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An ihren Schlipsen sollt ihr sie erkennen!

In knapp vier Wochen dürfen sich die Markranstädter wieder an die Wahlurnen gerufen fühlen. Bevor es jedoch so weit ist, wird die Stadt wieder bunter. Sehr bunt sogar, nachdem die Lichtmasten in der Zwenkauer Straße mangels Passanten wohl jungfräulich bleiben und sich die Erbschleicher des scheidenden Landrats einen erbitterten Kampf um die verbleibenden Pfähle im Rest der Stadt liefern müssen. Aber werden Plakate, Kugelschreiber und Wahlversprechen reichen, um wenigstens die Böden der Urnen mit Wahlscheinen zu bedecken?

Eine Faustregel in der Werbebranche besagt, dass Plakate frühstens 14, besser sogar nur 10 Tage vor dem zu bewerbenden Ereignis aufgehängt werden sollen. Es geht nicht nur darum, dass so ein Poster mit der Zeit den Witterungsverhältnissen anheim fällt und dann sogar Frauen manchmal Glatze kriegen, sondern dass das Konterfei beim längeren Hängen irgendwann zum banalen Bestandteil des Stadtbildes und so aus purer Gewohnheit gar nicht mehr wahrgenommen wird.

Faustregeln und ungeschriebene Gesetze

Jeder Zirkus, Flohmarkt oder Messeveranstalter beherzigt das. Nur die Politiker nicht. Obwohl: Es sind ja nicht die Politiker oder Kandidaten, die sowas entscheiden, sondern ihre PR-Berater. Und die Kandidaten machen vor der Wahl bei ihren Beratern den gleichen Fehler, den die Wähler bei den Kandidaten auch machen: Sie glauben, was man ihnen sagt. Also ziehen schon vier Wochen vor der Wahl ganze Heerscharen propagandistischer Unterstützer mit Leiter und Kleistertopf durch die Stadt, um die Straßen zu schmücken.

Wer schweigt, sündigt nicht

Apropos glauben: Es ist ja inzwischen höchstrichterlich bestätigt, dass Politiker nicht an das gebunden sind, was sie im Wahlkampf versprechen. Das bestätigt auch die Praxis immer wieder. Wir erinnern uns da nur an die Bundestagswahl anno 2005, als SPD-Schröder keine Erhöhung der Mehrwertsteuer versprach und CDU-Angie maximal zwei Prozent.

Was interessieren mich meine…

Kaum gewählt, schenkte das Duo Steinbrück/Merkel dem dummgläubigen Volke gleich drei Prozent ein. Oder Guido Westerwelle, der 2009 einen Koalitionsvertrag nur unterschreiben wollte, „wenn darin ein niedrigeres, einfacheres und gerechteres Steuersystem aufgeschrieben worden ist.“ Die CDU hat dieses Thema bei den Koalitionsverhandlungen nicht einmal auf die Tagesordnung gesetzt und Guido hat trotzdem artig den Außenminister gemimt.

wahlen

Wer die Wahl hat, sucht die Zahl. Gehe über Los, aber ziehe nicht 4000 Mark ein, weil wir jetzt den Euro haben.

Eine repräsentative Umfrage der ARD im August 2013 ergab dann schließlich auch das entsprechende Resultat: 89 Prozent der Deutschen haben wenig oder gar kein Vertrauen in ihre Volksvertreter.

Reziproke Werte wie beim Politbüro

Inzwischen dürften wir bei über 90 Prozent und damit in der Nähe des Wertes angelangt sein, auf den die Kandidaten der Nationalen Front in der DDR einst so stolz waren. Hätte das Honecker-Team geahnt, dass man auch mit elf Prozent Vertrauen regieren kann, wäre die Mauer wohl schon 1973 durch eine Ligusterhecke ersetzt worden.

Zwischen Selbstmord und Wahrheit

Der Freiburger Geschichtsprofessor Wolfgang Reinhard ist gar der Überzeugung, dass Politiker lügen müssen, wenn sie nicht politischen Selbstmord begehen wollen. Es sei bereits eine Lüge, wenn Politiker die Frage nach deren Ehrlichkeit bejahen würden.

Da ist es nicht verwunderlich, dass die Kandidaten der kommenden Landratswahl lieber nur ihre Gesichter und maximal ein paar markige Floskeln unters Volk sprühen. CDU-Kandidat und Top-Favorit Henry Graichen wirbt auf seinem Flyer beispielsweise mit einem Slogan, der in jedem Horoskop unter jedes beliebige Sternzeichen passt: „Einer von uns. Einer für uns.“ Damit ist alles gesagt.

Noch weniger geht nur auf dem Wahlplakat, auf dem es heißt: „Henry Graichen, Landratswahl 2015“. In Anlehnung an diese logische Kürze kündigte die Markranstädter CDU auf ihrer Internet-Seite an, dass an zahlreichen Plätzen der Stadt Graichens Plakate angebracht seien und es nun in den Händen der Wähler liege zu entscheiden, wer in den kommenden Jahren unser Landrat für den Landkreis Leipziger Land sein wird. So einfach kann Wahlkampf sein: Plakate dran und nun sieh zu, wen Du wählst.

Weise, rote und schwarze Entscheidungen

Noch überschaubarer sind die auf den Wahlplakaten des SPD-Kandidaten transportierten Inhalte. „Jörg Weise, Ihr Landratskandidat“ steht da. Und dann noch das Wortspiel „Weise, Entscheidung für die Zukunft“ Mehr nicht! Gut, das reicht ja auch. Den Rest kann man sich denken, wenn er ohnehin nicht die Kriterien der Wahrheit erfüllen muss. Fast drängt sich der Gedanke an den Persil-Onkel aus der 70er-Jahre-Fernsehwerbung auf: „Jörg Weise! Da weiß man, wen man wählt. Guten Abend.“

schlipse

Wahltag 2025. Die Kandidaten hängen ihre Schlipse raus und man kann sich seine Groko selbst zusammenstellen.

