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Keine Hilfe für die Erdbebenopfer aus der Oberliga?

Unter der Überschrift „Erdbeben bei Oberligist Markranstädt“ berichtete die LVZ in ihrer gestrigen Ausgabe über einen angeblichen Streit um die Betriebskosten des Stadions am Bad, in dessen Folge der SSV-Vorstand am 10. Juni komplett zurücktreten wolle und der Verein vor schweren Zeiten stehe. Irgendwie liest sich diese Meldung wie die Fortsetzung unseres Beitrages „Wieviel darf man die Öffentlichkeit wissen lassen?“ Grund genug für die Markranstädter Nachtschichten, die Fortsetzung fortzusetzen. Denn irgendwie hat die ganze Sache ein Geschmäckle. So’n bisschen nach Brause.

Es hat nichts damit zu tun, dass man seit einigen Jahrzehnten gern etwas genauer hinschaut, wenn ein Österreicher in Deutschland was bewegen will. Von dem Deal mit dem Hersteller flüssiger Gummibären hat der SSV Markranstädt jedenfalls einige Jahre ganz ordentlich gelebt. Und sportlich ging es auch bergauf. Bis in die Oberliga führte der Weg.

Man könnte meinen, dass der berühmte Sand im Getriebe erstmals Ende vergangenen Jahres zu knirschen begann, aber das ist ein Irrtum. Die Qualität der Informationspolitik des Vereins hatte in den Jahren seit der Entbindung des roten Bullen eher selten das Prädikat „transparent“ verdient. Zu jener Informationspolitik zählt auch, wieviel man seine Partner wissen lässt. Die Stadt als nunmehr Beschuldigte für die Probleme des SSV hat gestern umgehend dargestellt, dass das ein bisschen dünne war, was der SSV da zuletzt auf den Rathaustisch gelegt hat, um die Betriebskostenvorschüsse vorzeitig ausgezahlt zu bekommen. Dagegen sei man allen Verpflichtungen nachgekommen und werde dies auch weiterhin tun, heißt es in einer Pressemitteilung.

In die milchglasige Argumentationsstrategie des SSV passt auch die Aussage des Vorstandsvorsitzenden Dr. Andreas Stammkötter, den die LVZ so zitierte: „ … Leider war in jüngster Vergangenheit festzustellen, dass in Markranstädt politisch einflussreiche Personen tätig sind, die ein Interesse daran haben, dem Verein bewusst zu schaden. Diese Kritik richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Person des Bürgermeisters.

Was ich mag? Keine Kartoffeln!

Schon Hartz-IV-Empfänger lernen in Bewerbungsseminaren, dass es zielführender ist, zu sagen was man meint und nicht, was man nicht meint. Im Prinzip steht nach Stammkötters Aussage mit Ausnahme des Bürgermeisters jeder politisch engagierte Markranstädter unter Generalverdacht. Solchen Formulierungen steht oftmals pure Verzweiflung Pate. Apropos Hartz IV-Empfänger: Die haben ein gewisses Budget zur Verfügung und müssen damit auskommen. Man verlangt von ihnen ein grundlegendes Maß an Übersicht, damit sie sich auch am Ende des Monats noch eine Butterbemme schmieren können.

Solche Übersicht verlangt man auch von Vereinen, erst recht von einem, der den Sprung vom sympathischen zum dynamischen geschafft hat. Die Außenwirkung des SSV hinterlässt dagegen den Eindruck, als habe man schon am 15. des Monats den gesamten Etat am Kiosk gelassen. Vorschuss auf den Zuschuss, da klingeln bei jedem Fallmanager im Sozialamt die Alarmglocken. Die Rücktrittsankündigung liest sich daher eher so, als würde der Kapitän samt Offizieren das sinkende Schiff verlassen. Für solches Verhalten gibt es in der Seemannssprache klare Begriffe und die richten sich ausdrücklich nicht gegen die Person des Schiffskochs.

Dass die Scheine aus Salzburg irgendwann mal alle sind, war zu erwarten. Dass aber die Palette der möglichen Szenarien für den Fall danach gegenüber der Öffentlichkeit konsequent totgeschwiegen wurde, feuerte die Gerüchteküche erst richtig an. In den Markranstädter Kneipen gibt es kaum jemanden, der nicht einen kennt, der weiß, wo einer wohnt, dessen Nachbar gehört haben will… Das geht, bis die Stammtische unter der Last der Gerüchte ächzen. Aber manchmal ist eben auch was Wahres dran.

Da ist von einem Vertragsentwurf die Rede, wonach RB im Stadion am Bad die Sanitäreinrichtungen erweitert, einen VIP-Parkplatz gebaut und gar einen Mediencontainer aufgestellt haben will.

Das Dokument soll aber eine verbindliche Gestaltung der Zeitschiene insbesondere hinsichtlich der (Re-)Finanzierung vermissen lassen, weshalb die Stadt angeblich die Tinte für das Signet weggeschlossen hat. Auch das SSV-Ansinnen, die Stadt vergeblich um eine Erhöhung der Betriebskostenzuschüsse von 115.000 auf 150.000 Euro gebeten zu haben, wird kolportiert.

Korrespondenz auf Umwegen

Es kann also durchaus eine Antwort der Verwaltung gewesen sein, als sie gestern in ihrer Pressemitteilung verlautbarte: „Die Abrechnungen der Betriebskosten für die Jahre 2012 und 2013 haben gezeigt, dass die geleisteten Zuschüsse deutlich auskömmlich für die Deckung der anfallenden Betriebskosten im Stadion waren.“

Ist Kicken auf Miete absetzbar?

