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Mehr Toleranz mit Nr. 128

Ganz Deutschland diskutiert in diesen Tagen über Asyl, Asylanten und Asylrecht. Auch in Markranstädt gab und gibt es dazu Veranstaltungen. Dabei haben wir längst bewiesen, dass wir tolerant sind, mit Minderheiten umgehen können und für jeden Gast eine überwältigende Willkommenskultur bereithalten. Markranstädt ist geradezu ein Hort der Toleranz.

Und das nicht erst seit gestern. Schon vor 25 Jahren wurden bei uns in Sachsen die noch heute deutschlandweit gültigen Maßstäbe für Integration gesetzt. Ganz gleich, ob da ein Verfolgter der Finanzbehörden aus Baden-Württemberg ein Bleiberecht erstritt oder ein höherer Beamter aus einem anderen abgenutzten Bundesland, der in irgendeine Leipziger Verwaltungsstelle delegiert wurde und dort bis zum Erreichen seines Rentenalters die Karriere eines Einheimischen blockieren darf.

Ursprünglich davon ausgehend, dass wir der Bundesrepublik beigetreten sind und nicht umgekehrt, kamen plötzlich ganze Heerscharen gefährdeter Existenzen mit westdeutschem Migrationshintergrund über uns hereingebrochen. Es war, als hätten wir mit der Einheit von außen ein Schott am sinkenden Schiff geöffnet. Und trotz der Tatsache, dass sie jeglichen Integrationswillen vermissen ließen, haben wir sie in unsere Mitte aufgenommen. Nicht einmal Asylanten wie Lothar Späth, der noch nach 25 Jahren koi Wörtle doitsch schwätze tät, hat man aus Ostdeutschland zurück ins Krisengebiet am Neckar abgeschoben.

Manch einer arbeitet sogar

Nicht alle, die mit geleasten Autos zu uns in den Osten kamen, waren Rechtsanwälte, Verwaltungsbeamte, Immobilienhändler oder Banker. Manche haben wirklich Arbeit gefunden und es geschafft, sich zu integrieren. Und so darf in Markranstädt der badische Dachdecker mit dem thüringischen Tierarzt und dem sächsischen Feuerwehrmann an ein und dem selben Stammtisch sitzen, ohne dass er wegen seiner Hautfarbe, seiner Sprache oder Religion diskriminiert wird. Wo bitteschön gibt es sowas sonst noch in Deutschland?

`s Ingrid und `s Hilde

Wir sind tolerant! Wir haben die Flüchtlinge, die sich von Schlepperbanden der Treuhand geführt, todesmutig über die Elbe wagten, aufgenommen und sie sogar dann gewähren lassen, als sie sich anschickten, uns ihr Fast-Food, ihre St. Pauli-Nachrichten und – ja – sogar ihre Frauen aufzuzwingen. `s Ingrid beispielsweise, astreine Saarländerin und als verheiratete Biedenkopf das politische Pendant zu `s Hilde Becker, wurde nach ihrer Flucht aus der einstigen ostfranzösischen Kolonie First Lady in Sachsen! Wir haben sogar jahrelang so getan, als würden wir sie ernst nehmen. Da muss doch die Frage erlaubt sein, was wir noch alles tun müssen, um als tolerant zu gelten?

Sogar Sorben sind wieder an der Macht

Und heute ist das nicht anders. Während die Markranstädter Bürgerschaft bei einschlägigen Seminaren in therapeutisch abgestimmten Dosierungen auf eine aus 127 Menschen (0,8 Prozent der Bevölkerung) bestehende Überfremdung vorbereitet wird, ist ganz Sachsen längst unterwandert von Migranten und Minderheiten.

Wir haben einen sorbischen Ministerpräsidenten, davor hatten wir einen aus dem Sauerland und vor diesem einen aus der Pfalz. Mitten in Markranstädt thront ein Bürgermeister mit ostfriesischem Migrationshintergrund! Er spricht inzwischen sogar schon ganz ordentlich deutsch. Mangelnden Integrationswillen kann man ihm also nicht unterstellen, wenngleich die Beherrschung der Sprache nicht automatisch heißen muss, dass man ihn auch immer gut versteht.

Und was in der Politik zumindest zur Zeit noch undenkbar ist, wurde im Sport bereits vollbracht. Im regionalen Fußball haben wir 70 Jahre nach dem verheerendsten aller Desaster in der deutschen Geschichte schon wieder einen Österreicher an der Spitze. Er hat den Markranstädter Zschampert-Gau bereits vor sechs Jahren annektiert, ohne dass irgendeine alliierte Macht nur einen Deut mehr als wortgewordenen Widerstand entgegensetzen konnte. Hart wie Polster, flink wie Lauda und rot wie ein Bulle – da sage noch jemand, wir wären nicht weltoffen!

