Meist sind es die Frauen, die sich darüber ärgern, wenn ein Mann sehr früh kommt. Im vorliegenden Fall ist es allerdings wohl weniger die Ehefrau, die damit Probleme haben könnte. Das frühe Outing von Matthias Hanke dürfte eher bei Nadine Stitterich für Unruhe sorgen. Der Markranstädter Gerichtsvollzieher hat am Donnerstag öffentlich seinen Hut in den Ring geworfen. Damit ist der eigentlich erst für 2027 angesetzte Wahlkampf um den Thron des Bürgermeisters eröffnet!
Zumindest damit hat er der Amtsinhaberin und möglichen anderen Bewerbern um das Bürgermeisteramt in Markranstädt schon sehr viel voraus: Mit dem Verhalten auf sinkenden Schiffen hat Matthias Hanke einschlägige Erfahrungen.
Er gehört zu den Menschen, die sich am 13. Januar 2012 vor der Mittelmeerinsel Giglio auf dem gekenterten Kreuzfahrtschiff Costa Concordia befanden.
Das ist schon mal die erste Kompetenz, die man von einem Stadtoberhaupt von Markranstädt erwartet. Denn wer das überlebt hat, so viel ist sicher, der schafft’s auch in Lallendorf.
Wer das überlebt hat, schafft’s auch in Lallendorf
Jetzt also, 14 Jahre später, begibt sich der 52-Jährige wieder in Lebensgefahr. Diesmal ganz freiwillig. Wie beiläufig, am Ende einer wirklich unterhaltsamen Geschichte, lässt er in der Lokalgazette wissen, dass er als unabhängiger Kandidat bei der kommenden Bürgermeisterwahl antreten will.

In der freien Wirtschaft würde man das eine „Initiativbewerbung“ nennen. Zwar haben es die Spatzen schon lange von den Dächern gepfiffen, aber für Markranstädter Verhältnisse geschah diese Offenbarung ungewöhnlich früh.
Der Unterschied zur Costa Concordia: Kapitän Francesco Schettino ist damals als erster von Bord gegangen. Freiwillig sogar.
Auf so viel verständnisvolles Entgegenkommen sollte Hanke auf der Kommandobrücke des Markranstädter Rathauses nicht hoffen. Gegen die Sesshaftigkeit der Bürgermeisterin sind festgeklebte Kimaaktivisten mobile Rotationsbürger.
„Kapitän auf Brücke!“
Die Kandidatur wird auch in anderen politischen Interessengruppen für Unruhe sorgen. Bisher wurde in Markranstädt die Strategie verfolgt, einen Bewerber so spät wie möglich ins Rennen zu schicken. Da bleibt der Konkurrenz weniger Zeit, Doktorarbeiten nach Plagiaten zu durchwühlen, Stasiakten zu kopieren oder die Biografie nach zweifelhaften Mitgliedschaften in der Pionierorganisation oder der FDJ zu durchforsten.

Wenn Matthias Hanke (links) nicht gerade Keller versiegelt, wechselt er gern mal die Perspektive und schaut sich die Dinge von oben an. Bald auch aus der vierten Etage?
Kaum war die Nachricht raus, klingelten sich am Donnerstag in Lallendorf bereits die Telefone warm. Vor allem hinter der Bewerbung als „unabhängiger“ Kandidat wurde schon erster Unterhaltungswert gewittert. Immerhin sitzt der starke Arm, der Hanke das Mittagessen umrührt und die Bemmen fürs Abendbrot vom Laib schneidet, für die Freien Wähler im Stadtrat. Das riecht nach Zoff im Schkölener Schlafzimmer.
Wie will Hanke seine Unabhängigkeit glaubhaft rüberbringen? Hat er im Ehevertrag eine Ausstiegsklausel und steigt auf monogame Selbstversorgung um oder brauchen die Freien Wähler bald einen Nachrücker in der vierten Etage? Es wird spannend.
Mahnbescheid für Satiriker
Die außerparlamentarische Fraktion der Markranstädter Satiriker ist Hanke jedenfalls in gleich mehrfacher Hinsicht dankbar. Nicht nur, weil der Mann wirklich Humor hat und selbigen auch versteht.

Wahlplakate gibt’s noch nicht, aber diesem Motiv als Vision von einem großen Kulki hätte die Konkurrenz wenig entgegenzusetzen.
Er hat schon mal das lähmende Geplänkel der geheimnisvollen Krämerei in anderen Bewerberkreisen beschleunigt, Bewegung in den Kandidatenmarkt gebracht, Mut und Pragmatismus bewiesen und außerdem dafür gesorgt, dass es in diesem Jahr kein Sommerloch gibt.
Räumungsklage gegen das Rathaus: Muss er da schon ran?
Die erste Pointe ist dabei schon in Sichtweite. Gegen das Rathaus läuft derzeit eine Räumungsklage am Amtsgericht Borna. Wenn die Erfolg hat, könnte Hanke schon im Vorfeld der Wahl zum Einsatz kommen. Bei der Zwangsräumung in seinem künftigen Wirkungskreis kann er genau das tun, was er auf der Costa Concordia gelernt hat: klar Schiff machen. In diesem Sinne: Leinen los, Eisberg voraus!



















3 Kommentare
Na das passt doch!. Das Markranstädter Rathaus ist schließlich der erfolgreichste sächsische Ausbildungsbetrieb für Bürgermeister. Nach einem Maschinenbauer, einem Feuerlöscher, einer Alchemistin, einem Weißkittel in Camouflage und einer Busfahrerin kann man es ja auch mal mit einem Gerichtsvollzieher versuchen. Warum nicht? Sobald sie’s nach 7-jähriger Lehrzeit halbwegs drauf haben, wird für sie ein Zweckverband gegründet und der Nächste wird vereidigt. Allerdings sehe ich für die Zukunft ein Problem. So langsam gehen die artfremden Berufe aus, die einen Bürgermeister für dieses Amt qualifizieren.
Zur „Grundkompetenz“ eines Rathauschefs ist Wirklichkeit eines Menschen doch etwas dürftig. Dafür bedarf es auch schon etwas mehr an Grundkompetenz. Mit einer Schnellausbildung ist es nicht getan.
Auch wenn MH ein Schwergewicht ist, käme etwas Leichtigkeit in die 4. Etage. Auf jeden Fall kennt er sich bestens mit der Wirklichkeit aller Menschen aus, ob Kreuzfahrer mit dicker oder Mensch ohne Brieftasche. Das könnte man als Grundkompetenz eines BM ansehen.
Ein herrlicher Beitrag, da kann man sich direkt auf die nächsten MN und die kommende Wahl freuen.