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SK Markranstädt 1990: Nie mehr zweite Liga!

Fußball und Handball – diese beiden Begriffe fallen meistens, wenn nach Sport in der Sportstadt am See gefragt wird. Aber die erfolgreichsten Sportler Markranstädts sind sie trotzdem nicht. Im Rudern und Kanusport, Segeln, Schach, im karnevalistischen Tanz und anderen Sportarten ist man fernab der öffentlichen Wahrnehmung bisweilen wesentlich erfolgreicher. Ab der kommenden Saison gibt es nun auch in der Weststraße höchstklassigen Sport: Unsere Kegler sind in die 1. Bundesliga aufgestiegen!

Mit dem Sport ist das so eine Sache. Man kann ihn draußen betreiben oder in einer Halle. Beides schützt aber nicht vor unliebsamen Überraschungen. Markranstädt bietet das beste Beispiel dafür, dass nicht nur ein Fußballplatz unter freiem Himmel mal absaufen kann, sondern auch das Parkett unter einem vermeintlich sicheren Dach.

Da ist es ein wahres Glück, dass es einen ausreichenden Fundus an Smartphone-Apps und Computerspielen gibt, bei denen man mit den richtigen Cheat-Codes sogar die Bayern quasi im Alleingang schlagen kann. Selbst bei Regenwetter wird man da nicht nass und wer trotzdem den besonderen Kick mit Wellengang sucht, kann sich ja Wasserball runterladen.

Ohne Bier, Doping und … Fernsehgelder

Auf der Markranstädter Kegelbahn kann bestenfalls ein umgekipptes Bierglas für temporäre Nässe sorgen. So jedenfalls der Volksmund. Das gilt aber nur für volkssportliche Aktivitäten, bei denen die Zahl der geschobenen Ratten ohnehin meist höher ist als die des gefallenen Holzes.

Wenn dagegen die Markranstädter Teams des SK 1990 auflaufen, geht es um Leistungssport und da ist Bier ebenso tabu wie bengalische Feuer und Laola-Wellen auf nicht vorhandenen Zuschauerrängen.

Kurze Regelkunde

Mal abgesehen vom Regelwerk, bei dem es weder ein Handicap gibt noch ein Strike vorgesehen ist, gibt es aber im Kegeln noch ein paar andere Besonderheiten. So beispielsweise die, dass die Markranstädter in der 200-Wurf-Variante spielen, während man ansonsten auch gerne mal dem 120-Wurfsystem frönt, das selbstverständlich in einer eigenen Bundesliga ausgekegelt wird. Auch die Organisationsform und Veranstaltung der Meisterschaft hat für den Laien so ihre Tücken.

Wer beispielsweise den Erfolgen der Markranstädter Kegler und Keglerinnen folgen möchte, findet im Internet gleich zwei erste Bundesligen. Die eine ist die des DKBC (Deutscher Keglerbund Classic e.V.) und dann gibt es noch die Spielklassen der DCU (Deutsche Classic-Kegler Union e.V.), die sich als „Classic-Alternative“ versteht. Das ist im Grunde genommen wie beim Mau Mau, bei dem die Buben manchmal „Wünscher“ sind und manchmal auch nicht, man dafür bei der 8 eine Karte ziehen muss, was wiederum bei der 7 immer gilt – und dann sogar zweifach. Und selbst dann wird noch diskutiert, ob man ein As als Aussetzer verlängern kann oder nicht. Verstanden?

Aber so ungewöhnlich ist das im Sport nun auch wieder nicht. Man kennt das ja aus dem Boxen: WBA, WBC, IBF und WBO heißen dort die wichtigsten Weltverbände und auch in anderen Kampfsportarten tummelt sich gleich eine Vielzahl ambitionierter Veranstalter – SPD, FDP, CDU, um nur einige zu nennen.

