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Wenig Applaus für Markranstädter Straßenkabarett

Um die dreißig Demonstranten bei der Kundgebung auf dem Markt, rund dreißig Gegendemonstranten in der Parkstraße und dazwischen etwa dreißig oder ein paar mehr Polizisten, die allerdings aufgrund ihres eindrucksvollen Fuhrparks wie eine Hundertschaft wirkten. Dazwischen zwei Spaziergänge, die allein wegen der Teilnehmerzahl eher an die Nachhut von Marketenderinnen eines Faschingsumzugs erinnerten als an eine machtvolle Demonstration.

Markranstädt am Gründonnerstag, 18 Uhr: Der Bahnhof und die Kreuzung Hordis- / Leipziger Straße werden von Polizeikräften zur Festung ausgebaut. Bereits am frühen Nachmittag wird das Bürgerrathaus mit rot-weißem Absperrband hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt.

Ein Knistern liegt in der Luft, wie damals, im Herbst 1989. Männer in Trenchcoats und Schlapphüten stehen an diversen Ecken herum, Polizisten filmen Passanten, Mütter pfeifen ihre Kinder von der Straße und die Insassen von Parterrewohnungen lassen die Rolladen herunter.

Als die Dämmerung hereinbricht, herrscht seltsames Treiben in Markranstädt. Normalerweise sind um diese Zeit die Fußwege längst hochgeklappt. Nur Sprayer und Junkies treiben sich an anderen Tagen um diese Zeit im urbanen Raum umher. Nicht so heute.

Nur zufällig vorbeigekommen

Scheinbar völlig unbeteiligt tangieren ungewöhnlich viele Radfahrer und Fußgänger die Straßen rund um den Marktplatz. Erst als sie zum fünften oder sechsten Mal vorbei kommen, merkt man, dass das kein Zufall ist. Hinter einer Säule in den Marktarkaden steht eine einsame Dame und starrt in Richtung Kirche. Dass ihr Blick dabei pausenlos den Marktplatz streift, ist natürlich auch purer Zufall.

Als Punkt 19 Uhr die ins rechte Spektrum verortete Kundgebung auf dem Marktplatz beginnen soll, bäumt sich das christliche Abendland auf. Der Pfarrer hat zum Erstabendmahl der Konfirmanten geladen und lässt mitten hinein in die Begrüßung der Demonstranten die Glocken von St. Laurentius läuten. Das satirische Ohr glaubt wahrzunehmen, dass sie heute sogar etwas länger und vielleicht sogar auch etwas lauter als sonst läuten. Auf alle Fälle aber öfter. Alle halbe Stunde bis 20:30 Uhr.

Nach fünf Minuten können sich die rund 30 Demonstranten, unter denen Markranstädter Gesichter eher rar sind, dann doch wieder ohne abendländisch-vorösterliche Störgeräusche artikulieren. Allerdings sind da vielerlei Dialekte zu vernehmen, die für Ur-Sachsen nicht immer einfach zu verstehen sind. Also auch rein akustisch.

ER ist wieder da

Und dann ist es so weit. Die im Vorfeld von einigen Gegnern der Veranstaltung geäußerte Befürchtung, dass sich Geschichte wiederholt, bestätigt sich. Ausgerechnet auch noch in Markranstädt! Nach einem Franzosen hat ein Alpenrepublikant das Wort ergriffen und seine Sorge um Deutschland zum Ausdruck gebracht. Wenn es an diesem Gründonnerstage noch eines Omens für die Wiederholung der Geschichte bedurfte, dann konnte es nur ein Österreicher sein. Der Markranstädter Marktplatz als Bürgerbräukeller des 21. Jahrhunderts. Zeit zu gehen und nicht nach dem Rechten, sondern nach den Linken zu sehen. Ein paar Meter weiter nur.

