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Keine Chance bei Zehn gegen Zwölf

Es war alles angerichtet. Pünktlich zum Anpfiff hatte sogar der Heiland Interesse am Relegations-Rückspiel und ließ Petrus die Wolken beiseite schieben, damit sie ihm die Sicht auf das Stadion am Bad nicht versperrten. Spätestens Mitte der ersten Halbzeit müssen dem Herrn aber bei einem der Akteure da unten auf dem Rasen ernsthafte Zweifel am Sinn seiner Schöpfung gekommen sein. Und das ausgerechnet bei dem, der keins der beiden Mannschafts-Trikots trug.

Gefickt eingeschädelt: Die Zuschauerränge gegenüber der Tribüne, wo die Fernsehkamera stand, war gesperrt. So musste sich das Gros des Publikums auf der Tribünenseite sammeln.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Zumindest für die Fensehzuschauer sah es so aus, als wäre im Stadion am Bad endlich mal wieder volle Hütte gewesen, was sich die Mannschaft angesichts ihrer Leistungen wirklich auch mal verdient hätte. War aber nicht. Selbst die offiziell gemeldete Zahl 1.000 wurde im Publikum vielfach angezweifelt.

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Sieht nach viel aus, wenn sich’s an der Tribünenseite zusammenschiebt…

Es ging um den Aufstieg in die Regionalliga. Da sollte auch der Schiedsrichter mindestens Oberliga-Format haben. Das hatte der Eisenacher Eugen Ostrin zweifelsfrei, jedoch eher nicht in der Sportart Fußball. In Großlehna beim Schach oder gleich gegenüber des Stadions bei den Keglern, da hätten sie ihn vielleicht gern genommen. Aber bei der Fußball-Begegnung zwischen Markranstädt und Luckenwalde war er einfach nur ein mitentscheidender Störfaktor.

Am frühen 0:1 hatte er allerdings wenig Anteil. Den Freistoß in der 1. Minute konnte man geben. Ein tückischer Aufsetzer aus 25 Metern auf nassem Rasen. Jokanovic fiel wie eine Bahnschranke, konnte das Ding nicht fassen. Unser MN-Fotograf auf der Tribünen-Gegenseite hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal die Kamera ausgepackt. Nach dieser kalten Dusche stand quasi alles auf Anfang. Bis zur 19. Minute.

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Seinem förmlichen Antrag gegen Robben wurde stattgegeben: Rot für Zickert.

Luckenwaldes Robben macht gegen Zickert den Prellbock. Noch bevor der Referee pfeifen kann, springt der Neu-Lokist mit einem gekonnten Hock-Streck-Sprung (Haltungsnote 1,2) auf und legt Robben dabei nicht ganz freundschaftlich die Hände auf die Schultern. Dem Luckenwalder werden ob so viel Zärtlichkeit die Knie weich und er sinkt zu Boden. Es folgt ein langer und reger Gedankenaustausch zwischen allen Akteuren. Am Ende bekommt Robben Gelb und Zickert fliegt mit Rot vom Platz.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt war klar, dass Zickert mit seinem Wechsel zu Lok keinen Fehler gemacht hat. So oder so wäre in der kommenden Saison bestenfalls Oberliga für ihn drin gewesen. Noch aber hoffte das Publikum, wenngleich in dessen Reihen bereits erste Verschwörungstheorien laut wurden. Dazu später.

Nach dem Platzverweis schien es, als wäre die rote Karte sowas wie ein rektaler Doping-Einlauf für die Lallendorfer gewesen. Phasenweise kamen die Luckenwalder gar nicht mehr aus ihrer Hälfte heraus. Doch immer wenn’s brenzlig wurde, half ihnen der schwarz gekleidete Regel-Interpret von der Wartburg.

