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Wahljahr in Markranstädt: Gar nicht erreicht man sie am meisten

Es ist Wahljahr! Ein neuer Markranstädter Stadtrat soll gewählt werden, ebenso ein neuer sächsischer Landtag und das Europa-Parlament soll auch frisches Blut erhalten. Damit Sie sich im Berg der drohenden Wahlscheine nicht verzetteln und trotzdem noch ein zwinkerndes Auge für die Gefechte übrig haben, wollen wir in den kommenden Monaten einen satirisch geschärften Blick auf das Schlachtfeld legen. Denn die Vorgemetzel haben schon begonnen – pünktlich sogar!

Dass der moderne Wahlkampf digital und daher vor allem in den sozialen Medien ausgefochten wird, ist kein Geheimnis mehr. Schon drohen die Demografen: Wehe dem, der diese Kanäle vernachlässigt oder zu stiefmütterlich behandelt.

Wie schön, wenn man als Wähler sein Dasein in einem Kaff wie Markranstädt fristet. Hier findet der Wahlkampf noch analog statt. Muss er auch, denn in Sachen Internet erstrahlt der Regenbogen über der bunten Stadt am See vor allem in den ländlichen Vororten noch schwarz-weiß. Aber analog muss nicht unbedingt entschleunigt heißen, auch wenn der Wettlauf um Wählerstimmen hier eher einem Halbfinale bei den Paralympics gleicht. Zielsprint auf Prothesen.

In seiner Neujahrsansprache stimmte der Bürgermeister das Wahlvolk deshalb schon mal prophylaktisch auf einen analogen Wahlkampf mit berittenen Herolden im Schein von Fackeln statt Postings auf Twitter, Instagram oder Facebook ein. Zu schleppend gehe der Internet-Ausbau voran, gegenwärtig liege gerade mal der Entwurf einer Markterkundung vor.

Aber das war wohl nur ein taktisches Ablenkungsmanöver, um den politischen Gegner einzuschläfern und ihn auf die analoge Fährte zu locken. Denn nahezu zeitgleich mit dem analogen Schlaflied beim Neujahrsempfang wurde der seit 15. Juni 2018 brach liegende Facebook-Account der Freien Wähler Markranstädt mit sage und schreibe gleich zwei Einträgen wiederbelebt.

Wiederbelebungsversuch längst versandeter Informationkanäle.

Und das nicht etwa mit schnöden, allzu menschlich klingenden Neujahrswünschen an die Bürgerinnen und Bürger, die sich bis auf die SPD auch die anderen auf Facebook herumdattelnden Politvereine erfolgreich verkniffen haben. Nein, ein wahrhaft aufrüttelnder Appell zum Mitgestalten ist es, mit dem die Freien Wähler pünktlich zur Wahlkampfsaison ein neues Zeitalter der Informationskultur ausrufen.

Fünf Stunden Vorsprung

Aber die Taktik der digitalen Zermürbung des Gegners ist nicht aufgegangen. Die CDU war ganze 5 (in Worten: fünf) Stunden schneller! Im Internet-Zeitalter sind das Äonen. Die Markranstädter Christdemokraten schalteten ihre Einladung zum Mitmachen am 13. Januar schon um 12:53 Uhr (03:53 Uhr Facebook-Zeit) online und disqualifizierten die 17:51 Uhr (08:51 Uhr FB-Zeit) gepostete Neuigkeit der Freien Wähler damit zu einer Botschaft aus der Bronzezeit.

Auch hier übrigens gerade noch rechtzeitig, bevor der seit 9. November 2018 verwaiste Facebook-Account der CDU unter Denkmalschutz gestellt werden konnte.

Auch die CDU hat Facebook wiederentdeckt und lädt zum Mitgestalten ein.

Eigentlich ist es in Markranstädt nur die SPD, die durch halbwegs kontinuierliche Arbeit dafür Sorge trägt, dass ihr Internet-Engagement nicht wie ein Antrag zur Aufnahme ins digitale UNESCO-Weltkulturerbe wahrgenommen wird. Sogar Weihnachtsgrüße hatten die Sozialdemokraten für das Markranstädter Bürgertum übrig. Allerdings wird das den von der Berliner Zentrale gepackten Rucksack kaum leichter machen, zumal in dessen Seitentaschen noch immer der tonnenschwere Nachlass von Gerhard Schröder mitgeschleppt wird.