Unsere frischgebackenen Bundesliga-Kegler schieben ihre Kugeln unter dem Dach des DKBC nach den international gültigen Regeln. Und nun sogar in Deutschlands höchster Spielklasse! In der zurückliegenden Zweitliga-Saison setzte man sich gegen Konkurrenz durch, die im Vergleich zu den kommenden Reisezielen fast schon fußläufig erreichbar war. Granschütz, Mücheln und Burgwerben liegen quasi vor der Haustür. Gut, mit Cottbus, Magdeburg, Berlin, Ohrdruf und sogar Schwedt hat man auch die schier unendlichen Weiten deutscher Ostgebiete kennenlernen dürfen, aber das ist nichts gegen das, was jetzt kommt.

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Aufstieg! Da feiert die ganze Vereinsfamilie.
(Fotos: KF / pixabay)

Schon mal was von Kipfenberg gehört oder von Mörslingen? Nein? Dann vielleicht aber von Weiden. Auch nicht? Na gut, aber wenigstens Namen wie Zeulenroda, Dommitzsch oder Berlin sind Ihnen doch hoffentlich geläufig. Da fliegt man drüber weg, wenns in die Dominikanische oder an den Ballermann geht. Das sind jedenfalls die Orte, die man künftig an der Weststraße ins Navi eintippt, bevor die große Reise losgeht.

Deutschlands Spitzenteam und heißester Meisterschaftsanwärter im 200er Classic-Kegeln kommt übrigens aus Kipfenberg. Das liegt draußen in Bayern. Genauer gesagt in Oberbayern. Noch genauer gesagt: Kipfenberg liegt nur wenige Meter neben dem geografischen Mittelpunkt Bayerns. Da fährt man wirklich nur hin, wenn man unbedingt muss und dort wenigstens 6.000 Hölzer mitzunehmen sind. Was nicht heißen muss, dass da unterwegs nicht trotzdem sehnsüchtige Gedanken an jene niederklassige Tage kommen, da man noch nach Schwedt fahren durfte.

kugelnNun ja, die Wege durchs Land werden jedenfalls weiter für die Markranstädter Kegler und damit steigt auch der Zeit- sowie der finanzielle Aufwand. Mörslingen beispielsweise ist ein 850-Seelen-Kaff im schwäbischen Landkreis Dillingen an der Donau. Runde 375 Kilometer einfache Strecke.

Kipfenberg – Mörslingen – Markranstädt

Beim Gedanken daran wird der Kopf nach dem Aufstiegs-Sekt von alleine nüchtern und nicht umsonst gibt es immer wieder Teams, die ihre Meldung für die erste Bundesliga nicht nur aus sportlichen Aspekten zurückziehen müssen. Zuletzt erwischte es in der laufenden Bundesliga-Saison die Kegler aus Weida und Engelsdorf.

Die Markranstädter Holzjäger haben aber schon ganz andere Hürden aus dem Weg gekegelt und was eine richtige Sportstadt sein will, die findet sicher auch ein paar unterstützende Scheinchen für engagierte Sportler. Muss sie auch, wenn ihre Protagonisten dereinst bei der Übergabe der Meisterschale mit auf dem Foto sein wollen.

kegel

Ab jetzt wird weit gereist und unterwegs wartet da sicher auch so manch anderer Kegel.

Dass solche Gedanken nicht weit hergeholt sind, beweist die Fachkompetenz des DKBC. Der hat Markranstädt nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga volley zum Kreis der elitären Top-Favoriten für den Durchmarsch erklärt. Zwar hat sich so mancher selbsternannte Experte da an den Kopf gefasst, aber schließlich ist es genauso gekommen. Für den Jungfräulichkeitstest in der 1. Bundesliga prognostizieren Fachleute einen Platz im guten Mittelfeld und manche wollen sogar das Eingreifen in den Kampf um die Medaillen nicht ausschließen.

Na dann: Glückwunsch zum Aufstieg und Gut Holz in der Beletage des deutschen Kegelns!   

 






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