+ + + Covid (19) aus Markranstädt will Freundin: Er mit Traumkörper sucht Sie mit Antikörpern + + +  

Wochenschau: Schrankenloser Zeugungsakt im Grundwasser

Wieder eine Woche um. Im kalendarischen Fachjargon war es die 11. KW. Es waren für Markranstädter Verhältnisse fast idyllisch ruhige sieben Tage. Allerdings nur auf der öffentlichen Bühne. Hinter dem schweren Vorhang blühte reges Leben. Werfen wir also einen Blick auf die vergangenen Tage.

So eine Woche ist manchmal wie eine Ehe. Die kann sich schier endlos hinziehen, wenn nichts passiert. Und wenn dann noch, sozusagen als einziger Höhepunkt, nur die Zigaretten teurer werden, ist die Scheidung oft der einzige Ausweg, um wieder etwas Abwechslung in die Beziehung zu bringen.

Montag, 14. März:

Gleich zu Wochenbeginn machte eine amtliche Warnung die Runde. Ein Schreiben mit dem Betreff „Zentralisierung gewerblicher Daten“ sei in vielen Betrieben gelandet. Doch die Freude einiger Wirtschaftsmagnaten mit kurzem Langzeitgedächtnis, dass nach 25jähriger Tristesse endlich wieder die Planwirtschaft eingeführt wird, kam wohl zu früh.

Auch wenn das Schreiben suggerierte, dass die öffentliche Hand in Form der Stadt hinter der Aktion steht, war wohl allen Adressaten klar, dass es sich um eine Irreführung handelt. Zu oft erhalten selbst potenteste Unternehmer und – ja sogar deren Frauen – Post von ihrer Internet-Apotheke des Vertrauens, dass die kleinen blauen Pillen jetzt im Sonderangebot sind.

Wer glaubt da noch einem Absender, der sich markranstaedt.gewerbe-anmeldung.de nennt? Dagegen klingt sogar „Markranstädter Nachtschichten“ geradezu seriös, obwohl auch diese Bande längst in den Knast gehört.

Dienstag, 15. März:

Traditionell ist der 15. März der Weltverbrauchertag. In Deutschland ist es außerdem der – jetzt gut und vor allem aufrecht hinsetzen – Tag der Rückengesundheit! Von beidem war in Markranstädt allerdings nicht viel zu merken. Der Zigarettenpreis lag auch an diesem Tag für den Verbraucher um 20 Cent höher als sonst und die Bankkunden verließen die ansässigen Institute in ebenso gebeugter Haltung wie an anderen Tagen.

Da stellt sich doch die Frage, was der Schein mit diesen Festtagen soll? Wenn man das wirklich ernst nehmen würde, müsste doch am 20. März wenigstens eine Stadtratssitzung stattfinden oder zu allermindest ein Ausschuss tagen. Also am besten abhaken, den 15. März und alle anderen Tage, an denen ein Tag stattfindet. Außer vielleicht den 2. Juni. Aber bis dahin sind es noch ein paar Wochen.

Mittwoch, 16. März:

Die Tat fand zwar schon am Wochenende statt, aber erst am Mittwoch wurde sie in die Öffentlichkeit getragen. In Frankenheim hat jemand einen Sattelauflieger gemaust. Rund 19 Tonnen Tiefkühlware, unter anderem Gemüse und Fisch (!!!) sollen im Container gewesen sein, der bereits am vorangegangenen Freitag übers Wochenende ohne Zugmaschine dort abgestellt war.

Man könnte sich jetzt vielleicht fragen, wodurch das Kühlaggregat angetrieben wurde, wenn die treibstoffführende Zugmaschine nicht da war, aber ganz sicher haben pfiffige Ingenieure längst eine Möglichkeit der alternativen Treibstoffversorgung gefunden.

Also könnte es durchaus nicht der Fisch oder das Gemüse gewesen sein, worauf es die Diebe abgesehen hatten, sondern die innovative Lösung der Energieversorgung des Kühlaggregats am Auflieger. Dann allerdings stellt sich die Frage, wo die Diebe ein zweites Exemplar auftreiben können. Der Weg nach Osteuropa führt immerhin durch Polen und wenn man mit einem Auflieger in Russland ankommen will, sollte man – so zumindest der Volksmund – mit wenigstens deren zwei die Reise antreten.

Donnerstag, 17. März:

Tote Hose in Lallendorf. Merke: Den 17. März kann man, wenn nicht grade der Geburtstag der Schwiegermutter ansteht, getrost aus dem Kalendarium streichen.

Freitag, 18. März:

Endlich wieder eine Wahlanfechtungsklage! Insofern erfüllte der Freitag nicht nur die Erwartungen an den Donnerstag mit, sondern gleich ans ganze Jahr. Man wusste bislang gar nicht recht, was einem in den letzten 24 Monaten so gefehlt hat. Erst jetzt wurde klar, was man das Volk hat leiden lassen in den letzten zwei Jahren. Geradezu lächerlich kommen einem vor diesem Hintergrund die Ablenkungsmanöver um eine Kämmerin oder eine Bauamtsleiterin vor. Fast schien es bereits, als hätte Markranstädt seinen Ruf als streitbarer Hort basisdemokratischer Kulturverteidiger dauerhaft an den IS verloren, als in einem verzweifelten Akt letzten Aufbegehrens wenigstens die Wahl des stellvertretenden Stadtwehrleiters in Frage gestellt wurde.