Frohe Grüße an die Leserschaft springen auch beim Aufruf des Facebook-Accounts der Markranstädter LINKEN auf den heimischen Monitor. Allerdings stammen die schon vom 31. März 2018 und sind noch mit Ostereiern garniert. Der inhaltlich etwas karg geratene Wiederbelebungsversuch vom 17. Januar 2019 mittels eines privaten Aphorismus kommt gegenüber dem plötzlichen Aktionismus der Mitbewerber dann aber doch eher etwas verhalten rüber.

Aber wenigstens sind auch bei den LINKEN noch so etwas wie die Reste eines Versuchs sichtbar, Wähler über soziale Netzwerke zu erreichen. Andere Vereine wie AfD oder die GRÜNEN haben hier noch nicht einmal ein Fragment, um das Markranstädter Publikum lokalorientiert zu informieren.

Gar nicht gehts am besten

Es ist erstaunlich, wie souverän die Parteien mit diesen Medien nicht umgehen. Ohne groß was zu tun und mit monatelangen Phasen der Inaktivität hat es die CDU immerhin auf 184 Follower gebracht, die SPD gar auf 231. Man kann das vergebene Potenzial nur ahnen, wenn man berücksichtigt, dass beide Parteien noch weit hinter den Freien Wählern liegen, die sich trotz noch längerer Schaffenspausen mit 352 Followern als digitaler Platzhirsch präsentieren.

Die Gründe liegen, statistisch gesehen, also klar auf der Hand und stellen den sozialen Netzwerken ein vernichtendes Urteil aus. Sagen doch die Zahlen eindeutig: Je weniger man die Bürger auf dem Wege sozialer Netzwerke informiert, desto mehr Bürger erreicht man damit. Oder anders gesagt: Gar nicht informiert man sie am meisten. Einfach grandios!

Vor diesem Hintergrund ist es ökonomisch eine geradezu logische Folge, dass andere digitale Populationen wie beispielsweise Twitter oder Instagramm eisern ignoriert werden. Und das, obwohl Facebook seit einiger Zeit auf der Standspur schleicht und den immer stärker werdenden Atem von Instagram schon im Nacken spürt. Zusammen bringen es beide Netzwerke deutschlandweit auf rund 50 Millionen Nutzer.

Allerdings sind auch biologische Ursachen als Grund für die Missachtung sozialer Netzwerke nicht auszuschließen. Die Macher der analogen Strategien sind meist identisch mit den Entscheidern. Als die auf dem Zenit ihrer biologischen Entwicklung standen, grasten noch Saurier im Vorgarten. Mit einem derart antiquierten Bauchgefühl im Kopf lässt sich die heutige Jugend nicht mehr erreichen, weder die Facebook-, noch die Instagram-Generation.

Die lesen keine gedruckten Flyer. Echt nicht! Sie scheitern schon an der Herausforderung, das Batteriefach zu finden oder die Bilder umzuwischen. Und Wahlplakate können sie gleich gar nicht wahrnehmen, weil ihnen durch den steten Blick aufs Handy inzwischen die genetischen Anlagen zum Heben der Köpfe abhanden gekommen sind. Sozusagen die Teenager-Variante von Morbus Bechterew.

Allein die SPD hatte Weihnachts- und Neujahrsgrüße ins soziale Netzwerk gesendet.  [Abb. (3): screenshots]

Doch statt der Jugend einen behindertengerechten Zugang zur politischen Teilhabe zu ermöglichen, verschließen sich die ergrauten Alt-Protagonisten den Möglichkeiten der Inklusion per sozialer Netzwerke. Man setzt lieber auf die altbewährte Strategie, die Johannes Gutenberg bereits im Jahre 1450 auf den Markt brachte. Hat ja bis jetzt immer geklappt, warum nicht auch die nächsten 570 Jahre? Never change a winning concept.