Und zum Schluss sind da noch die 20.000 Euro, die der Verein bekommen hat, weil der Schwimmsportverein Kulkwitz jetzt an der Südstraße kicken muss. Gut möglich, dass da ein ordentlicher Packen zurückzuzahlen ist, denn wenn ein Zehnt(!!!)Ligist aus einem mitteldeutschen Fischerdorf tatsächlich 20 Mille bräuchte, nur um irgendwo auf Miete kicken zu können, sollte man bis hinunter zur 3. Kreisklasse lieber gleich Profi-Lizenzen beantragen.

Kreisklasse für 20 Mille

Die Kosten könnte man dann bei Autogrammstunden wieder reinholen. Das sieht bestimmt lustig aus, wenn das Alte-Herren-Team aus Kulkwitz im Paunsdorf Center hockt und auf seine kreischenden Fans wartet.

raufhaendel

Auf der Suche nach dem verräterischen Zombie mit politischem Einfluss?

Was die in der heutigen Ausgabe der Tageszeitung kolportierte Abschlagszahlung von 30.000 Euro durch die Stadt an den SSV angeht, die nicht erfolgt sei, so hört sich das an den Markranstädter Stammtischen auch etwas anders an. Die Zusage sei demnach von einer Person gekommen, die dafür über etwa ebenso viel Kompetenzen verfüge, wie der Pförtner der LAV für die Kontrolle der Einhaltung von Datenschutzrichtlinien bei Google. Und damit ist ausdrücklich nicht der Bürgermeister gemeint.

Differenzen auf der Richter-Skala

Zurück zum vermeidlichen Erdbeben. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit hat man am Bad bislang sogar auf das Florett verzichtet und nun gleich eine Kanone aufgefahren. Das sieht nicht nur ungeschickt aus, sondern wirkt auch recht brachial und hilflos. Allerdings hat auch der Presseartikel so seine Ecken.

Die Aussage „Die Kommune will den Verein nicht mehr wie bisher bei den Betriebskosten unterstützen.“ ist nach erstmal glaubhafter Darstellung der Stadt so nicht ganz richtig und es lässt sich zudem nicht erkennen, dass man sich bei der Überprüfung dieser Aussage entsprechend rückversichert hat.

Auch in der heutigen Ausgabe beruft man sich lediglich auf die Pressemitteilung und nicht auf ein Gespräch oder wenigstens ein Telefonat mit der Stadtverwaltung. Gut möglich, dass es die Sportredaktion auf Grund einschlägiger Erfahrungen anderer Abteilungen des Blattes mit dem städtischen PR-Aquarium gar nicht erst versucht hat.

flutlicht

Flutlicht für die neue Bedarfsgemeinschaft am Bad. Wie sagen die Fallmanager im Job-Center gern? „Die Zuschüsse sind ausreichend bemessen. Wenn Sie damit nicht auskommen, müssen Sie sparen. Wie sieht es denn bei Ihnen zum Beispiel mit dem Strom aus? „

Insofern ist mit diesen Meldungen schon allerhand Porzellan zerschlagen worden. Und dann ist ja da noch der mysteriöse Du-weißt-schon-wer, der seinen politischen Einfluss geltend macht, um dem SSV in niederträchtigstem Raufhändel hinterlistig die Eier abzuschrauben. Natürlich fallen einem bei den Stichworten „Streit“, „Politik“ und „Markranstädt“ sofort die üblichen Verdächtigen ein. Bei genauerem Hinsehen muss man aber zu der Erkenntnis kommen, dass die weder was mit dem Begriff Abseits anzufangen wissen, noch über Ambitionen oder gar Kompetenzen verfügen, ein sinkendes Flaggschiff wieder seetüchtig zu machen.

Also wollen wir am Schluss ruhig mal die Fantasie spielen lassen. Nachdem also selbst gestandene Mediziner mit ihren Rettungsversuchen gescheitert sind, könnte eine der Optionen darin bestehen, für den SSV schon mal vorab den Totenschein auszufüllen. Nur so aus Spaß und selbstverständlich ohne Unterschrift. Es kommt ja nur auf die Wirkung in der Trauergemeinde an. Mangels Fanclubs werden es nämlich die Mitglieder sein, die dann einen Aufschrei von sich geben.

Und gerade dann, als man am Sterbebett sitzt und – das Auge voll Gewässer – sein letztes Vaterunser gen Himmel schickt, kommt von dort der Österreicher ins Zimmer gesprudelt und setzt die Herz-Lungenmaschine wieder in Gang. Welch ein Jubel! Alle freuen sich und damit es dem Patienten recht bald wieder recht gut geht, bekommt er gleich eine Bluttransfusion.

Die besteht aus lauter jungen, dynamischen Bullenkälbern unter 23. Und schon kann am Bad nicht nur fröhlich weiter gekickt werden, sondern man hat auch einen Messias, dem man dafür huldigen kann, dass er die eben noch der Verwaisung anheim gefallene Spielstätte wieder mit Leben erfüllt hat. In einem Akt lebenslanger Dankbarkeit wird man vielleicht sogar den Tempel am Bad nach ihm benennen und unsere Enkel werden dereinst fragen, wer St. Dietrich war.

Mal sehen, manchmal sollen Träume ja Realität werden. Däschawü, wie wir in Markranstädt sagen.

 






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