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Sächsischer Familientag: Ein Auslaufmodell hält Hof

Der Kulki ruft zum 20. Sächsischen Familientag. Im Rathaus soll man sogar schon den Hofknicks geübt haben, weil König Stanislaw I. (Stanis der Sorbe) nebst Ministerin und Hofstaat sein Kommen ansagen ließ. Bei allerhand Feierei steht am Samstag aber die Familie im Mittelpunkt. Blicken wir also auf jenes Konstrukt, das die Kirche in einem Jahrhunderte währenden Prozess schuf, indem sie aus dem in Horden organisierten homo sapiens einen Paargänger formte.

„Bis dass der Tod euch scheidet“, lautet die Formel. Und spätestens an dieser Stelle wird jedem Brautpaar bewusst, dass sich so eine Ehe geradezu nicht enden wollend hinziehen kann. Für den männlichen Teil des Paares hatte Schopenhauer mal eine geniale Definition geprägt: „Pflichten verdoppeln, Rechte halbieren“.

Eigentlich ist eine Ehe so hart, dass man sie mit einem Partner allein gar nicht ertragen kann. Und mit der Alternative sind nicht die Schwiegereltern gemeint. In einschlägigen Hochzeitszeitungen wird nicht umsonst immer wieder auf den Unterschied zwischen einer Zigarre und einer Schwiegermutter hingewiesen. Wohlwissend, dass bei einer Zigarre die ersten Züge die besten sind.

In Sachsen hauchen sich pro Jahr rund 18.000 Paare das Ja-Wort zu. Etwas mehr als 7.000 überlegen es sich im gleichen Zeitraum anders und geben ihren Partner zurück. Falsch verstandene Pflegeanweisungen, vorzeitiger Verschleiß, Mogelpackung, Veränderungen der Fleischeinwaage – das Spektrum der Gründe ist breit gefächert und Umtausch leider ausgeschlossen.

Früher war es ja mal so, dass Eheschließung auch Nachwuchs bedeutete. Das wäre in Sachsen auch dringend geboten, standen hier doch zuletzt rund 40.000 Geburten immerhin weit über 51.000 Sterbefälle gegenüber. Aber nicht erst seit Beate Uhse auch im Osten ihre Filialen eröffnen durfte, wissen wir, dass man auch ohne Ehering fruchtbar sein kann.

Gerade mit anderen Menschen als dem eigenen Partner soll der Sex ja besonders heiß sein. Und wenn man das sogar in der Gruppe veranstaltet, soll es bisweilen sogar so heiß unterm Dachstuhl werden, dass der in Flammen aufgeht. Alles schon mal dagewesen.

Spaltwerkzeuge und Fegefeuer

Noch heißer ist der Tanz in der Hölle, in die man kommt, wenn man mitten auf dem gemeinsamen Lebensweg nach 20 oder mehr Jahren plötzlich feststellt, dass man sich unterschiedlich entwickelt hat und es einfach nicht mehr passt, um in Würde ans Lebensende zu gelangen.

Nach erfolgtem Ehegatten-Splitting mit der Axt (solche Fälle sind gegenüber Trauungen oder regulären Trennungsersuchen marginal und daher hinzunehmen) erhält der fromme Wunsch „Bis dass der Tod euch scheidet“ dann oft eine völlig ungeahnte Dimension.

Laudatio auf die Multigamen?

All diese Gedanken werden am Samstag wie weggeblasen sein. Mehr noch: Man wird sicher auch freundliche Worte für jene Gäste zu finden wissen, die das Stadium der Einehe schon längst hinter sich gelassen haben und mit mehreren Frauen angereist sind. …Falls sie diese warmen Worte durch ihre Ohrstöpsel auch hören können.

Auf alle Fälle sind solche Modelle familiären Strukturwandels auch gut für die Statistik. Wenn ein Mann vier oder fünf Frauen geheiratet hat, fällt eine Scheidung kaum noch ins Gewicht.

Die Vorteile einer Ehe nach abendländischem Vorbild sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Sie hält jung! So jung, dass mancher frischgebackene Gatte noch am Tag der Hochzeit sogar anfängt, wieder heimlich zu rauchen. Und dass die Zahl der Scheidungen im Rahmen bleibt, dafür sorgt nach wie vor nicht die Angst vorm Fegefeuer, sondern vor dem Verlust des Hauses, des Kontos, der Kinder und damit auch einer selbstbestimmten Zukunft. Das Matriarchat ist längst da.

Frauentausch und anderes Zeug

Wenn dann am Montag die Stände an der Promenade abgebaut sind, ist wieder Alltag. Die Kids chillen in ihren Buden ab und zocken, die Größeren spritzen ihr „Chemie 64“ an die Wände und die Eltern verarbeiten ihre Erfahrungen vom Familientag unter dem Eindruck einer Wiederholung von von „Frauentausch“. Irgendwie muss man ja mal rauskommen aus dem Trott.

Strahlendes Fazit

Was wird bleiben? Dem Vernehmen nach wird Stanis der Sorbe am Samstag ein Goldenes Buch der Stadt Markranstädt entjungfern. Das ist so eine Art Familienstammbuch, aus dem allerdings keine Verpflichtungen hinsichtlich Versorgungsausgleich, eines Trennungsunterhalts oder gar Alimente abgeleitet werden können. Völlig unverbindlich also. Jeder ist dann nach wie vor für sein Leben selbst verantwortlich. Drum strahlen die immer so, wenn sie sich da eintragen, die Promis.

 



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