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Keine Angst vor lebenden Männchen

Am 20. September wählt Markranstädt ein neues Stadtoberhaupt. Alle drei Kandidaten haben sich freiwillig an den satirischen Lügendetektor anschließen lassen. Was sie vorher nicht wussten: Wir haben das Gerät mit dem örtlichen Drehstromnetz verbunden und ihnen so lange 380 Volt Humor durch die Adern gejagt, bis sie über ihre Idee zur Kandidatur selber lachen mussten. Bevor die Verhörprotokolle einem Whistleblower in die Hände fallen, veröffentlichen wir sie an dieser Stelle lieber gleich selber.

Heute: Herausforderin Nadine Stitterich

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Es gibt Leute, denen wird Selbstverliebtheit vorgeworfen, weil sie im Internet nach sich googeln. Wie ist es bei Ihnen: Sind Sie so eitel, dass Sie sich am 20. September selber wählen?

Natürlich nicht, deshalb gebe ich jedem der drei Kandidaten eine Stimme, dann hat jeder etwas davon.

Vor Gericht werden viele schräge Dinge oft damit erklärt, dass der Delinquent eine schwere Kindheit hatte. Was muss einem Menschen widerfahren, dass er Bürgermeister werden will?

Ich habe in den letzten Jahren viele Dinge in meiner Heimatstadt erlebt, die nicht so toll gelaufen sind. Und deshalb will ich Bürgermeisterin werden und es besser machen.

Bei ihren Vorstellungen geben die Kandidaten gern ihren Familienstand an. Ist es von Vorteil, wenn man verheiratet ist oder geht’s nur darum, durch das automatische Vorhandensein einer Schwiegermutter in Sachen Mitleid zu punkten?

Natürlich ist es ein Vorteil: Denn eine Ehe ist wie ein Vollbad. Das Einlassen war dabei das Wichtigste. Und wenn man sie immer schön warm hält, kann man sie herrlich aushalten, bis man ganz schrumpelig ist.

Apropos Ehe: Was tun Sie, wenn raus kommt, dass Ihr Mann einen Anderen gewählt hat?

Nichts. Er darf ja auf ein falsches Pferd setzen. Gut für mich, er weiß wo das Kochbuch steht.

In der Kernstadt ist vor allem nachts zunehmend optimistische Stimmung zu vernehmen. Böse Zungen behaupten, das läge an den billigen Drogen und fordern vom neuen Stadtoberhaupt, die Preise endlich ans Westniveau anzupassen. Haben Sie eine bessere Idee?

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Diese positive Stimmung habe ich auch vernommen. Das liegt an dem zufriedenen Gefühl nach jedem Sporttraining.

Ich unterstütze die zusätzliche Ausschüttung von Glückshormonen mit einer Extraportion guter Laune und einer weitreichenden Unterstützung unserer Vereine. Das in Kombination ist sowieso die beste Droge und steigert das Glücks und Lebensgefühl von uns allen.

Weil wir gerade dabei sind: Alle drei Kandidaten wohnen auf dem Lande und damit ziemlich weit weg von der Realität. Was wissen Sie über das Nachtleben in der Kernstadt?

Was ich über das Nachtleben weiß, weiß ich nur noch vom Hörensagen. Denn ich stehe heute zu den Zeiten auf, zu denen ich früher nach Hause gekommen bin.

In der Stadtverwaltung sind mehr als doppelt so viele Frauen beschäftigt wie Männer und auch der Umgang mit den Minderheiten (Beispiel: Anzahl der Männertoiletten) ist geradezu menschenverachtend. Von der Schkeuditzer Straße aus können völlig unbeteiligte Passanten sogar sehen, wenn sich ein Mann im grünen Salon am Sack kratzt. Wie wollen Sie das ändern?

Ich werde ein großes Kontingent Dixi-Toiletten beschaffen, die sind blickdicht.

Sind Sie sicher, dass niemand Sie im Wahlkampf wegen Ihrer Vergangenheit zu Fall bringen kann? Sie hätten jetzt noch die Chance, sich zu erklären. Also: Haben Sie jemals in Ihrem Leben „Neger“ gesagt, einem Mann auf den Schritt geschaut oder war Ihr Opa vielleicht mal im Auslandseinsatz? Immer raus damit, wir alle müssen uns unserer Vergangenheit stellen.

Ich stelle mir ernsthaft die Frage, woher Sie das alles wissen?

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Da haben Sie mich jetzt ertappt: Im Hinblick auf meinen übermäßigen Genuss an Grabower Schaumküssen in meiner Kindheit muss ich mich leider schuldig bekennen.

Wir wollen jetzt nicht wieder alte Gräben aufreißen, müssen das aber trotzdem fragen: Glauben Sie, dass Markranstädt schon wieder bereit für eine Frau als Bürgermeisterin ist? Und falls ja: Welche Farbe wird das rote Sofa in Ihrem Dienstzimmer haben?

Die Frage sollte eigentlich sein, ob Markranstädt wieder bereit für einen Mann als Bürgermeister ist. Und ein rotes Sofa hat übrigens immer die Farbe rot, egal ob ich Bürgermeisterin bin oder nicht.

Sie sind die einzige Kandidatin, die wirklich in Markranstädt geboren wurde. Sind Sie damit nicht erpressbar, wenn beispielsweise Ihre erste Jugendliebe einen nicht genehmigungsfähigen Bauantrag durchsetzen will, indem er mit der Preisgabe pikanter Einzelheiten droht?

Bei dieser Frage muss ich mich ernsthaft fragen, wer hier vor wem Angst haben sollte. Zeigen Sie mir doch bitte mal ein lebendes Männchen einer schwarzen Witwe.

Wie Sie vielleicht ahnen, ist unseren Lesern eigentlich völlig egal, was Sie bisher geantwortet haben. Wichtig sind allein der Unterhaltungswert und der Spaßfaktor. Letzte Gelegenheit für Sie, ein paar nachhaltige Punkte für Ihren Stimmzettel zu sammeln: Fünf Zeilen für Ihren Lieblingswitz …

Wenn es den Lesern eh egal ist, was ich bisher geantwortet habe, dann kann ich ja hier anstatt einer Antwort schreiben: Wählen Sie mich am 20. September unbedingt, denn ich bin nicht nur unabhängig, sondern auch kompetent, engagiert und humorvoll. Vielen Dank 🙂

 



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2 Comments to Keine Angst vor lebenden Männchen

  1. Mario Schneider sagt:

    Charmant, witzig, unbedingt wählbar!

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