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Der große MN-Wochenrückblick

Das war die zehnte Kalenderwoche des Jahres 2016. Die Zeit vergeht wie im Fluge. So schnell sogar, dass man teilweise nicht einmal die Feder mehr flink genug ins Tintenfass tauchen kann, um den Entwicklungen zu folgen. Lassen Sie uns also mit der MN-Wochenschau in aller Ruhe auf die vergangenen Tage zurückblicken.

So ein komplexer Rückblick hat viele Vorteile. Man kann sowohl Informationen als auch sich selbst in aller Gelassenheit sammeln und muss nicht auf Krampf irgendwelche pseudolustigen Floskeln aus dem Stift saugen. Die kommen nach ein paar Tagen ganz von selbst.

Montag, 7. März

Gerüchte, wonach Markranstädter Ureinwohner von durchziehenden Teilnehmern einer Völkerwanderung angetanzt wurden, bestätigten sich am Montag nicht. Daher wurden jetzt Forderungen laut, in deutschen Tanzschulen spezielle Antanz-Kurse anzubieten, damit die abendländische Bevölkerung einschätzen kann, ob da nur jemand dringend auf Toilette muss oder tatsächlich ein neues Handy braucht. So könnten sinnlose Polizeieinsätze oder Ermittlungen künftig vermieden werden.

Ganz anders GRÜNEN-Direktor Anton Nervenreiter. Er forderte die Markranstädter auf, einfach mitzutanzen. Es gäbe doch nichts Schöneres, als gemeinsam zu feiern.

antanzen

Von wegen fremde Kultur! Im traditionell toleranten Bayern sind schon ganze Dorfgemeinschaften auf den Beinen, um die ersten Schritte im modernen Antanzen zu erlernen.

Außerdem am Montag: Der Todestag der Lindennaundorfer Schranke. Es war Version 4.0, die da nach Walhalla geschickt wurde. Was soll man dazu noch denken, sagen oder schreiben? Ein Upgrade auf 5.0 wird schwierig und der Support für die Vorgängerversionen erwies sich als zu teuer. Ein Schild wäre jetzt nötig. Ja, ein Schild mit dem Hinweis: Das Modul ‚Durchfahrt erlaubt‘ reagiert nicht. Bitte starten Sie neu oder wenden Sie sich an Ihren Systemadministrator.“

Dienstag, 8. März

Der Frauentag sollte eigentlich auch für erwähnte Systemadministratorin ein Freudentag werden. Dazu kam es jedoch nicht. Ein eigentlich für die Nichtöffentlichkeit vorgesehenes Schreiben wurde öffentlich und statt Nelken oder Rosen musste ein ganz anderer Strauß ausgefochten werden.

In übertragenem Sinne wurde der Hausfrau, die sonst nur einen Kasten Bier schleppen muss, eine zweite Kiste in die andere Hand gedrückt, damit sie wenigstens an diesem ihrem Ehrentage gerade laufen kann. Den aufrechten Gang mag man zwar trotzdem etwas anders in Erinnerung haben, aber was tut man nicht alles für die Frauen an ihrem Ehrentag.

bierkasten

Allein bei der Deutschen Post wird man sich über die hier eröffneten Perspektiven freuen. Wenn es Schule macht, dass man seinen Chef per Brigade-Plebiszit in die Wüste schicken kann, müssen bald vor jedem Büro Briefkästen aufgestellt werden. Da erhält nicht nur der Begriff vom „Stempeln gehen“ eine völlig neue Dimension, sondern auch die Sonderbriefmarke als Tagesausgabe mit dem Konterfei des jeweils Geschassten einen geradezu inflationären Sammlerwert.

Mittwoch, 9. März

Der Frauentag ist vorbei. Zeit für den Mann, mal wieder an sich selbst zu denken. Macht ja sonst keiner. Im Gegenteil. Die ARD berichtet beispielsweise: „Im Südsudan herrschen Brutalität und Gesetzlosigkeit von erschütternder Dimension. Frauen werden vergewaltigt und erschossen. Regierungstruppen ermorden Kinder und Behinderte.“ Man könnte fast meinen, dass Männer dort per se in Ruhe gelassen werden, aber dem ist nicht so.

Man muss nur zwischen den Zeilen lesen, um mitzukriegen, wie perfide diese Medien ihre Berichterstattung aufbauen. Mit Frauen, Kindern und Behinderten lassen sich die Herzen der Konsumenten natürlich viel emotionaler erreichen als mit Männern, von denen sowieso jeder Tote ein potenzieller Kinderschänder und Vergewaltiger weniger ist.

