Teil der Außendarstellung?

Wie auch immer: Jetzt liegen erst mal 40 elend lange Tage vor den Opfern (also den Hausmeistern und dem Rest der bildungsbegleitenden Humanressourcen), bevor es wieder mal Ferien gibt und etwas Ruhe einkehrt.

Und für die Eltern der Erstklässler war es gestern wohl der erste von 39 schweren Abenden, an denen sie ihren Kindern zu erklären hatten, warum sie trotz guter Leistungen am nächsten Tag nochmal hingehen müssen…

 






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