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Treppenwitz oder doch ganz anders?

Die Mietpreissteigerungen in Markranstädt sind in den letzten drei Jahren in einen zweistelligen Prozentbereich reingeklettert, die Nachfrage fast ebenso. Zumindest für das zahlungskräftigere Wohnpublikum wird aber Entlastung geschaffen. Das Kaiserliche Postamt ist fertig und mit dem Neubau in der Eisenbahnstraße 20 geht’s auch sichtbar voran. Ein Blick ins Konzept und die öffentlich zugänglichen Planungsunterlagen wirft aber Fragen auf.

Einfach zu finden ist das Projekt im Internet nicht. Die Suchmaschinen listen bei Begriffen wie „Markranstädt Neubau Eisenbahnstraße 20“ oder ähnlichen Kombinationen alles mögliche auf, bis hin zu den allabendlichen Bandenkriegen im Brennpunkt in der Eisenbahnstraße in Leipzig.

Man muss die Tastatur schon etwas geduldiger bemühen, um auf die wohntraumsite.wordpress.com zu gelangen. Dafür wird man dann aber mit jeder Menge sympathischer Informationen entschädigt. Im Konzept des Gebäudes, das nach Fertigstellung sechs Wohnungen beherbergen soll, wird geradezu inflationär mit barrierefreien Formulierungen agiert. So heißt es unter anderem:

  • sämtliche Wohnungen sind durch Aufzüge barrierefrei erreichbar
  • alle Wohnungen erhalten einen barrierefreien Zugang zum Treppenhaus und zur Pkw-Garage
  • Müll- und Fahrradabstellplätze ebenerdig im Außenbereich
  • barrierefreie und ebenerdige Duschen
  • schwellenlose Türdurchgänge

So weit, so gut. Zwei Maisonette-Wohnungen sowie vier Lofts sollen entstehen und das treibt die Neugier des Betrachters natürlich zum Klick auf den Button Grundrisse.

Barrierefrei und ebenerdig

Das Erdgeschoss mit Garagen und Abstellräumen kann man dabei wertungsfrei als gegeben hinnehmen. Zumindest befindet sich dort aber auch die Startrampe eines Fahrstuhls, der den barrierefreien Zugang zu den Wohnungen gewährleistet. Top!

Im ersten Obergeschoss angekommen, befinden sich demnach die Türen zu den unteren drei der insgesamt sechs Wohnungen. Es soll sich um zwei Lofts und eine Maisonette handeln.

Beim Betrachten der Zeichnungen ist für den Laien kaum ein Unterschied auszumachen. Es fällt aber auf, dass sich in allen drei Wohnungen Treppen befinden. Was auch dahingehend Sinn macht, da sich sämtliche Wohnungen über zwei Geschosse erstrecken.

Allerdings wären damit der reichlich beworbenen Barrierefreiheit deutliche Grenzen gesetzt. Noch interessanter zeigt sich das Bild, wenn man berücksichtigt, dass sich die als barrierefrei und ebenerdig bejubelten Duschen samt zugehörigen Badezimmern zeichnungsgemäß in der jeweils oberen Etage befinden.

Gehandicapte Bewohner der linken unteren Wohnung (nennen wir sie mal der Einfachheit halber Nummer 1) hätten zumindest noch die Möglichkeit, den unteren Teil ihres Quartiers im Bedarfs- oder Hygienefall zu verlassen (abschließen nicht vergessen!) und über das Treppenhaus mit dem Fahrstuhl ins zweite Obergeschoss zu fahren. Dort befindet sich dann wieder eine Wohnungstür (Schlüssel nicht vergessen!), die den barrierefreien Zugang zu den oberen Räumlichkeiten samt Bad und Dusche – natürlich schwellenfrei – möglich macht.

Stufenweise ins Glück

Für die Mieter der Wohnungen 2 und 3 gilt das jedoch nicht, da im Treppenhaus des zweiten Obergeschosses für sie keine Wohnungstüren vorgesehen sind. Rein satirisch betrachtet, könnte das seine Gründe in der Wahrung einer gewissen Intimsphäre haben. So können die Mieter von Wohnung 1 nicht gesehen werden, wenn sie nach dem Duschen im Bademantel via Treppenhaus wieder abwärts ins Wohnzimmer fahren.

Vor solch existenziellen Fragen stehen die Mieter der Wohnungen 4, 5 und 6 im dritten bis Dachgeschoss allerdings nicht. Die Grundrisse weisen klar aus, dass der Lift ohnehin nur bis zum dritten Stock fährt. Die im Dachgeschoss konzipierten Bäder mit ihren barrierefreien, ebenerdigen Duschen sind hier, glaubt man den Zeichnungen, nur über die Treppen innerhalb der Wohnungen zu erreichen.

Es ist nicht so, dass diese Merkmale im Widerspruch zum dargelegten Konzept stünden. Die Wohnungen sind barrierefrei zugänglich (davon, dass man sich barrierefrei in ihnen bewegen kann, steht nichts geschrieben), die Duschen mögen ebenfalls ebenerdig sein und auch den schwellenlosen Türdurchgängen soll ihre Funktion nicht in Abrede gestellt werden. Also korrekt ist es schon, was da beschrieben wird und entstehen soll.

Bliebe halt nur die Frage, welchen Sinn fünf ebenerdige, barrierefreie Duschen machen, wenn man sie nur über Treppen erreichen kann?

Aber zum Glück steht auf der Wohntraumsite auch geschrieben, dass die Grundrisse noch vereinzelten Änderungen unterliegen könnten. Vielleicht werden die Wohnungstreppen ja noch durch Flaschenzüge ersetzt? Eine kleine, aber wirksame Investition, die man eventuell sogar auf die Miete umlegen kann.

So viel zu den satirisch verwertbaren Hintergründen. Allerdings sind auch allein dem Humor verpflichtete Schmierfinken nicht unfehlbar. Gerade dann nicht, wenn es um die Interpretation wissenschaftlich fundierter Bauzeichnungen geht. Es kann also durchaus sein, dass wir beim Betrachten der Schnittmusterbögen nur gesehen haben, was wir zu sehen hofften oder glauben wollten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Am Ende ist es ganz anders, der Fahrstuhl hält in jeder Etage und hat an allen vier Seiten Türen? Oder es sind gar keine Treppen, die da innerhalb der Wohnungen aufgemalt wurden, sondern rollstuhlgerechte Rampen?

Vielleicht finden Sie, liebe Leserinnen und Leser, unseren Trugschluss und geben den ebenerdigen, barrierefreien Duschen schlussendlich doch den ihnen angedachten Sinn? Das wäre doch mal eine frohe Botschaft in dieser weihnachtlichen Zeit.

 



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