Der Mann schien sein Hörgerät auf „Volume max“ gedreht zu haben. Ein Gelber aus Brandenburg musste nur laut genug schreien, schon folgte der Pfiff. Ein Grund fand sich immer. Mal lag der Würfel auf Kippe, dann wieder hätte Markranstädt Trumpf bedienen müssen und schlussendlich wurden wohl auch Schrittfehler gepfiffen Markranstädt biss sich trotzdem vorne fest, leider ohne zählbaren Erfolg. Was dennoch auf des Gegners Kasten kam, fischte dessen Torwart souverän ab.

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Klangvoller Name sorgt für das 0:2. Robben trifft für Luckenwalde.

Aber es ist bei solch einem Männersport wie im wahren Leben einer Frau: Selbst dem leistungsfähigsten Abschnitt folgt irgendwann die unausweichliche Menopause. Manchmal leider auch etwas früh. In diesem Fall bereits in der 37. Minute. Robben, jetzt mit Knie aus Stahl, tanzt in einer nicht ganz schlechten Einzelleistung die linke Abwehrseite aus versenkt die Nille zum 0:2. Nur der verbalen Hormonersatztherapie von Trainer Weber an der Außenlinie ist es wohl zu verdanken, dass dies auch der Halbzeitstand war.

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Mit Drei-Tage-Bart à la Klopp im letzten Spiel als Trainer des SSV: Heiko Weber.

Halbzeit zwei. Noch immer Hoffnung im Publikum, wenngleich inzwischen die abenteuerlichsten Verschwörungstheorien die Runde machten. Die reichten von der Vermutung, dass sich der NOFV eines finanziell angeschlagenen Problemkinds in der Regionalliga lieber gleich im Vorfeld entledigen wolle bis hin zu dem Gerücht, dass der Spielausgang zumindest nicht entgegen Markranstädter Interessen abgekartet wurde.

Angeblich soll für das Stadion am Bad die Genehmigung zur Austragung von maximal 18 Regionalliga-Spielen pro Saison vorliegen. RB Leipzig II plus SSV Markranstädt macht aber zusammen schon mal 36 und selbst ein aus Chemnitz angereister Zuschauer meinte angesichts der für ein Ereignis dieser Kategorie überschaubaren Zuschauerkulisse, dass er da lieber die Miete vom Brause-Mogul nehmen würde.

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Das 0:3 in der 55. Minute. Jetzt war das Ding gelaufen.

Ob da was dran ist, sei dahingestellt. Die auf dem Platz verbliebenen zehn Markranstädter kämpften jedenfalls leidenschaftlich gegen die 11 Luckenwalder und ihren Schiedsrichter. Der taute Mitte der zweiten Halbzeit richtig auf und leistete sich nun sogar Fehlentscheidungen zugunsten der Lallendorfer. Da stand es allerdings schon 0:4. Bald schon nach Ibolds Ehrentreffer hatte auch der Heiland genug und ließ es pünktlich zum Abpfiff wie aus Eimern schütten.

Rest in peace

Um die Eindrücke mal in einem Extrakt münden zu lassen: Der Schiri war nicht schuld an der Niederlage. Sie war folgerichtig, weil Markranstädt zwar die besseren Individualisten hatte, es aber im Abschluss haperte und an diesem Tag auch noch Zickert und Pech hinzu kamen. Luckenwalde ist nicht unverdient aufgestiegen. Punkt!

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Was durch kam, fischte der Luckenwalder Keeper weg.

Es war das auf lange Sicht wohl letzte Spiel einer Markranstädter Elf auf diesem hohen Niveau. Das leistungstragende Gerüst der Mannschaft läuft in der kommenden Saison für andere Teams auf und Trainer Heiko Weber sagte nach der Begegnung klipp und klar: „Ich habe immer gesagt … wenn wir in der Oberliga spielen, bin ich kein Trainer mehr in Markranstädt“.

Ein schöner Traum wars und guter Fußball auch. Lediglich das Sportpublikum aus der Sportstadt am See erwies sich sowohl zahlenmäßig als auch in der Wirkung als nicht regionalligatauglich. Auch am Samstag kamen die Fangesänge wieder nur von den knapp 100 mitgereisten Fans aus Luckenwalde.

 



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