Die Krone der Berichterstattung erwarb sich jedoch der Nachrichtensender n-tv mit folgender Information: „Bomben auf Frauen und Kinder: Die USA haben im Zusammenhang mit der Offensive um Aleppo schwere Vorwürfe gegen Russland und den syrischen Machthaber Baschar al-Assad erhoben. Der amerikanische Außenminister Kerry sagte laut CNN, Russland treffe mit seinen Luftangriffen zu großen Teilen auch Frauen und Kinder.“

Die Botschaft ist unmissverständlich: Bomben bitte nicht auf Frauen und Kinder, sondern nur auf Männer!

ghraib

Frauentag in Abu Ghraib. Während die Russen unschuldige Frauen, Kinder und Behinderte bombardieren, zeigen weibliche GI’s der US-Army, wie man es richtig macht. Normalerweise sind Männer dabei nackt. Weil das aber die Kirche in den USA nicht gern sieht, steckt man die Models vor dem Shooting in Klamotten oder retuschiert die Geschlechtsorgane gleich bei der Ankunft mit einem Feldmesser.

Da kann man als Frau doch ruhig mal ein Auge zudrücken, wenn die maskulinen Untermenschen am Tag nach dem Frauentag auch mal an sich denken möchten. Wir bekommen jedes Jahr unsere Blumen in die warme Hand gedrückt, während der amerikanische Außenminister florale Grüße an die Männer nur an deren Gräbern vorsieht. Ein wenig Mitleid mit den gesellschaftlich ausgegrenzten Schwanzträgern täte uns allen gut, auch hier in Markranstädt. Lasst ihnen ihr Bier, ihr Leben ist kurz genug.

Donnerstag, 10. März

Es war wieder mal ein „zweiter Donnerstag“, oder ein „jeder zweite Donnerstag“, ganz wie man will. Zu erkennen gibt sich dieser spezielle Wochentag immer erst in den Abendstunden, wenn sich vor der Treppe zum Bürgerrathaus eine stetig schrumpfende Zahl fragender Bürger versammelt. Aber der Schein trügt im Zwielicht der untergehenden Sonne und aufflackernden Straßenlampen.

So signifikant, wie die Zahl teilnehmender Markranstädter sinkt, so umgekehrt proportional scheint sich die Zahl der Demo-Touristen aus den Anschlussgebieten zu entwickeln. Selbst ein Franzose kam auf einer früheren Veranstaltung schon zu Wort und auch diesmal schien für so manchen Besucher aus einem angrenzenden Gau die Zeit langsam reif zu sein, dass sich endlich mal wieder ein Österreicher das Mikro schnappt.

Ungeachtet dieser gewöhnungsbedürftigen Form internationaler Solidarität haben die auf dem Marktplatz gestellten Fragen mehrheitlich ihre Berechtigung. Aber allein die Vorstellung, dass der Bürgermeister neben dem Studium von Brandbriefen aus dem Baumamt auch noch Strategien entwickeln soll, mit denen er im Alleingang das TTIP-Abkommen kippen kann, bietet so viel satirisches Potenzial, dass es reicht, erst wieder im warmen Sommer zum „jeden zweiten Donnerstag“ zu kommen.

Freitag, 11. März

Da war doch was? Ach ja, vor fünf Jahren – Fukushima. Weit weg und man erinnert sich eigentlich nur noch an die fast stündlichen Auftritte des japanischen Regierungssprechers Edano, der ein neues Zeitalter der Informationspolitik einläutete. Was wurden wir verarscht damals! Das Portfolio wissenschaftlich klingender Ausflüchte reichte bis hin zum Begriff einer „zeitweisen Kernschmelze“.

Selbst öffentlich-rechtliche Journalisten haben diesen Blödsinn nicht nur dienstbeflissen in ihre Blöcke notiert, sondern waren sich danach auch nicht zu schade, das noch rund um den Globus zu schicken. Dabei ist eine zeitweise Kernschmelze ebenso sinnfrei wie ein vorübergehender Tod oder durchfallähnliche Verstopfung. Aber was glaubt man nicht alles, wenn allein die Hoffnung fehlt?

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Nicht die Fischgründe sind hier erkennbar, sondern die nukleare Verseuchung des Pazifik.

Inzwischen zählen die rhetorischen Pirouetten Edanos weltweit zur Grundausbildung jedes Pressesprechers.