Wenn ihm schon die Worte fehlen, haben seine PR-Berater aber wenigstens den Wert der optischen Wirkung erkannt. Der smarte Sozialdemokrat kommt auf den Fotos daher wie der Bariton der Comedian Harmonists aus den schwarz-weißen Fotozeiten der goldenen Zwanziger. Mit Muttis Spucke geglätteter, akkurater Seitenscheitel; gestärktes Hemd; blitzende Zähne und schwarze Krawatte. Der Kontrast passt in jeder Hinsicht, trägt doch CDU-Konkurrent Graichen auf seinem Flyer sinnigerweise einen roten Binder.

Auch einen schwarzen Schlips trägt der Kandidat der GRÜNEN. Zumindest auf dem Foto, das es auf der Internetseite des Kreisverbandes gibt. Man darf gespannt sein, mit welchem Outfit und vor allem welchem Slogan Alexander Schmidt dann von den Laternenmasten herablächeln wird. In Markranstädt vielleicht gar nicht, denn die sympathische Energiestadt am See scheint aus dem Atlas der GRÜNEN nachhaltig getilgt.

Der grüne Fleck auf der Landkarte

Und falls auf der Fahrt durchs grüne Niemandsland doch mal ein Poster aus dem Jute-Beutel am Fahrradlenker fällt, dann ist es nicht auszuschließen, dass dessen Botschaft eher Sorge bereitet als Zuversicht. Die GRÜNEN sind ja bekannt dafür, dass sie dem Wähler schon mal mit nuklearen Abfallfässern zeigen, wie trostlos die politische Zukunft ohne sie aussieht als mit ihnen bei Sonnenschein im Wald. Verkauf mit dem Katastrophenpunkt nennt man das im Hausierer-Jargon. Die Strategie kennt der Bürger hinreichend von seinem Versicherungsvertreter und deshalb gibt’s dafür weder Abschlussprovisionen noch Wählerstimmen.

Ebenfalls einen Schlipsträger schickt die AfD ins Rennen und auch hier staunt man Bauklötze. Euro-kritisch soll sie sein, die Alternative für Deutschland. Torsten Reitters Binder lässt aber deutlichen Patriotismus mit Europa erahnen. Man sieht zwar nur den doppelten Windsor-Knoten, aber das Auge des Betrachters erfasst auf dessen Blau sowas wie die Sterne unserer Europa-Flagge.

Auch dafür hat die Wissenschaft eine Bezeichnung erfunden und gewiefte Kommunikations-Gurus jubeln ihren Seminarteilnehmern diese Strategie als neurovisuelle Beeinflussung unter. So ist es kaum verwunderlich, dass Reitter unter AfD-Mitgliedern in der Wählergunst ganz vorn steht.

Für die LINKE soll Enrico Stange starten. Noch ist kein Wahlkplakat mit seinem Konterfei gesichtet worden, aber es sollte nicht verwundern, wenn den Hals darunter keine Krawatte ziert. Stange ist selten mit einem solchen Relikt bourgeoiser Ewiggestrigkeit anzutreffen. Gleichwohl hat er trotzdem ein besonderes Merkmal mit all seinen Mitbewerbern gemein: Die Knöpfe seines Hemdes befinden sich auf der rechten Seite. Will heißen, auch er ist ein Mann.

Sex sells

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer! Langweiliger kann ein Wahlkampf kaum sein, wenn da überall nur konserviertes Testosteron von den Lichtmasten tropft und man in jeder Gasse maskulinen Mundgeruch zu atmen glaubt. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Urne kurz vor 18 Uhr wie ein leerer Tankwagen klingt und der Zettel acht Sekunden braucht, bis er auf deren Boden aufschlägt.

Sämtliche Redaktionen von Fernsehzeitungen und Unterhaltungsmagazinen haben schon vor Jahrzehnten erkannt, dass man seine Schmöker ohne weibliches Fleisch auf der Titelseite eigentlich für die Recyclingindustrie druckt. Sex sells, heißt die Maxime. Leider nicht in der Politik.

Es scheint, als hätte sich die Männerwelt den Uterus, in dem noch vor wenigen Wochen die Frauenquote herangezüchtet wurde, heimlich zurückerobert. Wer mal auf dem Landratsamt war, und sei es nur, um seinen Führerschein wieder abzuholen, hat bestimmt wahrgenommen, welche Modenschauen sich dort auf den Gängen abspielen. Werbewirksames Humanmaterial arbeitet also genug dort, doch warum setzt man es nicht ein?

stadtpark

Nur ein wenig Sexappeal und schon sind die Massen von neuen Ideen zu begeistern. Wer  würde bei solch einem Anblick noch fragen, was dahinter steckt?

Das ist ein Trend, der Angst macht vor kommenden Wahlen. Nur noch langweilige Gesichter von noch langweiligeren Kerlen. Irgendwann werden dann vielleicht sogar keine Plakate mehr angebracht, sondern nur noch Schlipse aufgehängt. Das scheint übrigens wirklich der einzig machbare Weg zu sein, sich seine Wunschkoalition selber zusammenzustellen. Rot-Grün-Gelb oder Schwarz-Rot, Gelb-Grün, Schwarz-Gelb – man muss sich nur den passenden Schlips abschneiden und schon hat man seine persönliche Groko.

 






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