Das Bild auf der Gegendemo mit Gegenkundgebung in der Parkstraße, die eigens für die dreißig links einzuordnenden Hanseln zwischen Marienstraße und Leipziger Straße sogar voll gesperrt wurde, glich der soeben erlebten Szenerie auf dem Marktplatz in geradezu gespenstischer Weise.

Dass mit einem grünen Politiker ausgerechnet jene Partei das Schlachtfeld Markranstädt wiederentdeckte, die vor nicht allzu langer Zeit nicht einmal den ihr zur Verfügung stehenden Stuhl im Ratssaal besetzt hat, macht dessen Auftritt nicht gerade glaubhafter. Aber was tut man nicht alles, um sich reden zu hören? Wenigstens stimmte die Musik in der Parkstraße. Rhythmische Klänge aus fremden Ländern. Was man sich untereinander zu sagen hatte, war eh nicht von Bedeutung.

Nein, wirklich nicht. Denn was bringt es, wenn sich Gleichgesinnte gegenseitig bestätigen und sich in ihren eigenen Argumenten sonnen, während sie dafür von denen beklatscht werden, die sowieso ihrer Meinung sind? Drüben, auf dem Marktplatz, war es ebenfalls keinen Deut anders. Auch die Slogans und Symbole beider Seiten sind mehr als bedenklich.

Die Markranser mit Herz und Verstand haben zwar ein Herz im Logo, aber auf der Suche nach dem Symbol für Verstand fliegt einem dort eine Faust entgegen.

Und die Gegenseite von Kaltlandreisen, die das Personal für die Gegendemos akquiriert, hat sich auf die Fahnen geschrieben, Nazis zu vertreiben, was sogar Bürgerwehren mit dem Hinweis auf das Verbot von Selbstjustiz untersagt wird. Zu groß die Gefahr, dass mit den gejagten Nazis auch einfach nur Andersdenkende deportiert werden und der Begriff „vertreiben“ hat zudem nichts mit „argumentieren“ oder „diskutieren“ zu tun, sindern impliziert eher Gewalt.

Speise ohne Nährwert

Im Grunde genommen war der Abend in Markranstädt ebenso sinnlos wie eine Talkshow mit Will oder Maischberger. Man spricht übereinander und nicht miteinander, hat aber sein Bedürfnis nach Sendung nachhaltig befriedigt. Und statt GEZ-Gebühren haben wir Steuerzahler einen Polizei-Großeinsatz finanziert.

Allerdings läuten in einer Fernseh-Talkshow keine Glocken, und schon gar nicht alle halbe Stunde. Und das war die eigentliche Botschaft dieses Abends. Einfach mal innehalten und nachdenken. Osterspaziergang am Gründonnerstag, an dem das Abendmahl stattfand – geht’s noch?

Dass die Konfirmanden und deren Angehörige, die gegen 20:30 Uhr die Kirche verließen, wesentlich zufriedene wirkten als die Leute, die sich sonst noch so in der Gegend aufhielten, muss doch Gründe haben, oder nicht?

 






One Comment to Wenig Applaus für Markranstädter Straßenkabarett

  1. Ein sich wundernder Bürger Markrans, sagt:

    Was soll man eigentlich dazu noch sagen? Vielleicht „die spinnen ja die Römer (Markranstädter)“ Denn mal ehrlich was hat denn das ganze gebracht außer dass sich einige belustigen konnten und im Endeffekt die vielleicht angesprochenen Probleme doch nicht gelöst wurden. Langsam mutieren diese Donnerstagsveranstaltungen zu Lachnummern und erreichen nicht mal das Niveau einer vielleicht friedlichen Pegidaveranstaltung. Wenn sich schon kein Markranstädter mehr dafür interessiert sollte man es eigentlich bleiben lassen, bevor man sich auf Dauer hier Leute in die Stadt holt die mit Sicherheit keiner haben will. Und sorry unsere Steuergelder werden bestimmt für andere Dinge wichtiger gebraucht als für Polizeieinsätze die dann Kindergartengruppen von einander trennen sollen.

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