Wahlkampf mit Rollatoren

Wahlen, zumindest in Markranstädt, werden also vermutlich auch weiterhin die Domäne der Senioren bleiben. So richtig mit Plakat-Alleen, zugekleisterten Wänden und überfüllten Briefkästen. Und dem anschließenden Show-Rätselraten, wie man junge Menschen erreichen kann.

Dennoch dürften auch einige jener Senioren so langsam auf Distanz gehen. Nachdem sie in den letzten Monaten kommunalpolitisch geradezu eingeschläfert wurden, werden sie nun plötzlich von Mitmach-Angeboten geradezu überrumpelt. Es ist unanständig, die alten Leute so zu erschrecken. Sowas macht man einfach nicht.

 






6 Comments to Wahljahr in Markranstädt: Gar nicht erreicht man sie am meisten

  1. Manfred sagt:

    Als Gang nach Canossa bezeichnet man den Bitt- und Bußgang König Heinrichs IV. von Dezember 1076 bis Januar 1077 zu Papst Gregor der Stadt Markranstädt. Jetzt heist er bestimmt gang zum Warschauer Vertag.

  2. Manfred sagt:

    Gemeinde Schkölen und die Ewigkeitsklausel
    Die Ewigkeitsklausel oder Ewigkeitsgarantie (auch Ewigkeitsentscheidung) ist in Deutschland eine Regelung in Art. 79 Abs. 3 des Grundgesetzes (GG), die eine Bestandsgarantie für verfassungspolitische Grundsatzentscheidungen enthält. Die Grundrechte der Staatsbürger, die demokratischen Grundgedanken und die republikanisch-parlamentarische Staatsform dürfen auch im Wege einer Verfassungsänderung nicht angetastet werden. Ebenso wenig darf die Gliederung des Bundes in Länder und die grundsätzliche Mitwirkung der Länder an der Gesetzgebung berührt werden. Auf dieselbe Weise sind auch die Würde des Menschen und die Gesamtstruktur der Bundesrepublik als die eines demokratischen und sozialen Rechtsstaats geschützt.
    „Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.“

    • -st- sagt:

      Ooooookay…. Aber was wollen Sie der Lesergemeinde damit sagen? Die hier dargelegten Ausführungen könnten als Antwort von Flinten-Uschi auf die Frage nach der Sanierung der „Gorch Fock“ ebenso dienen wie als Hinweis auf eine Preissteigerung an der Tankstelle. Nein, ganz ehrlich jetzt: Schreiben Sie doch mal genauer, welches Problem sich aus dem Grundgesetz für das Dasein Schkölens im föderalen System unserer Demokratur ergibt. Es kursiert ja schon lange die Meinung, dass man die Ortschaft nach Sachsen-Anhalt verkaufen (notfalls verschenken) sollte.

  3. Iche sagt:

    Da habt Ihr ja wieder mal fein aufgepasst.
    Aber gut gebrüllt, Löwe – wo ist denn auf Eurer Seite der Link zu Twitter oder Instagram?

  4. Seppel sagt:

    Abgesehen vom lustigen Inhalt und den wahren Hintergründen finde ich es wohltuhend, daß alle ihr Fett wegkriegen und es nicht nur gegen die einen oder anderen geht. Das ist selten heute, sogar in der Qualitätspresse.
    Weiter so!

    Der Seppel

    • -st- sagt:

      Liebe(r) Iche,

      1. Wir sind das ganze Jahr online (oder tun wenigstens so). Übrigens auch auf Facebook.
      2. Weder wollen noch müssen wir gewählt werden. Wer’s nicht liest, hat halt Pech. Wer zwischen Pest und Cholera nicht wählt, der nicht.
      3. Unsere Aufforderungen zum Mitmachen und Mitgestalten werden eh ignoriert, deshalb machen wir uns gar nicht mehr die Mühe, die Menschen mit sowas zu belästigen.
      4. Wie der Beitrag ausführlich darlegt, verliert man Follower, wenn man zu aktiv ist. Also ruhig mal einen Schritt kürzer treten. Daran arbeiten wir noch. Hier geben uns die Gewähltwerdenwollenden in der Tat ein leuchtendes Beispiel.
      😉 😉 😉

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