Fukushima, auch das will man nicht wahrhaben, hat fünf Jahre nach der Katastrophe Markranstädt erreicht. Ein Blick auf die Karte zeigt, wie hochgradig der Pazifik inzwischen radioaktiv verseucht ist. Nicht nur Umweltverbände geben zu, dass es im Pazifik quasi keinen Fisch mehr gibt, der nicht radioaktiv kontaminiert sei.

Ein Blick auf die Pazifikfisch-Bestände in den Supermarkt-Regalen unserer Stadt lässt Böses ahnen und Edano grüßen. Bald wird es wohl Fisch aus der pazifischen Ostsee (mit zertifiziertem EU-Herkunftssiegel) oder Haifischsuppe aus der Müritz geben.

Und natürlich hilft gegen Impotenz ebenso wie gegen Cellulite in jedem Stadium und vielleicht sogar als Aphrodisiakum nur das liebevoll marinierte Geschwür eines vor der japanischen Küste angelandeten Heilbutts. Alles nur eine Frage der Werbung und der Hoffnung. Öffentlichkeitsarbeit eben.

Samstag, 12. März

Rund 3.000 Asylbewerber leben gegenwärtig im Landkreis. Wie die lokale Presse mitteilte, lernen 409 von ihnen gerade die deutsche Sprache. Das sind 13,6 Prozent. Von den ursprünglich 16 gemeldeten Teilnehmern am Basis-Kurs in Markranstädt seien lediglich sieben zur Prüfung erschienen.

Die Abbruch-Quoten bereiten Sorgen. Auf der Suche nach den Gründen wurde einer allerdings sträflich vernachlässigt. Mit Fibel-Zitaten wie „Nina spielt“ oder „Tom fährt Roller“ kommt heute niemand mehr durch den deutschen Alltag. Das wissen auch Afghanen und Syrer spätestens seit ihrer Ankunft.

Dagegen dürften realitätsnahe Dialoge wie „Hey Motherfucker, hasse ma ’n Euro?“„Fick tüsch selba, du Opfa!“ wohl kaum Bestandteil des Lehrplans sein.

Und angesichts der Tatsache, dass selbst gestandene Germanisten die angeblich in deutsch gefassten Satzungen und amtlichen Bekanntmachungen ihrer eigenen Volksvertreter nicht mehr verstehen, ist es nachvollziehbar, dass einem Syrer da gleich in der ersten Unterrichtsstunde die Motivation abhanden kommt.

deutsch

Nur einige Beispiele von vielen für die großen Herausforderungen, vor denen der deutsche Lehrkörper nicht nur bei Basis-Kursen für Asylanten steht.

Es könnte also auch der Ausdruck eines unerwarteten Pragmatismus sein, wenn Asylbewerber ihren Deutsch-Kurs abbrechen. Ob man eine „Erstreckungssatzung über die abwasserrechtliche Behandlung vollbiologischer Kleinentsorgungseinheiten im öffentlichen Verkehrsraum“ auf deutsch oder auf arabisch nicht versteht, macht schließlich keinen Unterschied.

Es sei denn, auch der Bundesbürger müsste noch einmal die Schulbank drücken. Dazu müsste es aber gewollt sein, dass wir die Satzungsinhalte verstehen sollen und das ist zum Glück nicht der Fall. Diese Motherfucker, die.

Sonntag, 13. März

In Anhalt drüben ist Wahltag. Das ist traditionell der Versuchsballon für die kommenden Urnengänge bei uns im Freistaat. Der Postillon meldete schon mal, dass sich NPD und AfD zur NfDAP zusammenschließen wollen. Mal sehen, wie die Nationaldemokratische für Deutschland Alternative Partei abschneidet.

nfd

Ansonsten gilt am Sonntag: Frei! Auch fürs Hirn. Endlich mal. Ist ja nicht mehr zum Aushalten, wenn man sich über alles Gedanken machen soll oder will. Apropos Will: Sonntag ist Anne-Will-Time.

Sie wissen schon: Die Sendung, in der sendungsbewusste „Experten“ über Flüchtlinge, Minister oder Angela Merkel reden, aber nie mit ihnen. Will – der Name hat was. Wenn Will kommt, will man doch gleich und gern ins Bett gehen.

Nie fiel das leichter in der Geschichte des Deutschen Fernsehens. Und wichtig ist viel Schlaf außerdem. Die kommende Woche wird sicher wieder ein harter Brocken.

 



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