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Leipzig liest: Bücher oder Leviten?

Wen die abflauende Grippewelle bislang verschont hatte, der konnte sich am Wochenende auf dem Leipziger Messegelände von ihr ereilen lassen. Hunderttausende potenzieller Wirtstiere tummelten sich dort in fünf Hallen auf der Buch- und der Antiquariatsmesse sowie der traditionell parallel stattfindenden Manga-Comic-Convention. Angesichts dieser humanoiden Massekonzentration wäre jedes schwarze Loch blass geworden.

Buchmesse in Leipzig: Da hat man die große Welt der Satire quasi vor der Nase! Was liegt da näher als ein Brigadeausflug der Markranstädter Nachtschichten? Also hinein ins Auto und ab … auf die Autobahn. Kann ja niemand ahnen, dass eine 14 Meter breite, dreispurige Autobahn nicht ausreicht, um bei einem Unfall wenigstens noch die Standspur passierbar zu lassen.

Also erst mal noch eine Sightseeing-Tour durch Wiederitzsch und die umliegenden Ortsteile. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus: Die haben da viel gebaut in den letzten Jahren. Viel, außer Straßen.

Wer es dann bis zum Messe-Eingang geschafft hatte, war trotzdem noch lange nicht drin, in den ehrwürdigen Hallen. Man brauchte entweder Stehkraft oder den Mut, einfach die Beine anzuziehen und sich durch die Ausstellungsfläche tragen zu lassen. Da brauchte man nur am richtigen Stand seinen Vordermann auf die Schulter zu tippen und abzuspringen.

Zwischen Manga und Baumwollfeld

Die lebendig gewordenen Zeichentrickfiguren mit den großen Heidi-Augen schwenkten gleich in Halle 1 ab. Der weiterziehende Tross nahm danach im Altersdurchschnitt schlagartig um 20 bis 30 Jahre zu. Wer von oben auf die Menschenmassen schauen konnte, durfte sich auf einem Baumwollfeld in den amerikanischen Südstaaten des 19. Jahrhunderts wähnen.

massen

Das darf aber weder Veranstalter noch Aussteller wundern. Das Jugendbuch war nicht nur unterrepräsentiert, sondern de facto nicht existent. Kinderbücher – ja, Belletristik – ja, Fachbücher, Schulbücher, Nachschlagewerke … alles da. Sogar ein eine eigene Verkaufsabteilung für Kinderbücher gabs, aber der Begriff „Jugend“ kam auf der diesjährigen Buchmesse bestenfalls marginal vor.

So saßen jene unter 20-jährigen, die nicht gleich in die Manga-Halle abbogen, meist gelangweilt am Hallenrand und zockten mit ihren Handys. Leipzig liest – was auch immer.

Und wieder einmal tummelten sich allerhand Aussteller auf der Fachmesse, bei denen man sich fragt, ob sie nicht das Thema verfehlt oder nach der letzten Messe nur vergessen haben, ihren Stand abzubauen.

Das fiel schon bei der Hobby & Freizeit auf, wo sich die Bundeswehr in preußischer Werbemanier auf potenzielle Nachwuchskräfte stürzte oder die Arbeiterwohlfahrt gar mit einem Schützenstand präsent war.

Auf der Buchmesse anno 2015 durfte dann auch ein Stand der Bundesagentur für Arbeit nicht fehlen. Ganz schwere Literatur, das! Da findet man Formulierungen, bei denen selbst das Hirn eines Nobelpreisträgers Jahre bräuchte, um sowas zu entbinden.

Entsprechend verhalten war auch die Resonanz des Publikums, das dann sogar noch einen weiten Bogen um den Stand schlug und damit auf der Restfläche für noch dichteres Gedränge sorgte.

Auf diese Weise lief man einer anderen Behörde geradezu in die Arme. Das Bundesamt für magische Wesen wartete sogar richtig mit offiziellem Bundesadler und Reichsinsignien auf. Man kann eigentlich nur raten, für wen dieses Bundesamt für magische Wesen agiert.

bundesamt

Nachfolger des Kanzleramts?

Vielleicht ist es aus dem Kanzleramt hervorgegangen und vertritt die Interessen unserer Angela „Bibi“ Blocksberg? Oder von Wolfgang „Harry“ Potter-Schäuble? Letzterer kommt nach seinen jüngsten griechischen Finanz-Tricks wahrscheinlich eher in Frage. Aber so richtig Satire war das auch nicht.

Also weiter durch die Hallen. Eulenspiegel Verlag – das war doch früher immer ein Garant für gute Laune. Früher. Heute grinst einen in den Regalen gleich meterweise und gefühlt hundertfach das Konterfei von Gerhard Schürer an. Man müsse das Buch von oder über den SED-Planungschef gelesen haben, um die DDR zu verstehen, droht Egon Krenz im Vorwort.

Um dem Poem auch die entsprechend gefühlsmäßige Würde zu verleihen, tummeln sich am Stand mehr Eulenspiegel-IM’s (die man am Namenskärtchen erkennt), als Interessenten. Sollte wohl darstellen, dass der Schmöker ob seiner Brisanz scharf bewacht und gegen Diebe verteidigt wird. Nun ja, wir wollten es nicht einmal kaufen und zogen enttäuscht weiter.

Am Schluss des Brigadeausflugs sollte eine Teilnahme an der Auszeichnung des „ungewöhnlichsten Buchtitels“ stehen. Ungewöhnlich – das ist so eine Sache, die immer irgendwie auch subjektiv geprägt ist.

Multiplikation mit null

Und weil andere Besucher auch so defensiv zu denken drohten, hatte man einen Multiplikator angekündigt. So heißen heute die Leute, die geholt werden, wenn Sauerbier verkauft werden soll. Im Programm der Messe hieß es dazu „…unter Mitwirkung einer prominenten Fachjury … Oliver Kalkofe, Jürgen von der Lippe …“ Und so rammelte alles dahin, wo Jürgen und Olli vermeintlich das Buch mit dem ungewöhnlichsten Titel adeln sollten.

Nun ja – Sie ahnen es sicher schon. Das Buch wurde zwar ausgezeichnet, aber die beiden Multiplikatoren müssen wohl irgendwo im Besucherstrom zwischen Entree und Hallenübergang steckengeblieben sein oder waren gar nicht erst gekommen. Wie auch immer: Es hat ins Bild dieser Ausstellung gepasst.

Messe-Sex: Intime Berührungen

Wer gern unter vielen Menschen ist, dem kann man einen Besuch der Leipziger Buchmesse nur empfehlen. Stimmengewirr aus aller Herren Länder, ein ebenso breit gefächertes Spektrum individuellster Körpergerüche, jede Menge intime Kontakte vor allem mit Knie und Ellenbogen und natürlich eine mit Hektik und Stress geschwängerte Luft, lassen die Stippvisite auf der für diese Ansprüche viel zu kleinen Ausstellungsfläche zu einem nachhaltigen Event werden.

titelreviewVölkerwanderung in den Messehallen. Entspannt informieren sieht anders aus.

Lesen oder auch nur Bücher angucken wollen, sollte man sich aber besser nicht vornehmen. Da ist der Besuch in jeder beliebigen Buchhandlung entspannter und dort stehen auch keine Fernsehkameras samt Teams, Interviewpartner, Stativen und Scheinwerfern mitten auf dem Weg und sorgen so für endgültigen Stillstand des Besucherstroms.

 






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