Probiersöckchen & Gummihandschuhe

Trotzdem: Auch wenn wir die gleiche Hautfarbe haben, sind die meisten der zwischen 1945 und 1990 entstandenen Rasseunterschiede auch heute noch sicht- und spürbar. Man erkennt sie immer irgendwie, die Einwanderer von Weser, Rhein oder Donau. Es sind die, die am Samstagvormittag den Rasen mähen und in der Siedlung, die einst uns gehörte, durchgesetzt haben, dass jetzt nachmittags Ruhe herrscht. Ihre Frauen ziehen sich Gummihandschuhe an, wenn sie den Geschirrspüler beschicken, nehmen Probiersöckchen mit in den Schuhladen und haben auch sonst viel Reserven. Aber das stört uns nicht, selbst wenn sie sich vor dem Gesichtwaschen den Lidstrich nachziehen.

Wir sind sogar so selbstbewusst, dass wir Zigeuner noch Zigeuner nennen. In Berlin haben Politiker dafür jüngst den Begriff „mobile ethnische Minderheiten“ erfunden. In Markranstädt muss man für solch einen Fausthieb ins Angesicht unserer Muttersprache mit einer Hausdurchsuchung wegen illegalen Drogenkonsums rechnen. Aber wir sind tolerant und bremsen sogar dann für Politiker, wenn ihnen ihr eigenes dussliges Geseier das Hirn zersetzt hat.

Mehr noch! Wir sind stets bemüht, den armen Vertriebenen das Gefühl von Geborgenheit und Heimat zu geben. Mal ehrlich: Wir wären doch vor 1989 nie auf die Idee gekommen, uns beim Bäcker nur zwei Brötchen zu holen oder gar nur ein halbes Brot? Und gleich gar nicht hätten wir uns dafür eine Quittung geben lassen, um die „Teilchen“ am nächsten Tag reklamieren zu können.

Komische Sitten und Gebräuche

Keine Hausfrau und erst recht kein zum Einkaufen geschickter Mann hätte sich die Blöße gegeben, die Verkäuferin zu bitten, das halbe Brot auch noch in Scheiben zu schneiden. Diese Offenbarung eigenen handwerklichen Ungeschicks im Umgang mit Schneidwerkzeugen kam vor 1990 einer sozialen Ächtung gleich. Eine Frau, die kein Brot schneiden konnte, wäre durch die Evolution von ihrer Fortexistenz ausgeschlossen worden. Sie hätte bestenfalls einen Parteisekretär abgekriegt, nicht aber einen Mann.

Aber heute machen wir das. Wir kaufen nur zwei Brötchen, ein halbes geschnittenes Brot und fahren damit wieder nach Hause. So tolerant sind wir.

Die Badehose wahrt das Gesicht

Ach ja: Unsere Kultur haben wir ihnen auch geopfert. Ganz besonders unsere Freie Körperkultur. Sie kamen einfach nicht klar damit, dass ihre Adidas-Bikinioberteile, in die sie ihre von Frühstückscerealien und Oil von Olaf erschlafften Brüste hineingerollt hatten, am Kulki-Strand höchstens negativ auffielen. Letztendlich haben wir uns gefügt, nur um nicht noch länger das ewig nörgelde „Guck mal da, Hans-Wilhelm. Tse, tse, tse, bei der Figur würde ich mir aber lieber was anziehen. Aber so sind sie, die Ossis“ anhören zu müssen.

So kam, was kommen musste: Wo sich einst herzerfrischend blankes Fleisch am Kulki-Strand wälzte und lustiges Gejohle fröhlicher Kinder zu hören war, kacken heute ganze Rudel degenerierter Hunde hinter die Büsche. Unsere Toleranz ist geradezu grenzenlos.

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Kennen wir noch aus dem Schul-Atlas: Links war der Westen, rechts die DDR. Aus einem verkniffenen Hintern kommt selten ein fröhlicher Furz.

Manche Dinge aber haben wir uns nicht nehmen lassen. Da haben wir sie gründlich verarscht, die Migranten aus dem Abendland. Als schnell lernende, überlegene Rasse haben wir keine vier Wochen gebraucht, um dahinter zu kommen, dass die auf Etiketten abfahren, statt auf den Inhalt zu gucken.

So heißt der ehemals operative Vorgang der Stasi heute Rasterfahndung, die Poliklinik haben wir mal Ärztehaus und mal Medizinisches Versorgungszentrum genannt und das Politbüro heißt heute Kanzleramt. So konnten wir sogar nahezu unbemerkt eine FDJ-lerin zum Bundeskanzler machen. Wir sind nicht nur tolerant, sondern wir können uns diese Toleranz auch leisten. Weil wir strategisch überlegen sind!

Die falschen Verdächtigen

So – und da will uns, die wir so tolerant und mächtig sind, jetzt jemand erklären, wo das Problem mit 127 wirklich verfolgten, schutzbedürftigen Menschen liegt, die auch noch so in der Stadt verteilt werden, dass sie kaum auffallen? Da sollen wir wirklich auf Leute hören, die uns Glauben machen wollen, dass da potenzielle Diebe zu uns kommen, wegen denen wir unsere Haustüren verbarrikadieren müssen, während Banker und Politiker sowas von Büros aus erledigen, die wir ihnen sogar noch bezahlen?

