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Nach Treuhand und Bankern nun auch noch echte Wölfe

Im Juni 2014 lief eine unscheinbare Meldung durch die Presseticker. In der Dübener Heide wurde ein Wolf gesichtet. Wenige Tage später lag dann auch der mit einer Wildkamera (Fotofalle) geschossene Beweis vor. Nachdem in den Jahren davor Sichtungen in der Dahlener und Annaburger Heide sowie in der Lausitz und davor in der Oberlausitz bekannt wurden, war klar, dass das Volk des Isegrim sich auf der Suche nach Asyl westwärts bewegt. Rein statistisch muss der erste Wolf irgendwann um den 17. Juli 2015 die Grenzen von Markranstädt überschreiten. Seebenisch, so scheint es, rüstet sich zum Kampf.

Kein Scherz: Der Landkreis Leipzig gilt seit 2012 als „Wolfserwartungsgebiet“. In Fachkreisen wurde schon länger hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, dass die Rotkäppchen und Geißlein fressenden Viecher längst da sind. Gerissene Schafe und andere friedliche Opfer analoger Haustierhaltung werden zur Vermeidung unnötiger Panikmache wahrscheinlich lieber Sodomisten in die Schuhe geschoben.

Dass die Rückkehr der Wölfe aber ein realistisches Szenario ist, beweist allein die Tatsache, dass Sachsens Umweltministerium schon vor vier Jahren ein „Wolfsmanagement“ entbunden hat, das auch den Landkreis Leipzig umfasst.

Die große Zeitung mit den vier Buchstaben, die niemand liest und sich trotzdem millionenfach verkauft, titelte bereits im Dezember 2012: „Wölfe ziehen bald durchs Leipziger Land!“ Was weder die investigative Tageszeitung berichtet, noch in anderen Medien zu erfahren ist: Das am nächsten an Markranstädt existierende und registrierte Rudel lebt nur 70 Kilometer von Lallendorf entfernt in der Annaburger Heide. Moment mal: 70 Kilometer, da war doch was? Genau!

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Was rumpelt und pumpelt da in meinem Bauch herum? Ich dachte, es wäre das Rotkäppchen, dabei habe ich einen Wahnsinns-Kohldampf.

Bis zu 70 Kilometer legen die Tiere in einer Nacht zurück. Wer schon mal wegen Durst nur zwei Kilometer zur Kneipe gelaufen ist, kann ahnen, wie groß der Hunger sein muss für die 35-fache Strecke. Durst, Hunger oder Trieb? Rotkäppchen soll ja eine ziemlich scharfe Braut und ihre Oma eine attraktive Milf gewesen sein, die nicht nur einen ordentlichen Schinken unterm Rock hatte, sondern außerdem noch auf Rotwein stand.

Erster Wolf gesichtet und fotografiert

Jetzt ist es nun offiziell, was Jäger und Heger aus unserer Region schon seit fast anderthalb Jahren hinter vorgehaltener Hand munkeln. Isegrim ist im Leipziger Revier angekommen. Und das nicht erst gestern. Noch soll es sich um einen Einzelgänger handeln. Da man aber schon im vorletzten Winter Wolfsfährten im Schnee des Neuseenlandes fand, scheint die verharmlosende Situationsbeschreibung für ein Rudeltier wie den Wolf schon etwas zu einsam zu sein. Jedenfalls wurde am 24. Mai am Markkleeberger See erstmals ein Wolf in unserer Region geblitzt und damit ist die Sache jetzt mit Fotobeweis aktenkundig.

Aus Fernsehfilmen (Wolfsziegel) weiß man, wie schlimm die Situation wird, wenn mitten in tiefstem Winter ein einsames Dorf, abgeschnitten von der Außenwelt, von ganzen Wolfsrudeln belagert wird, welche die Dorfbewohner Stück für Stück wegfressen. In Seebenisch, wo neben martialischen Tigern auch eine handvoll mutiger Männer zu Hause ist, scheint man sich für den Verteidigungsfall zu rüsten. Nochmal will man eine Spezies nicht unterschätzen.

Zu schmerzhaft die Erinnerung an den jahrelang währenden und letztendlich trotz Einsatzes animalischer Massenvernichtungsarsenale verlorenen Krieg gegen die Waschbären. Jedes Grundstück hatte seinen eigenen Pearl Harbor. Das darf nie wieder passieren!