So einen wichtigen Mann darf nämlich nicht jeder Mann wählen. Nicht mal jeder Feuerwehrmann. Und weil da möglicherweise auch Feuerwehrmänner mitgewählt haben, bei denen man deren Alters wegen Briketts auflegen muss, damit zumindest noch etwas glimmt, wenn sie mit ihren Rollatoren am Brandherd eintreffen, soll die Wahl nun ungültig sein.

Gut, so ein stellvertretender Stadtwehrleiter ist jetzt von der internationalen Wahrnehmung her nicht unbedingt mit einem designierten Bürgermeister zu vergleichen, aber der Unterhaltungswert für Satiriker ist zumindest in den kommenden Wochen ansatzweise gesichert. Weiter so!

Samstag, 19. März:

Meist läuft es so: Ein(e) Bewohner(in) einer Markranstädter Ortschaft informiert das Team der Markranstädter Nachtschichten über kuriose Begebenheiten im Ort, die dann in der Regel auch aufgegriffen werden. Im Gegenzug erlangen Ortschaft und Ereignis sowohl über das Portal der Markranstädter Nachtschichten als auch über Nacht internationale Berühmtheit.

Aus Großlehna kommen, um es unverfänglich auszudrücken, eher keine solchen und gleich gar nicht andere Informationen. Das liegt natürlich nicht an den Menschen dort, als vielmehr am Internet. Aber irgendwie muss es sich trotzdem bis nach Großlehna herumgesprochen haben, dass es Lindennaundorf mit einer Schranke und den Markranstädter Nachtschichten in die Ticker der weltweit agierenden Agenturen geschafft hat.

Jedenfalls hat, möglicherweise aus Verzweiflung in Anbetracht mangelnden Vorhandenseins anderer Kommunikationswege, ein sendungsbewusster Fahrzeugführer nun seinerseits die Bahnschranke in Großlehna durchbrochen. Kann sein, dass er der kleinen Siedlung am Rande des Freistaats ebenfalls zu nachhaltigem Ruhm verhelfen wollte.

Allerdings ist der Weg zu solcher Anerkennung äußerst fragwürdig, was bereits Theodor [von] und [zu] Guttenberg als auch Annette [hin] und [weg] Schavan sowie einige ihrer [kopieren] und [einfügen] Kommilitonen einsehen mussten.

Mit [copy] und [paste] kann man zwar für Aufsehen sorgen, aber nicht für nachhaltigen Erfolg. Da muss schon mehr kommen als eine billige Kopie. Vor allem mehr an Information.

Apropos Annette Schavan: Wissen Sie, wo die ehemalige Doktorin und deshalb ebenso ehemalige Ministerin heute arbeitet? Jo, sie ist Botschafterin im Vatikan! Heilige Plagiata.

Sonntag, 20. März:

Die Jahrgangsbäume anno 2016, am Samstag gepflanzt, senden ihre Wurzeln in die Erde gen Grundwasser. Zum Glück haben wir in Markranstädt mehr als genug von diesem nassen Zeug. Was ein Blick in die lokalen Kellerräume eindrucksvoll bestätigt. Wohnung mit Seeblick.

Jedenfalls wurden in nahezu allen Ortschaften solche Jahrgangsgehölze gepflanzt. Insgesamt waren es 120 Stück, also für jedes im Jahre 2015 geborene Kind ein Baum.

Kleiner Ausflug zu den Bienen: Da zu jedem (natürlichen) Zeugungsakt immer zwei Menschen gehören, haben in den Monaten vor der Geburt dieser Kinder mindestens 240 Menschen in Markranstädt Spaß gehabt.

Das macht gerade mal 1,6 Prozent der gesamten Bevölkerung im Gau Lallendorf. Längst ist man davon abgekommen, sich zu fragen, wie der klägliche Rest von immerhin 14.600 Einwohnern seine Abende so verbringt.

Zumindest gefühlsmäßig liegt die Antwort auf der Hand: Sie masturbieren bei Facebook oder belegen sich gegenseitig mit eMails. Schaut man dort aber genau hin, bleiben dann immer noch 14.595 MarkranstädterInnen übrig.

Erkenntnis der Woche

Ja, es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei: Eine nicht unerhebliche Anzahl Markranstädter Ureinwohner scheint tatsächlich noch in der Lage zu sein, analog zu leben und mit persönlichen Gesprächen von Angesicht zu Angesicht (vielleicht sogar mit einer Tasse Bier auf dem Stammtisch) existieren zu können.

Eine geradezu apokalyptische Szene in den Augen derer, die Bargeld abschaffen und ihren Untertanen am liebsten einen digitalen Chip verpassen möchten aus Angst vor Kontrollverlust. Auch hier gilt: Weiter so!

Wenigstens in der kommenden Woche.

 



« (vorheriger Beitrag)



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.