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Letzte richterliche Anordnung und neue Retro-Schranken

Der gestrige Montag war für Markranstädt in vielerlei Hinsicht ein denkwürdiger Tag. Vor allem ein so genannter „Tag eins“. So zum Beispiel Tag eins nach dem erneuten neuen Neubau einer neuen Schranke in der Priesteblicher Straße. Die Uhr tickt wieder! Und als solle die Schranke zugleich ein Denkmal sein, war da gestern noch der erste Tag einer neuen Geschichtsschreibung im Bauamt. Dessen Chefin hat am Freitag leise ihre Sachen gepackt und ging von Bord.

Wie genau sich der darauf beruhende Vorgang nennt, ist noch nicht in die Öffentlichkeit gedrungen. Sagen wir also, man geht getrennte Wege. Abzusehen war es ja, dass da mindestens eine Personalentscheidung im Fachbereich III fallen wird. Dass sie ausgerechnet in jener Zeit fällt, in der ein Brandbrief der Amtsmitarbeiter seine volle Wirkung entfaltet, mag Zufall sein oder nicht – zumindest ist der Zeitpunkt für den Bürgermeister äußerst unglücklich.

So liest sich die Story denn auch wie ein dramaturgisch stark modifiziertes Drehbuch über eine etwas anders verlaufene Meuterei auf der Bounty. Deren Kapitän Bligh wollte eigentlich nur Ruhe auf seinem Schiff. Die Matrosen aber waren mit ihrer Bordbaumeisterin äußerst unzufrieden und erstatteten dem Kapitän mehrfach Meldung darüber. Auch weil sie wussten, dass der für gute Gespräche stets ein offenes Ohr hat.

Weil aber die Handwerkerin mit leidender Funktion durch die Admiralität mit einigen arbeitsrechtlichen Privilegien ausgestattet war, wusste Bligh keine schnelle Lösung. Hin und her gerissen zwischen Kiel und Mastkorb, arbeitete er zaghaft an einem diplomatischen Deal, der niemandem weh tut und deshalb Zeit braucht. So viel Geduld wollte die unter medialem Dauerfeuer stehende Mannschaft jedoch nicht haben. Nach langem Zögern schrieb sie an die Reeder der Bounty. Die setzten ihrerseits Kapitän Bligh in einem geheimen Treffen unter Druck.

Eine Anleihe bei der „Bounty“

Geheim heißt bei dieser Reederei, dass man sich zwar hinter verschlossenen Türen trifft, aber schon wenige Minuten später Depeschen mit dem kompletten Gesprächsinhalt samt geheimer Anlagen und anderem Schriftwechsel quer durch den gesamten Flottenverband geschickt werden. Sogar neutrale Landstreitkräfte verschont man von diesen Protokollen nicht.

Inzwischen hatte Bligh jedoch die halbwegs friedliche Lösung möglicherweise schon zur Entscheidungsreife gebracht. Doch genau damit saß der Chef auf der Kommandobrücke der Bounty nun in der Zwickmühle.

Vollzieht er seine Entscheidung jetzt, ist der zeitliche Zusammenhang mit dem Brandbrief nicht wegzudiskutieren. Die Botschaft an die Mannschaft wäre fatal, sagt sie doch, dass man künftig jedwedes ungeliebtes Leitungspersonal vom Kaleun über den Navigator bis zum Smutje per Plebiszit auf einer einsamen Insel aussetzen kann. Wartet er andererseits noch mit der Ratifizierung seiner Entscheidung, könnte die Admiralität von einer gewissen Unentschlossenheit ausgehen und ihm das Vertrauen entziehen.

Nun ja, am Ende gab es eine Lösung, bei der von allem etwas dabei war. Punkt 9 Glasen traf man sich gestern in der Bordmesse, wo Bligh die Mannschaft über das „Frau über Bord“ informierte. Die Matrosen wiederum hatten das angesichts der leeren Koje längst gemerkt.

Kielholen für künftige Meuterer

Gleichzeitig sagte der Kapitän allen künftigen Versuchen, per Brandbrief einen Umsturz herbeiführen zu wollen, den Kampf an, indem er damit drohte, die Unterzeichner gnadenlos Kielholen zu lassen.