Zschampert wird sie nicht aufhalten

Einen Rio Grande gegen den Grenzübertritt unliebsamer Individuen, wie ihn die USA gegen Mexikaner nutzt, hat man in Seebenisch freilich nicht. Der Zschampert wird die Meute hungriger Wölfe nicht lange aufhalten, so viel ist klar. Und einen Schutzwall wie einst in Berlin kann man auch nicht errichten, weil allein Bauantrag und Projektierung so lange dauern, bis vielleicht sogar die Dinosaurier wieder auferstanden sind. Gut – Munkelts Ranch wird sie eine Weile aufhalten, aber was tun, wenn die Ställe von South Seebenisch leergefressen sind?

Wer sich mit seinem Drahtesel auf der alten Bahnlinie Lützen-Lausen-London in Höhe Bahnkilometer 8,8 zwischen Seebenisch und Göhrenz bewegt und seinen Blick dahin schweifen lässt, wo sich bis zur Wende das Latifund von „Renettes Obstplantage“ erstreckte, wird Sonderbares entdecken. Dort sind in letzter Zeit furchteinflößende Geschütztürme aus dem Boden gewachsen. Nach dem Motto „Der Mächtige ist am mächtigsten allein“, hat Seebenisch offenbar zu ersten Maßnahmen der Selbstverteidigung gegen einfallende Wolfsrudel gegriffen.

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Geschützturm zur Wolfsabwehr bei Seebenisch: 360° Sperrfeuer möglich.

Die modernen, hochgerüsteten Geschütztürme sind gut getarnt. Auf den ersten Blick erscheinen sie dem Radwanderer wie konventionelle Hochsitze heimatverbundener Jäger. Doch hinter den Wänden der grob gezimmerten Kanzeln verbirgt sich leistungsfähiges Equipment und modernste Waffentechnologie. Allein die Bestuhlung der Verteidigungsanlagen (einfach mal aufs Foto klicken) erinnert an das Cockpit der Airforce one.

Bequeme Polsterung aus hochwertigem Fasanenleder, das selbst tagelanges Ansitzen kaum zu Rückenproblemen führen lässt, zwei akkurat auf die ergonomischen Ansprüche des Schützen ausgerichtete Armstützen für zitterfreies Zielen, stufenlos verstellbare Drehvorrichtung, die gezieltes Sperrfeuer im Umfeld von 360 Grad problemlos ermöglicht, anatomisch geformte Rückenlehne mit kaum auffälliger „Nick-up“-Kopfstütze und das alles in der Tarnfarbe schwarz – da wird das Jagen zum Wellness-Erlebnis.

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Rund um den Sitz ist zudem noch genügend Platz für die Eiserne Ration. Fünf Bierkästen können problemlos untergebracht werden. Beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Kampf um das Überleben in der Wildnis und den Schutz der Heimat. Die in Modulbauweise hergestellte Verteidigungsanlage am Albersdorfer Weg, direkt an der strategisch wichtigen Fahrrad-Verbindung nach Leipzig, ist mit wenigen Handgriffen erweiterbar. In der Grundausstattung als Capriolet errichtet, ist beispielsweise das patentiert verpackte, aus purer Folie bestehende und nur 50 Gramm schwere Dachmodul in wenigen Sekunden über die Stellung gezogen und bietet dem Schützen ausreichende Sicherheit vor den tückischen Witterungsunbilden des mitteldeutschen Flachlandgebirges.

Dass da im Eifer des Gefechts auch mal ein Hase, ein Feldhamster oder andere zivile Opfer zu beklagen sein können, muss angesichts der Gefahr aus dem Osten hingenommen werden. Bei so viel technischem Equipment kann man schließlich nicht erwarten, dass ein Jäger so lange lauert, bis endlich mal ein böser Wolf vor die Flinte kommt. Und ständig nur Zielübungen auf in 30 Meter Entfernung dahinziehende Radfahrer sind wie Trockenschwimmen in der Wüste. Irgendwann muss der Finger am Abzug schon mal zucken, um Bestätigung zu finden, dass man auch richtig zielen kann.

 



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