Zu überzeugend geschauspielert?

Echt jetzt – so doof sind wir nun auch wieder nicht, auch wenn wir uns seit 25 Jahren alle Mühe geben, wenigstens den Anschein zu vermitteln. Aber wahrscheinlich haben wir das zu echt gespielt und man glaubt uns das jetzt? Jedenfalls münden die Zweifel an unserer Toleranz in dem Vorschlag, im Rathaus jemanden einzustellen, der sich um die 127 Leute kümmert. Natürlich kann das nicht ein x-beliebiger Irgendjemand sein. Es müsste sich schon um eine Fachkraft handeln, die fließend arabisch spricht, die libysche Kultur versteht, syrisch schreiben kann und zu allem Überfluss die deutsche Bürokratensprache beherrscht.

Nummer 128 soll es richten

Tja, und weil das hier im Osten wahrscheinlich niemand kann, müssen wir wohl schon wieder einen Blender aus dem Abendland holen, der das zwar auch nicht beherrscht, dies jedoch so überzeugend, dass er in Markranstädt bequem sein Rentenalter erreicht. Obwohl noch niemand weiß, wer das sein könnte, hat er im Lallendorfer Volksmund schon seinen Namen weg: Herzlich willkommen Nummer 128.

 



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3 Comments to Mehr Toleranz mit Nr. 128

  1. Toni Lenk sagt:

    Tolle Satire und viel Wahres

    Grüße Toni

  2. Peter sagt:

    Sehr gut wieder geschrieben, wie immer.
    Nur irgendwann ist auch jede Toleranz überstrapaziert, dann wenn es zuviel wird, ausgenutzt wird oder die eigenen Bürger vergessen werden, in dem Sie weniger zu erwarten haben und bekommen wie eben die Menschen mit denen wir Toleranz üben sollen.
    Denn genau der Punkt ist es dann auch der die menschen auf die Strasse treibt.

    • -st- sagt:

      In der Tat wäre wohl vieles einfacher gewesen, wenn sich unsere gewählten Bundes-Volksvertreter der Mühe unterzogen hätten, uns vorher aufzuklären bzw. zu informieren und dann unsere Zustimmung eingeholt hätten. Statt dessen haben sie in unserem Namen einfach zugestimmt und gedacht, dass es wieder mal völlig ausreicht, uns auf unsere unsägliche Vergangenheit aufmerksam zu machen. Das funktioniert aber nicht mehr und deshalb geschahen auch solche Sachen wie Pegida.
      In Markranstädt hat man aber frühzeitig den Dialog eröffnet und informiert. Frau Lehmann und Herr Zemmrich waren da federführend und man kann sich als Markranstädter nicht beklagen. Es scheint aber in der öffentlichen Diskussion angebracht, dass man zwischen Einwanderern und Asylsuchenden unterscheidet. Menschen, die verfolgt werden, sollten immer einen Anspruch auf Hilfe haben. Das ist ein zutiefst humanistisches Anliegen, das sogar Primaten eigen ist. Und jedem Fremden per se zu unterstellen, dass er ein potenzieller Krimineller ist, das ist auch nicht der richtige Weg.
      Egal wie: Auch bei den Diskussionen in Markranstädt wurde in Bezug auf die Asylanten immer wieder das Wort „Problem“ verwendet und das ist dumm und gefährlich. 127 Fremde sind kein Problem. 2000 Fußballfans, die den Marktplatz in Scherben legen, dagegen schon. Was man gelten lassen kann, ist das Argument der Zuwendung. Ein Migrant bekommt professionellen Beistand beim Ausfüllen von Formularen, damit ihm ja kein Euro entgeht. Er wird auf Ämter und Behörden begleitet etc. Das sollte auch und gerade für Hartz IV-Empfänger, Arbeitslose oder Rentner gelten, die in ihrem einstigen Arbeitsprozess die Grundlage dafür schufen, dass Asylbewerben heute so viel Zuwendung widerfahren kann. Bei Hartz IV-Empfängern macht sich auch kein Grüner oder Roter Wollfussel Gedanken darüber, wie man ihn korrekt bezeichnen sollte. Zigeuner beispielsweise werden mal als „Rotationseuropäer“ und mal als „mobile ethnische Minderheit“ bezeichnet. Wahnsinn! Da muss man erst mal genug geistigen Freiraum haben, um auf solchen Dünnschiss zu kommen. Warum hat man sowas noch nicht für Hartz IV-Empfänger gefunden? „Bevölkerungsgruppe mit wertschöpfungsfernem Alltagsablauf“ etwa. Ganz einfach: Weil man damit zugeben würde, dass sie genauso hilfsbedüftig sind und man ihnen dann genauso helfen müsste. Das ist der Punkt! Aber das kann und darf man nicht auf dem Rücken von Asylbewerbern austragen, sondern muss es denen vors Gesicht halten, die dafür verantwortlich sind.

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