Danach hieß es: „Alle Mann auf Deck, Segel setzen!“ Die Matrosen spuckten erst ihre Pfrieme auf die Planken, danach in die Hände und gingen wieder ans Werk.

Und als sollte das neue Zeitalter ein würdiges Symbol erhalten, schwimmt seit gestern in den nördlichen Gewässern des Markranstädter Weltmeeres eine neue, weithin sichtbare Boje.

Das neunte Leben

Die Schranke in Lindennaundorf – oder, ganz wie man will und darf, in Frankenheim – ist zum x-ten Mal erneuert worden. Eine MN-Leserin schrieb euphorisch: „Countdown bitte neu starten!“

Unter den Fotos, die sie den Markranstädter Nachtschichten zusandte, befand sich auch eine Aufnahme mit dem Barcode des Schlagbaums, damit es dann bei den (ganz sicher fälligen) Nachbestellungen schneller geht.

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Damit die Nachbestellung neuer Schranken schneller vonstatten geht, hat der findige Lieferant schon mal den Barcode hinten drauf geklebt. Überhaupt scheint der Hersteller helle Köpfchen zu beschäftigen. Das neue Exemplar wurde schon am 11. August vergangenen Jahres produziert. Marktwirtschaft mit Weitblick!

Es ist ein Wettbewerb um den längeren Atem, der da ausgebrochen ist. Rein statistisch haben die Zerstörer der Schranke jetzt rund eine Woche Zeit, ihr zweifelhaftes Werk neuerlich zu beenden und ihrerseits die Stadt wieder unter Zugzwang zu setzen. Mal sehen, wem hier zuerst die Kraft ausgeht.

Neue Trasse abgesteckt?

Inzwischen scheinen auch die Planungen zum vierspurigen Ausbau der Priesteblicher Straße Konturen anzunehmen. Zumindest lässt die ungewöhnliche Positionierung eines so genannten „Straßenbegrenzungspfostens“ mitten auf dem Feld parallel zur Straße darauf schließen.

Es kann natürlich auch sein, dass dieses Leitelement sein Dasein nur als Navigationshilfe für desorientierte Landwirte beim Eggen dient.

Es heißt ja nicht umsonst in einem bekannten Volkslied: „Im Märzen der Bauer am Acker rumflucht, weil er auf dem Feld einen Anhaltspunkt sucht.“

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Leuchtturm für müde Traktoristen oder erste Markierung für den künftigen Trassenverlauf der vierspurigen Priesteblicher Straße? Egal – lustig ist es allemal.

Zurück zu den Schranken: Am Parkplatz in der Oststraße scheint man indes eine günstigere Lösung gefunden zu haben. Auch dort werden die Schlagbäume bekanntlich regelmäßig zerlegt.

Ersatzteile aus der Heimat

Aus ungesicherten Quellen sprudelte zuletzt die Novelle, dass man sich von einer Frankenheimer Firma Alu-Profilelemente kommen lässt, dort alle paar Zentimeter rotes Klebeband drum wickelt und die Konstruktion dann als „Schlagbaum made in Markranstädt“ an die Schrankenantriebe anschraubt.

Die Kosten liegen im Promillebereich des finanziellen Investitionspakets, das jedesmal für die Frankenheimer Schranke fällig wird. Allerdings nützt das wenig, wenn auch die Antriebe der Schranken zerstört wurden.

Freie Fahrt in Großlehna

Apropos Schranken: Die rot-weißen Winkelemente am Bahnübergang in Großlehna funktionieren auch wieder. Erstaunlich, wie schnell die Bahn reagieren kann.

In Zeiten von Lokführer-Streiks, in denen auf Grund personeller Engpässe ein Lokführer manchmal gleich vier Züge auf einmal fahren muss, war das eine organisatorische Meisterleistung.

Schwimmen auf der Retro-Welle

Leider fällt die neue Schranke optisch völlig aus dem Rahmen. Strahlend rot und weiß, ohne jegliche Gebrauchsspuren oder Falten, hebt sie sich vom Bestand der anderen drei Schlagbäume viel zu sehr ab.

Hier präsentierte sich einmal mehr eine Marktlücke, eine so genannte Nische. Schranken im Vintage-Style! Sozusagen hautfarbene Miederhosen für Verkehrseinrichtungen.

Mit der Retro-Welle bei Schranken lässt sich in Markranstädt viel Geld verdienen.

 






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