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Apocalypse now: Ein Neujahrsspaziergang

Punkt 23:58 Uhr war der am 31. Dezember ausgebrochene Häuserkampf in Markranstädt beendet und die Sekt-Milizen stellten sich der offenen Auseinandersetzung auf den Straßen der Stadt. Bis auf vereinzelte Gefechte war die Schlacht in den Morgenstunden beendet. Das neue Jahr wurde traditionell mit vom Geruch verbrannten Schwarzpulvers geschwängerter Luft und tonnenweise Müll begrüßt.

Da der Kampfmittelbeseitigungsdienst bis zum Neujahrs-Abend noch nicht ausgerückt war, bot sich dem Spaziergänger in der Stadt ein chaotisches Bild. Während sich die Hauptkampfzonen vor den Gaststätten und der Stadthalle erfreulicherweise aufgeräumt zeigten, glichen die Parkplätze vor den Einkaufszentren Markranstädts eher den Schlachtfeldern vor Bagdad. Nicht nur leere Geschosshülsen lagen dort herum, sondern auch die zu Abschussrampen zweckentfremdeten Sektflaschen und ganze Verpackungen der Munitionslieferungen.

Was am Tag nach der Schlacht auffiel: Während die Parkplätze vor Aldi, Netto, Lidl und REWE im Munitionsmüll geradezu erstickten, waren unmittelbar daneben gelegene Wohngebiete und hier vor allem die neuen Eigenheimsiedlungen – beispielsweise die an der Schachtbahn – geradezu jungfräulich sauber. Sowohl Straßen als auch Gärten und Grundstücke präsentierten hier wie zu Friedenszeiten, als hätte es Silvester nie gegeben. Es hatte den Anschein, als hätten sich deren Bewohner der Strategien des US-Militärs angenommen, dafür gesorgt, dass die Kriegschauplätze an andere Orte verlagert werden und haben auch ihre Einheiten dahin verlegt. Clever!

Was Banken dürfen, das muss schließlich auch für den einfachen Bürger gelten: Spaß haben, zündeln und nach dem großen Knall die Konsequenzen sozialisieren. Das Aufräumen ist immer Sache der ganzen Gesellschaft. Also haben die Müllmänner in den folgenden Tagen wieder alle Hände voll zu tun. Nur wehe, wenn wieder mal die Entsorgungskosten steigen sollen. Da liegt der Gedanke nicht fern, dass ausgerechnet die am lautesten protestieren, die pünktlich zu Silvester wieder tonnenweise Schwarzpulver in den Himmel jagen. Koste es, was es wolle.

Um die Schönheit eines bunten Raketen-Lichtspiels am Himmel zur Begrüßung des neuen Jahres geht es scheinbar längst nicht mehr. Laut knallen muss es. Dass da in den kommenden zwölf Monaten auch mal ein Echo erhallen kann, wird am Tag danach gern ignoriert. Willkommen im Jahr 2015.

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